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3-Monats-Koliken

3-Monats-Koliken: Nie wieder stundenlanges Schreien!

Inhaltlich geprüft von Hebamme Nadine Beermann.

„3-Monats-Koliken“ – ein Sammelbegriff für heftiges, lang anhaltendes und scheinbar grundloses Schreien beim Baby. Das stundenlange Weinen laugt aus, nichts hilft. Aber: Was meist auf Bauchschmerzen und Blähungen geschoben wird, hat oft andere Gründe. Welche das sind und wie du dir und deinem Baby helfen kannst, erfährst du in diesem Artikel.

Das Wichtigste in Kürze

  • 3-Monats-Koliken betreffen etwa 20 bis 30 Prozent der Babys
  • Dauer: bis drei Monate, manchmal länger
  • Blähungen und Bauchschmerzen sind oft gar nicht das Problem
  • Meist sind Anpassungsschwierigkeiten nach der Geburt schuld, die ihr mit ein paar Tricks in den Griff bekommen könnt.
  • Prüfe auch Unverträglichkeiten und das KiSS-Syndrom

Etwa 20 bis 30 Prozent der Babys leiden unter diesen Dreimonatskoliken, Jungs häufiger als Mädchen. Sie sind nicht nur für das Baby belastend: Viele Eltern fühlen sich vollkommen überfordert. Wer schon einmal stundenlanges Babygeschrei miterlebt hat, kann das wahrscheinlich gut nachvollziehen.

In der Kinderarztpraxis heißt es meist: „Das sind nur die 3-Monats-Koliken, da müssen Sie durch. In drei Monaten ist alles vorbei“. Doch reicht das als Antwort wirklich aus? Müsst ihr die Erklärung als Eltern so hinnehmen oder könnt ihr eurem Baby nicht doch irgendwie helfen?

Doch, könnt ihr – aber alles der Reihe nach.

Wichtig: es gibt keine eindeutig bekannte Ursache für die 3-Monats-Koliken. Das Geschrei beginnt meist um die zweite Woche und lässt bei vielen Babys nach 3 bis 4 Monaten deutlich nach. Lass uns nach der Ursache bei deinem Baby suchen. Geh am besten die folgende Liste der Reihe nach durch.

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1. Sind Blähungen und Bauchschmerzen schuld an den 3-Monats-Koliken?

Das Verdauungssystem ist in den ersten 3 Monaten noch nicht ausgereift und muss sich erst entwickeln. Wenn dein Kind wirklich Blähungen hat, erkennst du das recht einfach:

  • Dein Baby hat einen verhärteten Bauch,
  • zieht krampfhaft die Beine an den Bauch
  • und versucht dabei zu pupsen,
  • aber es passiert nichts.

Hat die Nahrung der Mutter etwas damit zu tun? Eher selten. Kohl, Brokkoli und Hülsenfrüchte verursachen in den wenigsten Fällen Blähungen beim Baby. Hast du trotzdem den Verdacht? Dann kannst du es selbst überprüfen:

Verzichte ein paar Tage auf blähende Lebensmittel. Solltest du keine Veränderung feststellen, fällt es als Grund raus und du musst weiter nach dem Ausschlussprinzip vorgehen.

Wie trinkt dein Baby?

Blähungen beim Baby entstehen meist dadurch, dass es zu viel Luft beim Trinken schluckt. Das Problem dabei: überschüssige Luft kann nicht immer durch Aufstoßen (Bäuerchen) entweichen. Dann muss sie den langen Weg durch den Darm nehmen. Wenn sich die Pupse im Liegen verklemmen, tut das weh.

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Achte deshalb auf den Stillvorgang: Leg dein Baby so an, dass es möglichst wenig Luft mit der Milch aufnimmt. Wenn es ideal angelegt ist, sollte es eigentlich gar keine Luft schlucken. Eine Stillberaterin kann dir helfen, die richtige Position zu finden. Füttern solltest du bei den ersten Hungerzeichen und nicht erst, wenn dein Baby so hungrig ist, dass es hektisch wird. Wenn das nicht reicht, kannst du dein Kleines beim Trinken häufiger aufstoßen lassen und nicht nur am Ende. Ist dein Milchspendereflex sehr stark? Dann streiche die Brust vorher etwas aus.

Wenn du deinem Baby ein Fläschchen gibst, lass es nach der Zubereitung noch ein paar Minuten stehen, sodass sich die Schaumblasen auflösen können, die beim Schütteln entstanden sind. Die sind nämlich nichts anderes als Luft, die dein Baby schluckt. Alternative: Fläschchen im Kreis schwenken, statt wild drauflos zu mixen. Außerdem sollte das Loch des Saugers nicht zu groß sein, da sich dein Baby sonst schnell verschlucken kann.

Schnelle Hilfe bei akuten Blähungen

Wenn dein Baby unter akuten Blähungen leidet, ist es wichtig, dass du schnell reagierst. Mit der nachfolgenden Checkliste hast du schnelle Hilfe an der Hand, die du ausprobieren kannst.

  • Wärmekissen: Erwärme ein Dinkel- oder Kirschkernkissen auf der Heizung oder im Ofen (nicht zu heiß!) und leg es vorsichtig auf den Bauch des Babys.
  • Massage: Reibe das Bäuchlein mit Öl ein und führe eine entspannende Massage um den Bauchnabel herum im Uhrzeigersinn durch.
  • Warmes Bad: Ein warmes Bad kann helfen, dass sich der Bauch entspannt.
  • Kümmelsud: Kümmelsud kann eine gute Hilfe sein. Heißes Wasser wird über Kümmelsamen gegossen, der Sud zieht kurz und wird nach dem Abkühlen über den Löffel verabreicht. Auch Fenchelextrakt kann helfen. Alternative für Flaschenkinder: Fläschchen mit Fenchel-, Anis-, Kümmeltee anrühren.
  • Fliegergriff: Der Fliegergriff sorgt mit etwas Druck dafür, dass sich die Winde im Bauch lösen.
  • Tragetuch: Einige Babys beruhigen und entspannen sich, wenn sie eng am Körper von Mama oder Papa im Tragetuch sind. Außerdem gehen Pupse so leichter ab, als im Liegen.
  • Probiotika: als mittelfristige Lösung können spezielle Probiotika für Babys die Darmflora positiv beeinflussen. Lass dich am besten von einer Hebamme beraten.
  • Schaumlöser: Die Wirksamkeit schaumlösender Medikamente ist übrigens nicht nachgewiesen

2. Sind Laktoseintoleranz oder Kuhmilchunverträglichkeit der Grund für die 3-Monats-Koliken?

Meinst du, es könnte mit der Milch zusammenhängen? Gut möglich. Dafür kann es zwei Gründe geben:

  1. Etwa 1 bis 3 Prozent der vollgestillten Kinder leiden unter einer Kuhmilchallergie. Verzichte, wenn du stillst, einfach für eine gute Woche auf alle Kuhmilchprodukte und schau, ob sich etwas verändert.
  2. Wenn es sich um eine Laktoseintoleranz handelt, müsstest du die Muttermilch abpumpen und ihr das Enzym Laktase zusetzen oder auf spezielle Fläschchennahrung umsteigen. Das kannst du dann jedoch mit einem Kinderarzt im Detail besprechen.
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Erhält dein Baby Muttermilchersatz und leidet unter einer Kuhmilchallergie oder einer Laktoseintoleranz, dann solltest du seine Nahrung umstellen. Es gibt Spezialnahrung, die in der Regel auf Sojaprotein basiert und gut verträglich ist. Gut zu wissen: Bei nachgewiesenem Bedarf zahlen die Krankenkassen. Zum Glück, denn sie ist teuer.

3. Hat dein Baby ein KiSS-Syndrom anstelle von 3-Monats-Koliken?

Mit dem KiSS-Syndrom ist eine Fehlstellung der Kopfgelenke gemeint, die dem Baby Schmerzen bereiten kann. Das tritt meist bei komplizierten oder sehr schnellen Geburten auf. Wurde dein Kind mit der Saugglocke oder Zange zur Welt geholt? War es ein ungeplanter Kaiserschnitt? Dann solltest du dich mit dem KiSS-Syndrom näher befassen. Häufigste Symptome sind eine einseitige Haltung (wenn das Baby eine „Lieblingsseite“ hat) und wenn das Baby in Rückenlage wie ein „C“ liegt. Das KiSS-Syndrom ist therapierbar – nähere Infos dazu gibt es in diesem Artikel.

Aber auch andere Blockaden können schuld an den Schmerzen sein. Ein auf Kinder spezialisierter Osteopath kann solche Probleme erkennen und oft innerhalb weniger Sitzungen richten. Manche Krankenkassen übernehmen einen guten Teil davon. Aber auch sonst kann sich die Investition lohnen. Je früher du das Baby vorstellst, desto besser.

4. Wenn alle Punkte nicht als Erklärung für die 3-Monats-Koliken ausreichen …

Bei den meisten Babys ist es aber eine Anpassungsschwierigkeit. Sie waren monatelang in einem abgedunkelten, gemütlichen Raum, haben so etwas wie Hunger oder Müdigkeit nicht gekannt und Geräusche „von außen“ nur sehr gedämpft wahrgenommen. Mit der Geburt hat sich für sie jedoch ALLES geändert: Überall gibt es unterschiedliche Geräusche, das Licht ist viel greller, Hunger verdirbt ihnen die Laune und kuschlig warm ist es auch nicht immer. Das ist für viele Babys einfach zu viel auf einmal. Sie schreien ihren Missmut in die Welt. Durch den Stress können sogar Verdauungsprobleme erst entstehen.

Eine solche Reizüberflutung erkennst du häufig durch lange Schreistunden am Abend. Viele solcher Babys finden schlecht in den Schlaf, obwohl sie eigentlich müde sind.

So hilfst du deinem Baby bei Anpassungsschwierigkeiten

Versuche den Mutterleib nachzuahmen und gib deinem Baby ein Stück Sicherheit und Geborgenheit zurück. Versuche folgende Strategien miteinander zu kombinieren und du wirst sehen, dass dein Baby deutlich weniger und kürzer schreit und auch du viel entspannter wirst:

  • Baby tragen: Trage dein Baby in einem Tragetuch direkt am Körper. Egal, ob bei Mama oder Papa, der Körperkontakt ist wichtig und das enge Umschließen durch das Tragetuch. Achte darauf, dass der Kopf vom Tuch schön gehalten wird und ruhig wenig Freiheiten hat, um sich in der Welt umzuschauen. In den ersten Wochen geht es noch gar nicht darum, die Welt zu erkunden, sondern mit ihr klarzukommen. Sicherheit und Geborgenheit sind hier wichtiger. Schirme es also mit dem Tuch ruhig von äußeren Einflüssen ab. Wenn das Baby irgendwann mehr sehen und sich die Welt anschauen möchte, wirst du es schon bemerken und kannst die Trageweise verändern oder es mit einem Kinderwagen probieren.
  • Pucken: Beim Pucken geht es darum, das Baby möglichst eng und fest in ein Tuch zu wickeln. Achte darauf, dass sich die Arme nicht befreien können, ansonsten hat das Pucken keinen Effekt. Du kannst damit eine Begrenzung schaffen, die das Baby schon aus dem Mutterleib kennt. Lege es jedoch nicht ab, sondern nimm es auf den Arm! Zum Pucken kannst du ein einfaches Tuch verwenden. Es gibt auch spezielle Pucksäcke, die jedoch nicht nötig sind.
  • Seiten- und Bauchlage: Einige Babys hassen die Rückenlage. Versuch es also mit der Bauch- oder Seitenlage. Die Bauchlage kannst du mit dem Fliegergriff umsetzen oder auch im Babybett. Eine ganze Zeit lang war das Bauchschlafen bei so jungen Babys sehr verschrien, einen belegten Zusammenhang zwischen dem Plötzlichen Kindstod und der Bauchlage gibt es jedoch nicht. Entscheide selbst, was für dein Baby das Beste ist. Einige Eltern berichten, dass das Schlafen in Bauchlage für ihr Baby sehr viel angenehmer ist. Die Seitenlage erreichst du mit einem zusammengerollten Handtuch, das du unter den Rücken deines Babys schiebst. Am sichersten ist das, wenn ihr im selben Zimmer schlaft.
  • Weißes Rauschen: Beruhige dein Baby, indem du lange und ausdauernd ein Schhhhh-Geräusch machst. Laut und lange. Du ahmst damit weißes Rauschen nach (wie bei einem Radio, wenn gerade kein Sender eingestellt ist). Auf Dauer wird das allerdings anstrengend – du kannst dir alternativ auch unsere MP3-Dateien kostenlos herunterladen und abspielen.
  • Schaukeln: Schaukle (Nicht schütteln!) dein Baby, wenn du es auf dem Arm hast. Viele Eltern berichten, dass ein Hoch-Runter-Schaukeln am effektivsten ist. Achte darauf, dass der Kopf gestützt ist und wippe auf und ab – jedoch nicht zu langsam, sondern eher als würdest du zittern. Der Kopf des Babys sollte dabei ein wenig wackeln, als würdest du mit dem Auto über Kopfsteinpflaster fahren. Nochmal der Hinweis: Niemals das Kind schütteln, sondern nur leicht schaukeln.
  • Saugen: Lass dein Baby an deinem Finger oder einem Schnuller saugen, das beruhigt es ebenfalls. Wenn es den Schnuller noch nicht nimmt, dann übe: Sobald das Baby leicht daran saugt, ziehe etwas am Schnuller. Im Idealfall saugt das Baby dann stärker, um ihn im Mund zu behalten und lernt das Saugen.

Fazit zu 3-Monats-Koliken

Bei fast allen Babys, die an „3-Monats-Koliken“ leiden, trifft Punkt Nummer 4 zu. Es ist trotzdem sinnvoll, alle Punkte zu prüfen, um dem Baby wirklich zu helfen.

Merke: Wenn du durch Wippen, Pucken oder Geräusche dein Baby beruhigen kannst, dann hat es keine Schmerzen. Schmerzschreie würden davon nicht aufhören.

FAQ – Häufig gestellte Fragen

Wie lange dauern die 3-Monats-Koliken?

Bei den meisten Babys klingen die Koliken nach drei Monaten deutlich ab. Viele Eltern berichten sogar davon, dass es ziemlich genau nach drei Monaten war. Bei anderen Babys dauert es vier Monate oder teilweise auch länger.

Darf ich Medikamente zur Beruhigung geben?

Auch wenn dein Leidensdruck wahrscheinlich sehr groß ist, solltest du auf Medikamente verzichten. Das viele Schreien deines Babys wird dich sicher stark belasten, aber dein Baby solltest du nie mit Medikamenten beruhigen. Damit schadest du deinem Baby wahrscheinlich nur.

Was ist deine Erfahrung mit den 3-Monats-Koliken? Schreib uns einen Kommentar!

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Quellen

So entwickelt sich dein Baby - der Babelli Newsletter!

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