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Einnässen bei Kindern: wenn das Kind noch nicht trocken ist

Einnässen bei Kindern: Tipps, wenn dein Kind noch nicht trocken ist

Einnässen tagsüber oder in der Nacht kann im Kindesalter einzeln oder zusammen auftreten. Wie lange ist Einnässen bei Kindern normal und ab wann sollten Eltern es ernst nehmen, wenn ihr Kind noch nicht trocken ist? Wir erklären dir die möglichen Ursachen und Therapien bei kindlichem Einnässen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Man unterscheidet zwischen nächtlichem Einnässen (Bettnässen) und Einnässen am Tag. Auch wenn beide häufig zusammen auftreten, haben sie oft unterschiedliche Ursachen.
  • Einnässen in der Nacht gilt erst ab dem 5. Geburtstag als behandlungsbedürftige „Krankheit“, Einnässen auch tagsüber schon ab dem 3. Geburtstag.
  • Die meisten einnässenden Kinder haben keine organischen oder funktionellen Störungen.
  • Oft liegt der Grund für das Einnässen bei Kindern in einer Entwicklungsverzögerung und manchmal der kindlichen Psyche.
  • Es gibt aber noch weitere mögliche Faktoren. Oft kommt einiges zusammen.
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Ab wann ist Einnässen bei Kindern behandlungsbedürftig?

Kinder entwickeln sich unterschiedlich schnell. Das gilt auch für die Blasenkontrolle. In der Regel haben sie Kleinkinder mit etwa 33 bis 36 Monaten erlangt. In anderen Worten: Dann bemerken sie den wachsenden Harndrang zuverlässig und können rechtzeitig auf die Toilette gehen – von kleinen Unfällen einmal abgesehen.

Ab wann Kinder, die noch nicht trocken sind, einem Arzt vorgestellt werden sollten, ist klar definiert. Ab diesem Alter gilt „Enuresis“ als behandlungsbedürftige Krankheit:

  • Bei Kindern ab dem 3. Geburtstag, die sowohl nachts als auch tags­über einnässen,
  • Bei Kindern ab dem 5. Geburtstag, die noch mindes­tens zweimal im Monat einnässen,
  • Wenn Schmerzen beim Wasser­lassen bestehen – unabhängig vom Alter des Kindes.

Nässt dein Kind am Tag ein oder in der Nacht?

Einnässen bei Kindern (und Erwachsenen) am Tag heißt „Enuresis diurna“, Einnässen in der Nacht „Enuresis nocturna“. Aber selbst in der Fachliteratur wird oft nur nächtliches Bettnässen als Enuresis bezeichnet. Das Einnässen tagsüber wird dann „Harninkontinenz“ genannt.

Primär oder sekundär?

Abgesehen davon, dass sich nächtliches Einnässen bei Kindern von solchem am Tag unterscheidet, gibt es noch eine zusätzliche Abgrenzung. Medizinisches Fachpersonal wird dich fragen: 

  • “War dein Kind noch nie trocken?”
    Dann würde es sich um eine primäre Enuresis handeln. 
  • Oder “Nässt dein Kind nach 6 Monaten trocken sein wieder ein?”
    Dann wäre es eine sekundäre Enuresis.

Die Unterscheidung ist deshalb wichtig, weil beide Formen verschiedene Ursachen haben. Denn Einnässen nach einer längeren Periode ohne „Einnäss-Probleme“ spräche beispielsweise entweder für eine emotionale Belastung (z.B. der Schulstart) oder eine vorausgegangene Infektion des Harntraktes. Während bei andauerndem Einnässen eher Entwicklungsverzögerungen oder Fehlentwicklungen bedacht werden müssten. So fällt es leichter, auf Anhieb die richtige Therapie zu finden.

Selbstverständlich können die verschiedenen Formen auch kombiniert auftreten, wenn das Kind zum Beispiel tagsüber schon trocken war, jedoch in der Nacht nicht, und nun auch am Tag wieder einnässt.

Wie viele Kinder nässen mit 4, 5, oder 6 Jahren noch ein?

Dein Kind nässt mit 4, 5, 6 oder mehr Jahren noch ein und du willst wissen, wie vielen es auch so geht? Wahrscheinlich sind mehr Kinder von Einnässen betroffen, als du denkst. 

Für verzögertes Trocken werden von Kindern in der Nacht gibt es Statistiken:

  • mit 4 Jahren: 25 – 33 Prozent der Kinder (Jungen doppelt so häufig wie Mädchen)
  • mit 5 und 6 Jahren: 15 Prozent der Kinder
  • mit 7 Jahren: 5 bis 7 Prozent der Kinder
  • mit 15 Jahren: 1 Prozent der Kinder

Harninkontinenz allein – also Einnässen ausschließlich tagsüber – ist seltener. Hier sind es bei den 6-jährigen Kindern etwa 6 Prozent, das macht im Schnitt 1 bis 2 Kinder pro Schulklasse. Mädchen sind hier häufiger betroffen.

Erste Tipps, wenn dein Kind noch nicht trocken ist

Die nachfolgenden Tipps sind für Eltern gedacht, deren Kinder in einem Alter sind, in dem man bereits von behandlungsbedürftigem Einnässen spricht. Siehe Liste oben. Für alle anderen sind vielleicht unsere Tipps zum Sauber werden interessant.

Dein Kind nässt noch ein? Bloß kein Druck

Auch wenn du das Thema Einnässen im Auge behalten solltest: wichtig ist, dass du dein Kind nicht unter Druck setzt. Es kann nichts dafür. Stress und Scham können die Problematik verschlimmern. Gut zu wissen: Es gibt viele Kinder, die auch nach 5 Jahren noch nicht trocken sind. Ganze 15 Prozent der Schulanfänger nässen noch ein – kaum jemand spricht darüber. Kein Wunder, dass Eltern oft denken, ihr Kind sei das einzige betroffene. Schade eigentlich, denn zusammen ist man stärker.

Einnässprotokoll führen

Wir empfehlen, Protokoll über Trinkverhalten, Toilettengänge (Urin und Stuhl), Urinmengen sowie Schlaf- und Wachzeiten zu führen. Am besten 2 Wochen lang, aber mindestens zwei Tage am Stück. Das klingt komplizierter als es ist. Glücklicherweise gibt es wunderbar kindgerechte Portale wie https://hoppla.app/ (leider keine App, aber kostenlos), die ein Einnässprotokoll in Papierform ersetzen und noch einigen Mehrwert für betroffene Kinder bieten. So verschaffst du dir einen guten Überblick und sammelst Daten, die den Ärzten die Diagnostik erleichtern.

Kind beobachten

Nässt dein Kind tagsüber noch ein, solltest du es beobachten. Zeigt es Haltemanöver wie unruhig werden, in den Schritt fassen, Beine kreuzen oder wippen, wenn sich die Blase füllt? Es ist gut möglich, dass dein Kind davon selbst nichts bemerkt. Erst wenn der Harndrang übergroß wird, kommt das Signal im Bewusstsein an. Oft ist es dann schon zu spät, die Hose wird nass. Eine wichtige Beobachtung für die Facharztpraxis, denn Haltemanöver sind ein Zeichen dafür, dass der kritische Druck der Blase durchaus das Gehirn erreicht. Er wird nur (noch) nicht richtig verarbeitet und löst keine Handlung aus. 

Kinderarztpraxis einweihen und überweisen lassen

Kinderarztpraxen kennen sich mit der Einnässproblematik aus und wissen genau, welche Schritte wann nötig sind. Sprich deine Beobachtungen am besten gleich beim nächsten Arztbesuch an, wenn dein Kind noch nicht trocken ist. Dort erhältst du – falls nötig – die Überweisung zum Spezialisten. Oft gibt es in Kliniken gesonderte Kinderurologie-Abteilungen mit Enuresis-Sprechstunden für Kind und Eltern. Auch medizinische Versorgungszentren mit diesem Schwerpunkt kommen infrage. Meist gibt es nicht sofort Termine, deshalb zögere lieber nicht zu lange.

Dein Kind auf die Untersuchungen vorbereiten

Manche Kinder schämen sich schon so sehr für das Einnässen, dass sie Untersuchungen nur schwer ertragen oder gar nicht zulassen wollen. Auch Ängste können je nach Charakter eine Rolle spielen. Du kennst dein Kind am besten. Vermutest du, dass es sich schwertun wird, sag ihm am besten vorab, dass es körperlich untersucht werden wird. Zum Einstieg wird auch oft ein Ultraschall der Nieren und Blase gemacht (von außen). Der tut natürlich nicht weh, das kalte Gel ist jedoch gewöhnungsbedürftig. Vielleicht könnt die Untersuchung schon vorher “nachspielen”? Auch in einen Messbecher zu urinieren, kann dein Kind schon üben, wenn ihr Protokoll führt. 

Auf Trinkmenge und Verteilung achten

Oft lässt sich Einnässen mit dem richtigen Trinkverhalten und regelmäßigen Toilettengängen in den Griff bekommen, oder zumindest verbessern. Denn viele Kinder trinken über den Tag verteilt sehr unregelmäßig, d.h. morgens ein wenig, vormittags nichts und erst in der zweiten Tageshälfte (zu Hause) so viel, dass die Blase nachts nicht dicht hält. Sie vergessen ihren Durst im Trubel einfach, das Signal kommt nicht an. 

Für die richtige Trinkmenge gibt es Empfehlungen der DGE, z.B. 940 ml Wasser ab dem 4. Geburtstag und 970 ml Wasser ab dem 7. Geburtstag. Die Menge erhöht sich, je aktiver dein Kind ist. Wenn dein Kind immer zu wenig trinkt, können sich Blase und nötige Reflexe nur verzögert ausbilden. Zu Hause kannst du selbst darauf achten, doch in Kita und Schule müssen Betreuende und Lehrkräfte mit ins Boot geholt werden.

Toilettensituation herausfinden

Manchmal ist der Grund für Einnässen am Tag bei Kindern ganz simpel. Manche Kinder haben Angst, auf die Toilette zu gehen. Das kann an den örtlichen Gegebenheiten liegen. In der Kita kann es passieren, dass die Toiletten oft verschmutzt/verstopft sind oder das Kind von anderen geärgert wird. Vielleicht möchte es sein Spielzeug nicht aus den Augen lassen oder nicht allein gehen, traut sich aber nicht um Hilfe zu bitten. In der Schule kann das ähnlich sein. Hier kommen manchmal noch weiter entfernte oder versperrte Toiletten in Betracht. Manchmal sollen Kinder während des Unterrichts allein gehen und haben Sorge, dass die Tür sich nicht mehr öffnet. Oft helfen schon kleine Änderungen, damit der rechtzeitige Toilettengang für dein Kind angenehmer wird.

Hilfsmittel in Betracht ziehen

Für die Behandlung von Einnässen bei Kindern gibt es je nach Ursache unterschiedliche Hilfsmittel. Meist wird der Arzt oder die Ärztin etwas empfehlen (z.B. Klingelhose oder Klingelmatratze). Du kannst jedoch auch selbst tätig werden. Nachts kann bei täglichem oder häufigem Einnässen ein Windelhöschen Druck herausnehmen. So bist auch du entspannter, weil es weniger Wäsche gibt. 

Für tagsüber gibt es Trainingshöschen für kleinere Kinder und Inkontinenzslips für Mädchen und Jungen, die zumindest kleinere Unfälle kaschieren. Das ist wichtig für das Ego deines Kindes, falls es sonst zu Hänseleien kommt. Auch eine Erinnerungsuhr kannst du probieren. Sie ist programmierbar und vibriert diskret zu festgelegten Zeiten, in denen dein Kind trinken oder auf die Toilette gehen soll. Dafür muss es natürlich alt genug sein. 

Dran bleiben

Wenn Kinder länger brauchen, um trocken zu werden, kann sich das Einnässen spontan bessern. Der Zustand kann sich jedoch auch über Jahre hinziehen oder mit jedem Wachstumsschub immer wieder auftreten. Wichtig ist, dass ihr das Thema Einnässen nicht zu lange aussitzt. Denn im Kitaalter lassen sich Einnässprobleme noch leichter lösen als im Schulalter. Manchmal ist der Leidensdruck des Kindes aber auch erst mit etwa 6 Jahren groß genug, dass es selbst etwas an der Situation ändern will. 

Wenn ihr dann einen Therapieplan in den Händen haltet, solltet ihr dran bleiben. Auch wenn es nicht ohne Geduld und Wohlwollen geht. Geht dein Kind in Kita oder Schule sollten auch dort alle wichtigen Personen sensibilisiert werden. Es kann sein, dass du das Verhalten erklären musst, weil nicht alle auf dem neuesten Stand sind.

Über eine Kur nachdenken

Ist dein Kind schon älter und immer noch nicht trocken? Die Situation zermürbt euch, weil ihr es im Alltag nicht in den Griff bekommt? Dann denkt am besten über eine Kur nach. Es gibt Kurkliniken, die auf kleine Enuresis-Patienten spezialisiert sind. Aber auch eine Mutter/Vater-Kind-Kur kann helfen, dem Einnässen beim Kind bzw. der Therapie endlich genug Zeit widmen zu können.

Welche Ursachen kann Einnässen bei Kindern haben?

Wenn ein Kind ab einem bestimmten Alter noch nicht trocken ist, kann das ganz unterschiedliche Ursachen haben. Welche bei deinem Kind infrage kommen, kannst du zwar vermuten. Aber lediglich ein Facharzt oder eine Fachärztin kann und sollte die Diagnose stellen. 

Wir finden es schwierig, mögliche Gründe in Kategorien wie geistige oder körperliche Entwicklung einzuteilen, denn oft sind die Übergänge fließend. Daher verzichten wir darauf und nennen nur mögliche Ursachen für das Einnässen. Die Liste ist weder vollständig noch nach Häufigkeit sortiert.

  • Entwicklungsverzögerung, Unreife der beteiligten Reflexe und Nervenbahnen
  • ADHS oder andere Besonderheiten (Störungen)
  • Ungünstiges Trinkverhalten
  • Schwere Weckbarkeit
  • Niedriger ADH-Spiegel nachts (anti-diuretisches Hormon)
  • Ängste, Sorgen, besondere Aufregung
  • Falsches Ausscheidungsverhalten
  • Geringe Blasengröße für das jeweilige Alter (Formel: Alter in Jahren x 30 + 30 ml = normale Blasenkapazität, mehr als 65 Prozent Abweichung gilt als zu wenig)
  • Akute Entzündungen
  • Organische Schädigungen durch Blasen- und/oder Nierenentzündungen
  • Probleme beim Harnabfluss
  • Angeborene oder erworbende Nervenschädigung

Behandlung des Einnässens

Gleich vorweg: Einnässen ist bei Kindern gut behandelbar. Je früher die Therapie beginnt, desto besser.

Wie die verschiedenen Formen des Einnässens bei Kindern behandelt werden, hängt immer von der genauen Ursache ab. Für das Einnässen tagsüber (Harninkontinenz) und das nächtliche Einnässen (Bettnässen) gibt es verschiedene Ansätze. Tritt beides zugleich auf und gibt es unterschiedliche Ursachen, wird zuerst das dringlichere Problem angegangen – in der Regel die Inkontinenz am Tag. 

Zeitgleich kann es nötig sein, die Psyche deines Kindes mit einer Therapie zu stabilisieren. Denn oft sind Einnässprobleme entweder ein Zeichen, die Ursache oder die Folge einer psychischen oder somatischen Störung. 

Einnässen tagsüber (Enuresis diurna)

Einnässen tagsüber, also Harninkontinenz bei Kindern, kann je nach Ursache mit Medikamenten, einer Verhaltenstherapie oder einer Operation behandelt werden. Ist beispielsweise die Blase zu klein und kommt es deshalb bei deinem Kind zu Dranginkontinenz, können Medikamente wie Propiverin oder Oxybutynin die glatte Muskulatur entspannen. Zusammen mit optimiertem Trinkverhalten (Trinkplänen) und regelmäßigen Toilettengängen kann das Blasenvolumen so vergrößert werden. Dadurch bilden sich auch die Reflexe weiter aus. Denn eine größere Harnblase sendet auch deutlichere Signale. So merkt dein Kind besser, wenn sich die Blase langsam füllt.

Nässt dein Kind am Tag ein, weil es eine Blasenentleerungsstörung entwickelt hat, kann ihm eine Urotherapie z.B. mit Biofeedback in der „Blasenschule“ helfen. Hier lernt es, seinen Beckenboden bewusst anzuspannen und zu entspannen. 

Nächtliches Einnässen (Enuresis nocturna)

Bei nächtliches Einnässen treten oft mehrere Faktoren gleichzeitig auf. Viele betroffene Kinder: 

  • trinken abends zu viel und/oder 
  • bilden zu viel Urin, obwohl der Körper die Produktion im Schlaf herunterfahren sollte,
  • zusätzlich wachen sie von einer sich füllenden Blase nicht auf, weil sie schwer weckbar sind, und
  • die Blasenkommunikation noch nicht fertig ausgereift ist.

Kommt dir das bekannt vor? Das Problem bessert sich oft, sobald das Kind lernt, über den Tag verteilt regelmäßig und genügend Wasser zu trinken. Zusätzlich kann es auf ärztlichen Rat helfen, dein Kind zu wecken (zu festen Zeiten, mit Klingelhose oder Klingelmatte bei den ersten Tropfen) und es zur Toilette zu begleiten.

Als Kurzzeittherapie kann Desmopressin in Form von Nasenspray das „fehlende“ Hormon (ADH) ersetzen, wodurch das Kind zum Beispiel auf Klassenfahrten nachts trocken bleibt. 

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War dein Kind nachts schon trocken und nun sind seelische Probleme schuld am Einnässen in der Nacht, können das Selbstbewusstsein stärkende Aktivitäten, ein Belastungstagebuch zum Erkennen von Zusammenhängen und/oder Selbsthypnose vor dem Schlafengehen helfen. Bei besonders aufregenden Zeiten wie dem Schulstart hilft manchmal auch Aussitzen und einfach nur für dein Kind da sein.

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Quellen

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