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Verwöhnender Erziehungsstil: Junge darf direkt aus der Kuchenform essen

Der verwöhnende Erziehungsstil: das Kind steht im Mittelpunkt

Kaum jemand verwöhnt sein Kind bewusst. Meist geschieht es einfach, ohne dass sich die Eltern über mögliche Folgen Gedanken machen. Wie sich der verwöhnende Erziehungsstil im Alltag äußert und wie sich so erzogene Kinder oft entwickeln, erklären wir jetzt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Erziehungsstil: Mischung aus Grundeinstellung, Erziehungsziel und elterlichem Verhalten
  • Der verwöhnende Erziehungsstil: einer von vier Stilen nach Maccoby und Martin
  • Ging aus dem permissiven Erziehungsstil hervor.
  • Wenig elterliche Kontrolle und gleichzeitig viel emotionale Wärme und Zugänglichkeit
  • Kinder fühlen sich wichtig und verstanden, Regeln müssen sie kaum befolgen
  • Hat Vorteile, kann aber auch zu Problemen führen

Kaum Anforderungen und ganz viel Nachgiebigkeit – das kennzeichnet den verwöhnenden Erziehungsstil. Er stellt das Gegenstück zur autoritären Erziehung dar.

Diana Baumrind beschrieb ihn in den Sechzigerjahren als permissiven Erziehungsstil. Eleanor Maccoby und John A. Martin entwickelten Baumrinds Modell weiter und unterteilten den permissiven in den verwöhnenden und den vernachlässigenden Stil. Ihr Modell umfasst daher vier statt Baumrinds drei Erziehungsstile. In unserem Übersichts-Artikel über Erziehungsstile bekommst du einen guten Überblick.

Der verwöhnende Erziehungsstil: grenzenlose Freiheit

Wenn du dein Kind verwöhnst, meinst du es bestimmt gut. Deinem Schatz soll es an nichts fehlen. Er oder sie soll ein schönes Leben haben und sich möglichst nicht mit Problemen herumschlagen müssen. Klingt wie die perfekte Kindheit. Schließlich ist frei und ohne Sorgen zu sein, das höchste Gut, oder nicht? Nun ja.

Kinder, die so erzogen werden, kennen so gut wie keine Grenzen. Sie dürfen machen, was sie wollen und wie sie es wollen. Ihre Eltern gehen davon aus, dass sie sich ganz von allein zu kreativen und selbstbewussten Menschen entwickeln werden. Ohne Hilfe von außen.

Deshalb bekommen sie alles, was sie möchten. Sie müssen keine Verantwortung übernehmen, im Haushalt keine Aufgaben erledigen. Alles, was schwerfällt, machen andere für sie. Und das hat Folgen. Aber dazu gleich mehr.

Im nächsten Abschnitt findest du Beispiele für den verwöhnenden Erziehungsstil.

Verwöhnende Erziehung anhand von Beispielen

„Kiara (3) weiß zwar, wie man sich anzieht. Lust hat sie darauf aber keine. Es fällt ihr einfach schwer, die richtigen Öffnungen in den Kleidungsstücken zu finden. Immer hängen ihre Zehen in der Hose fest, das nervt. Ihre Mutter hat es morgens meist eilig. Deshalb hilft sie ihr, damit es schneller geht. Außerdem möchte sie, dass alles schön zusammenpasst. Dafür legt sie die Kleidung schon am Abend vorher heraus. Aber auch am Wochenende fordert Kiara Hilfe ein. Bekommt sie die nicht, bricht sie völlig zusammen. Das erträgt ihre Mutter nicht und gibt nach. Jedes Mal.“

„Ben (2) geht gern auf den Spielplatz. Sein Vater lässt ihn einfach machen, aber seiner Mutter ist gar nicht wohl dabei, wenn er auf die Spielgeräte klettern will. Zum Glück ist er noch nicht so geschickt, sondern stellt sich immer davor und weint nach ihr. Also hebt sie ihn hoch und hält ihn danach am Hosenträger fest. Sobald es ihr zu hoch wird, nimmt sie ihn herunter. Sicher ist sicher.“

„Charly (4) liebt Marmeladenbrötchen. Sogar heute beim Abendbrot will er welche. Seine Mutter findet schon, dass Süßes am Abend nicht die beste Idee ist. Denn dann kann Charly schlecht einschlafen und vor dem Zähneputzen ist es auch nicht ideal. Also sagt sie nein. Das akzeptiert der Junge aber nicht. Er zetert so lange, bis seine Mutter einknickt und es ihm doch erlaubt. Nur dieses eine Mal noch. Die fünfte Ausnahme an diesem Tag. Charlys Vater ist es egal. Er denkt sowieso, dass um Zucker zu viel Wind gemacht wird. Schließlich durfte er als Kind auch alles essen, worauf er Lust hatte, und hat es ihm geschadet?“

„Das Zimmer von Helene (7) ist bis obenhin vollgestopft. Sie hat alles, was ein Kinderherz begehrt. Zu Weihnachten wünscht sie sich seit ein paar Monaten einen großen Pferdestall von ihren Eltern. Der steht schon nigelnagelneu im Keller bereit, mit allem Zubehör versteht sich. Ziemlich teuer, aber was soll’s. Jetzt hat sie es sich jedoch anders überlegt. Sie möchte lieber Rollschuhe, weil ihre Freundin auch welche hat. Und sie weiß auch schon genau welche. Was tun? Helenes Mutter bestellt kurz entschlossen auch die im Internet. Schließlich ist Weihnachten nur einmal im Jahr und sie liebt es, wenn Helenes Augen leuchten, wenn sie die vielen hübsch verpackten Geschenke unter dem Tannenbaum sieht. Schließlich hatte sie selbst damals nicht viel Spielzeug. Helene soll es besser haben.“

Es gibt unendlich viele Beispiele. Aber all diese Eltern treffen an bestimmten Punkten ähnliche Entscheidungen:

  • Sie richten sich nach den Wünschen der Kinder.
  • Grenzen gibt es kaum bis keine.
  • Sie geben nach, statt sich durchzusetzen.
  • Die Kinder müssen Probleme nicht selbst lösen. Schwierigkeiten werden aus dem Weg geräumt.

Weniger Vorteile für verwöhnte Kinder als gedacht

Wer verwöhnt, tut das meist in allerbester Absicht. Er oder sie glaubt: wenn Kinder zu sehr gefordert werden, engt sie das ein. Ohne lästige Pflichten und Regeln können sie sich so entwickeln, wie es ihrer Natur entspricht. Zum Teil stimmt das auch. Schließlich fördert freies Spiel die geistige und motorische Entwicklung.

So erzogene Kinder entwickeln meist ein großes Selbstbewusstsein. Sie können sich prima durchsetzen. Die ganze Welt arbeitet für sie. Probleme lösen sich in Luft auf, so ihre Grundüberzeugung. Das geht eine Weile gut. Aber spätestens, wenn das Kind auf eigenen Beinen stehen soll, zeigen sich die Schwachstellen dieser Rasenmäher-Erziehung.

Nachteile des verwöhnenden Erziehungsstils

Ohne Regeln fehlt Orientierung. Betroffene Kinder trauen sich oft trotz großem Ego kaum etwas selbst zu. Neues probieren sie selten und falls doch, geben sie beim geringsten Widerstand auf. In Gruppen tun sie sich schwer, ihren Platz zu finden. Vor allem dann, wenn sich viele Alpha-Tierchen um die Position des Anführers streiten. Unterordnen fällt schwer. Regeln zu beachten ebenfalls.

Dass der verwöhnende Erziehungsstil auch langfristig unvorteilhaft ist, zeigt sich spätestens dann, wenn das Kind Dinge allein tun soll. Hausaufgaben selbstständig erledigen, Sachen packen, Konflikte selbst lösen, bei Projekten mitarbeiten … all das erfordert eine hohe Eigenmotivation und aktives Mitdenken. Schwierig, wenn vorher Mutter und Vater immer alles abgenommen haben.

Auch die Bindung zu den Eltern kann leiden. Nämlich dann, wenn das Kind seine vielen Freiheiten als Desinteresse an seiner Person wertet. Das kann vor allem für Jugendliche schwierig sein. Selbst dann, wenn die Eltern alles aus Liebe ermöglicht haben, kann es dem Kind so vorkommen, als hätten sie es damit kaufen wollen.

Weitere Erziehungsstile:

Was ist deine Erfahrung mit dem verwöhnenden Erziehungsstil? Schreib es uns in die Kommentare!

Quellen

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