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Baby will nicht einschlafen – das kannst du anders machen

Wenn man jeden Tag etliche Stunden damit zubringt, sein Baby zum Einschlafen zu bewegen, bringt das jeden schnell an seine Grenzen. Man kommt zu gar nichts mehr. Die eigenen Bedürfnisse scheinen völlig in den Hintergrund zu treten. Wir haben fünf Punkte zusammengetragen, die dir hoffentlich helfen, mit der Situation besser umgehen zu können, ohne dein Baby schreien lassen zu müssen.

Grundbedürfnisse verstehen

Babys brauchen viel mehr Nähe, als einigen Müttern in der heutigen Zeit bewusst ist. Kommen dann noch Ratgeber daher, die zum Schreienlassen raten, tritt der Instinkt immer weiter in den Hintergrund und Mütter lassen sich von den Meinungen anderer leiten, statt auf ihr Herz zu hören. Dabei ist alles eigentlich ganz einfach. Ein Baby braucht eine feste Bezugsperson, die immer zur Stelle ist, wenn es etwas benötigt. Es schreit nicht, um uns zu nerven, sondern weil ihm etwas fehlt, und sei es nur Geborgenheit und Zuwendung. Babys, die nie schreien, sind entweder von der ganz entspannten, eher phlegmatischen Sorte oder haben gelernt, dass niemand kommt, um ihnen zu helfen und haben deshalb aufgegeben. Wenn du auf die Feinheiten achtest, wirst du schnell merken, warum dein Baby dich gerade braucht und kannst danach handeln. Wenn es Hunger hat, füttere es. Wenn es bei dir sein will, kuschle mit ihm oder trag es. Wenn ihm alles zu viel wird, nimm es aus der Situation heraus. Wenn es müde ist, halt es nicht wach. Und wenn es nicht schlafen kann, versuche nicht, es zum Schlafen zu überreden, sondern setze bereits vorher an.

Reize reduzieren

Babys, die schlecht zur Ruhe kommen, profitieren meist davon, wenn die Reize, die auf sie einstürmen, so weit es geht, reduziert werden. Damit ist nicht gemeint, dass du dich zuhause verkriechen sollst. Allerdings gilt es, ein Maß zu finden, mit dem alle gut leben können. Was für einen Erwachsenen ganz normal ist, kann ein Baby noch nicht so leicht verarbeiten. Das gilt vor allem für sehr sensible Charaktere oder „high need“ Babys (Babys mit besonders starken Bedürfnissen). Es schläft schlecht ein und wacht ständig auf. Fürs Erste nimm dir besser weniger vor, gestalte die Wohnung weniger aufregend und empfange weniger Besuch. Strukturiere deinen Alltag, und führe Rituale ein. Geh die frühen Abendstunden entspannt an und meide alles Laute und Grelle, dass dein Baby belasten könnte.

Manche Kinder schlafen bei Überforderung einfach ein. Anderen gelingt das überhaupt nicht. Sie sind trotz völliger Übermüdung nicht in der Lage abzuschalten und werden immer unruhiger und quengliger. Sie sind überreizt und brauchen dann besonders viel Hilfe, um wieder runter zu kommen (Lies auch: Hochsensible Kinder verstehen und begleiten). Manchmal erkennt man Überreizung sehr schlecht, weil das Kind einfach sehr aktiv und hibbelig erscheint. Die Grenze zum Überdrehen ist jedoch fließend.

Einige Kinder erwerben die Fähigkeit, sich selbst zu regulieren, erst recht spät. Dennoch, je älter das Kind wird, desto flexibler wird es werden und desto freier wirst du in deiner Tagesgestaltung wieder sein.

Schlafbedarf ermitteln und Rhythmus anpassen

Viele Babys schlafen deshalb schlecht ein oder schlecht durch, weil ihr eigentlicher Schlafbedarf falsch eingeschätzt wird. Meist erwarten Eltern, dass die Kinder 12 Stunden in der Nacht und dann noch einige Stunden tagsüber schlafen sollen. Für manches Baby ist das zu viel. Es ist dann einfach noch nicht müde genug oder liegt nachts wach, weil es nicht mehr schlafen kann. Morgens wird es immer unruhiger, weil sein Schlafsoll erfüllt ist.

Protokolliere für eine Zeit von etwa 10-14 Tagen wann und wie lange dein Baby tatsächlich schläft und wie lange es davon lediglich im Bett liegt, ohne zu schlafen. Wenn du einen Durchschnittswert bilden konntest, schau dir den aktuellen Schlafrhythmus an. Wenn dein Baby tatsächlich weniger Schlaf benötigt, bring es entweder später ins Bett oder kürze bzw. streich ein Tagesschläfchen. Auch wenn dein Baby dann für ein paar Tage quenglig ist, wird es sich bald daran gewöhnen und hoffentlich besser einschlafen. Achte auch darauf, dass die Abstände zwischen den Schläfchen groß genug sind. Diese ändern sich im Laufe der Monate. Sobald Babys nur noch etwa 2 Schläfchen am Tag machen und gegen 7 ins Bett sollen, gilt die Faustregel „Kein Schlaf nach 15 Uhr“. Das ist allerdings lediglich ein Richtwert. Du musst leider selbst herausfinden, welcher Abstand für dein Baby richtig ist.

Eine letzte Möglichkeit kann außerdem sein, den Nachtschlaf ein Stückchen vorzuverlegen. Manchmal stimmt nämlich der Rhythmus einfach nicht mit der inneren Uhr überein. Wenn du dein Baby bisher gegen halb 8 hingelegt hast und es eine halbe Stunde bis Stunde brauchte, um einzuschlafen, leg es kurz vor 7 hin. Wenn du Glück hast, schläft es dann schneller ein und morgens sogar eine Stunde mehr. Dafür werden die Tagschläfchen dann wahrscheinlich kürzer.

Abendritual einführen

Wenn ein Baby auf die immer gleiche Art und Weise ins Bett gebracht wird, hilft ihm das, besser zur Ruhe zu kommen. Es weiß dann schon, was als Nächstes kommt und kann sich darauf einstellen. Der Körper wird Schritt für Schritt müder und wenn alles gut läuft, freut sich das Baby sogar auf das Einschlafen. So schön Flexibilität im Erwachsenenalter auch ist, Kinder profitieren von festen Abläufen und sinnvollen Regeln. Sie bilden einen sicheren Rahmen, in dem sich das Kind entfalten kann. Das gilt auch schon für Babys.

Einschlafrituale kann man sowohl tagsüber als auch abends und sogar nachts anwenden. Tagsüber und nachts sollten sie aber eher kurz gehalten und auf das Nötigste beschränkt sein. Abends darf der Ablauf dann ruhig etwa länger ausfallen.

Hier findest du ein Beispiel für ein sinnvolles Abendritual:

  1. Licht dimmen
  2. Sanfte Musik abspielen
  3. Baden oder Waschen
  4. Babymassage
  5. Schlafsack anlegen
  6. Stillen
  7. Schnuller geben
  8. Lied singen oder Spieluhr aufziehen
  9. Im Arm wiegen

Bei älteren Kindern kann man auch Geschichten vorlesen oder ein Hörbuch hören. Zähne putzen sollte ebenso zum festen Ritual gehören.

Ausnahmefälle erkennen

Babys, die eigentlich immer ganz gut geschlafen haben und plötzlich nicht mehr einschlafen können, sorgen oft vor allem bei schlafverwöhnten Eltern für Ratlosigkeit. Was hat das Kind bloß? Was machen wir falsch? Wahrscheinlich gar nichts! Mit allergrößter Wahrscheinlichkeit steckt dein Baby gerade mitten in einem Entwicklungssprung. Wenn das Gehirn neu verdrahtet wird, steht erstmal alles kopf und das Baby kommt schlecht zur Ruhe, weil alles plötzlich so anders ist. Oder aber es wächst gerade und auch das kann sich bei einigen Babys ebenso unangenehm anfühlen. Manche Babys schlafen die ersten sechs Monate gut und haben dann erst Probleme, weil sie einen geistigen Sprung gemacht haben, der sie abends länger wach hält. Irgendwann schlafen auch diese Babys wieder besser.

Manchmal steckt jedoch auch das Zahnen dahinter. Gerade im Liegen verstärkt sich durch die bessere Durchblutung der Druck auf Gaumen und Kiefer. Dann helfen Hochlagern und viel Nähe. Sensible Kinder leiden meist mehr als andere. Bahnt sich gerade ein Infekt an, kann sich das bei empfindlichen Babys bereits Tage vorher durch Ein- und Durchschlafprobleme äußern.

Wenn dein Baby allerdings ständig schlecht einschläft und oft aufwacht, hat es vielleicht eine frühkindliche Regulationsstörung. Dieser Begriff klingt schlimmer, als es ist. Es handelt sich dabei lediglich um eine verzögerte Reifung des zentralen Nervensystems. Betroffene Babys können sich extrem schlecht selbst beruhigen und brauchen deshalb unter anderem weit mehr Einschlafbegleitung als andere. Und auch nachts können sie nicht loslassen. Aber auch sie sind irgendwann so weit, dass sie schneller und allein einschlafen können, es dauert meist „nur“ ein paar Jahre länger. Halt durch. Du tust, was du kannst. Irgendwann geht auch diese Phase vorbei. Versprochen!

Weitere Ratgeber zum Thema Babyschlaf

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