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Frühgeburt: Anzeichen, Chancen und Risiken

Etwa jedes 8. Kind kommt vor dem Ende der 37. SSW und damit als Frühgeburt zur Welt. Die Chancen der Frühchen stehen heute dank des medizinischen Fortschritts deutlich besser als noch vor 20 Jahren. Ab wann man von einer Frühgeburt spricht, wie sie sich ankündigt und ob man sie verhindern kann, erfährst du jetzt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Geburt vor Ende der 37. SSW gilt als Frühgeburt. Man unterscheidet zwischen spät, mäßig, sehr und extrem früh.
  • Anzeichen einer Frühgeburt sind meist vorzeitige Wehen, ein vorzeitiger Blasensprung, manchmal auch Blutungen.
  • Wehenhemmer oder ein Verschluss des Muttermunds können die Frühgeburt eventuell verhindern oder hinauszögern.
  • Dank medizinischem Fortschritt stehen die Chancen auf eine gesunde Entwicklung von Frühchen heute gut bis sehr gut.
  • Nicht immer findet man die Ursache für die vorzeitige Geburt. Es gibt aber Risikofaktoren, die sie wahrscheinlicher machen.
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Wann ist es eine Frühgeburt?

Laut Definition handelt es sich um eine Frühgeburt, wenn das Kind 3 Wochen vor dem ET, das heißt also vor Ende der 37. Schwangerschaftswoche geboren wird. Etwa 8 Prozent der Kinder kommen als Frühchen zur Welt. Dabei unterscheidet die Medizin in 4 Gruppen, je nachdem, wie viel früher das Kind zur Welt kommt:

  • späte Frühgeburt: 35. SSW – 37. SSW (34+0 – 36+6)
  • mäßige Frühgeburt: 33. SSW – 34. SSW (32+0 – 33+6)
  • sehr frühe Frühgeburt: 29. SSW – 32. SSW (28+0 – 31+6)
  • extrem frühe Frühgeburt: bis 28. SSW (bis 27+6) 

Die meisten Frühgeborenen haben ein Geburtsgewicht von unter 2.500 Gramm. Babys, die sehr oder extrem früh geboren werden, wiegen oft auch unter 1.500 Gramm, manchmal sogar unter 1.000  Gramm.

Anzeichen einer Frühgeburt

Eine Frühgeburt kündigt sich normalerweise durch vorzeitige Wehen oder einen vorzeitigen Blasensprung an. Vorzeitige Wehen heißt: regelmäßige Kontraktionen oder ein hart werdender Bauch, eventuell begleitet von ziehenden Unterleibsschmerzen, Rückenschmerzen oder leichten Blutungen. Einen vorzeitigen Blasensprung erkennst du daran, dass vermehrt (klare) Flüssigkeit aus der Scheide abgeht. In seltenen Fällen kündigen auch starken Blutungen eine bevorstehende Geburt an, nämlich dann, wenn es zu einer Plazentaablösung gekommen ist.

Bemerkst du eines dieser Warnzeichen vor der 37. SSW solltest du umgehend die gynäkologische Praxis oder das nächste Krankenhaus aufsuchen. Im Zweifel kannst du auch den Notruf wählen.

Erste Hilfe Maßnahmen bei einer drohenden Frühgeburt

In der Praxis oder Geburtsklinik wird man versuchen, die Geburt so lange wie möglich hinauszuzögern. Zum Einsatz kommen je nach Ausgangssituation unter anderem medikamentöse Wehenhemmer (Tokolyse) oder eine strenge Bettruhe. Letzteres ist allerdings umstritten, denn bis heute fehlen stichhaltige Beweise, dass das Frühgeburtsrisiko durch Liegenbleiben wirklich sinkt. 

Auch ein künstlicher Verschluss des Muttermunds ist eine Möglichkeit, die Schwangerschaft aufrechtzuerhalten. Dabei wird der Muttermund unter Vollnarkose mit einem Band (Cerclage) oder mittels Silikonring (Pessar) verschlossen. Doch auch hier streiten sich die Mediziner hinsichtlich der Wirksamkeit und Risiken beider Methoden.

Lässt sich die Geburt nicht mehr aufhalten, bekommst du eine Spritze zur Lungenreife (bis 35. SSW). Sie beschleunigt die Entwicklung der Lunge deines Babys und schützt auch andere Organe vor Schäden. Außerdem erhältst du hochdosiertes Magnesium zum Schutz des Gehirns deines Kinds. 

Liegt dein Baby in Schädellage und sprechen keine Faktoren dagegen, kann es auch schon vor der 30-Wochen-Grenze vaginal geboren werden. Andernfalls wird es sicherheitshalber per Kaiserschnitt entbunden.

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So stehen die Chancen bei einer Frühgeburt

Je reifer ein Baby geboren wird, desto besser stehen seine Chancen auf eine gesunde Entwicklung. Dank des stetig wachsenden Fortschritts in der Medizin haben sich die Aussichten für Frühgeborene in den letzten Jahrzehnten aber deutlich verbessert. Vor allem die mäßigen und späten Frühchen haben kaum noch gesundheitliche Probleme zu befürchten. Allerdings gibt es dafür leider keine Garantie. Wie sie die frühe Geburt verkraften, ist sehr individuell und schwer vorherzusagen. Eine große Rolle spielt neben dem Alter auch das Gewicht. Es gilt: je schwerer, desto besser. Ab einem Gewicht von 2.500 Gramm werden Säuglinge in der Regel aus der Klinik entlassen.

  • Sehr frühe Frühgeburten (vor der 33. SSW) haben ein erhöhtes Risiko für körperliche und/oder psychische Beeinträchtigungen durch die vorzeitige Geburt. Ihre Überlebenschancen sind im Allgemeinen jedoch sehr gut. Sie liegen in Deutschland bei 95 Prozent! 
  • Kritischer wird es bei extremen Frühchen (vor der 28. SSW). Ihre Überlebenschancen sind nicht mehr ganz so hoch und die Gefahr für bleibende Schädigungen steigt. 
  • Frühgeburten vor der 24. SSW mit einem Geburtsgewicht von unter 400 Gramm haben eine geringe Chance zu überleben und ein sehr hohes Risiko für schwerwiegende Gesundheitsstörungen.

Ab wann ist ein Baby trotz Frühgeburt überlebensfähig?

In Deutschland und anderen hoch entwickelten Ländern gelten Frühgeborene ab einem Alter von 23 Wochen und einem Geburtsgewicht von mehr als 400 Gramm als potenziell überlebensfähig

Bei einer Geburt ab SSW 24+0 und einem Geburtsgewicht von mindestens 400 Gramm sind die Überlebenschancen des Frühgeborenen so hoch, dass normalerweise lebenserhaltende Maßnahmen ergriffen werden. 

Bei einem Geburtstermin zwischen 22 und 24 Wochen und/oder einem geringeren Geburtsgewicht als 400 Gramm liegt es im Ermessen des ärztlichen Teams (in Absprache mit den Eltern), wie weiter vorgegangen wird.

Dass eine extreme Frühgeburt auch gut ausgehen kann, zeigen immer wieder spektakuläre Einzelfälle. Deutschland berühmtestes Frühchen zum Beispiel. Frieda kam 2010 bei SSW21+5 mit nur 460 Gramm zur Welt. Heute ist sie zwar kleiner als Gleichaltrige und zeigt geringe motorische Defizite, ist aber ansonsten ein gesundes und fröhliches Kind.

Mögliche Folgen einer Frühgeburt

Direkt nach der Geburt

Je nachdem, wie früh und unreif ein Kind zur Welt kommt, können verschiedene Probleme auftreten. Meist können Frühgeborene noch nicht selbstständig atmen, trinken oder die Körpertemperatur halten. Dabei brauchen sie in den ersten Tagen oder Wochen nach der Entbindung Unterstützung. Außerdem sind sie sehr anfällig für Infektionen.

Unreife Neugeborene kommen zur besseren Versorgung deshalb auf die Frühgeborenen-Intensivstation (NICU) in einen Inkubator oder „Brutkasten“. Dort herrschen bestmögliche Bedingungen für ihre Weiterentwicklung. Medizinische Geräte überwachen ihre Vitalfunktionen und unterstützen sie bei der Atmung. Je nach Entwicklungsreife werden die Augen mit speziellen Brillen bedeckt, um sie vor grellem Licht zu schützen. Können die Kleinen noch nicht selbstständig trinken, werden sie über eine Magensonde und/oder Infusionen mit Zuckerlösung oder abgepumpter Muttermilch ernährt.

Doch nicht alle Frühchen müssen automatisch auf die Intensivstation. Manche brauchen lediglich ein paar Tage im Wärmebettchen – oder nicht mal das. Es hängt einfach sehr davon ab, wie fit das Baby ist.

Später

Ob ein Frühgeborenes überhaupt Spätfolgen davontragen wird, kann nicht vorhergesagt werden. Im Bereich des Möglichen sind zumindest körperliche und geistige Folgen einer zu frühen Geburt. Sie können sich nur in den ersten Lebensjahren bemerkbar machen oder das Kind ein Leben lang begleiten. Sie können gering ausfallen oder zu starken Beeinträchtigungen führen.

Typische Auffälligkeiten von frühgeborenen Kindern sind zum Beispiel ein anfälligeres Immunsystem. Sie sind häufiger von Allergien, Asthma oder anderen chronischen Erkrankungen betroffen. Neben der Lunge besteht auch ein erhöhtes Risiko für Komplikationen für das Herz-Kreislauf-System, den Verdauungstrakt, das Gehirn und das Hör- und Sehvermögen.

Dank der modernen Medizin sind geistige und motorische Einschränkungen als Folge einer Frühgeburt in den letzten Jahren aber zurückgegangen. 

Mögliche Ursachen und Risikofaktoren

Häufig sind und bleiben die Ursachen für eine zu frühe Geburt unklar. Es gibt jedoch einige Risikofaktoren in der Schwangerschaft, die eine Frühgeburt wahrscheinlicher machen. Oft wirken auch verschiedene dieser Faktoren zusammen.

  • Medizinische Vorgeschichte: Mehrlinge, Schwangerschaftskomplikationen (z.B. Präeklamspie Gebärmutterhalsschwäche), bestimmte pränantale Untersuchungen oder Operationen, vorzeitige Wehen, vorzeitiger Blasensprung, vorangegangene Kinderwunschbehandlung, vorangegangen Frühgeburten, kurzer Abstand zwischen den Geburten
  • Vorerkrankungen der Mutter: Diabetes mellitus, Bluthochdruck
  • Fehlbildungen und/oder Fehlfunktionen: des Kindes, der Gebärmutter, der Plazenta
  • Infektionen: der Scheide, der Blase oder auch des Zahnfleischs
  • Lebensstil der Mutter: Stress, Alkohol, Nikotin, Drogen, körperliche Überanstrengung, seelischer Stress, Unterernährung, Übergewicht, schwierige soziale oder wirtschaftliche Lebensverhältnisse
  • Alter der Mutter: jünger als 18 Jahre, älter als 35 Jahre

Eine Frühgeburt vermeiden, geht das?

Einer Frühgeburt vermeiden kannst du leider nicht zu 100 Prozent. Denn oft sind die Ursachen unbekannt, nicht zu ändern oder die Frühgeburt kommt völlig überraschend. Aber du kannst zumindest einiges dafür tun, dass dein Baby die bestmöglichen Chancen hat, so lange wie möglich im Bauch zu bleiben. 

An erster Stelle solltest du auf einen gesunden Lebensstil achten, starke Belastungen vermeiden und alle Vorsorgetermine wahrnehmen. Dabei können mögliche Probleme frühzeitig erkannt und behandelt werden. Mehr erfährst du in unserem Artikel:

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Ausblick: Wie geht es nach der Frühgeburt weiter?

Sicher wird oder ist die Zeit nach einer Frühgeburt nicht einfach. Das gilt für das Neugeborene und auch für die Mutter und den Vater. Wie es genau weitergeht, welche Behandlungen das Kleine benötigt und wie lange es im Krankenhaus bleiben muss, hängt von den Umständen ab. Normalerweise werden die kleinen Kämpfer nach Hause entlassen, sobald sie ein Gewicht von 2.500 Gramm erreicht haben und stabil genug sind.

Sollte das Frühchen auf die NICU müssen, darf die Mutter allermeist einige Tage mit im Krankenhaus verbringen. Manche Kliniken bieten auch Rooming-in an, also ein Familienzimmer inklusive Frühchen-Versorgung. Sollte ein längerer Aufenthalt auf der Neugeborenen-Intensivstation nötig sein und die Kapazitäten der Klinik es erfordern, müssen die Mütter jedoch vorerst ohne Baby nach Hause gehen. Sie dürfen (und sollen!) ihr Baby aber täglich besuchen und bestenfalls mit abgepumpter Muttermilch versorgen.

Die Zeit nach einer Frühgeburt stellt eine besondere Herausforderung für Familien dar. Mütter und Väter sollten nicht zögern, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Wir denken da an eine Haushaltshilfe, eine Familienhebamme oder eine spezielle Kinderkrankenschwester (FGKiKP), Familienpaten oder andere Angebote der „Frühen Hilfen“. Auch der Austausch mit anderen Betroffenen, sei es in der Klinik, in Selbsthilfegruppen oder online in Foren kann dabei helfen, die Situation besser zu verkraften. 

Linktipps:

Besonderheiten bei Mutterschutz und Elterngeld

Nach einer Frühgeburt verlängert sich dein Mutterschutz unter Umständen von 8 auf 12 Wochen nach der Geburt. Auch das Mutterschaftsgeld wird dementsprechend länger ausgezahlt. Kommt das Kind früher als 6 Wochen vor dem ET zur Welt, erhalten die Eltern außerdem zusätzliche Monate Elterngeld

Hast du noch Fragen oder Anregungen zum Thema Frühgeburt? Lass es uns in den Kommentaren wissen!

Quellen

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