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Töpfchentraining

Töpfchentraining – Ja oder Nein?

Sobald die ersten Kinder der Krippe „Trocken werden“ oder das Kind ein bestimmtes Alter erreicht hat, überlegen viele Eltern, ob sie mit dem Töpfchentraining beginnen sollten. Doch wie sieht modernes Töpfchentraining heutzutage überhaupt aus und hilft es dem Kind, (schneller) trocken zu werden? In diesem Artikel geben wir dazu Tipps und räumen mit allen Mythen rund um das Thema „Töpfchentraining“ auf. 

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Töpfchentraining ist nur eine Methode des „Trocken Werdens“.
  • Im Schnitt werden Kinder mit und ohne Training mit etwa 33 Monaten trocken.
  • Strenges Töpfchentraining ist für Kinder eher schädlich.
  • Besser: auf die Reifezeichen des Kindes achten und dann das Interesse am Töpfchen bestärken.
  • Dass ein Kind innerhalb von 3 Tagen mit Töpfchentraining trocken wird, ist ein Mythos.
  • Für Eltern und Kind sind Geduld und Gelassenheit wichtig. Von Belohnungen raten wir ab.
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Töpfchentraining früher

In der Nachkriegszeit wurden die meisten Babys in der westlichen Welt einer sehr stringenten Sauberkeitserziehung unterzogen. Mütter hielten ihre Kinder über der Toilette ab und setzten sie so früh es ging auf den Topf, bis etwas kam. In der DDR kam es sogar dazu, dass die Kinder in pädagogischen Einrichtungen zum Töpfchentraining gezwungen wurden. Studien, die Kinder aus dieser Zeit mit solchen aus späteren Jahrzehnten verglichen (in denen es bereits Wegwerfwindeln gab) kamen zu dem Schluss, dass früh – beispielsweise mit 1 Jahr – an den Topf gewöhnte Kinder nicht zeitiger vollständig trocken waren als die anderen. Unumstritten kann ein solcher „Töpfchen-Zwang“ emotionale Belastungen und sogar Traumata beim Kind hervorrufen. Leider gibt es zu den psychologischen Auswirkungen keine Studien aus dieser Zeit.

Töpfchentraining heute

Heute sieht Töpfchentraining (im Englischen: „Potty Training“) deutlich anders aus und ist eher ein Teil des „Trockenwerdens“: Das Töpfchen wird dem Kind im Rahmen der Sauberkeitserziehung angeboten und die Situation von den Eltern begleitet. Bilderbücher zum Thema können dein Kind zusätzlich motivieren.

Durchschnittlich werden Kinder mit 28 Monaten (etwa 2,5 Jahre) tagsüber und mit 33 Monaten (kurz vor dem 3. Lebensjahr) auch nachts trocken. Größere Abweichungen sind hier die Regel. Mit Töpfchentraining schafft ihr Gelegenheiten, aber auch ohne klappt es meist in derselben Zeit.

Du siehst: So individuell wie jedes Kind ist, so ist es auch seine Entwicklung und damit der Zeitpunkt, an dem es bereit ist, sich von der Windel zu verabschieden. Kinder, die schon als Babys windelfrei erzogen werden, benötigen mitunter kein Töpfchentraining mehr.

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Wann sollte ich mit dem Töpfchentraining beginnen?

Sobald dein Kleinkind erste Reifezeichen zeigt, kannst du das Töpfchentraining vorbereiten. Die Reifezeichen verraten, dass Organe und Nervenbahnen des Kleinkindes nun dafür ausgereift sind, die Kontrolle über die eigenen Ausscheidungen zu trainieren.

Die Reifezeichen können sein:

  1. Dein Kleinkind beginnt, sich für seine eigenen Ausscheidungen zu interessieren.
  2. Das Kind zeigt Interesse am Toilettengang von dir und anderen.
  3. Es sagt dir, wenn es etwas in die Windel gemacht hat.
  4. Dein Kleinkind gibt dir deutlich zu verstehen, wenn es muss.
  5. Es möchte nicht mehr gewickelt werden oder keine Windel mehr tragen.

Wann Kleinkinder die ersten Reifezeichen zeigen, ist je nach Entwicklung individuell. Bei den meisten Kindern geschieht dies um den 2. Geburtstag herum. Einige brauchen noch Jahre länger, bis alle körperlichen Voraussetzungen für die Kontrolle der Ausscheidungen erfüllt sind.

Erst ab einem Alter von 5 Jahren spricht man vom „Enuresis“, wenn das Kind in der Nacht noch nicht trocken ist. Kinder, die mit 3 Jahren tagsüber und nachts einnässen und aber Reifezeichen zeigen, sollten zur Sicherheit der Kinderärztin/dem Kinderarzt vorgestellt werden. Bei ihnen könnte es sich neben einer leichten Entwicklungsverzögerung in diesem Bereich auch um eine Harninkontinenz handeln, die andere Ursachen haben kann.

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Wie sieht das Training mit Töpfchen oder Toilette aus?

Um dein Kleinkind an das Töpfchentraining heranzuführen, kannst du so vorgehen:

Schritt 1: Die Vorbereitung

Sobald dein Kleinkind erste Reifezeichen zeigt, kannst du mit ihm ein passendes Töpfchen aussuchen. Unser Tipp: Nimm dein Kind mit und lass es sich selbst ein Töpfchen aussuchen. So beziehst du es von Anfang an mit ein. Ganz nebenbei stärkt das auch das Selbstbewusstsein deines Kindes. Wie wäre es mit Töpfchen, die Musik machen oder wie Tiere aussehen? Außerdem empfehlen wir, mit deinem Kind „Unterhosen-Windeln“ zu kaufen. Dadurch bist du für die Anfangszeit des Töpfchentrainings gut vorbereitet, wenn dein Kleinkind es mal nicht rechtzeitig aufs Töpfchen schaffen sollte. Und: einen Hosenvorrat besorgen, denn ohne Unfälle wird es nicht klappen.

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Schritt 2: Das Töpfchentraining selbst

Wir geben dir Inspirationen, wie euer Töpfchentraining aussehen könnte. Bedenke: Nicht jedes Kind sitzt gerne auf dem Töpfchen, für manche ist ein Toilettensitz oder eine andere Form von Aufsatz oder Sitz passender.

Was du tun kannst, um mit deinem Kleinkind den Gang aufs Töpfchen zu trainieren:

  • Das Töpfchen so auf der Toilette platzieren, dass es für dein Kind gut erreichbar ist. Die Badezimmertür in dieser Zeit, wenn möglich, offen lassen, falls das Kind die Tür nicht alleine öffnen kann.
  • Das Kind ausprobieren lassen, sich mal mit und mal ohne Unterhose/Windel auf das Töpfchen/den Toilettensitz/das Klo zu setzen. Diese Versuche mit Lob begleiten, wenn du merkst, dass dein Kind stolz auf sich selbst ist.
  • Dem Kleinkind Kleidung anziehen, die es zügig und eigenständig hinunterziehen kann (Schlupf-Hose, Hose mit lockerem Gummibund usw.). 
  • Sobald das Kind zeigt, dass es muss, mit ihm aufs Töpfchen gehen.
  • Das Kleinkind seinen Urin/Stuhlgang im Töpfchen bewundern/anschauen lassen.
  • Mit dem Kind gemeinsam den Urin/Stuhlgang aus dem Töpfchen in die Toilette schütten. Das Kind kann dann selbstständig spülen, wenn es das möchte.
  • Das Kleinkind gezielt mit zu deinen Toilettengängen mitnehmen und Abläufe vormachen (Pipi machen, abwischen, abspülen, Hände waschen).
  • Falls es eine Kita besucht, dem Personal Bescheid geben, dass dein Kind jetzt keine Windel mehr trägt und ihr trainiert, aufs Töpfchen zu gehen. 
  • Unfälle einplanen und darauf vorbereitet sein (Wechselwäsche).
  • Im Frühling oder Sommer: Das Kind so viel wie möglich „windelfrei“ draußen (etwa im Garten) spielen lassen, so kann es ein Gefühl für seinen Körper entwickeln. 
  • Das Kind nicht dazu drängen oder immerzu erinnern, auf das Töpfchen zu gehen.
  • Geduldig und gelassen bleiben!

Tipp der Redaktion: Wenn ihr als Eltern entspannt bleibt und auch kleinere Unfälle gelassen seht, klappt es mit der Zeit immer besser. Modernes Töpfchentraining bedeutet, dem Kind die Zeit zu geben, die es braucht, bis es von sich aus sauber werden kann und möchte. 

Da das drückende Gefühl des Stuhlgangs meist deutlicher ist, als das Gefühl das „Müssens“ in der Blase, kann es gut sein, dass das Kind zuerst nur seinen Darm auf dem Töpfchen entleert und es erst später dazu kommt, dass das auch mit dem Urin klappt.

Dasselbe gilt für das „Trocken werden“ tagsüber und nachts. Die meisten Kinder werden zuerst tagsüber trocken und kommen erst später auch in der Nacht ohne eine Windel aus.

Mit Töpfchentraining in 3 Tagen trocken – geht das?

Manchmal wird in Ratgebern das Töpfchentraining als Methode angepriesen, die verspricht, dass Kinder damit innerhalb von 3 Tagen trocken werden. Mit diesem Mythos würden wir gerne aufräumen: Dein Kleinkind kann nicht (langfristig) in 3 Tagen trocken werden. Wenn diese Methode des schnellen Trainings bei manchen Kindern funktionieren sollte, dann nur, weil sie dadurch massiv unter Druck gesetzt werden. Übereiltes Töpfchentraining hat nichts mit einer achtsamen Sauberkeitserziehung zu tun, die auf natürliche Weise geschieht. 

Wir empfehlen daher, das Töpfchentraining nicht an einem Zeitraum festzumachen. Denn: Wenn Eltern Druck aufbauen, weil sie oder ihre Umwelt zu hohe Erwartungen haben, profitiert das Kind keineswegs davon. Es ist wahrscheinlicher, dass es durch den Druck unsicher wird und gar kein Interesse mehr am Thema Sauberkeit hat, selbst wenn es zuvor schon erfolgreich „trocken“ war. Kinder, die auf diese Art zu etwas gezwungen werden, dass sie nicht wollen, tragen nicht selten eine psychische Belastung davon, die sich später sogar in erneutem Bettnässen äußern kann.

Sollte ich mein Kind belohnen, wenn es ins Töpfchen macht? 

Oft wird Eltern geraten, beim Töpfchentraining mit einem Belohnungssystem wie einer Belohnungstafel zu arbeiten. Wenn eine gewisse Anzahl an Töpfchen-Gängen ohne Unfälle ablief, kann das Kind auf der Belohnungstafel Punkte sammeln und sich eine Belohnung, wie zum Beispiel ein Spielzeug, aussuchen. Ob du mit einer Belohnungstafel arbeiten möchtest, um das Töpfchentraining zu unterstützen, ist dir überlassen.

Unsere Empfehlung: Die Sauberkeitserziehung deines Kleinkindes sollte vor allem auf natürliche Art und Weise stattfinden. Das „Trockenwerden“ ist ein regulärer Meilenstein der Kleinkind-Entwicklung. Innerhalb des Töpfchentrainings wird es immer mal wieder dazu kommen, dass dein Kind es nicht rechtzeitig aufs Töpfchen schafft oder dass mal was daneben geht. Da es im Kleinkindalter aber noch kein Verständnis für Zeit oder Ursache-und-Wirkung hat, wird es nicht verstehen, warum es keinen Punkt auf der Belohnungstafel bekommt, wenn ihm mal ein Missgeschick geschieht. Es weiß nur: „Ich habe irgendwas falsch gemacht, also bekomme ich keinen Punkt auf der Tafel und auch keine Belohnung. Obendrein ist das Pipi daneben gegangen und meine Eltern sind böse auf mich.“

Aus pädagogischer Sicht macht es außerdem keinen Sinn, eine alltägliche Handlung zu belohnen. Ganz im Gegenteil: Sobald das Kind trocken ist und täglich auf das Töpfchen geht, wird es nicht verstehen können, warum es plötzlich nicht mehr dafür belohnt wird. Weitere Informationen zum Thema „Belohnungssysteme“ und dem Umgang mit Lob und Tadel findest du in dieser Podcast-Folge:

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Unsere Bilderbuch-Empfehlungen zum Töpfchentraining

Zur Unterstützung des Töpfchentrainings können wir dir diese Kinderbücher besonders ans Herz legen.

„Pip und Posy: Die kleine Pfütze“
Töpfchentraining Buch1 - Töpfchentraining - Ja oder Nein?

Dieses Kinderbuch zeigt spielerisch den Umgang mit „kleinen Unfällen“ während des Töpfchentrainings.

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„Aufs Töpfchen gehen ist pipileicht“
Töpfchentraining Buch3 - Töpfchentraining - Ja oder Nein?

Dieses Pappbilderbuch ist süß illustriert und durch die aufklappbaren Elemente für Kinder besonders ansprechend.

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„Ich geh jetzt aufs Töpfchen“
Töpfchentraining Buch2 - Töpfchentraining - Ja oder Nein?

Das „Unkaputtbar“-Kinderbuch ist schon für Kleinkinder ab 1 Jahr geeignet, die erste Reifezeichen zeigen.

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„Der kleine Klo-König“
Töpfchentraining Buch4 - Töpfchentraining - Ja oder Nein?

Ein tolles Kinderbuch, welches das Training des „Trocken Werdens“ mit einem Kinder-Toilettensitz beschreibt.

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Fazit

Das Trockenwerden ist ein großer Meilenstein der Kindesentwicklung. Wenn du dich als Elternteil modernen Methoden des Töpfchentrainings bedienst, bist du auf der sicheren Seite für eine nachhaltige Sauberkeitserziehung deines Kindes. Sobald das Kleinkind Interesse und die Reifezeichen zum „Trocken werden“ zeigt, kannst du es einbeziehen und ein Töpfchen besorgen. Das Töpfchentraining sollte jedoch ohne Druck und mit möglichst viel Gelassenheit und Geduld geschehen. Wir sind gespannt, ob du dich für oder gegen das Töpfchentraining entscheiden wirst.

Hast du weitere Fragen oder Anmerkungen zum Töpfchentraining? Wie ist es bei deiner Tochter/deinem Sohn? Hinterlasse uns gerne einen Kommentar!

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Quellen

2 Kommentare anderer Nutzer

  1. Ich bin in den 60ern geboren und da war das mit dem Trockenwerden noch ganz anders als heute:

    Wenn meine Mutter der Meinung war, ich müsste aufs Töpfchen war das so. Wenn da nichts drin war, dafür nachher in der Hose gab es den nackten Hintern voll! So lange, bis ich endlich „sauber“ war.

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