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Mutter mit autoritativem Erziehungsstil

Vier Erziehungsstile: wo findest du dich wieder?

Vier Erziehungsstile (nach Maccoby und Martin) – vier verschiedene Herangehensweisen. Wie sie sich äußern und was sie für das spätere Leben der Kinder bedeuten können, erfährst du jetzt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Erziehungsstil: Mischung aus Grundeinstellung, Erziehungsziel und elterlichem Verhalten
  • Es gibt verschiedene Modelle für Erziehungsstile.
  • Drei der vier beschriebenen Stile wurden von Baumrind definiert. Später unterteilten Maccoby und Martin den dritten (permissiven) Erziehungsstil in zwei eigene Ausprägungen.
  • Grundlage dieses Modells ist, wie kontrollierend und wie warm (offen, responsiv) die Eltern dem Kind gegenüber sind.
  • Der autoritative Erziehungsstil gilt momentan als derjenige, mit dem Kinder später ihr Leben am besten meistern.
  • Viele Eltern sind nicht hundertprozentig festgelegt, sondern passen sich der Situation an.

Wurzeln und Flügel – das wollte schon Goethe für die Kinder seiner Welt. Aber wer erzieht wie und welche Auswirkungen hat das womöglich auf Verhalten und Zukunft der Kinder? Für die verschiedenen Erziehungsstile gibt es etliche Klassifizierungen, je nachdem welcher wissenschaftlichen Arbeit sie entstammen.

Wir stellen hier die vier Erziehungsstile nach Maccoby und Martin vor, die sie im Jahr 1983 veröffentlichten. Die Stile basieren auf Diana Baumrinds umfassenden Arbeiten und Studien, unterteilen aber deren drei Erziehungsstile weiter.

Das Modell von Maccoby und Martin orientiert sich vor allem daran, wie viel Kontrolle Eltern ausüben und wie ansprechbar (responsiv) sie dem Kind gegenüber sind, also wie viel emotionale Wärme es bekommt.

1. Autoritärer Erziehungsstil

„Viel Kontrolle, wenig Wärme“

Der autoritäre Erziehungsstil war in Deutschland bis Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts weitverbreitet und als Goldstandard angesehen. Wer danach noch heute erzieht, verlangt von seinen Kindern vor allem Gehorsam. Du gibst vor, die Kinder folgen. Strenge, starre Regeln und Kontrolle sind dir wichtiger als kreatives Mitdenken und eigene Persönlichkeit. Du hast einen Plan für dein Kind und willst es entsprechend formen. Wenn es nicht spurt, bestrafst du es körperlich oder psychisch, oder du drohst ihm eine Strafe an. Wenn es tut, was du sagt, belohnst du es, um es für das nächste Mal zu motivieren.

Das Problem dabei: Autoritäres Verhalten der Bezugsperson gibt zwar vordergründig Sicherheit. Aber Kinder, die so erzogen werden, entwickeln selten ein gesundes Selbstbewusstsein. Ihnen fehlen Wärme und Entfaltungsmöglichkeiten. Ihr Sozialverhalten ist gestört. Viele sind erst unterwürfig und verhalten sich später aggressiv, auch ihren eigenen Kindern gegenüber. Ohne zu wissen warum.

Denn oft wenden Eltern diesen Stil nicht bewusst an, sondern haben ihn unbewusst aus ihrer eigenen Kinderzeit übernommen.

Hier erfährst du mehr zum autoritären Erziehungsstil.

2. Autoritativer Erziehungsstil

„Viel Kontrolle, viel Wärme“

Der autoritative Erziehungsstil gilt momentan als ideal. Er gibt Kindern Sicherheit und gleichzeitig die Möglichkeit, sich frei zu entfalten. Auch hier lenkst und kontrollierst du. Du formulierst wenige, aber klare Regeln, erklärst sie und achtest darauf, dass sie umgesetzt werden. Erpressung und Strafen gibt es nicht, aber durchaus natürliche Konsequenzen.

Dennoch tauschst du dich mit deinem Kind viel aus (wissenschaftlich: hohe Responsivität). Ihr seid euch nahe. Du siehst seine Bedürfnisse und erkennst es als eigenständige Persönlichkeit. Trotzdem: Bestimmte Werte sind dir wichtig, und die willst du vermitteln.

Deine Regeln sind nicht starr. Stellt sich heraus, dass eine nicht sinnvoll ist, änderst du sie oder schaffst sie ganz ab. Weniger ist mehr. Die Eigenmotivation deines Kindes, Aufgaben zu erfüllen, ist dir wichtiger, als dich durchzusetzen.

Hier erfährst du mehr zum autoritativen Erziehungsstil.

3. Verwöhnender Erziehungsstil

„Wenig Kontrolle, viel Wärme“

Beim verwöhnenden (nachgiebigen) Erziehungsstil steht dein Kind im Mittelpunkt deines Handelns. Du akzeptierst sein Verhalten, wie es ist, und machst wenig bis keine Vorgaben. Die Einhaltung von Regeln ist dir nicht wichtig. Du gehst davon aus, dass sich dein Kind ganz von allein entwickeln wird, und verwöhnst es, damit es ihm an nichts fehlt.

Auch wenn so erzogene Kinder von viel Herzenswärme und Nahbarkeit (Responsivität) profitieren, fehlt ihnen oft die Stabilität, die klare Regeln und Grenzen geben. Trotz eines großen Egos probieren sie Neues nur zögerlich, weil sie sich selbst wenig zutrauen. Wenn Schwierigkeiten immer aus dem Weg geräumt wurden, schwindet die Fähigkeit des Kindes, Probleme selbst zu lösen.

Paradoxerweise kann sogar die Bindung leiden. Denn viele Freiheiten können das Kind vor allem im Jugendalter annehmen lassen, dass es seine Eltern nicht interessiert. Manche Kinder werden vor lauter Orientierungslosigkeit rebellisch.

Hier erfährst du mehr zum verwöhnenden Erziehungsstil.

4. Vernachlässigender Erziehungsstil

„Wenig Kontrolle, wenig Wärme“

Auch beim vernachlässigenden Erziehungsstil gibt es kaum Vorgaben oder Regeln, wenn auch aus einem anderen Grund. Wenn du danach lebst (wovon wir nicht ausgehen, weil du diesen Artikel liest), bekommt dein Kind kaum Nähe. Es ist dir schlichtweg egal, wie es sich entwickelt. Deshalb investierst du auch nicht viel deiner Zeit in Erziehung oder gar Förderung.

Dein Kind hat jede Menge Freiheiten. Es darf vieles selbst entscheiden, auch es noch gar nicht das entsprechende Alter erreicht hat. Manche Kinder müssen sogar allein dafür sorgen, dass sie genug zu essen bekommen, sauber sind oder etwas zum Anziehen haben. Darunter leiden Gesundheit und Psyche.

Kinder, die so aufwachsen müssen, finden sich in Schule und Leben oft schlecht zurecht. Sie haben Schwierigkeiten, sich zu binden, Lernschwächen und Probleme mit der Selbstkontrolle. Wie groß die Auswirkungen sind, hängt vom Alter des Kindes und vom Umfeld ab. Gibt es Personen, die die Kinder auffangen können, haben die Kinder später weniger Probleme. Je früher die Vernachlässigung begann, desto unumkehrbarer sind die Beeinträchtigungen.

Gut zu wissen: Vernachlässigung ist ein weiter Begriff. Er lässt sich in körperliche, emotionale, kognitive und erzieherische Vernachlässigung sowie unzureichende Beaufsichtigung unterteilen. Meist treten mehrere Formen zusammen auf, aber nicht immer. Selten vernachlässigen Eltern ihre Kinder absichtlich. Meist sind sie selbst sehr unerfahren oder haben ungelöste, existenzielle Probleme (z.B. Sucht oder Despressionen), die die Bedürfnisse der Kinder in den Hintergrund rücken lassen.

Hier erfährst du mehr zum vernachlässigenden Erziehungsstil.

Der verwöhnende und der vernachlässigende Erziehungsstil gehörten ursprünglich beide zum permissiven (erlaubenden) Erziehungsstil, der wenig bis gar keine Kontrolle beinhaltet. Dieser wurde von Diana Baumrind definiert. Maccoby und Martin reichte diese Unterteilung nicht, denn die Motivation der Eltern war gegensätzlich:

Möchte ich nur das Allerbeste für mein Kind und verwöhne es deshalb? Gebe ich nach, weil mir das Wohlbefinden meines Kindes wichtiger ist als meine Regeln? Oder bin ich der Meinung, dass mein Kind keinerlei Hilfe beim Großwerden braucht? Ist es mir gar egal und deshalb vernachlässige ich es?

Kinder, die mit diesen unterschiedlichen Erziehungsstilen groß werden, bekommen entweder sehr viel Aufmerksamkeit oder kaum welche. Und das wirkt sich unterschiedlich auf die Entwicklung aus.

Gibt es noch andere Erziehungsstile?

Ja, die gibt es, zumindest Abstufungen davon. Ursprünglich basieren sämtliche Definitionen auf drei Erziehungs- beziehungsweise Führungsstilen, die der Gruppenforscher Lewin und sein Team schon Ende der 1930er-Jahre definiert hatten: dem autoritären, dem demokratischen und dem Laissez-faire-Erziehungsstil.

Das Modell wurde weiterentwickelt und verfeinert. Andere Modelle kamen hinzu. In der Literatur und im Internet finden sich mittlerweile etliche Stile, teils wild gemischt. Letztlich sind sie alle Versuche, elterliches Verhalten mithilfe verschiedener Typisierungen oder „Dimensionen“ (etwa Kontrolle und Responsivität) einzuordnen, auch um Auswirkungen auf die kindliche Entwicklung besser untersuchen zu können.

Dass meist keines der Modelle zu hundert Prozent zutrifft, ist kein Wunder. Schließlich lassen sich Familien selten in ein enges Schema pressen.

Quellen

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