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Babys Ohren reinigen: Mit oder ohne Wattestäbchen?

Inhaltlich geprüft von Hebamme Nadine Beermann.

Du möchtest deinem Baby die Ohren reinigen? Wir erklären dir, was du dabei beachten solltest, wie du am besten vorgehst – und ob du zum Wattestäbchen greifen solltest!

Das Wichtigste in Kürze

  • Ohren verfügen über einen Selbstreinigungsmechanismus. Sie müssen nicht gesäubert werden.
  • Das Ohrenschmalz hat eine schützende und reinigende Funktion. Es transportiert Schmutz, Staub, abgestorbene Hautschüppchen und Bakterien nach außen.
  • Tritt viel Ohrenschmalz aus den Ohren aus, kann die äußere Ohrmuschel mit einem feuchten Tuch oder Wattepad gereinigt werden.
  • Wattestäbchen sind ein No-Go. Das gilt auch für die dickeren Sicherheitswattestäbchen.

Ab wann du deinem Baby die Ohren reinigen solltest

Du musst die Ohren gar nicht reinigen. Sie verfügen über einen Selbstreinigungsmechanismus und erledigen das normalerweise in Eigenregie.

Abgesehen davon ist Ohrenschmalz (auch Cerumen genannt) etwas Gutes. Es erfüllt eine wichtige Funktion, indem es das Ohreninnere fettet und geschmeidig hält und unter anderem Staub, Schmutz, abgestorbene Hautschüppchen oder Bakterien aufnimmt und nach draußen befördert. Winzige Härchen im Ohr transportieren durch ihre ständigen Flimmerbewegungen alles in Richtung Ohrmuscheln. Dieser natürliche Prozess wird zusätzlich durch das Kauen gefördert. Immer wenn wir essen, „rutscht“ das Ohrenschmalz durch die Kaubewegungen ein Stückchen nach außen.

Das Ohrenschmalz dient also dazu, das Ohr deines Babys sauber zu halten und Entzündungen vorzubeugen. Du solltest nicht in diesen Prozess im Innern des Ohres eingreifen. Im Gegenteil. Durch häufiges Reinigen (übrigens auch durch häufiges Baden oder Schwimmen) kann die Schutzfunktion des Ohres beeinträchtigt werden. Infolgedessen kann es zu Ohrenschmerzen kommen.

Falls deinem Schatz jedoch sehr viel Ohrenschmalz aus den Ohren „läuft“, kannst du es natürlich reinigen. Du solltest beim Säubern des Babyohres aber einiges beachten!

Wie du deinem Baby am besten die Ohren reinigst

Das Wichtigste vorweg: Du solltest nur den äußeren Bereich der Ohrmuschel säubern – niemals in den Gehörgang „eindringen“! Hierfür kannst du ein leicht feuchtes Kosmetiktuch, ein Wattepad oder einfach einen Handtuchzipfel benutzen – kein Wattestäbchen!

Am besten bekommst du die klebrige Ohrenschmalzmasse mit leicht kreisenden Bewegungen ab. Achte darauf, dass kein Wasser ins Ohr gelangt und reinige immer auch die Stelle hinter den Ohren. Dort lagern sich häufig Milchreste oder Speichel ab. Ein guter Nährboden für Keime. Trockne das Ohr immer gut ab. Schließlich sollen keine Hautreizungen entstehen.

Weshalb du keine Wattestäbchen verwenden solltest

Laut einer amerikanischen Studie kommen pro Jahr rund 12.500 Kinder in den USA aufgrund schwerer Verletzungen mit einem Wattestäbchen in die Notaufnahme. Das sind umgerechnet etwa 34 Kinder pro Tag! Rund drei Viertel der Fälle (73 Prozent) werden beim Reinigen der Ohren verursacht. Etwa 10 Prozent der Fälle kommen beim Spielen mit Wattestäbchen und 9 Prozent durch einen Sturz mit einem Wattestäbchen im Ohr zustande. Bei den restlichen 8 Prozent liegen unterschiedliche Gründe vor.

Die meisten Verletzungen treten demnach beim Säubern auf. Wird das Wattestäbchen zu tief ins Ohr eingeführt (und das passiert schneller als man denkt, etwa weil sich das Kind ruckartig bewegt), kann dies schmerzhafte Folgen haben.

Folgende Verletzungen können durch Wattestäbchen entstehen:

  • Riss im Trommelfell
  • Schädigung der Gehörknochen
  • Schädigung des Innenohrs.

Infolge solcher Verletzungen kann es zu starken Schmerzen, Schwindel und Gleichgewichtsproblemen oder sogar einem irreversiblen Hörverlust kommen.

Weitere „Gefahren“, die bei der Verwendung von Wattestäbchen lauern:

  • Ohrentzündungen (Etwa durch kleinste Watteteilchen, die sich lösen, und im Ohr zurückbleiben. Oder weil durch das harte Innenteil der Stäbchen die Haut des Gehörgangs geschädigt wird.)
  • Ohrenschmalzpfropf (Mit einem Wattestäbchen wird das Ohrenschmalz tiefer ins Ohr hinein gedrückt. Dadurch kann sich ein Pfropf bilden. Die Schallübertragung auf das Trommelfell ist gestört. Das Baby hört schlecht, das Ohr juckt und kann sich entzünden. Es kommt zu Schmerzen und Schwindel.)

Zwar gibt es spezielle Wattestäbchen für Babys, die dicker sind und mehr Sicherheit bieten sollen, aber auch davon raten wir ab. Auch bei ihnen können sich kleinste Watteteilchen lösen und sich negativ auf die Ohrengesundheit auswirken. Du solltest ohnehin nur das außen sichtbare Ohrenschmalz entfernen. Dafür brauchst du keine Wattestäbchen.

Wann eine professionelle Ohrreinigung sinnvoll ist

Falls du das Gefühl hast, dass die Ohren deines Babys zu viel Ohrenschmalz bilden oder dass es Schmerzen im Ohr hat, solltest du einen HNO-Arzt aufsuchen. Er wird sich die Ohren anschauen und sie, falls nötig, professionell reinigen. Hierzu verwendet er einen Metalllöffel (Kürette), ein spezielles Häkchen oder einen Sauger. Alternativ spült er die Ohren mit körperwarmem Wasser mit wenig Druck aus. Die Kosten für die professionelle Ohrreinigung übernimmt in der Regel die Krankenkasse.

Falls dein Kind ein Hörgerät trägt, solltest du öfter eine Kontrolle des Gehörgangs durchführen lassen. Durch das regelmäßige Tragen des Hörgerätes wird der Ohrenschmalz-Abfluss behindert. Das kann zu einer Ohrenentzündung führen. Falls nötig, wird der HNO-Arzt die Ohren regelmäßig professionell reinigen.

Etwas kommt dir komisch vor? Dann solltest du zum Arzt gehen!

Kommt dir die Ohrenschmalzmenge und/oder -konsistenz komisch vor, raten wir dir grundsätzlich zu einem Arztbesuch. In jedem Fall aber, wenn folgendes eintritt:

  • Das Ohrenschmalz verändert sich in seiner Farbe und Konsistenz (beispielsweise tritt gelegentlich ein Pfropfen aus).
  • Im Gehörgang ist eine rötliche Schwellung zu sehen.
  • Du hast das Gefühl, dein Kind hat Schmerzen.
  • Du hast das Gefühl, dein Kind hört schlecht.
  • Es tritt Eiter oder eine andere Flüssigkeit aus dem Ohr aus.

Gerade bei Babys und Kleinkindern ist es schwer, Ohrenschmerzen zu erkennen. Sie können sich noch nicht richtig mitteilen. Daher möchten wir auch die typischen Warnsignale nicht unerwähnt lassen, die auf Ohrenschmerzen hindeuten.

Typische Warnsignale bei Babys:

  • Schmerzen bei Berührung des Ohrs
  • vermehrtes Quengeln
  • eitriger Ausfluss
  • häufig auch: erhöhte Temperatur oder Fieber, verstopfte Nase, Husten
  • Nahrungsverweigerung.

Typische Warnsignale bei Kleinkindern:

  • häufiges „Ans-Ohr-Fassen“
  • vermehrtes Quengeln
  • eitriger Ausfluss
  • unruhiger Schlaf.

Fazit

Bei der Ohrenpflege gilt: Weniger ist mehr. Normalerweise reinigt sich das Ohr von ganz allein. Sollte dein Kind besonders viel Ohrenschmalz bilden, kannst du die äußere Ohrmuschel säubern. In die Vorgänge im Inneren des Ohres solltest du nicht eingreifen – schon gar nicht mit einem Wattestäbchen!

Quellen

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