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Coronavirus und Schwangerschaft: Das solltest du wissen

So viel Unsicherheit, so viele Fragen – gerade Schwangere wissen meist nicht, was das neue Coronavirus für ihre Schwangerschaft und das ungeborene Baby bedeutet. Wir geben den aktuellen Stand der Dinge wieder.

Schwanger sein kann manchmal schon genug verunsichern. Da tragen die Nachrichten über das Coronavirus nicht unbedingt zur Entspannung werdender Mütter bei. Weil sich die Faktenlage momentan laufend ändert, können wir hier nur den aktuellen Stand (17.3.2020) der Erkenntnisse in Bezug auf Covid19 und Schwangere wiedergeben.

Schwangere sind nicht mehr gefährdet als Andere

Schwangere gelten ja als ziemlich infektanfällig. Das liegt daran, dass ihr Immunsystem schon sehr viel mit der Schwangerschaft selbst zu tun hat und so für Viren oder Bakterien empfänglicher ist. Es ist also möglich, dass das Risiko, dich in der Schwangerschaft mit dem Coronavirus anzustecken, gegenüber dem Rest der Bevölkerung leicht erhöht ist.

Das bedeutet aber nicht, dass du als Schwangere automatisch in der Risikogruppe bist. Denn schaut man die Zahlen aus China und Italien an, findet sich kein Hinweis darauf, dass Schwangere ein höheres Risiko für einen schwereren Verlauf als Nicht-Schwangere haben. Das heißt, wenn du im normalen Alter und ohne Vorerkrankungen bist, wirst du höchstwahrscheinlich nur Symptome wie bei einer Erkältung oder maximal einer Grippe haben. Die Wahrscheinlichkeit einer sich anschließenden Lungenentzündung ist die Gleiche wie bei Gleichaltrigen. Die Gefahr einer Frühgeburt wegen einer Erkrankung mit Covid-19 scheint nicht erhöht.

Wenn du eine Vorerkrankung hast, und da geht es vor allem um den Herz- und Lungenbereich, steigt das Risiko eines schwereren Verlaufs jedoch. Das gilt aber auch für alle anderen betroffenen Menschen und auch nicht nur für Corona.

Noch kein Nachweis für Übertragung über die Plazenta

Wenn Schwangere nicht gefährdeter sind, wie sieht es dann mit den ungeborenen Babys aus? Bisher (Stand 17.3.2020) gibt es keinen Hinweis darauf, dass das Virus über die Plazenta auf das Baby übergehen könnte. Fehlbildungen beim Baby durch die Erkrankung der Mutter sind also unwahrscheinlich. Die Zeit wird zeigen, ob das auch so bleibt. Denn bisher haben sich ja nur Schwangere im 3. Trimester überhaupt infizieren können.

Ein paar wenige Babys wurden gleich nach der Geburt positiv auf SARS-CoV-2 getestet, dabei ist aber nicht sicher, ob das Virus nicht doch erst bei der Geburt übertragen wurde. Eine Studie aus China zeigt, dass das Virus mitunter auch im Stuhl nachweisbar ist. Da es bei der vaginalen Geburt zur Übertragung von Körperflüssigkeiten auf das Baby kommen kann, wäre das ein möglicher Übertragungsweg.

Babys können sich also bei der Geburt anstecken, aber…

Wenn Babys sich bei der Geburt mit dem Coronavirus anstecken können, ist das gefährlich? Im Moment gehen Ärzte davon aus, dass Neugeborene kein größeres Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf haben, als andere Kinder. In der Altersgruppe 0 – 9 Jahre gibt es bisher keinen einzigen Todesfall, auch nicht in China. Keins der positiv getesteten Kinder musste wegen Corona beatmet werden. Daraus lässt sich schließen, dass auch die Lungen der Neugeborenen dem Virus nicht genug Möglichkeiten geben, sich festzusetzen.

Auch das Stillen ist laut einer Studie kein Problem solange infizierte Mütter alle Hygienemaßnahmen beachten. Wahrscheinlich schützen die sich bildenden Antikörper der Mutter das Baby zusätzlich vor Komplikationen.

Was ist mit Arztbesuchen in der Schwangerschaft?

Normalerweise raten wir Schwangeren, immer dann zum Frauenarzt zu gehen, wenn sie sich um sich selbst oder ihr Baby sorgen. Lieber einmal zu viel als zu wenig. Das ist natürlich auch weiterhin so, aber du solltest vorher unbedingt in der Praxis anrufen statt einfach zu erscheinen. Das gilt vor allem dann, wenn du selbst mit Corona infiziert sein könntest. Dann gelten besondere Auflagen. Vorsorgeuntersuchungen werden nach Möglichkeit verschoben werden. Wenn es sich um einen Notfall handelt, wird die Versorgung von infizierten Schwangeren wahrscheinlich im Krankenhaus stattfinden. Viele weitere Hinweise darauf, was passiert, wenn du dich als Schwangere mit Corona infiziert hast, erklärt die Berliner Hebamme Jana Friedrich sehr anschaulich in ihrem Blog.

Wenn du das Coronavirus nicht hast, solltest du andere Arztbesuche, die nicht nötig sind, lieber vermeiden, um dich nicht anzustecken. Denn gerade in Arztpraxen wird das Virus munter weiterverbreitet, weil weder Mindestabstand noch Schutzmaßnahmen in ausreichendem Maße getroffen werden können.

Dürfen Partner bei der Geburt weiterhin dabei sein?

Momentan erlauben Kreißsäle auch weiterhin, eine Begleitperson dabei zu haben. Die Betonung liegt auf eine. Denn das bedeutet, dass neben dem Partner oder der besten Freundin keine weiteren Helfer wie z.B: eine Doula anwesend sein dürfen. Du musst dich also entscheiden. Deine Begleitung darf dann während der Geburt das Zimmer nicht mehr verlassen. Eine Beleghebamme ist natürlich weiterhin erlaubt und gut, denn sie ersetzt ständig wechselnde Hebammen.

Ob Partner und co. auch weiterhin bei der Geburt dabei sein dürfen, wird jeden Tag auf’s Neue anhand der Faktenlage überprüft.

Sollte ich mich als Schwangere isolieren?

Je weiter die Verbreitung des Virus voranschreitet, desto mehr Maßnahmen zur Eindämmung wird es geben. Aber auch bevor die Politik das Leben einschränkt, kannst du von dir aus das Risiko eine Ansteckung verringern, indem du deine Kontakte reduzierst. Das musst du natürlich selbst entscheiden. Jede Maßnahme hilft aber unseren Krankenhäusern, die Krise besser bewältigen zu können. Ob du jetzt noch reisen solltest, beantwortet sich eigentlich von selbst. Denn willst du als Schwangere wirklich irgendwo anders als zuhause feststecken?

Wie wir oben dargestellt haben, bist du wahrscheinlich nicht stärker gefährdet als Andere, aber auch eine grippeähnliche Erkrankung kann in der Schwangerschaft extrem unangenehm sein. Zusätzlich zur häuslichen Isolation helfen die bekannten Vorsichtsmaßnahmen eine Ansteckung zu vermeiden bzw. die Ausbreitung einzudämmen:

  • Häufiges, gründliches Händewaschen mit Seife (20 sek.)
  • Abstand zu Menschen halten
  • Viel draußen sein, denn frische Luft reduziert das Ansteckungsrisiko
  • Drinnen öfter lange lüften, um die Anzahl der Viren im Raum zu reduzieren (mind. 15 Minuten)
  • In die Armbeuge husten oder niesen
  • Oberflächen öfter abwischen und vielgenutzte Gegenstände (Türgriffe, Schlüssel, Handydisplays) desinfizieren.

Dann heißt es abwarten und die Chance nutzen, um all das zuhause zu tun, was du schon immer mal tun wolltest. Das hebt die Laune und gute Laune stärkt ja bekanntlich die Abwehrkräfte 🙂

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