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Ramzi-Methode: Geschlechtsbestimmung schon ab der 6. SSW?

Ramzi-Methode

Gibt es schon im 1. Trimester eindeutige Hinweise darauf, ob das Baby im Bauch ein Junge oder ein Mädchen wird? Laut der Ramzi-Methode könnte eine (fast) sichere Geschlechtsbestimmung schon ab der 6. SSW erfolgen. Wie das geht, welche Rolle der Nabelschnuransatz dabei spielt und wie sicher die Ramzi-Methode wirklich ist, erfährst du hier.

Junge oder Mädchen? Spätestens zur Geburt weißt du es sicher. Die meisten Eltern wollen aber nicht so lange warten und lassen sich das Geschlecht mitteilen, sobald es sich halbwegs sicher im Ultraschall zeigt. Das ist meistens zwischen der 18. und 20. SSW der Fall. Wer es früher wissen will, der könnte sich an der Ramzi-Methode versuchen. Alles, was es dafür braucht, ist ein Ultraschallbild von der 5. – 8. SSW. 

Was ist die Ramzi-Methode?

Diese Methode zur frühen Geschlechtsbestimmung geht zurück auf Dr. Saad Ramzi Ismail. Der Gesundheitswissenschaftler hat einen akademischen Master in der Sonografie. Das heißt: der Mann ist zwar kein Arzt, kennt sich mit Ultraschall aber aus.

Er leitete von 1997 bis 2007 eine Ultraschall-Studie mit rund 5.400 schwangeren Frauen. Dabei verglich er unter anderem die Lage des Nabelschnuransatzes in der Gebärmutter nach 6 Schwangerschaftswochen mit dem später festgestellten Geschlecht des Babys.

Nice to know

Die Plazenta und die Nabelschnur bilden sich im Verlauf der ersten Schwangerschaftswochen aus speziellen Ausstülpungen der Fruchthülle, die an der Gebärmutterwand haften. Im frühen Ultraschall suchte Ramzi nach diesen sogenannten Chorionzotten am Dottersack.

Das Ergebnis seiner Untersuchung war erstaunlich: Bei über 97 Prozent der männlichen Feten befand sich der Ansatz der Nabelschnur an der rechten Uteruswand, während er bei über 97 Prozent der weiblichen Feten an der linken Seite saß. Daraus schloss Ramzi: Befindet sich die Plazentaanlage auf der rechten Seite, wird es wahrscheinlich ein Junge, ist sie links, wird ein Mädchen.

Warum wurde das überhaupt erforscht?

Ziel der Studie war es nicht, die Neugier der Eltern auf das Geschlecht des Babys frühzeitig zu befriedigen. Sondern es ging darum, die Wahrscheinlichkeit für bestimmte genetische Defekte, die sich nur über das X-Chromosom vererben, schon frühzeitig vorhersagen zu können.

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So funktioniert die Ramzi-Methode

Die Ramzi-Methode soll maximal bis zur Vollendung der 8. Woche der Schwangerschaft funktionieren, da die wachsende Plazenta ab diesem Zeitpunkt anfängt „zu wandern“ und ihren Platz in der Gebärmutter zu ändern. Ultraschalluntersuchungen in diesem frühen Stadium werden in der Regel vaginal durchgeführt. Darauf zu erkennen ist als dunkler Kreis die Fruchtblase. Und darin, je nach Schwangerschaftswoche, der Dottersack oder Embryo. Soweit so gut. Nun kommt der Knackpunkt: Wie schaut man richtig auf das Bild?

Vaginaler Ultraschall

Um rechts und links überhaupt korrekt bestimmen zu können, muss das Ultraschallbild in der richtigen Perspektive betrachtet werden. Dafür muss der Ausdruck so vor dir liegen, dass der kleine Halbkreis (Schallkopf) oben und der große Halbkreis unten ist. Bei einem vaginalen Ultraschall liegt das Bild dann aus deinem Blickwinkel richtig herum und nicht spiegelverkehrt. Unsere Grafik hilft dir dabei, das besser nachvollziehen zu können.

Nun erkennst du am Rand der Fruchthöhle vielleicht einen etwas helleren Bereich. Das sind die Anlagen der Plazenta. Befindet sich dieser hellgefärbte Bereich rechts von der Fruchtblase, spräche das laut Ramzi für einen Jungen. Erkennst du den hellen Bereich eher links, würde Ramzi ein Mädchen vermuten.

Im Beispiel unten sehen wir die Plazentaanlage fast mittig mit einer Tendenz nach links. Das spräche wohl für ein Mädchen. Leider wissen wir nicht, was es am Ende wirklich geworden ist.

Ultraschallbild 7. SSW

Wenn du Probleme dabei hast, etwas zu erkennen, kannst du natürlich auch deinen Frauenarzt oder deine Frauenärztin einfach mal danach fragen, wo er oder sie die Plazentaanlage vermutet.

In ihrem Video erklärt Bloggerin und approbierte Ärztin Sarah (babybauchblog) anschaulich, wie es funktioniert. Etwa ab 8:50 zeigt sie ein Beispielbild.

Schwierigkeiten beim Analysieren der Ultraschallbilder

Ein Problem, was zumindest eine Selbstinterpretation von Ultraschallbildern erschwert: Um die Methode richtig anwenden zu können, muss im Grunde eine Dopplersonografie gemacht werden, wie es Ramzi in seiner Studie tat. Sie ist viel genauer als ein einfacher Ultraschall. Auf diesem wird man nicht immer genug erkennen, um eine Einschätzung treffen zu können. Manchmal erscheint der helle Bereich genau mittig (wie in unserem Beispiel), manchmal sogar umlaufend. Nur wird normalerweise kein Arzt und keine Ärztin ohne einen triftigen Grund eine Dopplersonografie in diesem frühen Schwangerschaftsstadium durchführen. 

Das heißt, dass sich nicht jedes Ultraschallbild aus der Frühschwangerschaft dazu eignet, Ramzis Methode anzuwenden.

Kritik an der Ramzi-Methode

Vielleicht hast du es dir schon gedacht: Die Theorie ist stark umstritten und nicht wissenschaftlich anerkannt. Dafür gibt es hauptsächlich 3 Gründe:

  • Dr. Ramzi Imsail ist kein Arzt. In Wissenschaftskreisen ist er damit nicht befähigt, medizinische Studien durchzuführen und valide Ergebnisse daraus zu ziehen.
  • Seine Studie wurde nie in einer anerkannten Fachzeitschrift veröffentlicht und damit nie von anderen Experten kritisch bewertet.
  • Eine australische, in Fachkreisen anerkannte Studie mit 277 Frauen widerlegte seine Theorie 2010. Demnach gäbe es keinen besonderen Zusammenhang zwischen der Lage der Plazenta und dem Geschlecht des Babys.

Außerdem gibt es ethische Gründe, die gegen eine Weiterentwicklung der Ramzi-Methode sprechen. Sollten Eltern schon so früh das Geschlecht ihres Babys deuten können, könnte das einige Gefahren mit sich bringen. So könnte sich ein Trend zur Geschlechtsselektion entwickeln. Entweder, um sich den Wunsch der eigenen „Traumfamilie“ zu erfüllen, oder in Regionen, in denen Mädchen noch immer einen schlechteren Stellenwert haben als Jungen. Es darf befürchtet werden, dass dadurch die Abtreibungsrate gesunder Kinder steigen würde.

Unterstützung für Ramzis Theorie

2014 veröffentlichte das Gesundheitsministerium der Republik Moldau ebenfalls eine Studie zur Ramzi-Methode. Und diese kam zu einem sehr einem ähnlichen Ergebnis, wie das Original: Die Plazenta der männlichen Feten lag zu 83 Prozent rechts, die der weiblichen Feten zu 91 Prozent links. Durch die vergleichsweise geringe Teilnehmerzahl von 41 Frauen ist die Aussagekraft der Studie jedoch fraglich.

2019 wurde Ramzis Methode im Iran erneut untersucht. 751 Teilnehmerinnen wurden dafür in der 7. oder 8. SSW vaginal geschallt. Und auch hier fand man signifikante Zusammenhänge zwischen der Lage der Plazenta und dem Geschlecht des Babys.

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Wie sicher ist die Ramzi-Methode also?

Das lässt sich schwer sagen. Formelle Kritikpunkte sprechen der Original-Studie zumindest die Wissenschaftlichkeit ab, sodass sie bis heute kein Mediziner anerkennt. Damit muss man die Sicherheit ihrer Vorhersagen anzweifeln. Andererseits gibt es auch Unterstützung für die Theorie. Und viele Schwangere schwören darauf, dass das Ergebnis bei ihnen letzten Endes gestimmt hat.

Alles in allem kann man nach Ramzi zu 50 Prozent verkehrt liegen – oder eben zu 50 Prozent richtig. Ebenso, wie wenn man eine Flasche dreht, ein Pendel schwingt oder die Bauchform zu deuten versucht. Am Ende wird es entweder ein Junge oder ein Mädchen. 

Aber ein wenig Weissagen kann zumindest ganz unterhaltsam sein. Ob die Geschlechtsbestimmung nach Ramzi bei dir stimmt, erfährst du dann voraussichtlich beim 2. großen Ultraschall in ein paar Wochen.

Am zuverlässigsten ist die frühe Geschlechtsbestimmung übrigens per Bluttest im Rahmen des freiwilligen Harmony-Tests. Er dient in erster Linie der Untersuchung auf bestimmte Gendefekte des Kindes. Wer möchte, kann dabei das Geschlecht gleich mitbestimmen lassen. Der Test kann schon aber der 10. SSW gemacht werden. Das Geschlecht dürfen dir Frauenarzt oder Frauenärztin trotzdem erst nach Ablauf der 14. SSW (also nach 12 Wochen Schwangerschaft) verraten. So steht es im §15 Gendiagnostikgesetz. Das soll verhindern, dass das Geschlecht womöglich einen Grund zur Abtreibung darstellt. Und wir finden das absolut richtig so!

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Fazit

Solange du dich nicht auf das Ergebnis versteifst, ist die Ramzi-Methode eine nette Spielerei. Du solltest dich jedoch nicht zu sehr darauf versteifen. Schließlich ist nie ganz sicher, dass du das Ultraschallbild richtig deutest oder die Theorie am Ende auch wirklich stimmt. Nicht zuletzt waren selbst in Ramzis Studie die Vermutungen meistens richtig, aber eben nicht immer. Du wirst dich also noch etwas gedulden müssen, bevor du genau weißt, ob es ein Junge oder ein Mädchen wird. Was du aber jetzt schon weißt: Es ist dein Kind und du wirst es lieben.

Hast du die Ramzi-Methode schon ausprobiert? Mit welchem Ergebnis? Wir sind so gespannt auf deine Erfahrungen! Wichtig: Bitte sieh davon ab, uns deine Ultraschallbilder zu schicken. Wir können und werden keine privaten Bilder analysieren. 

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Quellen

✔ Inhaltlich geprüft am 11.01.2023
Dieser Artikel wurde von Emely Hoppe geprüft. Wir nutzen für unsere Recherche nur vertrauenswürdige Quellen und legen diese auch offen. Mehr über unsere redaktionellen Grundsätze, wie wir unsere Inhalte regelmäßig prüfen und aktuell halten, erfährst du hier.

Veröffentlicht von Carolin Severin

Carolin ist Mama einer Tochter im Kindergartenalter und leidenschaftliche Familien-Redakteurin. Sie beschäftigt sich schon seit 10 Jahren hauptberuflich mit allem, was (werdende) Eltern interessiert. Bei Babelli versorgt sie euch mit Informationen und News rund ums Thema Schwangerschaft. Dabei ist es ihr besonders wichtig, komplexe medizinische Themen verständlich und sensibel aufzubereiten und dabei möglichst Sorgen und Ängste zu nehmen. Dafür arbeitet sie eng mit unserer Expertin Hebamme Emely Hoppe zusammen.

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