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Sex in der Schwangerschaft: Die wichtigsten Antworten

Inhaltlich geprüft von Hebamme Christine Müller.

Sex in der Schwangerschaft ist eine wunderbare Sache, wenn beide Partner dazu bereit sind. Er fördert eure Bindung als Paar und trägt zum Wohlbefinden bei. Doch ist er gefährlich für das Baby? Was muss ich beachten? Gibt es Fälle, wo Sex in der Schwangerschaft sogar tabu ist? Und was mache ich, wenn mein Partner nicht will? Wir beantworten deine Fragen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Im Normalfall ist Sex in der Schwangerschaft ungefährlich und sogar gut.
  • Nur wenn du eine risikoreiche Schwangerschaft hast, solltest du mit deiner Ärztin sprechen.
  • Im zweiten Trimester ist die Lust meist am größten und Frauen sind leichter erregbar.
  • Sex löst keine Wehen aus, wenn der Körper noch nicht bereit ist.
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Typische Mythen

Rund 90 Prozent kennen diese Mythen: 

  • Vaginaler Geschlechtsverkehr soll durch die Prostaglandine im Ejakulat oder den Uteruskontraktionen während des weiblichen Orgasmus Wehen auslösen. 
  • Der Orgasmus soll zu einer Hypoxie, also einem Sauerstoffmangel beim Fötus führen.
  • Der Penis soll das ungeborene Kind direkt traumatisieren.

Etwa 50 Prozent denken nach wie vor, dass diese Mythen der Wahrheit entsprechen.

Wir haben diese Mythen durchleuchtet und können dir versichern: Sie sind und bleiben das, was sie sind – Aberglaube und nette alte Ammenmärchen.

Sex in der Schwangerschaft schadet dem Kind nicht

In jeder normal verlaufenden Schwangerschaft gilt: Du kannst so viel Sex haben, wie du willst und wie es dir guttut.

Um das Kind musst du dir keine Sorgen machen. Es bekommt von eurem Liebesspiel wenig mit. Denn in Gebärmutter und Fruchtblase ist es gut geschützt. Und dass dein Partner das Baby berühren könnte, ist schon rein anatomisch gesehen nicht möglich. Immerhin befindet sich zwischen Scheide und Fruchtblase ein langer, fest verschlossener Gebärmutterhals – sicher versiegelt von einem Schleimpfropf.

Und auch der heftigste Orgasmus kann dem Kind nicht schaden. Selbst wenn sich die Gebärmutter vorübergehend zusammenzieht, handelt es sich dabei nicht um Muttermund-wirksame Wehen. Die Geburt wird dadurch also nicht in Gang gesetzt.

Sex in der Schwangerschaft tut sogar gut

Beim Sex wird der Körper richtig gut durchblutet. Davon profitiert auch das Baby. Außerdem baut Sex Stresshormone ab. Das wohlig warme Gefühl nach einem Orgasmus überträgt sich ebenfalls auf das Kind in deinem Bauch.

Hinzu kommt, dass ausgiebige Zweisamkeit das Zusammengehörigkeitsgefühl stärkt. Durch direkten Körperkontakt und viel Kuscheln wird das Bindungshormon Oxytocin ausgeschüttet. Es sorgt nicht nur dafür, dass die Partner zusammenbleiben möchten, sondern fördert auch die frühe Bindung zwischen Mutter und Ungeborenem.

Übrigens tut Sex in der Schwangerschaft nicht nur dem emotionalen Zusammengehörigkeitsgefühl gut. Denn die freigesetzten Endorphine haben eine schmerzlindernde Wirkung auf deinen Körper und das endogene Cortisol wirkt entzündungshemmend. Darüber hinaus wird deine Immunabwehr gestärkt, da sich die Immunglobuline erhöhen.

Lust oder Unlust – beides ist normal

Gerade im ersten Trimester haben Frauen oft wenig Lust auf Sex. Die Hormone stellen sich um und die Gefühle fahren Achterbahn. Die Brüste schmerzen und die Schwangerschaftsübelkeit tut ihr Übriges. All das ist völlig normal und kein Grund zur Sorge.

Wenn du dich in der Frühschwangerschaft befindest und die Schwangerschaft einen eher wackligen Start hatte, ist es ohnehin eine gute Idee etwas abzuwarten, bis sich alles normalisiert hat. Für alle anderen gilt: wenn es dir Spaß macht, ist Sex auch in den ersten Monaten genau richtig und überhaupt kein Problem.

Im zweiten Trimester ist Sex am schönsten

Bei den meisten Frauen kommt spätestens im zweiten Trimester, also etwa im 4. Schwangerschaftsmonat die Lust zurück. Denn dann gilt die Schwangerschaft als gefestigt. Die Übelkeit ist verflogen und die Frau fühlt sich oft pudelwohl in ihrem Körper.

Auf den Mann wirken die schönen Rundungen besonders anziehend. Da die Geschlechtsteile nun besser durchblutet sind als sonst, macht Sex nun erst richtig Spaß. Viele Frauen berichten, dass sie den Partner in dieser Zeit viel intensiver spüren können. Einige gelangen dadurch noch leichter und stärker zum Orgasmus.

Hochschwanger kommt es auf die Stellung an

Je dicker der Bauch wird, desto mehr kommt es auf die Frau selbst an, ob ihr Sex noch Spaß macht. Gerade körperlich aktive Frauen werden auch mit fortschreitender Schwangerschaft kaum Probleme haben. Andere fühlen sich dank ihrer zusätzlichen Kilos wie ein unbeweglicher Wal. Wenn dann noch der Partner einen unüberlegten Spruch bringt, wird es schwer, sich sexy zu fühlen. Hier hilft nette Unterwäsche, schönes Licht und die richtige Stellung.

Am besten machen sich mit dickem Babybauch Stellungen, wo du oben sitzt oder auf der Seite liegst. Aber auch von hinten kann schön sein, solange es dir nicht weh tut.

Die Rückenlage ist jetzt weniger gut geeignet. Denn zum einen kann der Bauch im Weg sein und zum anderen drückt die Gebärmutter auf die große Hohlvene. Schlechtere Sauerstoffversorgung und Schwindelgefühle sind dann die Folge.

Kleiner Tipp: Solltest du wider Erwarten beim Sex Schmerzen oder ein Unwohlsein verspüren, kann ein Stellungswechsel hilfreich sein. Ist es für dich bereits unangenehm, wenn dein Partner in dich eindringt, dann ist ein wasserlösliches Gleitmittel mitunter eine gute Option.

Immer wieder wird der Schmerz beim Sex in der Schwangerschaft thematisiert. Es gibt tatsächlich nur wenige dokumentierte Fälle, in denen während der Schwangerschaft Schmerzen auftreten, wenn die Partner Sex haben, obwohl vor der Schwangerschaft in dieser Hinsicht alles in Ordnung war. Sehr viel häufiger treten diese Probleme aber nach der Geburt auf. In etwa 83 Prozent der Fälle kann es innerhalb der ersten 3 Monate nach der Entbindung zu schmerzhaften Erfahrungen beim Sex kommen.

Interessant ist aber auch, dass über 80 Prozent aller Paare Sexualprobleme haben und gerade einmal 15 Prozent den Schritt wagen, dies bei einer Schwangerschaft auch mit ihrer Hebamme oder dem Arzt zu besprechen.

Wenn der Partner keine Lust hat

Manchmal ist es gar nicht die Frau, sondern ihr Partner, der sich auf einmal beim Sex schwertut. Auch das ist nicht selten. Denn schließlich ist die Schwangerschaft für beide Partner eine große Umstellung. Und auch der Mann muss sich in seiner neuen Rolle erst zurechtfinden und lernen, dich nicht nur als Schwangere, sondern eben auch als begehrenswerte Frau zu sehen.

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Einige Männer fühlen sich auch verunsichert. So sehr sie sich auf das Baby freuen und so tief berührt sie von der Schwangerschaft selbst sind: Häufig fühlt sich alles so fremd an, dass manche werdenden Papas in dieser Zeit nur wenig Lust auf Sex mit der Mutter ihres Kindes haben.

Zudem können auch Männer während der Schwangerschaft ihrer Partnerin an sexuellen Funktionsstörungen wie Erektionsproblemen, Libidoverlust oder vorzeitigem Samenerguss leiden. Die Gründe dafür sind sehr vielschichtig. Während die einen Angst davor haben, ihrer Partnerin durch den Sex Schmerzen zu bereiten, haben die anderen ganz unbewusst Angst vor der bevorstehenden Vaterschaft. Einige haben vielleicht auch ein seelisches Trauma durch eine vorherige Geburt, bei welcher sie anwesend waren. Manche leiden aber vielleicht auch am Madonna-Hore-Komplex, bei welchem die Schwangere (vorübergehend) als “verehrungswürdige Mutter”, aber nicht mehr als sexuell attraktive Partnerin gesehen wird.

Darüber reden hilft

Am besten redet ihr über die Situation. Vorwürfe sind eher ungünstig. Ängste, dass er dem Baby wehtun könnte, kannst du ihm nehmen. Eine offene Kommunikation ist besonders wichtig. Niemand von euch sollte sich vor dem anderen schämen müssen. Ebenso wenig sollte einer den anderen kränken. Sprecht über eure Gefühle und Ängste, tauscht euch aus. Üblicherweise wirst überwiegend du als Frau deinem Partner mit Fakten und Wissen die Angst nehmen können. Denn meist sind es auch die Frauen, die bei ihrem Frauenarzt diese Thematik offener ansprechen und so jene Dinge erfahren, die beim Sex in der Schwangerschaft wichtig sind.

Vielleicht könnt ihr euch mit ausgiebigem Kuscheln ganz vorsichtig herantasten. Es muss ja nicht zu mehr führen. Aber das zärtliche Petting zum Beispiel kann euch ganz gut in Stimmung bringen. Und wenn es dann doch nur beim liebevollen Miteinander und Kuscheln bleibt, ist das auch in Ordnung.

Wann du auf Sex in der Schwangerschaft verzichten solltest

Auch wenn für die meisten Frauen Sex in der Schwangerschaft überhaupt kein Problem darstellt, kann es bei einigen wenigen doch zu Einschränkungen kommen. Es gibt ein paar Risikofaktoren, bei denen du vorsichtig sein solltest:

Vorherige Fehlgeburten
Wenn du bereits Fehlgeburten hattest, solltest du das erste Trimester erst mal abwarten, bevor du wieder Sex hast. Dann hat die Schwangerschaft Zeit, sich zu festigen.

Blutungen
Wenn du in der Schwangerschaft ungeklärte Blutungen hast, solltest du jegliches Risiko minimieren. Eine kleine Kontaktblutung währenddessen ist aber harmlos und normal.

Neigung zu Frühwehen
Wenn du sowieso schon Probleme hast, die nötigen Wochen zu schaffen, solltest du zusätzliche Kontraktionen der Gebärmutter vermeiden.

Plazenta praevia
Wenn der Mutterkuchen zu dicht oder gar direkt über dem Muttermund liegt, ist Sex eher keine gute Idee. Deine Ärztin wird dir eine solche Diagnose schon recht früh mitteilen. Denn die Lage der Plazenta wird bei jeder Ultraschalluntersuchung mit überprüft.

Geöffneter Muttermund
Bei manchen Frauen öffnet sich der Muttermund vorzeitig. Ungeschützter Sex könnte jetzt das Risiko einer Infektion des Ungeborenen erhöhen.

Scheideninfektion
Wenn du gerade eine bakterielle Infektion oder einen Scheidenpilz hast, solltest du so lange auf Sex verzichten, bis die Behandlung erfolgreich abgeschlossen ist.

Infektionen des Partners
Wenn dein Partner eine Infektion hat, solltet ihr ebenfalls verzichten. Denn auch ein Kondom kann reißen. Sei bei One-Night-Stands daher besonders vorsichtig.

Ein vorzeitiger Blasensprung und möglicherweise auch eine Zwillingsschwangerschaft mit verkürzten Gebärmutterhals können ein erhöhtes Risiko darstellen. Diese Faktoren können also ebenfalls dazu führen, dass du auf Sex in der Schwangerschaft verzichten solltest. Allerdings gilt auch hier: Deine Frauenärztin wird dich darüber vollumfänglich aufklären. Bist du dir unsicher, dann frage nach. Im Idealfall ist dein Partner bei diesem Gespräch mit dabei.

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Infektionen vorbeugen

Geschlechtsverkehr ist einer der Gründe für Infektionen im Vaginalbereich. Diese solltest du in der Schwangerschaft jedoch so gut es geht vermeiden. Achte daher darauf, dass sich dein Partner vor dem Sex gereinigt hat, wenn ihr kein Kondom benutzt. Auch die Hände sollten natürlich sauber sein.

Wenn du spätestens 10 Minuten nach dem Sex auf die Toilette gehst, kannst du etwaige Erreger aus der Harnröhre spülen. So vermeidest du zumindest eine Blaseninfektion. Ansonsten gilt: Kondome schützen auch hier.

Hast du noch eine Frage zum Thema „Sex in der Schwangerschaft“? Dann schreib uns gern einen Kommentar!

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Quellen

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