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Wochenbettdepression: Seelische Erkrankung nach der Geburt

Endlich das Baby im Arm – lang ersehnt und das größte Glück. Und trotzdem fühlen sich viele Mütter leer und antriebslos. Eine Wochenbettdepression? Vielleicht! Woran du sie erkennst und was du dagegen tun kannst, erfährst du jetzt.

Du bist nicht allein: Die postpartale Depression ist häufig

Wochenbettdepressionen sind selten? Oh nein, ganz im Gegenteil. Die sogenannte postpartale Depression (PPD) tritt sogar recht häufig auf. Etwa jede sechste Frau leidet darunter, oft ohne es zu ahnen. Ist doch normal, dass man mit Baby müde und kaputt ist, oder nicht? Jein. Aber dazu gleich mehr.

Einige Frauen verspüren direkt nach der Geburt ihres Kindes erste Anzeichen. Andere trifft es innerhalb der ersten drei Monate oder bis zu zwei Jahre nach der Geburt.

Übrigens: Auch Väter können betroffen sein!

Früher nannte man die postpartale Depression „postnatale“ Depression. Im Internet findest du zu beiden Begriffen Informationen über die Wochenbettdepression. Ganz korrekt heißt es jedoch „postpartal“.

Die Symptome der Wochenbettdepression: woran du sie erkennst

Eine Wochenbettdepression kann sich durch viele Symptome äußern. Aber nicht jedes Symptom ist auch gleich Zeichen einer Depression. Immerhin sind Schwangerschaft und Geburt für deinen Körper anstrengend und ein Neugeborenes zu versorgen ist genauso herausfordernd. Stichwort: Schlafentzug. Aber wenn mehrere Symptome zusammen länger als zwei Wochen auftreten, solltest du hellhörig werden.

Mögliche Symptome sind:

  • Du fühlst dich traurig, schuldig und leer.
  • Nichts kann dich aufheitern oder motivieren.
  • Dein Leben erscheint dir nicht lebenswert.
  • Am liebsten würdest du dich den ganzen Tag im Bett verkriechen.
  • Innere Unruhe lässt dich nicht schlafen, obwohl du hundemüde bist.
  • Du fühlst dich gereizt oder hast Stimmungsschwankungen.
  • Die Sorge um deine Gesundheit oder die deines Babys frisst dich auf.
  • Alles überfordert dich.
  • Du kannst dich kaum konzentrieren und vergisst alles.
  • Dein Baby fühlt sich fremd an.
  • Du bist appetitlos oder hast Fressattacken.
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Wochenbettdepression: Mögliche Ursachen

Ob du selbst eine Wochenbettdepression entwickeln wirst oder nicht, kann niemand vorhersehen. Es gibt jedoch Faktoren, die sie wahrscheinlicher machen. Das sind sie:

  • Du lebst in schwierigen Verhältnissen (schwierige Partnerschaft, Jobverlust, finanzielle Probleme, viele Verpflichtungen oder Ähnliches)
  • Du bekommst wenig bis keine Unterstützung durch Familie oder Freunde oder fühlst dich einsam.
  • Dein Baby war kein Wunschkind.
  • Du hattest schon vor der Schwangerschaft depressive Phasen.
  • Du hattest Schwangerschaftsdiabetes.
  • Dein Baby ist zu früh auf die Welt gekommen

Schon eins davon reicht manchmal. Kommen gleich mehrere zusammen, wird es schwieriger damit umzugehen. Aber: Jeder Fall von postnataler Depression ist einzigartig.

Selbst wenn nichts davon zutrifft: Wenn du den Verdacht hast, lass es nicht einfach so weiterlaufen. Denn von allein verschwindet die Depression eher nicht. Offenbare dich stattdessen deiner Hebamme oder deiner Ärztin. Beide können dir zuhören und helfen.

Wichtig für dich: Du bist keine schlechte Mutter, nur weil dich eine Wochenbettdepression erwischt hat. Weder du noch dein Kleines können etwas dafür!

Wer dir bei einer Wochenbettdepression helfen kann

Das Gemeine an Depressionen: Betroffene fühlen sich mut- und antriebslos. Sie glauben nicht, dass ihnen jemand helfen kann und versuchen deshalb, es mit sich selbst auszumachen. Auch wenn es schwerfällt, sprich mit einer kompetenten Person, der du vertraust. Das können Hausarzt, Frauenarzt, Hebamme oder sogar Kinderarzt sein. Sie können und werden dir beistehen.

Keine Sorge: Du wirst nicht einfach abgestempelt. Denk immer daran, du bist mit deinen Sorgen nicht allein. Wenn du dir helfen lässt, geht es dir bald besser! Überweist dich deine Ärztin in eine psychiatrische Praxis, ist das eine Chance. Denn nur diese Berufsgruppe darf auch Medikamente verschreiben, wenn es nötig wird. (Die gibt es auch in stillfreundlich!). Oft braucht es aber gar keine und eine Gesprächstherapie und/oder regelmäßiger Sport reichen aus.

Meist dauert es mindestens vier Wochen, bis der erste Gesprächstermin ansteht. Wenn dir das viel zu lang erscheint, kannst du dein Herz anonym und kostenlos am Telefon ausschütten (Siehe Info-Box darunter). Welche Hilfen es noch gibt, erfährst du hier.

Soforthilfe

Scheue dich nicht, per Telefon Soforthilfe in Anspruch zu nehmen. Das löst die Depression zwar nicht. Trotzdem wird es dir danach besser gehen. Dafür gibt es drei Hotlines, die wir empfehlen können:

Die Dauer der Wochenbettdepression

Eine unbehandelte Wochenbettdepression kann sich ziehen. Sie kann sogar chronisch werden. Und auch dein Baby passt sein Verhalten deinem an. Manchen Kindern schwer depressiver Mütter fällt es schwer, zu lächeln, sich an Dingen zu erfreuen, zur Ruhe zu kommen und Spaß am Leben zu haben.

Beginnst du jedoch eine Therapie – sei es mit Medikamenten oder ohne – wirst du schon nach wenigen Wochen merken, dass es dir besser geht. Und davon profitiert auch dein Baby. Bis eine ausgeprägte Depression Geschichte ist, kann es eine Weile dauern. Aber Schritt für Schritt wird es dir besser gehen.

Bei leichten Formen hilft manchmal auch, wenn die Frau (oder der Mann) mehr Unterstützung bekommt.

Einer Wochenbettdepression vorbeugen – geht das?

Ob du eine postnatale Depression bekommst oder nicht, kannst du kaum beeinflussen. Ein paar Dinge verringern das Risiko jedoch oder schwächen die Depression ab:

1. Achte auf deine Ernährung

Auch wenn es schwerfällt: iss regelmäßig und gesund. Dein Körper braucht jetzt Energie und jede Menge Nährstoffe. Schokolade mag zwar kurzfristig helfen, aber wenn nur in kleinen Mengen. Wenn du keine Energie zum Kochen hast, versuch jemanden zu finden, der das für dich übernimmt oder nutze Lieferdienste. Geht es dir ganz schlecht, gibt es von der Krankenkasse eine Haushaltshilfe. Auch eine speziell ausgebildete Familienhebamme kann dir die Frauenärztin verschreiben.

2. Bleib im Wochenbett und lass dir helfen

Wenn es irgendwie geht, versuch das Wochenbett ernst zu nehmen. Lass dir von Freunden, Partner oder Familie helfen und verbringe so viel Zeit wie möglich im und am Bett. Dein Körper braucht die Wochen einfach, um sich zu erholen. Auch hier gilt: Du hast Anspruch auf eine Haushaltshilfe, wenn dir sonst niemand beistehen kann!

3. Geh an die frische Luft

Sobald du fit genug bist, geh so oft es geht spazieren. Bewegung und frische Luft tun dir und deinem Baby gut. Und eine Lichtdusche hebt die Laune. Auch Rückbildungsgymnastik kann dir helfen, vorausgesetzt dein Körper ist schon so weit. Das weiß deine Hebamme am besten.

4. Tausch dich mit anderen Eltern aus

Manchmal hilft es zu merken, dass du mit deinen Problemen nicht allein bist. Offene Gespräche mit anderen Eltern haben schon so manche Depression im Keim erstickt. Sie verstehen dich und können dir wertvolle Tipps geben. Wenn du noch keine passenden Freunde hast, findest du sie bei Babykursen oder einfach auf dem Spielplatz. Trau dich ruhig, ein sympathisches Exemplar anzusprechen. Vielen geht es ähnlich wie dir.

Wochenbettdepression: Unterschied zu Baby Blues oder Wochenbettpsychose

Wochenbettdepression und Baby Blues sind nicht dasselbe, auch wenn beides häufig in einem Atemzug genannt wird. Rund acht von zehn Müttern zerfließen wenige Tage nach der Geburt in Tränen. Erschöpfung und Angst vor der Zukunft kommen zusammen. Die Hormone tun ihr Übrigens. Das Gute: dieser Zustand hält nicht lange an. Meist ist der Spuk nach ein paar Stunden bis Tagen vorbei, manchmal auch erst nach zwei Wochen. Sorgen machen musst du dir nicht. Bleib mit deinem Baby im Bett, lade ungebetenen Besuch aus und lass dich von einem lieben Menschen verwöhnen. Dann wird das wieder.

Anders bei einer Wochenbettpsychose. Denn die gibt es auch und auch sie unterscheidet sich von der Wochenbettdepression. Man erkennt sie an Wahrnehmungsstörungen, Sinnestäuschungen und zunehmendem Verlust des Interesses am Baby. Eine von tausend Frauen ereilt die „Stillpsychose“. Angehörige müssen schnell handeln, damit die betroffene Mutter weder sich selbst noch dem Kind schadet, denn das kommt leider vor. Eine solche psychotische Erkrankung kann nur mit Medikamenten behandelt werden.

🎧 Podcast: #43 – Wie du eine belastende Geburt verarbeitest

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