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Selbsttest: Bin ich übergriffig gegenüber meinem Kind?

Teste dich: Bin ich übergriffig gegenüber meinem Kind?

Innerhalb der Eltern-Kind-Beziehung stoßen alle Beteiligten mal an ihre Grenzen. Das kann zu starken Konflikten und grenzwertigen Situationen führen. Doch ab wann bin ich meinem Kind gegenüber übergriffig, wann „nur“ grenzüberschreitend und wie könnte eine achtsame Reaktion aussehen? Das kannst du mit unserem Selbsttest herausfinden!

Worauf basiert der Test?

Der Test basiert auf aktuellen erziehungswissenschaftlichen und familientherapeutischen Erkenntnissen verschiedenster Autorinnen und Autoren der Pädagogik und Entwicklungspsychologie. Die bekanntesten Vertreter, auf deren Aussagen wir uns hierbei beziehen, sind Jesper Juul, Katia Saalfrank und Fritz Perls.

Teste dich in 8 Alltagssituationen: Wie würdest du reagieren?

Beantworte die acht Fragen am besten intuitiv, ohne groß nachzudenken. Am Ende siehst du, wohin du tendierst. Du willst wissen, welche Reaktionen wir wie eingeordnet haben und was unsere Gedanken dazu wären? Dann lies gern die Auswertung weiter unten.

Übergriffiges Verhalten ist gegenüber Kindern besonders ungünstig

Übergriffig sein bedeutet unrechtmäßig und bewusst in den Bereich des Kindes (oder Erwachsenen) einzugreifen. Oft haben übergriffig Handelnde eine Machtposition als Schutzbeauftragte und nutzen diese aus. Sie geben dem Kind das Gefühl, diese Art des Umgangs gehöre zum Leben dazu. Manchmal, weil sie es selbst nicht anders gelernt haben und glauben, es stehe ihnen zu.

Da sich die Gefühlswelt von Kindern noch entwickelt, wissen diese meist nicht, dass das Verhalten ihrer Mitmenschen übergriffig ist. Ihre Vorstellung von Werten, Regeln und Normen ist noch nicht fest und von ihren Eltern abhängig. Kinder spüren zwar, dass sie sich während der Übergriffe unwohl fühlen und aus der Situation fliehen möchten. Es scheint für sie nach einiger Zeit jedoch „normal“.

Wir finden es klasse, dass du den Test gemacht hast. Auch wir sind Eltern und wissen, wie schwer es ist, in den schwierigen Situationen gelassen zu bleiben. Niemandem gelingt das immer. Trotzdem ist es wichtig, dass du dein eigenes Verhalten hinterfragst, um übergriffiges Verhalten in Zukunft erkennen zu können und achtsamer mit deinem Kind zu sein. So kannst du mögliche emotionale Belastungen oder Traumata abwenden.

Übrigens: Eine mildere Form der Übergriffigkeit sind Grenzüberschreitungen. Diese geschehen jedoch unbewusst. Auch hier gibt es achtsame Möglichkeiten, mit Kindern umzugehen. So lernen sie, dass ihre Grenzen wichtig sind und ihre Wahrnehmung nicht falsch ist.

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Auswertung der Fragen und Antworten des Selbsttests

Diesen Test zu machen, war für dich bestimmt nicht leicht. Die eigenen Handlungen zu hinterfragen, ist immer ein mutiger Schritt. Niemand ist perfekt, auch wir nicht!

Beispiel 1 – Nicht essen wollen

Dein Kleinkind weigert sich, das Mittagessen zu essen, dass du gekocht hast. Es sagt, dass es das nicht mag.

Übergriffig: Ich sage, dass es am Tisch sitzen bleiben muss, bis es aufgegessen hat.

Wenn du dein Kind dazu drängst, aufzuessen, handelst du gegen seinen Willen, was ein Übergriff in sein Grundbedürfnis (Hunger/keinen Hunger) ist. Dein Kleinkind hat entweder keinen Hunger oder kann sich gerade schlecht auf die Mahlzeit konzentrieren. Es könnte durch die Wiederholung deiner Reaktion verlernen, auf seine Bedürfnisse zu hören. Vielleicht gelingt es dir, es in der Zukunft nicht persönlich zu nehmen, wenn dein Kleinkind gerade nichts essen möchte.

Grenzüberschreitend: Ich dränge es weiter dazu, das Essen wenigstens zu probieren. Sonst gibt es auch keinen Nachtisch.

Wie toll, dass du dein Kleinkind nicht zum Essen zwingst! Überlege einmal, ob es notwendig ist, einem Kleinkind eine Konsequenz aufzuerlegen. Es kann unter Umständen grenzüberschreitend sein, wenn du sein Grundbedürfnis „Hunger/keinen Hunger“ nutzt, um eine bestimmte Handlung einzufordern. Es muss nicht essen, wenn es keinen Hunger oder keine Ruhe dafür hat. Sein Körper wird sich melden, sobald er Nahrung benötigt. Kinder haben einen guten Zugang zu ihren Grundbedürfnissen, wenn diese nicht von Außen beeinflusst werden.

Achtsam: Ich entlasse das Kind aus der Situation, ohne, dass es etwas gegessen hat. Es muss nicht essen, wenn es keinen Hunger hat.

Wie schön! Du hast das Bedürfnis deines Kleinkindes (Kein Hunger/keine innere Ruhe zum Essen) erkannt und nimmst es nicht persönlich, dass dein Kind nichts essen möchte. Wunderbar, wie achtsam du mit dieser Situation umgehst.

Beispiel 2 – Wutanfall im Supermarkt

Dein Kleinkind schmeißt sich im Supermarkt wütend und schreiend auf den Boden. Alle umstehenden Personen sehen euch an. Ihr habt es eilig, denn gleich habt ihr einen Arzttermin.

Übergriffig: Da ich keine andere Wahl mehr habe, dränge ich das Kind dazu sich zu beruhigen. Wenn nötig, ziehe ich eben ein schreiendes Kind an der Hand hinter mir her zum Arzt.

Du möchtest pünktlich sein, was verständlich ist. Wenn du dein Kleinkind hinter dir her ziehst, ist das ein körperlicher Übergriff. Es lernt durch diese Situation, dass Erwachsene für ihn und über seinen Körper entscheiden. Vielleicht versuchst du beim nächsten Mal, mit deinem Kind ins Gespräch zu gehen. Mit etwas Ruhe findet ihr womöglich einen Kompromiss und du findest heraus, was dein Kleinkind gerade braucht.

Grenzüberschreitend: Ich bitte das Kind, sich zu beruhigen. Wenn das nicht klappt, nehme ich das Kind auf den Arm, auch wenn es sich windet und bringe den Einkauf zu Ende, damit wir pünktlich beim Arzt ankommen.

Es ist verständlich, dass du in dieser Stressreaktion so reagierst. Mache dir allerdings klar, dass dein Kleinkind gerade ein anderes Bedürfnis hat als du. Anstatt über seinen Körper und seinen Willen zu entscheiden, versuche lieber, mit ihm ins Gespräch zu gehen. Vielleicht findet ihr einen guten Kompromiss, um den Supermarkt pünktlich zu verlassen?

Achtsam: Ich bin zwar sehr überfordert, versuche aber die Situation zu lösen, indem ich es beruhige. Dabei versuche ich, ein Gespräch aufzubauen. Vielleicht kann ich irgendwie herausfinden, was mein Kind gerade braucht und wir finden einen Kompromiss.

Wunderbar, wie einfühlsam du deinem Kleinkind gegenüber bist! So hat es die Möglichkeit, sein Bedürfnis zu äußern und ihr könnt einen Kompromiss finden, der sich für euch beide gut anfühlt.

Beispiel 3 – Streit in der Kita

In der Kita hat dein Kleinkind ein anderes Kind geschlagen und dadurch verletzt. Das pädagogische Fachpersonal teilt dir das mit, als du dein Kind abholst.

Übergriffig: Ich ziehe mein Kind beim Abholen direkt zur Verantwortung und sage ihm, dass das nicht geht. Außerdem wünsche ich mir, dass es sich sofort bei dem anderen Kind entschuldigt.

Wenn du davon ausgehst, dass dein Kind aus Bösartigkeit geschlagen hat, obwohl es das aus deiner Sicht eigentlich „besser weiß“ unterstellst du ihm etwas, was du nicht weißt. Bevor du es für die Situation verantwortlich machst, kannst du es fragen, wie es dazu kam. Vermutlich steckt etwas mehr dahinter. Kleinkinder nutzen impulsive Reaktionen noch als Mittel der Kommunikation.

Grenzüberschreitend: Mein Kind weiß, dass es andere Kinder nicht schlagen darf. Deswegen gehen wir am Nachmittag doch nicht in den Park, wie vereinbart. Es muss lernen, dass ein solches Verhalten nicht in Ordnung ist.

Du weißt nicht, warum dein Kind geschlagen hat. Dein Kleinkind kann das Konzept von „Bestrafungen und Konsequenzen“ noch nicht nachvollziehen. Es wird also nicht verstehen, wieso es etwas verboten bekommt. Du stärkst dein Kleinkind in seinem Sozialverhalten eher, wenn du mit ihm die Situationen besprichst und hinterfragst.

Achtsam: Ich spreche mit meinem Kind, sobald wir zuhause sind, und frage, was überhaupt passiert ist. Das erfrage ich auch bei der Kita, am Folgetag. Danach möchte ich den Vorfall mit den Eltern des anderen Kindes klären.

Es ist toll, wie einfühlsam du auf dein Kleinkind eingehst. Vermutlich steckt hinter der Situation mehr, als du jetzt weißt. Wenn du so vorgehst, werdet ihr den Konflikt sicher lösen können.

Beispiel 4 – die Papa-Phase

Dein Kind hat im Moment eine starke Papa-Phase und will von dir als Mama wenig wissen. (auch umgekehrt lesbar)

Übergriffig: Ich ignoriere mein Kleinkind. Dasselbe tut es ja auch mit mir. Schließlich habe ich so viel für mein Kind getan und jetzt möchte es nicht bei mir, sondern nur bei Papa sein. Das verletzt mich.

Dein Kind möchte dich mit seinem Verhalten niemals verletzen, dann es handelt nicht absichtsvoll. Es hat ein bestimmtes Bedürfnis, welches es gerade eher beim Papa gestillt sieht, als bei dir. Das hat nichts mit dir persönlich zu tun, sondern mit euren Rollen als Bezugspersonen. Wenn du dein Kind ignorierst, entziehst du ihm Zuwendung. Dein Kind kann deine Handlung nicht einordnen. Es wird deine Reaktion auf sich beziehen und unsicher werden.

Grenzüberschreitend: Ich fühle mich nicht geschätzt von meinem Kind und bin traurig. Wenn es gerade nicht mit mir zusammen sein will, dann ziehe ich mich lieber von ihm zurück. Aber ich sage ihm vorher Bescheid.

Wenn dein Kleinkind gerade einen Elternteil bevorzugt, bedeutet das nicht, dass es den anderen weniger liebt. Das Kindergehirn sagt jetzt (unbewusst) etwa: „Papa stillt meinen Bewegungsdrang. Das ist es, was ich gerade brauche“. Nimm „Papa- oder Mama-Phasen“ daher niemals persönlich! Auch solltest du vermeiden, dich zurückzuziehen und deinem Kind das mitzuteilen. Dein Kind wird dich nicht verstehen und sich von dir abgelehnt fühlen. Es braucht gerade in seinen ersten 6 Lebensjahren die Sicherheit seiner Bezugspersonen, um zu einem emotional selbstbewussten Menschen heranreifen zu können.

Achtsam: Es ist toll, dass mein Kleinkind in beide Elternteile so viel Vertrauen hat. Ich begrüße diese Papa-Phase. Das ermöglicht mir, mich im Moment anderen Sachen zuzuwenden und Kraft zu sammeln, sobald mein Kleinkind den Papa einfordert.

Toll, wie du die Situation sehen kannst! Dein Kind lernt dadurch, dass es Bedürfnisse äußern darf und dass es von euch beiden immer in Liebe und Zuneigung begleitet wird.

Beispiel 5 – Nicht einschlafen können

Dein Kleinkind kann nicht einschlafen. Es hält dich seit 4 Stunden auf Trab und steht immer wieder auf, um zu dir rüber ins Zimmer zu gehen. Du bist mit den Nerven am Ende.

Übergriffig: Ich bringe das Kind zurück ins Bett und sage ihm, dass es das Bett jetzt nicht mehr verlassen darf. Wenn es das doch macht, verbiete ich ihm etwas, was es mag. Nach 4 Stunden ist ja irgendwann auch mal Schluss.

Vermeide besser, deinem Kind das Aufstehen zu verbieten oder es zu bedrohen. Dein Kind handelt nicht so, um dich herauszufordern. Ganz im Gegenteil: Es liegt ein ungestilltes Bedürfnis dahinter oder eine Unsicherheit, die dein Kind selbst nicht greifen oder äußern kann. Als Elternteil darfst du jetzt Ursachenforschung betreiben und dein Kind einfühlsam aus dieser Situation heraus holen. Natürlich sind schlaflose Nächte anstrengend. Bedenke dabei immer, dass dein Kind innerlich genau so verzweifelt ist wie du, dass es nicht zur Ruhe kommen kann.

Grenzüberschreitend: Ich sage, dass jetzt endgültig Schluss ist und bringe das Kind zurück ins Bett. Es darf jetzt nicht mehr zu mir rüberkommen. Schließlich muss ich auch am nächsten Tag arbeiten.

Dein Kind unter Druck zu setzen, kann die Situation verschlimmern. Es lernt durch deine Reaktion, dass es schlafen muss, obwohl es das nicht kann, nur damit es dir besser geht. Du entscheidest also über sein Grundbedürfnis. Du könntest versuchen herauszufinden, was hinter dem „nicht einschlafen können“ stecken kann.

Achtsam: Ich versuche herauszufinden, was meinem Kind fehlt. Irgendwas scheint mein Kind zu belasten oder zu brauchen, was ihm vom Einschlafen abhält.

Wie schön, dass du deinem Kind so begegnen kannst und herausfinden möchtest, was es braucht. Das wird dir und euch helfen, das Einschlafen zukünftig zu vereinfachen. Toll, dass du trotz der Schlaflosigkeit so viel Kraft für die Situation aufbringst!

Beispiel 6 – das unordentliche Kinderzimmer

Das Kinderzimmer deines 3-jährigen Kindes ist sehr unordentlich. Es hat aus dem Urlaub eine „Schatzkiste“ mit Fundstücken mitgenommen. Der Inhalt dieser Kiste liegt auf dem gesamten Fußboden zerstreut. Du erkennst auch einige Dinge, die aus deiner Sicht in den Müll wandern könnten. Dein Kind ist in der Kita und heute Nachmittag bekommt ihr Besuch.

Übergriffig: Ich werde das Kinderzimmer selbst aufräumen. So kann ich das keinem zeigen. Den Inhalt der Schatzkiste kenne ich zwar nicht, werde das aber trotzdem wegräumen, ich habe ja schließlich das Kinderzimmer für mein Kind eingerichtet. Ich werde alles verstauen oder entsorgen, bevor ich mein Kind von der Kita abhole.

Die Schatzkiste mitsamt Inhalt ist für dein Kind bedeutungsvoll. Sie hat für dein Kind denselben Wert, wie du für Gegenstände, die dir wichtig sind. Insofern solltest du es vermeiden, das Kinderzimmer deines Kindes alleine aufzuräumen und den Inhalt der Schatzkiste einzusortieren. Du greifst damit übergriffig in den Raum und die Privatsphäre deines Kleinkindes ein. Versuche eher, das mit deinem Kind zusammen zu machen. Auch wenn es schwer ist, probiere einmal aus, dich davon zu befreien, dass das Kinderzimmer für den Besuch ordentlich sein muss. Denn die seelische Ausgeglichenheit deines Kindes ist doch viel wichtiger, als ein aufgeräumtes Kinderzimmer, oder?

Grenzüberschreitend: Ich räume mit meinem Kind gemeinsam das Zimmer auf, wenn ich es von der Kita abgeholt habe. Allerdings bleibt nur wenig Zeit. Wenn es nicht schnell genug ist, muss ich es etwas drängen und sammele eben selbst die Sachen von der Schatzkiste zusammen. Das, was für mich nach Müll aussieht, werfe ich weg.

Toll, dass du mit deinem Kind gemeinsam aufräumst und ihm so die Chance gibst, selbstwirksam zu sein. Versuche beim nächsten Mal, weniger grenzüberschreitend in seine persönlichen Sachen, wie die Schatzkiste mitsamt Inhalt, einzugreifen. Diese Gegenstände sind für dein Kind bedeutungsvoll, selbst wenn du sie als Müll einsortieren würdest. Sie haben für das Kind dieselbe Bedeutung, wie es für dich geliebte Dinge haben. Versuche das im Kopf zu behalten und gib deinem Kind die Chance, dir den Inhalt der Schatzkiste vorzustellen und gemeinsam aufzuräumen.

Achtsam: Nach der Kita nehme ich mir mit meinem Kleinkind Zeit, das Zimmer aufzuräumen. Ich bin gespannt, was alles in der Schatzkiste war und welche Geschichten es dazu gibt. Wenn wir mit dem Aufräumen nicht rechtzeitig fertig werden, versuche ich, das anzunehmen. Auch wenn mir das nicht leicht fällt.

Wow, wie toll, dass du so einfühlsam auf die geliebten Gegenstände deines Kindes eingehst und seinen privaten und persönlichen Raum schützt und achtest. Klasse, dass dich der anstehende Besuch nicht so sehr unter Druck setzt, alles aufgeräumt haben zu müssen.

Beispiel 7 – Du brauchst Ruhe

Dein Kleinkind quengelt im Moment immer und bei allem. Du bist mit den Nerven am Ende und willst einfach nur ein bisschen Zeit für dich.

Übergriffig: Wenn ich wirklich vollkommen am Ende bin, sage ich meinem Kind, dass es in seinem Zimmer spielen soll und schließe zur Not die Tür für eine gewisse Zeit von außen ab. Wenn ich das ankündige, weiß mein Kind Bescheid, dass ich das Zimmer später wieder aufschließe.

Bitte vermeide, dein Kind einzusperren! Selbst, wenn du es ankündigst. Das beraubt es seiner Freiheit. Dein Kind soll und darf selbst über seinen Körper und seinen Aufenthalt bestimmen. Beim nächsten Mal kannst du es vielleicht bitten, etwas für sich zu spielen. Kinder sind von Natur aus kompromissbereit, wenn du deinen Wunsch gewaltfrei ansprichst.

Grenzüberschreitend: Ich sage meinem Kind, dass es jetzt etwas malen soll, damit ich mich kurz hinlegen kann. Wenn es das nicht möchte, versuche ich es etwas zu überreden und weise es darauf hin, wie schlecht es mir gerade geht.

Vielleicht kannst du versuchen, dein Kind weniger mit deinen Gefühlen unter Druck zu setzen. Denn so vermittelst du ihm unbewusst, dass es für dich die Verantwortung trägt, selbst, wenn das nicht deine Absicht war. Das kindliche Gehirn ist emotional noch im Aufbau, weshalb dein Kind solche Situationen sofort auf sich beziehen wird. Auch solltest du vermeiden, dein Kind zu etwas zu überreden. Auf Dauer unterdrückst du so seinen eigenen Willen. Es kann dazu führen, dass dein Kind nicht mehr weiß, was es will und nichts mehr aus eigener Motivation heraus tut. Gehe eher mit deinem Kind ins Gespräch und versuche so, einen Kompromiss mit ihm zu finden.

Achtsam: Ich überlege mit meinem Kind gemeinsam, was wir jetzt machen können, damit ich etwas Ruhe bekomme und es gleichzeitig etwas spielen kann. Vielleicht finden wir eine Lösung.

Klasse, dass du die natürliche Kompromissbereitschaft deines Kleinkindes hier ansprichst und nach einer Lösung suchst, die eure beiden Bedürfnisse stillt. Du begegnest deinem Kind auf Augenhöhe, was wundervoll ist. Ihr findet sicherlich eine tolle Beschäftigung für dein Kind und eine Rückzugsmöglichkeit für dich.

Beispiel 8 – Das Kind klettert sehr hoch

Dein Kleinkind möchte auf dem Spielplatz unbedingt auf den großen Rutschturm klettern, für den es aus deiner Sicht noch nicht genügend Kraft und das passende Alter hat.

Übergriffig: Ich weiß, dass mein Kind das nicht schaffen wird, dort hochzuklettern. Das teile ich ihm so mit und verbiete ihm, es zu versuchen. Ich möchte nicht, dass es sich verletzt.

Es ist verständlich, dass du dein Kind vor Verletzungen schützen willst. Wenn du es ihm jedoch verbietest, Erfahrungen dieser Art zu machen, unterdrückst du von außen seinen natürlichen Willen und seine Motivation. Es lernt auf Dauer, dass es nur das schaffen kann, was du ihm sagst und zutraust. Dein Kind soll und darf selbst Erfahrungen sammeln, die sein Selbstvertrauen, seinen Willen und sein Selbstbewusstsein stärken. Vielleicht begleitest du dein Kind beim nächsten Mal einfach beim Klettern und kletterst mit hoch, wenn sich das für dich besser anfühlt. Du wirst erstaunt sein, was dein Kind schaffen kann, wenn es sich etwas in den Kopf gesetzt hat!

Grenzüberschreitend: Zunächst sage ich meinem Kind, dass ich nicht glaube, dass es das schaffen wird, weil es noch zu jung dafür ist. Natürlich kann es das trotzdem versuchen, aber nur bis zur Hälfte, selbst wenn es mehr schaffen würde. Ansonsten bekomme ich als Elternteil Angst, wie ich es wieder darunter bekomme.

Toll, dass du mit deinem Kind gemeinsam den Versuch angehst, auf den Turm zu klettern. Allerdings beeinflusst du hier das Selbstvertrauen deines Kindes. Du wirkst dadurch ungünstig auf den Willen, das Körper- und das Selbstbewusstsein deines Kindes ein. Das könnte dazu führen, dass dein Kind sich in Zukunft weniger zutraut oder sich immer eine Erlaubnis abholt, bevor es Dinge ausprobiert oder angeht. Versuche eher, deinem Kind mitzuteilen, dass du zwar Angst um hast, ihm jedoch vertraust. Bestärke dein Kind in seinem Willen, etwas zu schaffen. Es kann Erfahrungen nur machen und aus ihnen lernen, wenn es sie ausprobieren darf.

Achtsam: Ich habe zwar Sorge um mein Kind, aber auch Vertrauen. Deswegen bestärke ich es in seinem Versuch und begleite es dabei. Mal schauen, wie weit es das auf den Turm schafft.

Klasse, dass du dein Kind darin bestärkst, das Hochklettern auszuprobieren, auch wenn du dir Sorgen machts. Du vermittelst damit, dass du bedingungsloses Vertrauen in dein Kind hast und dass es alles schaffen kann, was es sich vorstellt. Dein Kind wird durch deine Begleitung mutiger und selbstbewusster, selbst, wenn es nicht schafft, auf den Turm zu klettern.

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Wichtige Anlaufstellen & Hilfsangebote

  • Kommst du bei deinem Kind an und über deine Grenzen? Bundeskonferenz für Erziehungsberatung, mit Möglichkeiten der Online-Beratung für Eltern mit Kindern von 0 bis 3 Jahren: www.bke.de
  • Bedrückt dich als Elternteil ein anderer Kummer? Das Elterntelefon der Nummer gegen Kummer: 0800 111 0 550

Quellen

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