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Welche Medikamente darf ich in der Schwangerschaft nehmen?

Schwangere lässt sich in der Apotheke zu einem Medikament beraten.
In der Apotheke wirst du fachkundig beraten, welche Medikamente in der Schwangerschaft geeignet sind. / Bild © Syda Productions, Adobe Stock

Medikamente in der Schwangerschaft sollten bewusst ausgewählt werden. Das heißt aber nicht, dass du Beschwerden einfach aushalten oder wichtige Arzneimittel eigenmächtig absetzen musst. Entscheidend ist immer: Welcher Wirkstoff? Welche Dosis? Wie lange? Und in welcher Schwangerschaftswoche?

Ob Erkältung, Kopfschmerzen, Blasenentzündung oder eine chronische Erkrankung: In vielen Situationen gibt es gut erprobte Möglichkeiten. Wichtig ist, dass du dich vor der Einnahme beraten lässt – am besten durch deine Ärztin, deinen Arzt oder deine Apotheke. Eine sehr hilfreiche Anlaufstelle ist außerdem Embryotox, das unabhängige Informationen zur Verträglichkeit von Medikamenten in Schwangerschaft und Stillzeit bietet.

Das Wichtigste in Kürze

  • Nicht jedes Medikament ist in der Schwangerschaft geeignet, auch nicht jedes rezeptfreie.
  • Viele Beschwerden lassen sich zunächst mit einfachen Maßnahmen lindern, zum Beispiel Ruhe, Flüssigkeit, Kochsalz-Nasenspray oder Bewegung.
  • Wenn ein Medikament nötig ist, gibt es oft gut untersuchte Wirkstoffe.
  • Verschreibungspflichtige Medikamente bitte nicht eigenmächtig absetzen. Das kann für dich und dein Baby riskanter sein als die kontrollierte Weiterbehandlung.
  • Bei chronischen Erkrankungen sollte die Medikation möglichst schon bei Kinderwunsch überprüft werden.
  • Embryotox ist eine gute Quelle zur Vorbereitung auf das Gespräch mit Arzt, Ärztin oder Apotheke, ersetzt aber keine persönliche Beratung.

Medikamente in der Schwangerschaft: gut abwägen statt pauschal vermeiden

In der Schwangerschaft wird bei jeder Behandlung mitgedacht, dass auch das ungeborene Kind geschützt werden soll. Manche Wirkstoffe können über die Plazenta zum Baby gelangen. Bei vielen Medikamenten liegen zudem weniger Studiendaten vor als bei nicht schwangeren Erwachsenen, weil Schwangere aus ethischen Gründen nur sehr eingeschränkt in Arzneimittelstudien einbezogen werden.

Trotzdem ist „am besten gar nichts nehmen“ nicht immer die richtige Lösung. Auch unbehandelte Erkrankungen können Mutter und Kind belasten. Hohes Fieber, starke Schmerzen, Infektionen, Bluthochdruck, Asthma, Diabetes, Epilepsie oder schwere psychische Erkrankungen sollten nicht ausgesessen werden. Sinnvoll ist eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung: so wenig wie möglich, aber so viel wie nötig.

Informiere dich vorab bei Embryotox

Das Thema Medikamente in der Schwangerschaft ist komplex, weil es nicht nur auf den Wirkstoff, sondern auch auf Dosis, Dauer, Schwangerschaftswoche und deine persönliche Situation ankommt.

Eine gute Orientierung bietet Embryotox, das Pharmakovigilanzzentrum Embryonaltoxikologie der Charité Berlin. Dort findest du Informationen zur Verträglichkeit vieler Arzneimittel in Schwangerschaft und Stillzeit. Die Angaben können von Beipackzetteln abweichen, weil Embryotox aktuelle Studien, klinische Erfahrungen und Fachdiskussionen einbezieht.

Wichtig: Nutze Embryotox nicht als Ersatz für eine persönliche Beratung. Die Informationen können ohne medizinischen Hintergrund missverstanden werden. Am besten suchst du den Wirkstoff heraus und besprichst das Ergebnis anschließend mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder deiner Apotheke.

Verschreibungspflichtige Medikamente in der Schwangerschaft

Manchmal sind Medikamente nicht nur erlaubt, sondern wichtig. Das gilt besonders bei chronischen oder ernsten Erkrankungen. Eine unbehandelte Erkrankung kann die Schwangerschaft ebenfalls gefährden oder den Allgemeinzustand der Mutter so verschlechtern, dass auch das Baby belastet wird.

Setze verschreibungspflichtige Medikamente deshalb bitte nicht einfach ab, sobald du von der Schwangerschaft erfährst. Besser ist: zeitnah ärztlich abklären, ob die Dosis passt, ob ein Wechsel sinnvoll ist oder ob die Therapie unverändert weitergeführt werden sollte.

Chronische Erkrankungen, die auch in der Schwangerschaft häufig behandelt werden müssen, sind zum Beispiel:

  • Bluthochdruck
  • Diabetes
  • Epilepsie
  • Asthma
  • Schilddrüsenerkrankungen
  • schwere Allergien
  • Autoimmunerkrankungen
  • Depressionen oder andere psychische Erkrankungen

Wenn du einen Kinderwunsch hast und regelmäßig Medikamente einnimmst, sprich das möglichst früh an. Dann kann deine Behandlung schon vor der Schwangerschaft überprüft und bei Bedarf angepasst werden.

Antibiotika in der Schwangerschaft – ja, wenn sie nötig sind

Auch in der Schwangerschaft können bakterielle Infektionen auftreten, die behandelt werden müssen. Eine Blasenentzündung, bestimmte Scheideninfektionen oder andere bakterielle Erkrankungen sollten nicht verschleppt werden.

Wenn ein Antibiotikum nötig ist, wählt deine Ärztin oder dein Arzt einen Wirkstoff aus, der zur Infektion und zur Schwangerschaft passt. Viele Antibiotika sind in der Schwangerschaft gut erprobt und können sicher eingesetzt werden.

Wichtig ist:

  • Nimm Antibiotika nie auf eigene Faust ein.
  • Setze sie aber auch nicht aus Angst ab, wenn sie dir verordnet wurden.
  • Nimm sie genau so lange ein, wie die Ärztin oder der Arzt es angeordnet hat.
  • Bei Unsicherheit frag in der Arztpraxis oder Apotheke nach.

Rezeptfreie Medikamente: nicht automatisch harmlos

Rezeptfrei bedeutet nicht automatisch schwangerschaftsgeeignet. Viele Mittel gegen Erkältung, Schmerzen, Übelkeit, Verstopfung oder Allergien können sinnvoll sein – andere eher nicht. Außerdem ändern sich Empfehlungen je nach Schwangerschaftswoche.

Lass dich deshalb auch bei frei verkäuflichen Medikamenten beraten. Das gilt besonders für Kombipräparate, pflanzliche Arzneimittel, ätherische Öle, Schmerzmittel und abschwellende Erkältungsmittel.  

Nasenspray und Nasentropfen

Eine verstopfte Nase ist in der Schwangerschaft häufig und kann sehr lästig sein. Oft helfen zuerst einfache Maßnahmen: Kochsalz-Nasenspray, Nasendusche, ausreichend trinken, frische Luft oder Inhalation mit Wasserdampf.

Wenn das nicht reicht, können abschwellende Nasensprays mit Wirkstoffen wie Xylometazolin kurzfristig und in normaler Dosierung möglich sein. Wichtig ist, sie nur für wenige Tage zu verwenden und nicht dauerhaft. Eine längere oder zu häufige Anwendung kann die Schleimhaut belasten und zu Gewöhnung führen.

Hustensaft

Bei Husten ist zuerst wichtig: Was für ein Husten ist es? Trockener Reizhusten, verschleimter Husten oder Husten mit Fieber und Krankheitsgefühl werden unterschiedlich behandelt.

Viele Hustensäfte sind in ihrer Wirkung nur begrenzt belegt. Pflanzliche Mittel wie Efeu können akzeptabel sein, sollten aber möglichst alkoholfrei sein. Wenn Inhalieren und ausreichendes Trinken nicht helfen, kommen je nach Art des Hustens besser untersuchte Wirkstoffe infrage, zum Beispiel Acetylcystein, Ambroxol oder Bromhexin. Lass dich dazu in der Apotheke oder ärztlich beraten.

Bei anhaltendem Husten, Atemnot, Fieber, Schmerzen in der Brust oder starkem Krankheitsgefühl solltest du medizinisch abklären lassen, was dahintersteckt.

Schmerzmittel in der Schwangerschaft

Schmerzen musst du nicht grundsätzlich aushalten. Starke Schmerzen und hohes Fieber können ebenfalls belastend sein. Trotzdem sollten Schmerzmittel in der Schwangerschaft gezielt und nicht über längere Zeit ohne Rücksprache eingenommen werden.

Paracetamol gehört bei behandlungsbedürftigen Schmerzen und hohem Fieber in allen Phasen der Schwangerschaft zu den Mitteln der Wahl. Es sollte in der passenden Dosierung und nur so lange wie nötig verwendet werden.

Paracetamol in der Schwangerschaft wird immer wieder kritisch diskutiert, etwa wegen möglicher Auswirkungen auf die Entwicklung des Kindes. Fachstellen wie Embryotox und der Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte sehen aktuell jedoch keinen Anlass, die bisherige Empfehlung zu ändern: Wenn ein Schmerzmittel erforderlich ist, gilt Paracetamol meist weiterhin als Mittel der Wahl (Stand: Juni 2026).

Ibuprofen gehört in den ersten zwei Dritteln der Schwangerschaft zu den möglichen Schmerz- und Entzündungshemmern. Ab der 28. SSW dürfen Ibuprofen und andere NSAR nicht mehr angewendet werden. Bei regelmäßiger mehrtägiger Einnahme zwischen SSW 20 und 28 werden zusätzliche Kontrollen empfohlen.

ASS/Aspirin braucht eine klare Unterscheidung: Als Schmerzmittel ist ASS in der Schwangerschaft nur eingeschränkt geeignet und sollte nicht eigenmächtig eingenommen werden. Niedrig dosiertes ASS, das ärztlich zur Vorbeugung einer Präeklampsie verordnet wurde, ist ein anderer Fall und sollte nicht ohne Rücksprache abgesetzt werden. Die aktuelle AWMF-Leitlinie nennt bei entsprechendem Risiko ASS 150 mg täglich bis 36 SSW.

Abführmittel und Verstopfung

Verstopfung ist in der Schwangerschaft häufig. Hormone, weniger Bewegung, Eisenpräparate, veränderte Ernährung und der wachsende Bauch können die Verdauung bremsen. Bei leichten Beschwerden helfen oft:

  • ausreichend trinken
  • ballaststoffreiche Ernährung
  • regelmäßige Bewegung
  • feste Toilettenroutine ohne Druck

Wenn das nicht ausreicht, können Medikamente sinnvoll sein. Embryotox nennt bei Verstopfung zunächst nicht-medikamentöse Maßnahmen. Macrogol wird seit Jahren auch in der Schwangerschaft verwendet, ohne, dass Hinweise auf ein Risiko bekannt sind. Je nach Situation kommen auch Lactulose oder kurzfristig andere Laxanzien infrage.

Mittel gegen Pilzinfektionen

Pilzinfektionen lassen sich in der Schwangerschaft meist gut lokal behandeln. Wichtig ist eine sichere Diagnose, besonders wenn Beschwerden wiederkehren oder nicht eindeutig sind.

Bei Pilzinfektionen der Haut oder Schleimhaut wird in der Schwangerschaft die lokale Therapie (z. B. mit Nystatin) bevorzugt. Eine systemische Behandlung, zum Beispiel mit Fluconazol, sollte individuell entschieden werden und ist besonders im ersten Schwangerschaftsdrittel sowie bei längerer oder höher dosierter Anwendung kritisch zu prüfen.

Vitamin- und Mineralstoffpräparate

Auch Nahrungsergänzungsmittel solltest du in der Schwangerschaft bewusst auswählen. Mehr hilft nicht automatisch mehr – und manche Dosierungen sind für Schwangere nicht geeignet.

Eine wichtige Ausnahme sind Folsäure und Jod: Der Mehrbedarf lässt sich über die Ernährung oft nicht zuverlässig decken, deshalb werden entsprechende Supplemente in der Schwangerschaft beziehungsweise schon bei Kinderwunsch empfohlen. Bei Eisen, Vitamin D, Omega-3-Fettsäuren oder anderen Präparaten kommt es stärker auf Ernährung, Blutwerte und individuelle Risiken an.

Am besten besprichst du mit deiner Frauenärztin, deinem Frauenarzt oder deiner Hebamme, welche Präparate für dich wirklich sinnvoll sind.

Impfen in der Schwangerschaft

Auch in der Schwangerschaft gilt: Es sollte so wenig wie möglich, aber so viel wie nötig geimpft werden. Sinnvoll ist es, den eigenen Impfstatus möglichst schon bei Kinderwunsch oder direkt zu Beginn der Schwangerschaft ärztlich prüfen zu lassen. Lebendimpfstoffe, zum Beispiel gegen Masern, Mumps, Röteln oder Windpocken, sind in der Schwangerschaft grundsätzlich nicht vorgesehen. Totimpfstoffe können dagegen – je nach Impfstoff, Zeitpunkt und individuellem Risiko – auch in der Schwangerschaft eingesetzt werden.

Ausdrücklich empfohlen werden in der Schwangerschaft vor allem:

  • Influenza-Impfung: in der Grippesaison, in der Regel ab dem 2. Trimester; bei erhöhter gesundheitlicher Gefährdung auch schon früher.
  • Pertussis-Impfung (gegen Keuchhusten): zu Beginn des 3. Trimesters; bei erhöhtem Frühgeburtsrisiko schon im 2. Trimester. Sie soll in jeder Schwangerschaft erfolgen.

Einige Impfstoffe enthalten Aluminiumverbindungen als sogenannte Adjuvantien. Diese Wirkverstärker sollen die Immunantwort verbessern. In der wissenschaftlichen Literatur wird immer wieder diskutiert, ob solche Bestandteile bei empfindlichen Personen immunologische Reaktionen beeinflussen könnten. Größere Humanstudien und aktuelle systematische Übersichtsarbeiten konnten bislang jedoch keinen belastbaren Zusammenhang zwischen aluminiumhaltigen Impfstoff-Adjuvantien und schweren oder langfristigen Gesundheitsfolgen, einschließlich Autoimmunerkrankungen, nachweisen.

Wenn du nicht wusstest, dass du schwanger bist

Es kommt häufig vor, dass Frauen ein Medikament genommen oder eine Impfung erhalten haben, bevor sie von der Schwangerschaft wussten. Das ist verständlicherweise beunruhigend, aber meistens kein Grund zur Panik. Notiere dir am besten:

  • Name des Medikaments oder Wirkstoffs
  • Dosierung
  • Einnahmedauer
  • ungefährer Zeitpunkt der Einnahme
  • aktuelle Schwangerschaftswoche

Mit diesen Angaben kannst du dich an deine Frauenarztpraxis, deine Apotheke oder Embryotox wenden. Dort lässt sich besser einschätzen, ob überhaupt etwas zu tun ist und welche nächsten Schritte sinnvoll sind. Wichtig ist auch hier: Bitte keine wichtigen Medikamente eigenmächtig absetzen.

Fazit

Medikamente in der Schwangerschaft brauchen Aufmerksamkeit, aber keine Angst. Viele Beschwerden lassen sich ohne Arzneimittel lindern, und wenn ein Medikament nötig ist, gibt es oft gut erprobte Möglichkeiten.

Die beste Entscheidung triffst du nicht allein mit dem Beipackzettel und auch nicht aus Sorge heraus, sondern gemeinsam mit Fachleuten: mit deiner Ärztin, deinem Arzt, deiner Apotheke und bei Unsicherheit mit zusätzlicher Orientierung durch Embryotox.

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Quellen

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✔ Inhaltlich geprüft am 18.06.2026
Dieser Artikel wurde von Emely Hoppe geprüft. Wir nutzen für unsere Recherche nur vertrauenswürdige Quellen und legen diese auch offen. Mehr über unsere redaktionellen Grundsätze, wie wir unsere Inhalte regelmäßig prüfen und aktuell halten, erfährst du hier.

Veröffentlicht von Anke Modeß

Anke ist Berlinerin und Mutter eines Schulkindes. Als langjährige babelli-Redakteurin, Journalistin und Coachin für Kinder, Jugendliche und Eltern liegen ihr Elternthemen besonders am Herzen.