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Distanzlosigkeit bei Kindern - Woher kommt Distanzlosigkeit bei Kindern?

Woher kommt Distanzlosigkeit bei Kindern?

Vielleicht hast du in letzter Zeit häufiger Situationen erlebt, in denen du das Gefühl hattest, dass dein Kind distanzlos zu Fremden ist. Es zeigt dann scheinbar keinerlei Berührungsängste oder Grenzen. Wir erklären, woher Distanzlosigkeit bei Kindern kommen kann und was du tun kannst, wenn dein Kind distanzlos ist.

Das Wichtigste in Kürze

  • Distanzlosigkeit bei Kindern kann unterschiedliche Ursachen haben.
  • Sie ist problematisch, weil sie das Kind unter Umständen zu Täter und/oder Opfer von Übergriffigkeit machen kann.
  • Manche Kinder haben vermehrt ähnliche Erfahrungen gemacht und verhalten sich deshalb selbst distanzlos.
  • Psychologische Unterstützung und Einschätzung hilft in diesen Fällen!
  • Auch Entwicklungsverzögerungen können mit distanzlosem Verhalten zusammenhängen.
  • Distanzlosigkeit bei Kindern kann mitunter Anzeichen einer Autismus-Spektrums-Störung sein. Dann gibt es meist noch mehr Auffälligkeiten.

Warum distanzloses Verhalten zum Problem werden kann

Kinder, die distanzlos sind, überschreiten eher die Grenzen anderer Kinder oder verhalten sich übergriffig. Sie greifen andere Kinder eher an und werden auch selbst öfter angegangen. Ihre Grenzen werden regelmäßig von Mitmenschen übergangen. Eine rein sprachliche Kommunikation ist für diese Kinder schwierig oder bezieht sich dann zügig auf den Wunsch nach Nähe und Zuwendung. Das birgt die Gefahr, dass distanzlose Kinder öfter in Situationen geraten, in denen Menschen ihre Distanzlosigkeit ausnutzen und ihnen übergriffig oder mit Gewalt begegnen.

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Beispiele für Distanzlosigkeit bei Kindern

Es gibt Kinder, die gehen von sich aus auf jeden Schoß, sind anhänglich, küssen übermäßig viel und wollen immerzu kuscheln – egal ob mit Mama, Papa, dem Lieblingserzieher oder einer Kellnerin im Restaurant. Sie haben keinerlei körperliche Grenzen und nur wenig verbale und nonverbale. Diese Kinder lassen vieles zu, ohne dass es sie zu verletzen, zu verunsichern oder einzuschüchtern scheint. Wenn diese Situationen nur selten vorkommen, können sie ein Teil des individuellen Charakters sein.

Häufen sich diese Situationen jedoch nahezu täglich und hinterlassen bei dir langfristig ein mulmiges Gefühl, solltest du aufmerksam sein. Es gibt einige deutliche Beispiele, die auf eine verhaltensauffällige Distanzlosigkeit des Kindes hinweisen.

Beispiele für distanzloses Verhalten bei Kindern

Die Verhaltensweisen, die in der Kindermedizin als distanzlos gelten, können einzeln oder kombiniert auftreten.

Körperlich:

  • Das Kind umarmt im Restaurant plötzlich die Kellnerin und lässt sie nicht mehr los.
  • Wenn ihr im Supermarkt seid, nimmt das Kind sofort die Hand eines fremden Menschen, wenn es angesprochen wird.
  • Im Kindergarten möchte das Kleinkind täglich unbedingt auf dem Schoß eines Erwachsenen sitzen und ist traurig, wenn das nicht möglich ist.
  • Das Kleinkind fordert ein, immerzu getragen werden. Sowohl von euch als Eltern, als auch von Verwandten, Freunden und Fachpersonal der Kita.
  • Das Kind küsst andere Kinder übermäßig oft, umarmt sie mehrmals am Tag, trägt sie herum oder greift sie körperlich schnell an, wenn es wütend oder unzufrieden ist.
  • Es sitzt viel bei dir auf dem Schoß, sucht deine Nähe, möchte dich überall küssen, „kriecht“ fast in dich hinein.
  • Wenn du oder andere das Kind körperlich zurückweisen, „klammert“ es scheinbar noch mehr.

Sprachlich:

  • Zur Tante, die das Kind nur gelegentlich sieht: „Du bist meine beste Freundin auf der ganzen Welt. Kann ich bei dir heute übernachten?“
  • Zu Fremden auf der Straße, bei kurzen Begegnungen: „Du bist toll.“ oder „Hab dich lieb.“
  • Zu engen Bezugspersonen, sobald mit ihm strenger gesprochen wird: „Ich habe dich lieb/liebe dich so sehr/bis zum Mond“ und Ähnliches.
  • Wiederholte, auffällig häufige Nachfragen: „Hast du mich lieb?“, „Bist du meine Freundin/mein Freund?“
  • Es äußert Wohligkeits-Geräusche oder macht „Oooh.“ beim Umarmen.

Nonverbal:

  • Es lächelt fremde Menschen an, zeigt keinerlei Fremdeln oder Berührungsängste und ist auffällig freundlich.
  • Das Kind spielt, dass es ein Schmusetier ist (z.B. Katze), das gestreichelt werden will. Es fällt in dieses Spiel wiederholt hinein, bei Begrüßungen oder Verabschiedungen.
  • Dein Kleinkind zeigt tiefe Traurigkeit, wenn zwischenmenschliche Situationen zu einem Ende kommen, wie das Verabschieden aus der Kita, Verabschiedung von Freunden, Oma, Opa usw.
  • Es sucht mit einem „darstellerischen“, „sich präsentierenden“ Verhalten die Aufmerksamkeit von Menschen, die es gerade erst kennengelernt hat und kuschelt sich sofort an (Praktikantin in der Kita, neue Nachbarn usw.).
  • Das Kind agiert in Konflikten mit anderen Kindern respektlos. Es spuckt, beißt, kratzt und reißt auffällig häufig und stark an allen möglichen Körperstellen der anderen Kinder.

Woher kommt Distanzlosigkeit bei Kindern?

Kinder, die distanzlos sind, haben meist (aber nicht immer) frühere, wiederholte Erfahrungen gemacht, in denen ihre Grenzen überschritten wurden, ohne dass sie es wussten. Diese Kinder haben gelernt, dass Grenzüberschreitungen normal sind. Andersherum kann es sein, dass distanzlose Kinder verinnerlicht haben, dass sie durch viel Nähe und Zuwendung die meiste (oder einzige) Aufmerksamkeit von anderen Menschen bekommen. Es besteht hier womöglich ein innerer, emotionaler Mangel beim Kind. Es könnte sich von seinen Bezugspersonen nicht gesehen oder geliebt fühlen und fordert dies daher über die Distanzlosigkeit von all seinen Mitmenschen ein.

Bedenke: Neben allen möglichen Spekulationen kann eine gründliche und konkrete Ursachenforschung hinter distanzlosem Verhalten immer nur von dir zusammen mit kinderpsychologischem Fachpersonal gemacht werden. Denn manchmal stecken dahinter andere Besonderheiten, für die eine konkrete Diagnose wichtig wäre.

Was kann ich tun, wenn mein Kind distanzlos ist?

Wenn dein eigenes Kind distanzlos ist, empfehlen wir, die Situation als Elternteil dringend zu beobachten und Ursachenforschung zu beschreiben, damit sich der Zustand nicht zuspitzt. Das Kind soll sich seiner Grenzen wieder bewusst werden und von seinen Bezugspersonen in seinem Wachstum geschützt werden. Gleichermaßen darf es verinnerlichen, dass auch andere Menschen Grenzen aller Art haben, die es zu beachten gilt. Außerdem wäre es gut herauszufinden, was dein Kind emotional belastet.

Was du tun kannst, wenn dein Kind distanzlos ist:

  • Suche das Gespräch! Je nach dem Alter deines Kindes kannst du das, was du beobachtest, mit deinem Kind besprechen: „Mir ist aufgefallen, dass du sofort kuscheln willst, den wir jemanden in der Stadt treffen. Magst du mir erzählen, warum das so ist?“
  • Achtsame Beobachtung: In welchen Situationen verhält sich dein Kind besonders distanzlos und seit wann ist der Zustand so?
  • Hinterfrage: Ahmt mein Kind nach? Gibt es Personen im nahen Umfeld des Kindes, die ebenso distanzlos sind? Ahmt dein Kind diese vielleicht nach?
  • Prüfe die emotionale Entwicklung: Hat dein Kind ein stabiles Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein? Traut es sich selbst etwas zu oder ist es eher unsicher? Weiß es, was es möchte und hat es eine eigene Meinung, wenn du es etwas fragst? Passt es sich viel an?
  • Überdenke das unerfüllte Bedürfnis: Schenkst du deinem Kind genügend Zuwendung, Aufmerksamkeit und Nähe? Gab es hier in der Vergangenheit eine plötzliche Veränderung in eurem Leben oder weitere mögliche Stressfaktoren, die dein Kind noch nicht verarbeiten konnte? Ist in der ersten Zeit seiner Baby- und Kleinkind-Entwicklung etwas geschehen, was seine Grenzen verletzt haben könnte? War dein Kind lange krank und dadurch isoliert von anderen Menschen?
  • Das Wichtigste – der Gang zur Facharztpraxis! Eine psychologische Abklärung ist bei übermäßiger Distanzlosigkeit von Kindern immer notwendig, damit der Zustand sich nicht zum Leidwesen des Kindes verstärkt. Sprich am besten zuerst offen mit dem Fachpersonal der Kinderarztpraxis. Online findest du zusätzlich Hilfs- und Beratungsangebote für Eltern. Die Kinderärztin/der Kinderarzt kann dich dann an eine kinderpsychologische Praxis weiterleiten. Dort werden dir die Therapierenden gegebenenfalls helfen, das unerfüllte Bedürfnis herauszufinden, dein Kind in seinem Verhalten zu begleiten und es zu stärken. Auch andere Ursachen können dort abgeklärt werden.

Wichtig zu wissen: Termine in Spezialpraxen sind selten sofort verfügbar. Ein halbes Jahr Wartezeit ist keine Seltenheit. Schiebe es daher lieber nicht zu lange auf.

Distanzlosigkeit als Symptom der Autismus-Spektrum-Störung

Neben den oben genannten möglichen Ursachen kann die Distanzlosigkeit des Kindes auch auf eine Autismus-Spektrum-Störung hinweisen. Kinder, die davon betroffen sind, zeigen häufig auch in anderen Lebensbereichen auffälliges Verhalten und Wahrnehmungsabweichungen. Andersherum kann es sein, dass diese Kinder ungewöhnlich große Angst/Ablehnung vor fremden Personen haben oder etwa nur verbal oder ausschließlich körperlich distanzlos sind.

Falls du als Elternteil vermutest, dein Kind könnte das distanzlose Verhalten aufgrund einer Autismus-Spektrum-Störung zeigen, weil es noch mehr Auffälligkeiten gibt, solltest du so schnell wie möglich ärztlichen Rat hinzuziehen. Die Diagnose wird häufig über eine Überweisung der Kinderarztpraxis mithilfe spezieller Tests in einem SPZ (sozialpädiatrisches Zentrum), einer Frühförderstelle oder bei einer kinderpsychologischen Praxis gestellt. Autismus in all seinen Varianten gilt als tiefgreifende Entwicklungsstörung. Eine individuelle Behandlung und Beratung kann das betroffene Kind und euch als Familie bestmöglich entlasten und begleiten.

Distanzlosigkeit als Teil einer Entwicklungsverzögerung

Je nach Ausprägung kann distanzloses Verhalten auch auf eine Entwicklungsverzögerung im sozialen und/oder emotionalem Bereich hindeuten. Wenn du also das Gefühl hast, dein Kind könnte eine Entwicklungsverzögerung haben, möchten wir dir folgenden Artikel empfehlen.

Mehr zum Thema

Im Folgenden findest du einige hilfreiche Telefonnummern und Online-Seiten, welche dir zusätzlich behilflich sein können.

Wichtige Anlaufstellen & Hilfsangebote

  • Hast du ein „komisches Gefühl“ und bist dir unsicher bei einer Situation, die du beobachtest oder selbst erlebst? Hilfetelefon Sexueller Missbrauch – Telefonnummer: 0800 22 55 530. Zielgruppe: (anonyme) Betroffene von sexueller Gewalt, Angehörige sowie Personen aus dem sozialen Umfeld von Kindern, Fachkräfte und alle Interessierten. 
  • Ist dein Kind distanzlos? Bundeskonferenz für Erziehungsberatung, mit Möglichkeiten der Online-Beratung für Eltern mit Kindern von 0 bis 3 Jahren: www.bke.de
  • Bedrückt dich als Elternteil ein anderer Kummer? Das Elterntelefon der Nummer gegen Kummer: 0800 111 0 550

Konnten wir dir mit unseren Beispielen, Hintergründen und Empfehlungen zu „Distanzlosigkeit bei Kindern“ weiterhelfen? Wie ist es bei deiner Tochter/deinem Sohn? Hinterlasse uns gern einen Kommentar!

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Quellen

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