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Mutter wird kritisiert

Kritik an ihrer Erziehung setzt Eltern unter Druck

Warst du auch schon in einer Situation, in der deine Erziehung von anderen infrage gestellt wurde? Wenn ja, dann bist du damit nicht allein. Einer neuen Umfrage zufolge wurde die Mehrheit der Eltern schon einmal für ihren Erziehungsstil kritisiert. Und oft bleibt das nicht ohne Folgen.

Mal ein beiläufiger Kommentar, mal ein abfälliger Blick oder auch direkt geäußerte Kritik – vielen von uns wurde auf diesem Weg schon einmal gezeigt: Ich finde, du erziehst dein Kind falsch. 

Kritik stammt häufig aus der eigenen Familie

In einer aktuellen forsa-Umfrage im Auftrag der Bepanthen Kinderförderung gaben über die Hälfte der rund 1.000 befragten Eltern an, dass ihnen genau das schon einmal passiert ist. Die wertenden Kommentare kommen dabei meist aus dem familiären Umfeld. Das heißt, dass vor allem die eigenen Eltern, Schwiegereltern oder Geschwister beispielsweise nicht mit ihrer Meinung hinter dem Berg halten können. Dabei fühlen sich Mütter (65 Prozent) häufiger für ihre Art und Weise der Erziehung kritisiert als Väter (53 Prozent). Auch trifft die Kritik öfter jüngere Eltern (bis 35 Jahre) und Eltern mit kleinen Kindern von drei bis fünf Jahren.

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Mütter fühlen sich dabei häufiger mit dem Vorwurf konfrontiert, sie würden ihrem Kind zu viel durchgehen lassen (58 Prozent). Väter dagegen werden eher dafür kritisiert, zu streng zu sein (55 Prozent).

Kritik an den Eltern bleibt nicht ohne Folgen

Was macht das mit den betroffenen Eltern? In erster Linie ärgern sie sich über ungewollte Ratschläge (55 Prozent der Frauen, 40 Prozent der Männer). Da können die Anmerkungen auch noch so gut gemeint sein. Vor allem Eltern unter 35 Jahren empfinden Kritik an ihrer Kindererziehung als übergriffig (86 Prozent). 

Doch die Umfrage zeigt auch: Kritik kann noch ganz andere Emotionen auslösen als Wut. Etwa einem Drittel der Befragten, vor allem Frauen und jungen Eltern, setzen solche Situationen zu. Sie fühlen sich verletzt und unter Druck gesetzt. 32 Prozent der Frauen fühlen sich dadurch sogar als schlechtes Elternteil. Den Männern passiert das deutlich seltener (12 Prozent). Und auch hier ist der Trend zu beobachten, dass vor allem junge Eltern mehr unter der Kritik an ihrem Erziehungsstil leiden.

Was sich Eltern wünschen

Die Mehrheit der befragten Eltern wünscht sich mehr Verständnis und Wertschätzung für ihre Art der Kindererziehung. Außerdem wünschen sich 40 Prozent der Befragten mehr gegenseitige Unterstützung. Auf mehr Ratschläge von außen können aber nahezu alle Mütter und Väter verzichten (96 Prozent).

Und so sehen wir das

Mit Kritik an eigenen Erziehungsstil mussten sich also schon viele Eltern auseinandersetzen. Dem einen setzt sie mehr zu, dem anderen weniger. Dass Kritik auch Unsicherheiten schüren oder tief sitzende Zweifel vergrößern kann, ist den Kritisierenden häufig nicht bewusst. Gerade in Zeiten von Social Media und der Anonymität des Internets wird viel zu unbedacht mit kritischen Äußerungen um sich geworfen. 

Dazu kommt der leidige Generationenkonflikt zwischen den Großeltern und Eltern. Heute hat man einen ganz anderen Blick auf die Entwicklung von Kindern als zu ihren Zeiten. Doch das will und kann die ältere Generation oft nicht verstehen. Und so ergeben sich immer wieder Situationen, in denen gerade sie meinen, es besser zu wissen. Und uns belehren zu müssen. 

Deshalb können wir den Wunsch der befragten Eltern nach mehr Verständnis absolut nachvollziehen. Außerdem wünschen wir uns mehr Feingefühl, vor allem unter den Eltern untereinander. Denn ganz ehrlich: Wer weiß es denn wirklich besser? In Sachen Kindererziehung muss jeder seinen eigenen Weg finden. Dafür hat jeder von uns auch ganz andere Voraussetzungen und Überzeugungen. Und am Ende geht es wirklich niemanden außer uns selbst etwas an, wie wir unsere Kinder erziehen. Und wenn wir Rat brauchen, dann holen wir ihn uns. Aber bis dahin gilt: Bitte keine ungefragten Meinungen mehr, danke.

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Wurdest du auch schon mal für deine Erziehung kritisiert? Was hat das mit dir gemacht und wie hast du darauf reagiert? Berichte uns davon in den Kommentaren!

Über die Studie:

Im Auftrag der Bepanthen Kinderförderung wurde durch die Corsa Politik- und Sozialforschung GmbH eine bundesweite Eltern-Befragung durchgeführt. Thema der Umfrage waren Kritik und Verständnis. Bei der Kindererziehung. Es wurden 1.001 Eltern von Kindern im Alter zwischen drei und 16 Jahren per Online-Fragebogen befragt. Sie wurden zufällig für die Befragung ausgewählt. Die ermittelten Ergebnisse sind für die Grundgesamtheit der Eltern von Drei- bis 16-Jährigen Kindern repräsentativ.

Die Bepanthen Kinderförderung setzt sich seit 2008 für Kinder und Jugendliche in Deutschland ein. Im zweijährlichen Rhythmus führt sie gemeinsam mit der Universität Bielefeld Sozialstudien durch, um aktuelle Problemfelder in der Lebenssituation von Kindern und Jugendlichen zu identifizieren – beispielsweise zum Thema Achtsamkeit, Gewalt oder Kinderarmut. Die aus den Studien gewonnenen Erkenntnisse fließen in die praktische Kinderförderung des Kinderhilfswerks „Die Arche“ ein. 

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Quellen

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