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Warum die Beruhigung eines Babys nichts mit Verwöhnen zu tun hat

Warum die Beruhigung eines Babys nichts mit Verwöhnen zu tun hat

Gerade hast du das Baby abgelegt und schon wieder beginnt es zu weinen. Du stehst nun vor der Frage, ob du es schon wieder auf den Arm nehmen solltest. In deinem Hinterkopf hörst du den viel gegebenen Hinweis, das Baby bloß nicht zu verwöhnen. Die gute Nachricht: Ein Baby kann man nicht verwöhnen. Höre auf deine eigene innere Stimme.

Woher kommt die Angst, sein Baby zu verwöhnen?

Diese Angst, dass du dein Baby verwöhnen könntest, basiert auf verschiedenen Faktoren. Vielleicht hast du dich schon hier und da in der Schwangerschaft mit anderen Eltern unterhalten. Möglicherweise bekommst du auch ungefragt Ratschläge aus dem Freundeskreis oder von den eigenen Eltern. Irgendwann einmal wird hier ein Satz fallen, wie:

„Du solltest nicht bei jedem Schrei aufspringen, damit ziehst du dir einen Tyrannen heran.“

„Babys müssen gleich lernen, dass nicht immer sofort jemand kommt. Sonst gewöhnen sie sich daran.“

„Die verwöhnten Kinder sind ein Ergebnis der heutigen Erziehung. Jeder Wunsch wird ihnen erfüllt.“

Vielleicht nimmst du diese Sätze nur auf, aber nicht ernst. Das heißt jedoch nicht, dass der Inhalt nicht in deinem Kopf verankert bleibt. Wenn dein Baby dann wieder einmal weint, obwohl es alles zu haben scheint, was es braucht, kommen die Gedanken hoch. Du überlegst, ob du es vielleicht verwöhnst, wenn du nun wieder mit dem Baby kuschelst.

Um dir die Angst zu nehmen, kann es sinnvoll sein, ein wenig in die Vergangenheit zu gehen. In früheren Zeiten war es ganz normal, dass Kinder immer getragen wurden. Es brauchte ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen. Immer war jemand da, wenn das Baby ein Bedürfnis hatte und das Bedürfnis selbst wurde sofort befriedigt. Dann kam der Anfang des 20. Jahrhunderts. Es begann ein Trend, der vor allem für die Babys fatale Folgen hatte.

Eltern wurde gesagt, sie sollen ihr Kind möglichst wenig berühren und ihm wenig Nähe geben. Wenn es weint, so diene dies nur dazu, die Eltern zu erziehen. Ein damaliges Standardwerk, von dem du vielleicht schon einmal gehört hast, war: „Die deutsche Mutter und ihr erstes Kind“, von Johanna Haarer. Obwohl die Autorin keinen pädagogischen Hintergrund hatte, gingen ihre Tipps stark in die Erziehung über. Teilweise sind ältere Generationen heute noch davon geprägt.

Längst wurden die Aussagen jedoch widerlegt. So wurde beispielsweise die Studie „Twenty-year Follow-up of Kangaroo Mother Care versus Traditional Care“ veröffentlicht. Die Ergebnisse machen deutlich, dass Babys nicht verwöhnt werden können. Stattdessen hat sich gezeigt, dass das Eingehen auf die Bedürfnisse der Kinder sich auch noch Jahre später positiv auf die Kinder ausgewirkt hat. So wiesen Kinder, die viel körperliche Nähe bekommen haben, einen höheren IQ und ein besseres Sozialverhalten auf.

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Kann man ein Baby nun verwöhnen?

Wird dein Baby geboren, so bringt es schon von Natur aus Bedürfnisse mit. Diese Bedürfnisse sind:

  • Wärme
  • Geborgenheit
  • Schlaf
  • Nahrung
  • Hygiene

Dein Baby möchte also eine saubere Windel haben und satt sein. Zudem möchte es deine Nähe und Geborgenheit verspüren und sich sicher fühlen. Dies sind Grundbedürfnisse und die sollten auch erfüllt werden. Kein Säugling ist in der Lage, seine Eltern zu manipulieren. Dies ist schon rein biologisch gar nicht möglich, da er keine solchen Gedanken haben kann. Wenn dich dein Baby nicht sieht oder hört oder spürt, dann geht es davon aus, dass du verschwunden bist. Das macht ihm Angst. Es beginnt zu weinen. Erzieherische Maßnahmen sind dabei nicht gefragt. Gefragt wird nur deine Nähe und Wärme.

Doch was passiert, wenn du nicht zu deinem Baby gehst? Natürlich wird es irgendwann aufhören, zu weinen. Was in früheren Zeiten als Erfolg gesehen wurde, ist genau das jedoch nicht. Inzwischen wurde festgestellt, dass dein Baby in diesem Fall einfach aufgeben würde. Hier tritt der Selbsterhaltungstrieb ein. Dadurch, dass es ruhig wird, versucht es, sich vor möglichen Gefahren zu schützen. Denn wenn die Eltern weg sind, kann niemand das Baby schützen. Zudem ist es erschöpft und schläft ein. Dabei fühlt es sich jedoch einsam und vergessen.

Darum ist Beruhigung kein Verwöhnen

Du stellst dir nun die Frage, ob du dein Baby verwöhnst, wenn du es hochnimmst, sobald es weint. Vielleicht überlegst du dir auch, ob stillen oder füttern nach Bedarf falsch ist oder der Wunsch, das Baby im Familienbett bei sich zu haben. Es ist ganz normal, dass du dir hier Gedanken machst. Du kannst jedoch beruhigt sein:

Dein Baby weiß noch nicht, dass es eine kleine Person ist und es kann nicht abschätzen, welche Wirkung sein Weinen hat. Es ist ganz auf dich angewiesen und wird sich einfach wohlfühlen, dabei aber ganz sicher nicht daran denken, wie es dich manipulieren kann.

Nicht zu unterschätzen ist auch der Einfluss des Weinens auf die Gehirnentwicklung deines Kindes. Spürt dein Baby keine Ruhe und Wärme und Nähe, wenn es weint, gerät es in Stress. Stress führt zu weiterer Unruhe und wirkt sich auf das gesamte Leben aus. So können Erwachsene, die als Baby viel Stress hatten und hier keine Beruhigung erfahren haben, sehr schlecht mit Stresssituationen umgehen.

Wenn du also auf die Bedürfnisse deines Babys reagierst und ihm tröstend zur Seite stehst, verwöhnst du es nicht, sondern gibst ihm Liebe und Wärme für das gesamte Leben mit auf den Weg.

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Quellen

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✔ Inhaltlich geprüft am 11.07.2022
Dieser Artikel wurde von Emely Hoppe geprüft. Wir nutzen für unsere Recherche nur vertrauenswürdige Quellen und legen diese auch offen. Mehr über unsere redaktionellen Grundsätze, wie wir unsere Inhalte regelmäßig prüfen und aktuell halten, erfährst du hier.

Veröffentlicht von Patricia Schlösser-Christ

Patricia widmet sich als Kulturanthropologin mit Leidenschaft der Kindheits- und Familienforschung. Ihre liebsten (und herausforderndsten) „Studienobjekte“ sind ihre beiden kleinen Töchter. Wenn sie nicht gerade Feldforschung im Kinderzimmer ihrer kleinen Rasselbande betreibt, powert sie sich beim Handball aus.

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