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Hinterwandplazenta: Welche Folgen hat sie?

Modell eines Fötus im Mutterleib zur Darstellung der Hinterwandplazenta
Eine Hinterwandplazenta hat kaum Einfluss auf die Schwangerschaft. / Bild © H_Ko, Adobe Stock

Bei dir wurde eine Hinterwandplazenta festgestellt? Wir erklären dir, was das für dich, deine Schwangerschaft und dein Baby bedeutet, und beantworten die wichtigsten Fragen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Hinterwandplazenta (posteriore Plazenta) liegt an der hinteren Wand der Gebärmutter.
  • Die Lage entsteht zufällig durch den Ort der Einnistung der befruchteten Eizelle und ist nicht vorhersagbar.
  • Die Lage hat kaum Einfluss auf die Schwangerschaft. Kindsbewegungen sind meist normal früh spürbar (ca. 18. bis 20. SSW).
  • Für die Geburt (auch Kaiserschnitt) meist unproblematisch. Selten kann die Ultraschall-Darstellung oder bestimmte pränatale Diagnostik erschwert sein.
  • Wichtiger als vorn oder hinten ist, wie hoch oder tief die Plazenta liegt.

Was ist eine Hinterwandplazenta?

Der Begriff Hinterwandplazenta (auch: posteriore Plazenta) beschreibt, an welcher Stelle der Gebärmutter der Mutterkuchen sitzt. Wie der Name schon sagt, ist es in diesem Fall die hintere Gebärmutterwand. Andere mögliche Plazentalagen sind die Vorderwand (anterior) sowie die rechte und linke Seitenwand. Außerdem wird unterschieden, ob die Plazenta besonders hoch (fundale Plazenta) oder besonders tief sitzt (Plazenta praevia).

Wie häufig ist die Hinterwandplazenta?

Die Vorderwandplazenta kommt mit etwa der Hälfte aller Schwangerschaften am häufigsten vor, knapp gefolgt von der Hinterwandplazenta (Quelle). Bei den Ultraschalluntersuchungen kontrolliert die Frauenärztin oder der Frauenarzt die Position der Plazenta regelmäßig und dokumentiert sie im Mutterpass. HW steht in diesem Fall für Hinterwandplazenta.

Wo sich die Plazenta anheftet, hängt davon ab, an welcher Stelle sich die befruchtete Eizelle in die Wand der Gebärmutter einnistet. Aus der Eizelle entwickeln sich nach der Einnistung der Embryo und die Plazenta. Warum sich die Eizelle bei manchen Frauen an der Vorderwand, bei anderen an der Hinter- oder Seitenwand einnistet, ist bis heute nicht geklärt. Und da man den Grund dafür nicht kennt, lässt sich die Plazentalage nach der aktuellen Studienlage weder bei der Erst- noch bei Folgeschwangerschaften vorhersagen.

Hinterwandplazenta, oder auch: posteriore Plazenta
Hinterwandplazenta, oder auch: posteriore Plazenta / Grafik © rumruay, Adobe Stock

Ich habe eine Hinterwandplazenta – was bedeutet das…

… für die Schwangerschaft?

Du musst dir wirklich gar keine Gedanken darüber machen, ob deine Plazenta nun vorn, hinten, rechts oder links in der Gebärmutter sitzt. Für die Schwangerschaft hat die Lage des Mutterkuchens kaum Bedeutung. Solange alles unauffällig ist und deine Plazenta richtig funktioniert – und das wird bei den regulären Ultraschalluntersuchungen überprüft –, wird dein Kind optimal mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt, ganz egal, an welcher Seite der Mutterkuchen sitzt. 

Wann spüre ich bei einer Hinterwandplazenta die Kindsbewegungen?

Eine posteriore Position der Plazenta verzögert den Zeitpunkt der ersten spürbaren Kindsbewegungen nicht. Das heißt, zwischen der 18. und 20. SSW könntest du die ersten sanften Tritte deines Babys an der Bauchdecke wahrnehmen.

Eine Vorderwandplazenta wirkt dagegen wie ein Stoßdämpfer zwischen dem Ungeborenen und der Bauchdecke. Die ersten Bewegungen des Babys sind dann meist erst ab der 20. SSW zu spüren.

Mögliche Einschränkungen bei einer Hinterwandplazenta

In seltenen Fällen kann es sein, dass die Plazenta an der Hinterwand nicht so gut darstellbar ist per Ultraschall und Dopplersonografie. Das passiert vorwiegend dann, wenn weitere Faktoren, wie Fettleibigkeit, eine ungünstige Kindslage oder zu wenig Fruchtwasser, die Bildgebung zusätzlich stören. Bei Verdacht auf eine Fehlfunktion der Plazenta (Plazentainsuffizienz) oder eine Plazentaablösung kann dann ein MRT nötig werden.

Weiterhin könnte eine Lage an der Hinterwand einige pränataldiagnostische Untersuchungen, wie die Chorionzottenbiopsie, erschweren. Im Zweifel haben die Ärzte dann aber die Möglichkeit, die benötigten Gewebeproben auch vaginal zu entnehmen.

Bei der Chorionzottenbiopsie (Plazentapunktion) wird Plazentagewebe entnommen und auf Chromosomenstörungen oder Erbkrankheiten untersucht. Sie ist eine mögliche Folgeuntersuchung, wenn das Ersttrimesterscreening einen auffälligen Befund zeigt oder es in der Familie bestimmte genetische Erkrankungen gibt.

… für die Geburt?

Für die Geburt spielt eine Hinterwandplazenta keine Rolle. Solange medizinisch nichts anderes dagegen spricht, kannst du dein Baby natürlich gebären. Auch für einen Kaiserschnitt, sollte er gewünscht oder erforderlich werden, stellt die Hinterwandplazenta kein Problem dar. Eine Vorderwandplazenta dagegen kann unter Umständen spezielle Operationstechniken nötig machen, um die Plazenta bei der Schnittentbindung nicht zu verletzen.

Wichtiger als die Lage ist die Höhe der Plazenta

Viel wichtiger als die Lage an der Vorder- oder Hinterwand ist die Höhe der Plazenta. Sie kann besonders hoch sitzen, dann spricht man von einer fundalen Plazenta. Normalerweise bereitet sie keine Probleme. Anders sieht es dagegen bei einer besonders tief liegenden Plazenta aus. 

Die Plazenta praevia kann verschiedene Ausprägungen haben und sowohl bei einer Vorder-, einer Hinter- oder Seitenwandplazenta auftreten. Liegt der Mutterkuchen sehr nahe am Muttermund oder bedeckt er ihn, kann das verschiedene Beschwerden auslösen. Außerdem sind mit der Plazenta praevia einige Risiken und Komplikationen verbunden. Welche, erfährst du in unserem Artikel:

Fazit zur Hinterwandplazenta

Du kannst völlig beruhigt sein! Ob der Arzt oder die Ärztin eine Vorder- oder Hinterwandplazenta bei dir feststellt, ist kaum von Bedeutung. Solange sie nicht zu nah am Muttermund sitzt, wird die Position der Plazenta wahrscheinlich keinerlei Auswirkungen auf den Verlauf deiner Schwangerschaft oder die Geburt deines Babys haben.

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Quellen

✔ Inhaltlich geprüft am 03.01.2023
Dieser Artikel wurde von Emely Hoppe geprüft. Wir nutzen für unsere Recherche nur vertrauenswürdige Quellen und legen diese auch offen. Mehr über unsere redaktionellen Grundsätze, wie wir unsere Inhalte regelmäßig prüfen und aktuell halten, erfährst du hier.

Veröffentlicht von Carolin Severin

Carolin ist zweifache Mama und leidenschaftliche Familien-Redakteurin. Sie beschäftigt sich schon seit über 10 Jahren hauptberuflich mit allem, was (werdende) Eltern interessiert. Bei Babelli versorgt sie euch mit Informationen und News rund ums Thema Schwangerschaft. Dabei ist es ihr besonders wichtig, komplexe medizinische Themen verständlich und sensibel aufzubereiten und dabei möglichst Sorgen und Ängste zu nehmen. Dafür arbeitet sie eng mit unserer Expertin Hebamme Emely Hoppe zusammen.