Soll dein Baby durchschlafen, tut es aber nicht – und du bist völlig übermüdet? So wie dir geht es den meisten Eltern. Zwei Drittel der Babys zwischen 9 und 12 Monaten wachen nachts immer noch einmal oder öfter auf. In den ersten Lebensmonaten sind es sogar fast alle.
Wir haben ein paar Tipps zusammengetragen, wie eure Nächte wieder etwas entspannter werden können und du dein Baby liebevoll beim Schlafen unterstützt. Eine Garantie gibt es leider nicht, denn Babys schlafen nicht nach Plan. Aber manchmal reichen schon kleine Veränderungen, damit alle ein bisschen mehr Ruhe finden.
Wir legen dir übrigens sehr unseren Babyschlafkurs ans Herz. Darin zeigen dir unsere Schlafexpertinnen alles zum Babyschlaf und wie die Einschlafbegleitung entspannter und eure Nächte ruhiger werden:

Was bedeutet Durchschlafen bei Babys?
Wenn wir Erwachsenen von Durchschlafen reden, meinen wir meistens: abends ins Bett gehen und morgens nach etwa 8 Stunden gut erholt wieder aufwachen (schön wär’s, oder?).
Auf Babys lässt sich das nicht so einfach übertragen. Ihre Schlafzyklen sind kürzer, sie wechseln häufiger zwischen Leicht- und Tiefschlaf und ihr Gehirn entwickelt sich in rasantem Tempo. Viele Babys brauchen nachts noch Nahrung, Nähe oder Hilfe, um wieder in den Schlaf zu finden.
Aber wie viele Stunden bedeutet Durchschlafen beim Baby denn nun? Medizinisch wird oft schon von Durchschlafen gesprochen, wenn ein Baby etwa 5 bis 6 Stunden am Stück schläft, ohne richtig wach zu werden. Der Rest der Nacht darf trotzdem unruhig sein. Reine Definitionssache also.
Ab wann schlafen Babys durch?
Das ist sehr unterschiedlich und lässt sich nicht pauschal beantworten. Manche Babys schlafen schon nach wenigen Wochen längere Strecken. Andere nach zwei bis drei Monaten. Wieder andere erst nach einem halben Jahr – und manche auch deutlich später.
Viele Babys schaffen irgendwann im zweiten Lebenshalbjahr längere Schlafphasen von 5 bis 8 Stunden. Gleichzeitig erleben manche Eltern genau dann das Gegenteil: Das Baby, das vorher gut geschlafen hat, wird plötzlich wieder häufiger wach.
Das kann viele Gründe haben: Entwicklungsschübe, Zahnen, Krankheit, Trennungsangst, neue motorische Fähigkeiten, Beikoststart oder einfach ein veränderter Schlafbedarf.
Gut zu wissen: Stillbabys wachen nachts oft etwas häufiger auf. Muttermilch ist leicht verdaulich, und Stillen ist nicht nur Nahrung, sondern auch Nähe, Regulation und Sicherheit. Das klingt manchmal unpraktisch, ist aber nicht „falsch“ und schon gar kein Zeichen dafür, dass dein Baby schlechte Schlafgewohnheiten hat. Und nächtliches Abstillen ist kein Garant für ruhigere Nächte.
Tipps zum Durchschlafen für Babys und ihre Eltern
1. Gar nicht erst ganz wach werden lassen
Wenn ein Baby nachts Hunger hat oder Nähe braucht, macht es sich oft schon bemerkbar, bevor es richtig wach ist. Es wird unruhig, dreht den Kopf, schmatzt, wühlt oder gibt kleine Laute von sich.
Wenn du dein Baby in dieser Phase stillst, fütterst oder beruhigst, schläft es manchmal schneller weiter, als wenn es erst richtig wach wird und weint. Das klappt natürlich nicht immer. Aber wenn ihr im selben Raum schlaft, kannst du solche frühen Signale leichter wahrnehmen.
Stillen ist nachts oft besonders praktisch, weil du dein Baby schnell anlegen kannst. Wenn dein Baby die Flasche bekommt, bereite alles so vor, dass du nachts nicht lange suchen musst. Wichtig: Säuglingsmilch sollte immer genau nach Packungsangabe zubereitet werden. Bitte verdünne Pre-Nahrung nicht mit zusätzlichem Wasser, auch nicht zum nächtlichen Abgewöhnen. Ist dein Baby unter einem Jahr alt, braucht es die zusätzlichen Nährstoffe vielleicht noch, die es bisher gewohnt war. Nach dem 1. Geburtstag darf das nächtliche Fläschchen bei vielen Kindern dann gern Wasser enthalten.
Wenn dein Baby einen Schnuller nutzt, kann es helfen, mehrere davon griffbereit zu haben. Ab etwa 8 Monaten schaffen es manche Babys schon, ihren Schnuller selbst wiederzufinden. Dann kannst du mehrere Schnuller ans Kopfende legen, sofern dein Baby damit sicher umgehen kann.
Zusätzliche Getränke sind für Babys normalerweise nicht nötig. Muttermilch oder Säuglingsmilch reichen völlig aus. Wenn dein Baby schon drei Mahlzeiten Beikost isst und nachts wirklich Durst hat, kannst du ihm bei Bedarf etwas Wasser anbieten. Tee sollte kein routinemäßiges Nachtgetränk sein, sondern nur gezielt und sinnvoll eingesetzt werden.

2. Nähe ermöglichen
Dein Baby schläft im eigenen Bett und wird nachts ständig wach? Vielleicht braucht es gerade noch mehr Nähe, als du erwartet hast. Das ist anstrengend, aber nicht ungewöhnlich.
Manche Babys schlafen ruhiger, wenn sie ihre Bezugsperson in der Nähe spüren. Ein Beistellbett kann dafür eine gute Lösung sein: Dein Baby liegt nah bei dir, hat aber seine eigene Schlafunterlage. Du kannst es beruhigen, streicheln oder zum Stillen zu dir nehmen, ohne jedes Mal komplett aufzustehen.
Manche Familien entscheiden sich auch für das Familienbett. Wenn das euer Weg ist, ist es wichtig, den Schlafplatz so sicher wie möglich zu gestalten.
Achte dann besonders darauf:
- Dein Baby schläft auf dem Rücken.
- Die Matratze ist fest und eben.
- In Babys Nähe liegen keine losen Decken, Kissen, Nestchen, Kuscheltiere oder Stillkissen.
- Dein Baby trägt am besten einen passenden Schlafsack.
- Niemand im Bett hat Alkohol getrunken, Drogen genommen oder sedierende Medikamente eingenommen.
- Es wird nicht geraucht.
- Dein Baby schläft nicht auf dem Sofa, Sessel oder einer sehr weichen Unterlage.
- Frühgeborene oder sehr kleine Babys sollten besonders geschützt schlafen. Lass dich dazu individuell beraten.
Die aus ärztlicher Sicht sicherste Empfehlung bleibt: Baby im eigenen Bett oder Beistellbett im Elternschlafzimmer. Aber gerade, weil Eltern nachts manchmal ungewollt einschlafen, ist es besser, ehrlich über sichere Bedingungen zu sprechen, statt das Thema Familienbett nur zu verbieten.
3. Unruhige Schläfer anders betten
Ganz anders sieht es aus, wenn dein Baby sehr unruhig schläft – oder wenn ihr euch im Familienbett ständig gegenseitig weckt. Manche Babys brauchen Nähe. Andere schlafen ruhiger, wenn sie etwas mehr Platz haben.
Wenn dein Baby sich ständig hin und her wirft, tritt, wühlt oder bei jeder Bewegung von dir wach wird, kann ein eigener Schlafplatz helfen. Das muss nicht gleich das Kinderzimmer sein. Oft reicht schon ein Beistellbett, ein eigenes Babybett direkt neben deinem Bett oder etwas mehr Abstand im Elternschlafzimmer.
Du kannst dich langsam herantasten:
Erst Beistellbett. Dann Babybett neben dem Elternbett. Dann vielleicht etwas weiter weg im Schlafzimmer.
Manche Babys schlafen auch im eigenen Zimmer besser, weil sie durch Schlafgeräusche der Eltern aufwachen. Für die ersten Monate wird jedoch empfohlen, dass Babys im Elternschlafzimmer auf einer eigenen Schlafunterlage schlafen. Wenn du unsicher bist, sprich mit deiner Kinderärztin, deinem Kinderarzt oder deiner Hebamme.
Und wenn es nicht klappt? Dann war dein Baby vielleicht einfach noch nicht so weit. Schlafentwicklung verläuft selten geradlinig. Was heute unmöglich scheint, kann in ein paar Wochen schon ganz anders aussehen.
4. Tag und Nacht unterschiedlich gestalten
Manche Babys haben auch nach zwei bis drei Monaten den Unterschied zwischen Tag und Nacht noch nicht richtig verinnerlicht. Oder sie hatten schon einen Rhythmus – und nach einem Entwicklungsschub ist plötzlich wieder alles durcheinander.
Hier kann es helfen, Tag und Nacht klarer voneinander zu unterscheiden.
Tagsüber darf es hell, lebendig und geräuschvoll sein. Dein Baby darf Alltagsgeräusche mitbekommen, frische Luft tanken und erleben, dass jetzt Wachzeit ist.
Nachts dagegen gilt: langweilig bleiben. Dunkles Zimmer, wenig Licht, leise Stimme, keine Spielrunde. Manchen hilft auch das Baden als Ritual – vielleicht verbunden mit einer kleinen Massage –, um zur Ruhe zu kommen. Wenn du wickeln musst, bereite alles so vor, dass es schnell und ruhig geht. Ist die Windel nur nass und dein Baby schläft fast wieder, musst du es nicht immer komplett wach wickeln – sofern die Haut gesund ist und nichts ausläuft.
Diese Unterscheidung hilft vielen Babys nach und nach, ihren Tag-Nacht-Rhythmus zu stabilisieren.
5. Schlafbedarf beobachten, statt starr nach der Uhr zu gehen
Einige Babys liegen nachts wach, weil sie schlicht nicht müde genug sind, um weiterzuschlafen. Das kann daran liegen, dass sie tagsüber sehr viel schlafen oder insgesamt zu lange im Bett liegen.
Manchmal ändert sich der Schlafbedarf ganz plötzlich. Ein Schläfchen wird zu viel. Die Wachzeiten werden länger. Oder dein Baby braucht abends später Schlaf, obwohl es vorher immer früh müde war.
Wenn du den Eindruck hast, dass euer Rhythmus nicht mehr passt, kann ein Schlafprotokoll helfen. Notiere etwa zwei Wochen lang:
- Wann schläft dein Baby ein?
- Wie lange schläft es tagsüber?
- Wann ist es nachts wach?
- Wie lange dauert das Einschlafen?
- Wann wirkt es wirklich müde?
Danach erkennst du oft besser, ob kleine Anpassungen helfen könnten. Vielleicht muss das letzte Schläfchen etwas kürzer werden. Vielleicht ist die Bettgehzeit zu früh. Vielleicht braucht dein Baby morgens einen klareren Start in den Tag.
Bitte kürze Schlaf aber nicht radikal. Übermüdete Babys schlafen meistens nicht besser, sondern schlechter. Es geht nicht darum, dein Baby „müde zu machen“, sondern den passenden Rhythmus zu finden.
6. Nächtliches Stillen oder Füttern liebevoll anschauen
Wenn dein Baby nachts sehr häufig trinken möchte, kann das viele Gründe haben: Hunger, Nähe, Zahnen, Krankheit, Entwicklung, Einschlafhilfe – oder alles zusammen.
Gerade im ersten Lebensjahr ist nächtliches Stillen oder Füttern nichts Ungewöhnliches. Stillen nach Bedarf ist auch nachts in Ordnung. Und auch Babys, die die Flasche bekommen, dürfen nach Bedarf gefüttert werden.
Ab etwa 6 Monaten können manche Babys längere Zeit ohne Milch auskommen. Andere brauchen nachts weiterhin Nahrung, vor allem wenn sie wenig Beikost essen, gerade wachsen, krank sind oder noch sehr klein sind. Mit etwa einem Jahr brauchen viele Kinder nachts körperlich weniger Nahrung – aber auch das ist individuell.
Wenn du völlig erschöpft bist und etwas ändern möchtest, darfst du das ernst nehmen. Es ist kein Verrat an deinem Baby, wenn du nach mehr Schlaf suchst. Aber nächtliches Abstillen oder das Reduzieren von Flaschenmahlzeiten sollte liebevoll, altersgerecht und ohne Druck passieren.
Beim Stillen kann es helfen, zunächst nur eine längere Stillpause einzuführen, statt die ganze Nacht auf einmal zu verändern. Manche Familien legen fest: In der ersten Nachthälfte begleitet der andere Elternteil das Baby, tröstet, trägt, kuschelt oder bietet Wasser an, wenn das Kind schon alt genug dafür ist. Später wird wieder gestillt.
Das kann ein paar Nächte anstrengend sein. Dein Baby darf traurig oder wütend sein, wenn sich etwas verändert. Entscheidend ist, dass es dabei nicht allein gelassen wird. Liebevolle Begleitung bedeutet nicht, jeden Wunsch sofort genauso zu erfüllen wie bisher. Aber es bedeutet: Dein Baby muss mit seiner Not nicht allein zurechtkommen.
Und wenn nichts hilft?
Dann liegt es sehr wahrscheinlich nicht daran, dass du etwas falsch machst.
Babyschlaf ist Entwicklung. Er verändert sich immer wieder. Was bei anderen funktioniert, muss bei euch nicht passen. Manche Babys schlafen mit 4 Monaten längere Strecken. Andere brauchen mit 12 Monaten noch viel Begleitung. Beides kann normal sein.
Wenn du aber dauerhaft an deine Grenzen kommst, hol dir Hilfe. Sprich mit deiner Hebamme, deiner Kinderärztin, deinem Kinderarzt oder einer qualifizierten Schlafberatung, die bindungsorientiert und ohne Schreienlassen arbeitet.
Manchmal braucht nicht das Baby ein Schlaftraining, sondern die Familie mehr Entlastung: tagsüber Schlaf nachholen, Aufgaben abgeben, Nächte aufteilen, Besuch begrenzen, früher ins Bett gehen oder Unterstützung organisieren.
Denn auch dein Schlaf zählt.
Fazit
Durchschlafen ist bei Babys kein Ziel, das man einfach antrainieren kann. Es ist ein Reifungsprozess – und jedes Kind hat dabei sein eigenes Tempo.
Trotzdem kannst du eure Nächte ruhiger gestalten: durch frühes Reagieren, sichere Nähe, einen passenden Schlafplatz, klare Unterschiede zwischen Tag und Nacht und einen Rhythmus, der wirklich zu deinem Baby passt.
Nächtliches Stillen oder Füttern ist im ersten Lebensjahr normal. Wenn du etwas verändern möchtest, mach es liebevoll und gut informiert. Ohne verdünnte Fläschchen, ohne Druck und ohne schlechtes Gewissen.
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Quellen
- Elizabeth Pantley: Schlafen statt Schreien: Das liebevolle Einschlafbuch, Trias Verlag, 2. Auflage vom 26.03.2014
- Herbert Renz-Polster & Nora Imlau: Schlaf gut, Baby!: Der sanfte Weg zu ruhigen Nächten (GU Einzeltitel Partnerschaft & Familie), Gräfe und Unser Verlag GmbH, Auflage 1 vom 5.3.2016
- Dr. Harvey Karp – Das glücklichste Baby der Welt: So beruhigt sich Ihr schreiendes Kind – so schläft es besser; Goldmann Verlag; Ausgabe vom 19.9.2016
- Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit: Das Wichtigste zum Schlaf im ersten Lebensjahr: https://www.kindergesundheit-info.de/themen/schlafen/0-12-monate/babyschlaf/ (abgerufen am 21.05.2026)
- Dr. Renz-Polster: Der gemeinsame Schlaf aus Sicht der Evolution; https://www.familienhandbuch.de/babys-kinder/entwicklung/saeugling/schlafen/DergemeinsameSchlafausSichtderEvolution.php (abgerufen am 21.05.2026)












