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Coronavirus und Schwangerschaft: Das solltest du wissen

Dieser Artikel wurde inhaltlich geprüft von Nadine Beermann, Hebamme.

So viel Unsicherheit, so viele Fragen – gerade Schwangere wissen meist nicht, was Corona für ihre Schwangerschaft und das ungeborene Baby bedeutet. Wir geben den aktuellen Stand der Dinge wieder.

Schwanger sein kann schon genug nerven. Da tragen die Nachrichten über das Coronavirus nicht zur Entspannung bei. Erst gingen Forscher und Ärzte davon aus, dass Schwangere kein höheres Risiko durch Covid-19 haben als andere. Dies scheint sich ein klein wenig geändert zu haben.

Weil es auch jetzt noch wöchentlich neue Erkenntnisse gibt, können wir hier nur den aktuellen Stand (13.3.2021) der Erkenntnisse in Bezug auf Covid-19 und Schwangere wiedergeben.

Schwangere gelten in den USA als Risikogruppe

Schwangere sind infektanfälliger. Das liegt daran, dass ihr Immunsystem schon sehr viel mit der Schwangerschaft selbst zu tun hat und so für Viren oder Bakterien empfänglicher ist. Trotzdem ist das Risiko, dich in der Schwangerschaft mit dem Coronavirus anzustecken, gegenüber dem Rest der Bevölkerung nicht erhöht. Im Gegenteil! Die meisten infizierten Schwangeren (50 bis 80% laut einer aktuellen Studie) haben keine oder nur wenig Symptome. Gut oder? So steht es auch in der November-Ausgabe der Ökotest 2020 und wird von deutschen Experten bestätigt.

Aber: Laut amerikanischer Gesundheitsbehörde CDC hingegen haben Schwangere ein fast doppelt so hohes Risiko für einen schwereren Verlauf wie Nicht-Schwangere im gleichen Alter, wenn sie dann doch erkrankt sind. Sie kommen öfter auf die Intensivstation und werden öfter beatmet. Auch das Sterberisiko ist leicht erhöht. Das soll unter anderem am kleineren Lungenvolumen liegen, wenn der Bauch wächst und an der erhöhten Thrombosegefahr in der Schwangerschaft – auch Covid-19 begünstigt Thrombosen.

Wenn du eine Vorerkrankung wie Diabetes (auch Schwangerschaftsdiabetes), Adipositas, Asthma oder Bluthochdruck hast, weißt du sowieso, dass du aufpassen musst. Das gilt aber auch für alle anderen betroffenen Menschen und nicht nur für Corona.

Schwangere haben vielleicht ein erhöhtes Risiko, aber als Hochrisikogruppe gelten sie (noch) nicht. Unsere Empfehlung: Vorsichtig sein, aber Angst ist unnötig!

Übertragung über die Plazenta selten, aber bei der Geburt möglich

Wenn Schwangere gefährdeter sind, gilt das auch für ihre ungeborenen Babys? Mittlerweile viel Zeit vergangen und es gibt mehr Erkenntnisse als zu Anfang dePandemie. Trotzdem ist die Datenlage in Bezug auf Schwangere und ihre ungeborenen Babys nach wie vor dünn.

Am Anfang keinen Hinweis darauf, dass das Virus über die Plazenta auf das Baby übergehen könnte. Das stimmt so nicht mehr, ist aber extrem selten. Wichtiger ist jedoch Folgendes: hohes Fieber im ersten Trimester kann mit Fehlbildungen oder Komplikationen einhergehen. Das gilt auch für die Grippe oder andere hochfieberhafte Viruserkrankungen.

Ein paar wenige Babys wurden gleich nach der Geburt positiv auf SARS-CoV-2 getestet. Symptome hatten die wenigsten. In wenigen Fällen ist die Übertragung im Mutterleib belegt. Eine Studie aus China zeigt, dass das Virus mitunter auch im Stuhl nachweisbar ist. Da es bei der vaginalen Geburt nicht steril zugeht, wäre das ein möglicher Übertragungsweg.

Babys können sich also bei der Geburt anstecken, aber…

Wenn Babys sich bei der Geburt mit dem Coronavirus anstecken können, ist das gefährlich? Im Moment gehen Ärzte davon aus, dass Neugeborene kein höheres Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf haben, als andere Kinder. Keins der positiv getesteten Kinder musste wegen Corona beatmet werden. Daraus lässt sich schließen, dass auch die Lungen der Neugeborenen dem Virus nicht genug Möglichkeiten geben, sich festzusetzen. Die wenigen Säuglinge, die mit Covid-19 gestorben sind, hatten immer schwerwiegende Vorerkrankungen.

Auch das Stillen ist laut einer Studie kein Problem solange infizierte Mütter alle Hygienemaßnahmen beachten. In der Muttermilch Corona-positiver Mütter konnten zwar Virusbestandteile nachgewiesen werden. Das bedeutet aber nicht, dass es darüber zu einer Ansteckung kommen kann. Wahrscheinlich schützen die sich bildenden Antikörper der Mutter das Baby zusätzlich vor Komplikationen.

Was ist mit Arztbesuchen in der Schwangerschaft?

Normalerweise raten wir Schwangeren, immer dann zum Frauenarzt zu gehen, wenn sie sich um sich selbst oder ihr Baby sorgen. Lieber einmal zu viel als zu wenig. Das ist natürlich auch weiterhin so, aber du solltest vorher unbedingt in der Praxis anrufen statt einfach zu erscheinen. Das gilt vor allem dann, wenn du selbst mit Corona infiziert sein könntest. Dann gelten besondere Auflagen.

Vorsorgeuntersuchungen finden normal statt. Wenn es sich um einen Notfall handelt, wird die Versorgung von infizierten Schwangeren wahrscheinlich im Krankenhaus stattfinden. Viele weitere Hinweise darauf, was passiert, wenn du dich als Schwangere mit Corona infiziert hast, gibt die Berliner Hebamme Jana Friedrich sehr anschaulich in ihrem Blog.

Unnötige Arztbesuche solltest du zwar vermeiden, aber bitte nicht solche, die für deine Gesundheit wichtig sind. Erkundige dich am besten vorher, ob Maskenpflicht, Mindestabstände und regelmäßiges Lüften eingehalten werden.

Dürfen Partner bei der Geburt weiterhin dabei sein?

Momentan erlauben Kreißsäle wieder, eine Begleitperson dabei zu haben. Die Betonung liegt auf eine. Denn das bedeutet, dass neben dem Partner oder der besten Freundin keine weiteren Helfer wie z.B: eine Doula anwesend sein dürfen. Du musst dich also entscheiden. Deine Begleitung darf dann während der Geburt das Zimmer nicht mehr verlassen. Eine Beleghebamme ist natürlich weiterhin erlaubt und gut, denn sie ersetzt ständig wechselnde Hebammen.

Sollte ich mich als Schwangere isolieren?

Ja, zumindest teilweise.

Wie wir oben dargestellt haben, kann eine Covid-19-Erkrankung in der Schwangerschaft unschön sein. Achte daher ein wenig mehr als andere auf deine Gesundheit:

  • Konzentriere dich auf wenige und dafür gute Kontakte
  • Halte Abstand wo es geht. Schütz dich selbst wenn nötig durch eine FFP2- Maske und meide Maskenverweigerer!
  • Wasch dir regelmäßig und gründlich die Hände mit Seife – auch gut gegen andere Infektionen
  • Geh viel raus, denn frische Luft reduziert das Ansteckungsrisiko
  • Lüfte die Wohnung regelmäßig und überheize sie nicht. Trau dich auch ruhig, beim Arzt das Fenster aufzumachen, wenn es sonst keiner tut.
  • Wisch Türklingen und vielgenutzte Gegenstände (Türgriffe, Schlüssel, Handydisplays) öfter mal mit Seife ab oder desinfiziere sie.
  • Ruf bei Corona-Verdacht in der Arztpraxis oder bei der Hotline an und sag, dass du schwanger bist. Wenn du bei einer Erkrankung überwacht wirst, kann ein schwerer Verlauf besser verhindert werden.

Mehr kannst du ohnehin nicht tun. Wenn du dir sehr viele Sorgen machst, versuch doch mal Schwangerschaftsyoga oder Hypnobirthing. Das stärkt dein Selbstvertrauen und die Bindung zu deinem Baby 🙂

Sind FFP2-Masken in der Schwangerschaft gefährlich?

In Baden-Württemberg wurde das Tragen von FFP2-Masken für Schwangere auf eine halbe Stunde täglich beschränkt (Stand: 17. März 2021). In anderen Bundesländern ist davon keine Rede. Schwangere Apothekerinnen müssen wegen der FFP2-Pflicht freigestellt werden. In anderen Berufen können/müssen sie weiterarbeiten. Warum dieses Kuddelmuddel? Kann meinem Baby etwas passieren, weil ich eine FFP2-Maske trage?

Fakt ist: Studien zum Thema zeigen zwar, dass das Atmen unter einer FFP2-Maske Schwangeren im dritten Trimester bei Anstrengung gefühlt schwerer fällt. Sie zeigen aber auch, dass das Kind davon normalerweise nichts merkt. Weder sinkt die Sauerstoffsättigung im Blut, noch steigen bei moderater Belastung Atemfrequenz oder Herzschlag der Mutter (z.B. Treppensteigen) deutlich höher als ohne Maske. Also Entwarnung?

Jein. Denn erstens betrachteten die Studien nur einen Zeitraum von einer Stunde. Und zweitens: was für andere Schwangere gilt, muss auf dich nicht zutreffen. Ob du durch das Tragen der FFP2-Maske besonders belastet bist, kann nur ein Mediziner feststellen. Solltest du dabei Schwindel oder Atemnot bemerken, lass dich durchchecken.

Ansonsten gilt: Nur eine FFP2 Maske filtert bis zu 90% der Viren in der Atemluft. OP-Masken schützen nur die anderen. Wenn du tatsächlich keine Maske tragen kannst, hilft nur:

  • Kontakte reduzieren,
  • Abstand halten,
  • Hand-Hygiene und
  • Lüften
  • Und mit Arzt oder Ärztin über ein Beschäftigungsverbot sprechen, wenn du im Beruf FFP2-Masken über längere Zeit tragen müsstest!

Schwanger und Corona-Impfung: passt das zusammen?

Ob sich Schwangere impfen lassen können oder sollten, ist noch nicht ganz klar. Das liegt daran, dass es dazu – aus rechtlichen Gründen – bisher keine Impfstudien mit schwangeren Frauen gibt. Daher riet die WHO zuerst von einer Impfung in der Schwangerschaft ab.

Mittlerweile sagt die Deutsche Gesellschaft für perinatale Medizin in einer Stellungnahme: „Insbesondere Schwangeren mit Vorerkrankungen, einem hohen Risiko für einen schweren Verlauf von COVID-19 oder hohem Expositionsrisiko gegenüber einer Sars-CoV-2-Infektion kann die Impfung angeboten werden“.

Ob das für dich zutrifft, klärst du am besten direkt mit deiner Arztpraxis. Und noch ein Tipp: Schwangere können in einigen Bundesländern (z.B. Berlin) zwei enge Kontaktpersonen benennen, die geimpft werden dürfen. Immer vorausgesetzt, es ist genug Impfstoff da.

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