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Grenzüberschreitung 1200x630 1 - Warum dein Kind Oma kein Küsschen geben muss!

Warum dein Kind Oma kein Küsschen geben muss!

Wenn du merkst, dass die Oma, die Tante oder der Patenonkel die Grenzen deines Kindes nicht respektieren, hinterlässt das ein mulmiges Gefühl. Einerseits möchtest du nicht übertreiben, andererseits kannst du das Verhalten auch nicht einfach so stehen lassen. Wir geben Tipps, wie du solchen Grenzüberschreitungen in der Familie begegnen kannst.

Warum und wann sollte ich eingreifen?

Jeder von uns möchte, dass seine oder ihre persönlichen Grenzen respektiert werden. Das gilt natürlich auch für Kinder. Kleinkinder sind am häufigsten von Grenzüberschreitungen betroffen, da sie von ihren Bezugspersonen abhängig sind. Sie vertrauen ihnen und stellen das Verhalten (noch) nicht infrage.

Leider gibt es Menschen, die Grenzen anderer kaum wahrnehmen – manche gelegentlich, andere ständig. Absicht ist das selten, sondern oft die Folge nicht hinterfragter, eigener Prägung: „So habe ich das gelernt, das haben wir immer schon so gemacht. Euch hat es doch auch nicht geschadet.“

Kritisch wird es, wenn Erwachsene sich immer wieder grenzüberschreitend verhalten. Die Kinder lernen, dass ihre Bedürfnisse und Grenzen scheinbar unwichtig sind. Deswegen ist es Aufgabe der Eltern, Grenzüberschreitungen des familiären Umfeldes wahrzunehmen und gegebenenfalls aktiv zu werden. Vertraue ruhig deiner Intuition!

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Beispiele für familiäre Grenzüberschreitungen

„Soll ich etwas sagen, oder nicht?“ Es kommt auf dein Bauchgefühl an. Niemand kennt dein Kind so gut wie du. Brauchst du Beispiele, wann man von Grenzüberschreitungen sprechen kann? Hier kommen sie:

  • Die Oma küsst das Kleinkind zur Begrüßung jedes Mal auf den Mund oder fordert das Küsschen ein.
  • Die Tante hebt das spielende Kind von hinten hoch und schaut in seine Windel, um zu prüfen, ob sie voll ist.
  • Der Patenonkel holt sich das Kleinkind auf den Schoß, während es im Spiel ist, um mit ihm zu kuscheln. 
  • Der Opa erwartet, dass das Kleinkind ihn jedes Mal umarmt, wenn sie sich sehen und fordert dies ein. 
  • Der Freund der Familie hört dem Kind nicht zu, wenn es etwas erzählt. Es spricht parallel mit dir oder euch als Eltern.
  • „Wie, du möchtest den blauen Pullover zu Weihnachten? Du bist doch ein Mädchen! Ich kaufe dir einen pinkfarbenen Pullover!“
  • „Warum lächelst du denn nicht? Dir geht es doch so gut und jetzt sind wir im Park. Da solltest du dich doch freuen?“

Meist geht grenzüberschreitendes Verhalten von Personen aus, die dem Kind nahe stehen oder nahe stehen wollen. Vermutlich ist dir klar, dass das familiäre Umfeld deines Kleinkindes nicht bewusst Grenzen überschreiten will. Andererseits fühlst du dich in diesen Situationen schlecht und machst dir Sorgen um dein Kind. Beides verständlich. Aber: du bist der beste Anwalt deines Kindes!

Woher weiß ich, dass diese Situationen auch mein Kind stören?

Wir machen es kurz: Das kannst du nicht (sicher) wissen. Es hängt von deinem Gefühl als Elternteil ab. Je nach Alter und Sprachverständnis deines Kindes kannst du es fragen, ob es die Oma überhaupt küssen möchte. Baue ein kindgerechtes Gespräch über diese Situationen auf und versuche, die Grenzen deines Kindes herauszufinden. Ansonsten empfehlen wir, dein Kleinkind aufmerksam zu beobachten, wenn diese Situationen entstehen:

  • Fühlt es sich unwohl, wenn es einfach umarmt oder geküsst wird?
  • Zeigt es untypische Verhaltensweisen, wenn es ignoriert oder übergangen wird?
  • Zieht es von der grenzüberschreitenden Person weg oder flieht es gar?
  • Wirkt es danach unsicher oder eingeschüchtert?
  • Sucht dein Kleinkind nach diesen Situationen mehr Nähe als sonst?
  • Sagt dein Kind dir, dass es nicht so gerne bei Oma/Opa/Onkel/Tante zu Besuch ist?

Bei Kindern, die sich noch nicht äußern können oder jünger als 1,5 oder 1 Jahr sind, kommt deine Anwaltsrolle ohnehin zum Tragen. Auch wenn es sich komisch anfühlen sollte: Du bist als Elternteil befugt, dein Kleinkind vor Situationen zu schützen, die sich in dem Fall für dich grenzüberschreitend anfühlen.

So konterst du Grenzüberschreitungen der Familie elegant

Mache dir klar, dass du grenzüberschreitendes Verhalten nicht aushalten musst. Es ist dein Kind. Ein Kleinkind im Alter zwischen 1 und 3 Jahren kann noch nicht klar äußern, wenn seine Grenze überschritten wird oder wo seine Grenzen liegen.

Sobald deine Intuition dir sagt, dass sich jemand aus eurem familiären Umfeld grenzüberschreitend verhält, darfst du zum Wohl deines Kindes einschreiten. Seine weitere körperliche, sprachliche, emotionale und sexuelle Entwicklung hängt mit all diesen unbewussten Lernerfahrungen mit seinen Mitmenschen zusammen.

Am einfachsten lässt sich das Problem lösen, wenn du mit den Erwachsenen möglichst zeitnah sprichst. Wichtig: Versuche trotzdem, das Gespräch zu suchen, wenn dein Kind nicht mithört. 

Du kannst im Gespräch so vorgehen:

  1. Die Person in ruhiger Umgebung respektvoll ansprechen.
  2. Deinen Wunsch klar mitteilen, ohne Vorwürfe zu machen.
  3. Ihn verständlich begründen.
  4. Einen Vorschlag für die Zukunft machen.

Für dieses Gespräch kannst du die Kinderrechte der UN-Kinderrechtskonvention (einfach erklärt von ZDF Logo!) hinzuziehen, die viele Menschen gar nicht kennen. Denn dein Kleinkind hat ein Recht darauf, dass seine eigenen Grenzen geschützt werden.

Ein solches Gespräch könnte zum Beispiel so aussehen (natürlich in deinen eigenen Worten):

Situation 1 – Kind auf den Mund küssen

Oma Uschi küsst den 2,5-jährigen Maxi zur Begrüßung auf den Mund und fordert den Kuss auch selbst von ihm ein: „Gib der Oma mal ein Küsschen.“

Mögliche Reaktion: „Du möchtest Maxi zeigen, wie gerne du ihn hast, indem du ihm zur Begrüßung ein Küsschen auf den Mund gibst oder das Küsschen von ihm einforderst. Dafür habe ich Verständnis, allerdings überschreitest du damit eine Grenze von Maxi. Er hat dich so gerne, aber Küssen tut er dich nur sehr ungern, da er das eigentlich nicht möchte. Ich würde mir wünschen, dass seine körperlichen Grenzen hier nicht überschritten werden. Es ist sein Körper und nur er darf über diesen bestimmen. Maxi lernt sonst, dass er einfach jemanden küssen muss oder auf eine sensible Körperstelle geküsst werden darf, auch wenn er das nicht will. Vielleicht fragst du Maxi beim nächsten Mal einfach, wie er dich begrüßen möchte. Was meinst du?“

Situation 2 – Kind auf den Schoß ziehen

Wenn Onkel Markus zu Besuch ist, unterbricht er sein 1-jähriges Patenkind Fiona im Spiel und setzt sie sich auf den Schoß.

Mögliche Reaktion: „Ich sehe, dass du Fiona lieb hast, was ich toll finde. Wie du siehst, spielt sie, wenn du uns besuchen kommst. Ich würde mir wünschen, dass du deswegen abwartest, bis sie damit fertig ist und von sich aus zur dir kommt. Es ist ihr eigener Körper und sie darf selbst darüber entscheiden, ob sie bei dir auf dem Schoß sitzen möchte oder nicht. Ich möchte nicht, dass sie in diesem jungen Alter schon lernt, dass ein anderer Mensch über ihren Körper entscheidet. Ich weiß, dass das natürlich nicht deine Absicht ist. Vielleicht fragst du sie beim nächsten Mal einfach, ob sie auf deinen Schoß kommen und mit dir kuscheln möchte, was meinst du?“

Situation 3 – Kind über den Mund fahren

Immer, wenn bei Opa Klaus Mittag gegessen wird, schaut er die 1,5-jährige Zita an, wenn sie etwas erzählt und sagt „Wenn der Kuchen spricht, haben die Krümel Pause!“

Mögliche Reaktion: „Ich habe eben gehört, wie du wieder diesen Spruch gesagt hast, als Zita etwas erzählen wollte. Ich weiß, dass das nicht deine Absicht war, aber es ist grenzüberschreitend gegenüber Zita. Sie wollte uns gerade etwas erzählen. Du gibst ihr damit das Gefühl, dass Erwachsene darüber entscheiden dürfen, wann Kinder sprechen. Ich möchte nicht, dass sie das lernt. Ich wünsche mir für meine Tochter, dass sie sprechen kann, ohne dafür vorher eine Erlaubnis zu bekommen. Vielleicht hörst du ihr beim nächsten Mal einmal zu, was sie zu erzählen hat?“

Situation 4 – Kind ignorieren

Für Oma Trude ist es normal, dem 2-jährigen Anton nicht zu antworten, wenn er etwas fragt, sondern sich dann seinem Vater für die Antwort zuzuwenden.

Mögliche Reaktion: „Ich habe beobachtet, dass du Anton nie antwortest, wenn er dich etwas fragt, sondern immer mir. Ich würde mir als Antons Elternteil wünschen, dass du ihm direkt antwortest. Du kannst dich mit ihm prima unterhalten. Ich möchte auf keinen Fall, dass er lernt, dass es normal ist, dass Erwachsene über ihn hinweg sehen und nur miteinander sprechen. Ich möchte, dass er weiß, dass er Antworten bekommt und nicht ignoriert wird, wenn ihm etwas wichtig ist. Wie siehst du das? Vielleicht probieren wir es später direkt mal aus, wenn er dich etwas fragt?“

Diese beispielhaften Situationen sind sehr schematisch dargestellt, das wissen wir. Wir sind uns auch bewusst, dass es im 1:1 Kontakt mit lieben Menschen alles andere als einfach ist, Unangenehmes anzusprechen. Dennoch musst du sie nicht einfach hinnehmen. Denn dann muss auch dein Kind weiterhin aushalten, was mit ihm geschieht.

Was mache ich, wenn mein Gesprächsversuch als übertrieben abgetan wird?

Mit dieser Situation musst du rechnen – vor allem bei Personen, die ungern ihre eigenen Verhaltensweisen hinterfragen.

Wir empfehlen:

  • Akzeptiere die Reaktion der Person, auch wenn sie vorwurfsvoll sein sollte.
  • Atme tief durch und behalte im Kopf, warum du diese Meinung hast. Das kann dir helfen, die unangenehme Situation besser auszuhalten.
  • Stehe weiterhin hinter deinem Eindruck und bleibe respektvoll der Person gegenüber.
  • Es kann sein, dass die Person dich auch bei anderen Menschen (wie etwa deinem Partner) als empfindlich hinstellt. Versuche, das nicht persönlich zu nehmen. Du schützt in dieser Situation dein Kleinkind. Das haben alle Beteiligten zu akzeptieren.
  • Falls die grenzüberschreitende Situation sich erneut wiederholen sollte: Versuche, ein 2. Gespräch mit der Person zu suchen.
  • Wenn die Person auch danach keine Einsicht zeigt, ziehe deine eigenen Konsequenzen. Du wirst den Menschen und das Verhalten nicht verändern können, wenn er sich nicht selbst hinterfragt.
  • Was du aber ändern kannst, ist deine Reaktion auf das Verhalten. Ziehe dich mit Besuchen oder Einladungen vielleicht etwas mehr zurück als gewöhnlich. Achte darauf, dass dein Kleinkind sich bei gemeinsamen Ausflügen mehr bei dir aufhält und benenne deine Grenzen weiterhin.
  • Bedenke immer: Du bist der Elternteil deines Kindes, du darfst daher für dich und dein Kleinkind entscheiden, was du akzeptieren möchtest und was nicht.

Falls es dir weiterhin schwerfällt, die familiären Grenzüberschreitungen anzusprechen, kannst du dir hier direkte Unterstützung suchen:

  • Das Elterntelefon der Nummer gegen Kummer: 0800 111 0 550
  • Bundeskonferenz für Erziehungsberatung, mit Möglichkeiten der Online-Beratung für Eltern mit Kindern von 0 bis 3 Jahren: www.bke.de

Kinderbücher, die Kinder stärken

Die Verantwortung und Vermeidung von Grenzüberschreitungen liegt immer bei den grenzüberschreitenden Erwachsenen selbst. Niemals ist das Kleinkind dafür verantwortlich, wenn jemand seine Grenzen überschreitet. Dennoch gibt es einige Kinderbücher, die das Thema „Nein sagen“ und „Kinderrechte“ behandeln. Diese Bücher könnten dein Kleinkind zusätzlich und für die Zukunft stärken, um die eigenen Grenzen später klar aussprechen zu können.

„Jette sagt nicht immer Ja“

Dieses Buch zeigt über eine interessante Protagonistin Wege, die psychische Widerstandskraft von Kindern zu stärken.

Grenzüberschreitung Bilderbuch - Warum dein Kind Oma kein Küsschen geben muss!

„Nein heißt Nein, sagt die Maus“

Mit diesem Bilderbuch lernen Kinder bereits früh spielerisch das „Nein“ sagen und sich durchzusetzen.

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Ab 5 Jahren: „Mein Körper gehört mir!“

Das Erzähltheater Bildkartenset greift Grenzüberschreitungen kindgerecht auf. Es eignet sich eher für ältere Kita-Kinder.

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„Ich bin ein Kind und ich habe Rechte“

Damit dein Kleinkind seine eigenen Rechte kennenlernt, empfehlen wir dieses Buch mit tollen Illustrationen.

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Mehr zum Thema

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