Von Anfang an dabei!

Spielerisch erziehen: So bringst du dein Kind dazu, ungeliebte Aufgaben zu lieben!

Für Kinder ist Spielen eine Art die Welt zu entdecken. Spielen ist an keine Zeit, an keinen Ort und kein Spielzeug gebunden. Denn Kinder können fast immer und in jeder Situation spielen. Die gute Nachricht: Du kannst die Verspieltheit deines Kindes nutzen, um seine Kooperation zu fördern UND mehr Spaß und Leichtigkeit in euren Familienalltag zu bringen.

Zugegeben, nicht immer löst das Spielbedürfnis unserer Kinder die wahre Freude in uns aus. Oder wie sehr kannst du dich dafür begeistern, wenn dein Kleinkind beim Umherschmeißen der Erbsen seine motorischen Fähigkeiten schult und die Schwerkraft entdeckt? An anderen Tagen ist dein Kind so ins Spielen vertieft, dass du es nur unter großem Widerstand schaffst, es zum Anziehen und raus aus dem Haus zu bewegen. Es sei denn… du machst selbst ein Spiel daraus.

Das Problem aus Elternsicht: Widerstand bei den alltäglichen Aufgaben

Eigentlich möchtest du doch nur, Kleidung an den Körper deines Kindes bekommen, elementare Mundhygiene betreiben und in Ruhe UND FRIEDEN mit deiner Familie frühstücken. Dann würdest du dein Kind in den Kindergarten bringen und pünktlich gutgelaunt auf der Arbeit ankommen. Es gab schon Tage, da hat das sogar annähernd so geklappt.

An den anderen Tagen sieht es allerdings so aus: Dein Kind wacht auf und hat schlechte Laune wegen irgendeiner Kleinigkeit. Vor dem Kleiderschrank bricht ein Streit aus, weil dein Kind unbedingt die Badehose und sonst gar nichts anziehen möchte. Am Frühstückstisch gibt es einen mittelgroßen Wutanfall, weil du das Brot durchgeschnitten hast. Es ist schon spät und du merkst, wie dein Ton immer angespannter wird. Du schaffst es, deinem Kind unter Androhung von Strafe die Zähne zu putzen… Das Ende vom Lied: Du meckerst den ganzen Morgen, bist angespannt, hetzt zur Arbeit und hast später ein schlechtes Gewissen, weil du ein weinerliches Kind in der Kita abgegeben hast.

Das Problem aus Kindersicht: Tu dies, tu jenes, bla bla bla…

„Der Wecker klingelt, Aufstehzeit!“
„Zieh dich bitte JETZT an, oder wir kommen zu spät.“
„Die Milch gehört IN die Müsli-Schüssel, nicht daneben!“
„Vorsicht, du kleckerst dich ja ganz voll! Benutze bitte den Löffel!“
„Nimm den Mund nicht so voll, du kriegst ja kaum Luft.“
„Bitte beeil dich ein bisschen, wir müssen jetzt wirklich los.“
„Ohne Zähneputzen gehst du nicht aus dem Haus!“
„Nicht gleich, sondern jetzt!“
„Jetzt hast du dich mit Zahnpasta bespritzt. Kannst du nicht ein bisschen aufpassen?“
„Vergiss deine Mütze nicht.“
„Nein, zieh die Schuhe jetzt nicht aus, ich habe sie dir doch gerade erst angezogen.“
„Setz dich in den Kinderwagen, wir müssen los.“

Eine schier unendliche Liste von Anordnungen, Lektionen und Kommentaren… In unserem Beispiel sind es nur die zwischen 7 und 8 Uhr morgens. Keine dieser Anordnungen ist böse gemeint und je nach aktuellem Stresslevel schaffen wir es vielleicht auch, sie in einem halbwegs freundlichen Tonfall vorzubringen. Dennoch: Beim lesen dieser Sätze – Wie fühlst du dich? Kooperativ? Motiviert? oder eher gegängelt, genörgelt und geblablat? Ich tippe auf Letzteres.

Ein Lösungsansatz: Im Spiel geht alles leichter

Es gibt einen Zauber, dem nahezu alle Kinder verfallen. Dieser Zauber bringt nicht nur deine Kinder dazu, ungeliebte Aufgaben wie Zähne putzen, anziehen oder pünktlich das Haus verlassen zu erledigen. Er zaubert auch mehr Freude in euren Alltag. Und dieser Zauber heißt SPIEL.

Nehmen wir doch einmal ein paar der obigen Anordnungen und geben ihnen einen spielerischen Touch:

„Prinzessin von Schloss Schnarchhausen, der königliche Wecker hat getönt. Bitte begeben Sie sich in die Ankleidestube. Dort hat eure königliche Kammerdienerin bereits eure Gewänder zurechtgelegt.“

„Hier spricht deine Hose. Meine Aufgabe für heute: Beine vor’m Erfrieren schützen. Bitte einsteigen.“

„Du bist die Mama und deine Hände sind das Kind. Kann die Mama dem Kind sagen, dass es den Löffel benutzen soll?“

„Kleine Eichhörnchen müssen sich gründlich die Zähne putzen, damit sie die harten Eicheln zerbeißen können. Du bist das Eichhörnchen und ich die Eichhörnchenmama. Komm ich putze dir die Zähne, kleines Eichhörnchenbaby.“

„Wir sind Feuerwehrmann Sam und Feuerwehrmann Steel. Schnell in die Feuerwehrklamotten rein, wir müssen zum Einsatz ausrücken!“

Zugegeben, es erfordert ein bisschen Übung und Kreativität, profane alltägliche Aufgaben humorvoll zu verpacken. Und du musst es schaffen, dir auch in stressigen Situationen ein bisschen Verspieltheit zu entringen. Aber fühlt es sich nicht viel besser an, als das ewige Meckern und Überreden? Wenn du dir angewöhnst, Aufgaben spielerisch zu gestalten, wirst du bemerken, dass dein Kind häufiger bereit ist „mitzuspielen“ und so viele Dinge leichter von der Hand gehen.

Auch wenn’s mal nicht funktioniert: es ist ein Erfolg!

Die spielerische Herangehensweise wird nicht immer funktionieren. Das Gute ist, dass sie freundlich ist und daher in der Regel keinen Widerstand hervorruft. Außerdem fühlst du dich nicht so schnell in deiner Autorität untergraben, wenn dein Kind nicht mitmacht. In dem Fall hat es nämlich keine direkte Anweisung von dir missachtet. Es hat nur  einfach nicht mitgespielt.

Anregungen für Spiele, die den Alltag erleichtern

Aufräumen, Anziehen, Duschen gehen… keiner unterbricht gern eine Tätigkeit, die ihm Spaß macht für die profanen Aufgaben des Alltags. Auch nicht deine Kinder. Mit diesen Anregungen geht es leichter:

Roboterstimme

Deine Roboterstimme kann Wunder wirken, wenn es darum geht, dass dein Kind etwas erledigen soll. „Ich bin dein Anziehroboter 3.0. Meine Aufgabe: Menschenkind einkleiden. Schritt 1: Schlüpfer über Kinderpo ziehen. Schritt 2: Hose über Kinderschlüpfer.“

Es gibt etliche weitere „witzige Persönlichkeiten“ in die du schlüpfen kannst, um ungeliebte Aufgaben lustig zu delegieren. Wie wärs zum Beispiel mit Kermit der Frosch, Feuerwehrmann Sam, Pittiplatsch oder einer selbst ausgedachten verrückten Fantasiefigur?

Rollenspiele

Rollenspiele sind tolle Möglichkeiten, um Situationen spielerisch zu verarbeiten und zu verstehen. Mit Rollenspielen kannst du deinem Kind helfen, soziale Kompetenzen zu üben, seine Gefühle zu verarbeiten oder sich in andere hineinzuversetzen. Und sie eignen sich prima, um Würze in langweilige Aufgaben zu bringen. „Ich bin das Kind und du bist der Papa. Papa, kannst du dem Kind zeigen, wie man sich richtig anzieht? Welches Teil kommt zuerst?“

Sprechende Gegenstände

Warum solltest immer nur du dich darüber aufregen, dass die Legosteine überall rumliegen? Gib die Aufgabe an die Legokiste ab und lass sie dabei sehr theatralisch werden. „Oooooohhhh ich bin so leer. Keine Legosteine weit und breit. Ich kann doch nachts nicht schlafen ohne meine blauen und grünen und roten Steine. Ich habe keine Arme und kann die Steine nicht holen. Wenn doch nur ein Kind mir helfen könnte, die Legosteine wieder in mich reinzulegen.“

Wie die Personen in die du selbst schlüpfen kannst (Punkt 1) können die Gegenstände im Haushalt viele verschiedene unterschiedliche Charaktere annehmen: frech, witzig, weinerlich, aufopfernd, besorgt, rechthaberisch, … Probiere es einfach aus 🙂

Alles falsch machen

Du erinnerst dich an nichts mehr und brauchst die Hilfe deines Kindes. Die meisten Kleinkinder verteidigen plötzlich mit Feuereifer die Dinge, die sie so mühsam gelernt haben. Frage zum Beispiel, ob man die Suppe mit dem Messer ist, ob der Schlüpfer auf den Kopf gehört oder die schmutzige Wäsche in den Geschirrspüler gehört.

Geschichten ausdenken

„Zähne putzen ist langweilig, aber Zahnmonster jagen, das ist spannend.“ heißt es in dem Kinderbuch Mein erstes Zahnputzbuch. Der kleine Jonas hat überhaupt keine Lust, sich die Zähne zu putzen, bis seine Schwester Jasmin ihm erklärt, wie man auf Monsterjagt geht.

Kaum ein Kind lässt sich von dem Argument überzeugen, dass es Karies bekommt, wenn es sich nicht die Zähne putzt. Das ist viel zu abstrakt. Aber mit einer Geschichte werden profane Aufgaben zu spannenden Abenteuern.

Sicher fallen dir noch mehr Geschichten ein, mit denen du etwas mehr Spannung in euren Alltag bringst.

Mach einen Wettbewerb draus

„Wir müssen los. Wollen wir zur Tür hüpfen?“
„Schaffst du es, alle Spielzeuge in die Kiste zu räumen, bevor das Essen auf dem Tisch steht?“
„Lass und so leise sein, wie Schildkröten. Wir sind eine Schildkrötenfamilie und dürfen die nächste halbe Stunde nur kriechen und leise flüstern.“

Kinder lieben kleine Herausforderungen, wenn sie spielerisch formuliert sind. Zieht euch um die Wette an, ahmt einen Kinderbuchhelden nach oder bewegt euch so langsam wie Schildkröten, so leise wie Mäuschen oder so schnell wie eine Gazelle.

Lava, Feuer, Dinosaurier

Nutze die Vorstellungskraft deines Kindes und baue Abenteuer in euren Alltag ein. Du möchtest, dass dein Kind zur Tür kommt, um loszugehen. Sag ihm, dass heiße Lava im Flur ist und ihr versuchen müsst, euch drumherum zu schlängeln. Dein Kind soll unter die Dusche? Verweise auf das Feuer, dass dringend gelöscht werden muss. Dein Kind will nicht ins Bad kommen? Sei der Dinosaurier, auf dessen Rücken es dorthin reitet.

Musik, Tanz und andere Motivationshilfen

Alles geht leichter mit Musik. Und sicher gibt es auch zu deiner persönlichen Herausforderung ein passendes Kinderlied. Es gibt Zahnputz-Lieder, Aufräum-Lieder, ein Lied zum Händewaschen. Du kannst dir auch selbst Lieder ausdenken. Es muss keineswegs perfekt sein, es soll einfach ein bisschen Leichtigkeit in die alltäglichen Aufgaben bringen.

Vielleicht gibt es ein Lied, dass ihr jeden Morgen zum Anziehen hören könntet oder du entwickelst einen speziellen Anziehtanz. Mit ein wenig Fantasie fallen dir sicher tolle Lieder und Tänze ein, die in euren Alltag passen.

Oder wie wär’s mit einem Energydrink (ein Orangensaft im Schnapsglas), der Super-Aufräumkräfte verleiht?

Sei hemmungslos albern

Als wären Robotterstimme, sprechende Socken und Lava im Flur nicht albern genug… Doch du kannst sicher noch einend raufsetzen. Reite auf dem Staubsauger. Sprich alle Wörter eines Satzes mit dem gleichen Anfangsbuchstaben aus, schneide lustige Grimassen, während du dein Kind anziehst oder renne quer durch’s Wohnzimmer, um dem Mief der ungenutzten Zähne zu entkommen. Dein Kind wird es lieben!

Ablenkungsspiel

Manche Kinder ziehen sich nicht gerne an, andere können es partout nicht leiden, sich die Zähne putzen, die Haare schneiden oder sich wickeln zu lassen. Es spricht überhaupt nichts dagegen, deinem Kind für diese unangenehmen Tätigkeiten ein Ablenkungsspiel anzubieten. Du könntest beispielsweise ein exklusives Spielzeug nur für diesen Zweck bereitstellen – die Zahnputzfeuerwehr oder das Wickelhandy. Oder wie wäre es, wenn dein Kind beim Anziehen Fotos mit seiner Kinderkamera macht? Alles was funktioniert, um den Stress herauszunehmen und mehr Freude in die alltäglichen ToDos zu bringen ist legitim.

Was, wenn mir nicht nach Spielen zumute ist?

Zugegeben, im Alltagstrott ist es manchmal schwierig, den Pausenclown hervorzuholen. Je lauter die Uhr tickt, desto schneller geht der Atem und desto weniger aufgelegt für Scherze bist du wahrscheinlich. Doch es lohnt sich, einmal tief durchzuatmen und es zu versuchen. Auch und gerade wenn dein Kind schon quengelig ist und jetzt deiner Meinung nach ENDLICH EINFACH MAL HÖREN sollte.

Warum? Mit Spaß und Spiel wirst du viel weniger Energie benötigen, um dein Ziel zu erreichen. Überwinde dich genau in diesen Momenten und hol die Robotterstimme heraus. Wenn du den Nerv deines Kindes triffst, verringerst du seinen Widerstand und brauchst weniger Energie, und rechtzeitig fertig zu werden und zwar mit weniger Quengeln und einem Lächeln auf dem Gesicht.

Verspieltheit ist auch Übungssache. Du wirst sehen, wie es dir mit der Zeit leichter fällt, in Stresssituationen albern zu werden, statt zu schimpfen. Du wirst lernen, über welche Witze dein Kind am ehesten lacht und welche Art Spiele am besten funktionieren.

Motivation für’s Leben lernen

Im Leben muss man sich immer wieder überwinden. Für manche ist es die tägliche Hausarbeit, andere können gewissen Aspekten ihrer Arbeit einfach nichts abgewinnen. Wieder andere scheuen den Weg zur Arbeit viel mehr. Ätzende Aufgaben kennt jeder.

Indem du die ungeliebten Aufgaben mit positiven Emotionen belegst, legst du den Grundstein, dafür, dass dein Kind sie nicht mehr als Belastung empfindet. Mit der spielerischen Methode bringst du deinem Kind also bei, auch den weniger glamourösen Tätigkeiten des Lebens etwas Positives abzugewinnen. Pflicht muss nicht immer ätzend sein. Mit ein bisschen Musik und Fantasie kann auch der schnöde Alltag Spaß machen.

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