Von Anfang an dabei!

24 Sätze, die du nicht zu deinem Kind sagen solltest

Kinder können ihre Eltern manchmal ganz schön zur Weißglut treiben. Warum du trotzdem deine Zunge im Griff behalten und welche Sätze du nie zu deinem Kind sagen solltest, erfährst du in diesem Artikel. Dazu gibt es Tipps, wie du dein Kind mit Worten stark machen kannst.

Ganz klar, im Eifer des Gefechts rutscht den meisten Eltern schon mal das ein oder andere unbedachte Wort heraus. Denn wir sind auch nur Menschen. Vor allem, wenn wir verzweifelt und gestresst sind, ist die Zunge manchmal schneller als der Kopf.

Unsere Worte sind aber leider mächtiger, als die meisten Eltern wissen. Denn wir sind die Menschen, auf deren Urteil sich das Kind verlässt. Und ein Kindergehirn merkt sich vieles, was ein Erwachsenengehirn schon längst wieder vergessen hat. Manchmal ein Leben lang. Viele verbale Verletzungen durch die Eltern lassen das Selbstwertgefühl des Kindes immer mehr schrumpfen.

Die meisten Redewendungen kommen ganz tief aus unserem Unterbewusstsein und sind ein Spiegel dessen, wie wir selbst aufgewachsen sind. Deshalb ist es wichtig, dass du dir klarmachst, welches Päckchen du selbst mit dir herumschleppst. Denn nur so kannst du verhindern, dass du dieses Erbe an dein Kind weitergibst.

Kommunikation, die das Kind nicht verletzt, kann man zum Glück üben. Bei Ausrutschern kittet eine ehrlich gemeinte Entschuldigung so manchen kleinen Riss in der Kinderseele.

Was bestimmte Formulierungen bei deinem Kind anrichten können und was du stattdessen sagen kannst, erfährst du jetzt.

Aufforderungen, Gefühle zu unterdrücken

1 Hör auf zu heulen!

Schlimm genug, dass es dem Kind schlecht geht. Jetzt darf es seine Gefühle nicht mal mehr zeigen. Dass es davon nicht besser wird, wissen wir eigentlich, oder?

Besser wäre wahrscheinlich je nach Situation die ernstgemeinte Frage, warum es sich so fühlt oder so etwas wie „Ich sehe, dass es dir nicht gut geht. Schokolade kann ich dir jetzt nicht geben, aber ich kann dich ganz fest drücken, bis es dir besser geht?“

2 Ein Indianer kennt keinen Schmerz.

Ganz ähnlich wie im oberen Beispiel soll diese alte Floskel das Kind hart machen und zum Verstummen bringen. Aber eigentlich lernt es durch solche Sätze nur, dass es falsch ist, zu zeigen, wie es ihm wirklich geht und auf seinen Körper zu hören.

Probier es mit: „Hast du dir weh getan? Möchtest du ein Kühlpad oder soll ich dich einfach nur in den Arm nehmen?“

3 Was, davor hast du Angst?

Vielen Kinder haben phasenweise Angst vor gewissen Dingen. So mag Leonie keine Hubschrauber, Paul vermutet ein brummendes Monster unter dem Bett und Lara hat panische Angst vor Hunden. Statt uns darüber lustig zu machen, sollten wir die Ängste ernst nehmen, auch wenn sie uns noch so absurd erscheinen. Denn nur so fühlt sich das Kind geborgen und kann seine Angst irgendwann überwinden.

Besser: „Macht dir das Angst? Das Gefühl kenne ich. Ich bin bei dir, dir kann nichts passieren.“

Anderes ist immer wichtiger als das Kind

4 Ich habe keine Zeit.

Der Fakt als solcher ist natürlich okay. Wichtig ist, wie wir dem Kind sagen, dass es gerade nicht geht. Denn Kinder bekommen schnell den Eindruck, dass sie im Leben der Eltern unwichtiger als alles Andere sind.

Wie wäre es also stattdessen mit: „Ich muss noch XY zu Ende machen. Dann spielen wir zusammen.“?

5 Ich habe keine Lust mit dir zu spielen.

Eltern müssen nicht immer Lust auf Spielen haben, das ist völlig in Ordnung. Um das Kind nicht zu verletzen, sollte das erstens nicht ständig vorkommen und zweitens so umformuliert werden, dass das Kind den Grund versteht.

Unser Vorschlag: „Ich bin gerade total kaputt und müde von der Arbeit. Komm wir kuscheln ein bisschen auf der Couch. Nachher spielen wir noch eine halbe Stunde vor dem Schlafengehen.“

Unfaire Verallgemeinerungen

6 Immer lässt du alles rumliegen.

Die kleinen Wörtchen immer und nie sind so fest im Wortschatz einiger Eltern verankert, dass sie gar nicht merken, wie gemein diese Art der Aussage eigentlich ist. Denn niemand macht „immer“ etwas. Das Problem ist, dass unser Gehirn darauf programmiert ist, negatives Verhalten viel stärker wahrzunehmen als positives. Dass Sohnemann oder Töchterlein erst vor ein paar Tagen freiwillig alles weggeräumt hat, übersehen wir einfach, weil es ja „richtig“ ist. Die Folge, das Kind bekommt einen Stempel aufgedrückt und wird sich irgendwann dem Bild angleichen, dass wir schon vorher von ihm hatten. Denn was nützt es, wenn seine Bemühungen sowieso nicht wahrgenommen werden.

Unser Tipp: Positiv formulieren: „Du hast doch neulich so schön aufgeräumt. Das hat mir sehr geholfen. Kannst du das noch öfter so machen?“

7 Nie hörst du auf das, was ich sage.

Gleiches wie oben. „Nie“ trifft ganz sicher nicht zu. Also streich das Wort lieber gleich aus deinem Vokabular. Du bist in solchen Situationen bestimmt angestrengt und genervt und hättest gern ein Kind, dass in diesem Moment einfach das tut, was du bestimmst. Das kannst du natürlich auch sagen, aber immer nur auf die jeweilige Situation bezogen und möglichst in einer Ich-Botschaft verpackt.

Also z.B. „Ich wünsche mir, dass du auf mich hörst, wenn ich sage, dass du an der Ecke halten sollst. Es ist gefährlich einfach auf die Straße zu fahren und ich habe Angst um dich.“

Schuld aufladen

8 Du bist so undankbar.

Seine eigene Geburt ist keine Schuld, die du dem Kind aufbürden solltest. Kinder müssen ihren Eltern nicht permanent dankbar sein, dass sie sie aufziehen. Denn das ist ihre elterliche Pflicht. Außerdem hat Ungehorsam und ähnliches nichts damit zu tun, ob ein Kind seine Eltern gern hat oder nicht. Meist handelt es sich um ganz normale und wichtige Phasen auf dem Weg zum Erwachsenwerden.

Besser: Die Situationen bewusst wahrnehmen und anerkennen, in denen dein Kind mit dir kooperiert hat. Denn die gibt es bestimmt. Also „Du hast mir neulich sehr geholfen, als du XY… gemacht hast. Ich habe gerade so viel um die Ohren. Könntest du XYZ?“.

9 Du bist selbst schuld.

Ein Kind kann viele Dinge einfach noch nicht so vorhersehen oder einschätzen wie wir. Diese Fähigkeiten entwickeln sich erst mit den Jahren. Ihm dafür ein schlechtes Gewissen einzureden, ist ziemlich unfair.

Besser: Trösten und Mut zusprechen z.B. so „Ach hast du eingepullert? Das ist bestimmt unangenehm. Weißt du was, nächstes Mal gehst du einfach noch mal auf die Toilette, bevor wir rausgehen, ja?“

10 Du bist schuld, dass es mir schlecht geht.

Dieser Satz macht etwas mit dem Kind. Selbst wenn es dir besser ging, als du noch kein Kind hattest, solltest du so etwas nie sagen. Denn das Kind ist wie es ist. Und es kann nichts dafür, dass es auf der Welt ist. Solch eine Schuld gräbt sich tief ein und wird das Selbstbewusstsein auf Dauer schädigen.

Hierfür gibt es keine Empfehlung. Einfach sein lassen und die eigene Einstellung überdenken.

Selbsterfüllende Prophezeiungen

11 Du fällst da gleich runter.

Dass man als Eltern vor seinem geistigen Auge Dinge sieht, die noch gar nicht passiert sind, kennen wir nur zu gut. Ja kann durchaus sein, dass das Kind gleich abrutscht. Aber die Wahrscheinlichkeit steigt, wenn du es ihm vorher einredest.

Besser: „Halt dich gut fest! Du schaffst das.“.

12 Das schaffst du nicht.

Dieser Satz nimmt dem Kind allen Mut, es doch zu meistern. Und wenn es solche Aussagen oft hört, wird es irgendwann gar nichts Neues mehr versuchen, wenn es ja sowieso nichts schafft.

Besser: „Probier ruhig mal, vielleicht klappt es ja.“

Vergleiche

13 Deine Schwester/ dein Bruder kann das doch auch.

Jedes Kind entwickelt sich anders, jedes hat andere Stärken und Schwächen. Ein Kind mit anderen zu vergleichen, schafft einen Konkurrenzgedanken, der für die Beziehung der Geschwister nicht gesund ist. Außerdem wertet es das Kind ab, das in einer Sache nun mal länger braucht, als das andere. Sowas prägt sich ein.

Unser Tipp: Spiel die Geschwister nicht gegeneinander aus, sondern betone die Dinge, die sie verbinden. Dann hat dein Kind später immer einen Freund/eine Freundin an seiner Seite.

14 Warum bist du nicht wie XY?

Jedes Kind verdient es, als eigenständige Person wahrgenommen und geliebt zu werden. Egal ob es etwas kann oder eben noch nicht kann. Wenn Emil nicht gern ruhig in der Ecke spielt wie Anton, ist das eben so. Dafür kann er vielleicht unglaublich gut klettern, während Anton schon nach ein paar Zentimetern aufgibt.

Besser: „XY klappt noch nicht so richtig, oder? Ist nicht schlimm, bald kannst du es auch.“

15 Du bist genauso wie dein Vater / deine Mutter.

Dieser Satz verletzt gleich auf mehreren Ebenen. Das Kind fühlt sich schlecht, ohne etwas dafür zu können:

1. Der Satz rückt eine der wichtigsten Bezugspersonen in ein schlechtes Licht. Das tut weh, denn schließlich möchte das Kind stolz auf beide Eltern sein.

2. Der Satz gibt dem Kind Schuld an seiner Abstammung.

3. Wenn das Kind anfängt daran zu glauben, hat es keine Chance, sich anders zu entwickeln.

Unser Tipp: einfach bleiben lassen und sich bewusst auf die positiven Eigenschaften des Partners (oder Ex-Partners) und natürlich auch des Kindes konzentrieren.

Abwertende Glaubenssätze (oder Bannbotschaften)

16 Du bist so ungeschickt.

Wenn ein Kind immer wieder hört, dass es ungeschickt ist, dann wird es in diese Rolle hineinwachsen. Es wird sich auch später klein machen und fest daran glauben, dass es der größte Tolpatsch auf Erden ist und deshalb gar nicht erst versuchen, geschickter zu werden.

Unser Tipp: „Hat nicht geklappt? Macht nichts. Probier es einfach so lange, bis du es schaffst.“

17 Du kannst wirklich gar nichts richtig machen.

Wie oben brennt sich dieser Satz tief in das Unterbewusstsein ein. Was soll aus einem Kind werden, dem eingeredet wurde, dass es zu nichts taugt? Wollen wir nicht eigentlich selbstbewusste Kinder heranziehen, die später für sich selbst einstehen können?

Besser: „Du bist ein tolles Mädchen/ ein toller Junge, auch wenn nicht immer alles so funktioniert wie du es willst. Schau mal, wie du gut du vorhin XY hast .“.

18 Wie schwer kann das sein. Stell dich nicht so an.

Wie oben. Das arme Kind wird innerlich immer kleiner, wenn es solche Sätze hört.

Versuch es mit: „Das scheint dir schwerzufallen. Wollen wir es nochmal zusammen probieren?“

19 Wie kann man sich nur so blöd anstellen.

Wie oben.

Besser: „Klappt nicht? Macht nichts, bestimmt nächstes Mal!“

20 Ich hab doch gesagt, dass du das nicht kannst.

Diese Aussage ist perfekt, um dein Kind auf Dauer zu entmutigen. Dabei wollen wir doch Kinder, die gern Neues ausprobieren, um daran zu wachsen, oder?

Besser: „Heute hat es noch nicht geklappt. Aber wenn du übst, klappt es sicher bald.“

21 Mathe ist einfach nicht dein Ding.

Auf der Erkenntnis, dass einem eine Sache nicht liegt, kann man sich prima ausruhen, oder? „Ich bin sowieso eine Null in Mathe, also warum sollte ich mich anstrengen“. Natürlich ist es möglich, dass die Stärken woanders liegen. Aber wenn man sein Kind früh abstempelt, hat es auch keine Chance, doch noch die Kurve zu kriegen.

Besser: „Fällt dir das schwer? Komm lass uns zusammen üben.“

Liebesentzug / Ängste schüren

22 Wenn Papa nach Hause kommt, kannst du was erleben.

Es ist ziemlich unschön, die Erziehungsmaßnahmen des anderen Elternteils als Druckmittel zu benutzen. Denn zum einen löst das das eigentlich Problem nicht, sondern verschiebt es nur. Zum anderen schürt es im Kind eine diffuse Angst, die völlig unnötig ist.

Unser Tipp: Einigt euch als Eltern auf eine gemeinsame Linie und vor allem darauf, welches Verhalten welche Konsequenzen hat. Dann setzt es auch genauso um.

23 Wenn du nicht aufhörst, gehe ich.

Eine räumliche Trennung beim Streit ist manchmal eine gute Idee. Dabei geht es jedoch nur darum, in ein anderes Zimmer zu gehen, um sich zu beruhigen und wieder klar denken zu können. Dem Kind damit zu drohen, dass man es verlässt, weckt jedoch Urängste. Denn schließlich ist das Kind ohne dich schutzlos. Manche Kinder können ihre Verlustängste ein ganz Leben lang nicht überwinden.

Besser: „Ich brauche mal ein paar Minuten für mich zum durchatmen. Dann komme ich wieder und wir können über alles reden.“

24 Ich hab dich nicht mehr lieb.

Wenn man wütend ist, sagt man so manche unüberlegten Sachen. Neben dem Weggehen ist die Angst, dass die Eltern es nicht mehr lieb haben, das Schlimmste für ein Kind. Sag so etwas nie, denn sicher meinst du es auch gar nicht so.

Probier es hiermit: „Ich bin im Moment ganz schön wütend. Ich werde jetzt ein paarmal tief durchatmen, bis der Ärger verflogen ist.“. Wichtig ist, dass du deinem Kind in einer ruhigen Minute versicherst, dass du es auch dann lieb hast, wenn du mal sauer bist.

Hast du noch eine Idee, wie wir Kinder stark machen können? Dann schreib uns gern einen Kommentar!

  • Joanna Faber & Julie King: How to Talk so Little Kids Will Listen: A Survival Guide to Life with Children Ages 2-7
    Bonnier Zaffre Verlag, Auflage 1 (26. Januar 2017)
  • Stefanie Stahl: Das Kind in dir muss Heimat finden
    Kailash Verlag, 1. Auflage (16. November 2015)
  • Bild: Powerful Shot of Sad Child – Bilder JPRFPhotos / Shutterstock.com
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