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Frühgeburt: Ursachen, mögliche Folgen & Mutmachendes

Eine Frühgeburt ist selten? Nicht ganz. Etwa acht von hundert deutschen Babys kommen vor Ende der 37. Schwangerschaftswoche zur Welt. Zehn Prozent davon sogar vor dem achten Monat. Was eine Frühgeburt für Eltern und Kind bedeutet und alles andere, was wichtig ist, erfährst du jetzt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Alles vor Ende der 37. SSW gilt als Frühgeburt. Man unterscheidet zwischen mäßig, sehr und extrem früh.
  • Deutschland hat eine der höchsten Frühgeburtsraten Europas.
  • Das Verhalten in der Schwangerschaft kann das Risiko deutlich senken. Aber eine Garantie gibt es nicht.
  • Manche Frühgeburten lassen sich hinauszögern, meist mit Bettruhe und Medikamenten.
  • Frühchen profitieren von der Känguru-Methode, Muttermilch und Rooming-in.
  • Viele Frühgeborene entwickeln sich zuerst langsamer. Einige Einschränkungen verwachsen sich durch frühe Förderung.
  • Nach einer Frühgeburt verlängert sich der Mutterschutz deutlich.

Beata sitzt mit schmerzverzerrtem Gesicht auf der Couch. Was sie da spürt, fühlt sich an wie Wehen. Aber kann das sein, sie hat doch noch zwei Monate?? Was würde eine so frühe Geburt bedeuten… für das Baby, für sie und ihren Mann? Es hilft nichts, sie muss jetzt gleich zu ihrer Ärztin, sonst dreht sie noch durch.

Machst du dir ähnliche Sorgen? Kopf hoch und durchatmen! Selbst wenn es so kommt und dein Kind zu früh geboren wird: Es gibt genug Grund zur Hoffnung. Alles rund ums Thema Frühgeburt erfährst du jetzt.

Wann ist es eine Frühgeburt?

Vor Abschluss der 37. Schwangerschaftswoche, also bis SSW 36 + 5 sprechen Fachleute von Frühgeburt. Danach gelten die Babys als „reif“ geboren, wenn sie mindestens zweieinhalb Kilo auf die Waage bringen. 2016 kamen ganze 8,6 % aller in diesem Jahr geborenen deutschen Babys zu früh. Eine der höchsten Frühgeburt-Raten europaweit.

Aber Frühchen ist nicht gleich Frühchen. Denn der Zeitpunkt der Geburt bedingt, wie gut die Organe des kleinen Menschleins schon ausgebildet sind. Und wie viel Unterstützung es nach der Geburt benötigt.

EinteilungBis zu welcher SSWOder mit welchem Gewicht
Extrem früh Geborenebis zur 28. SSWunter 1000 g
Sehr früh Geborenebis zur 31. SSWunter 1500 g
Mäßig früh Geborenebis zur 37. SSWunter 2500 g

Ab 24 Wochen haben Frühchen ziemlich gute Überlebenschancen. Aber auch vorher schon können einige gerettet werden. Vor der 22. Lebenswoche wird es schwierig. Frieda ist der beste Beweis, dass auch das klappen kann. Und Emilia ist mit 226 Gramm bis jetzt das leichteste Frühchen der Welt, das es geschafft hat.

Das Risiko für eine Frühgeburt verringern

Wie du dich in der Schwangerschaft verhältst, hat einen großen Einfluss auf ihren Verlauf. Natürlich lässt sich eine Frühgeburt nicht immer verhindern. Aber wenn du auf Zigaretten, Alkohol und Drogen verzichtest, ist schon ein ganzes Stück gewonnen. 

Auch gute Körper- und Mundhygiene, wenig Stress und gesunde Ernährung mit ausreichend Bewegung erhöhen deine Chancen, ein reifes Baby auf die Welt zu bringen. Regelmäßige Arztbesuche und Vorsorgeuntersuchungen sind ebenfalls wichtig um einer Frühgeburt vorzubeugen.

Manche Faktoren lassen sich jedoch kaum im Nachhinein ändern. Dein Alter zum Beispiel. Oder dein Startgewicht. Wohl aber, wie viel du in der Schwangerschaft zunimmst, wenn du schon übergewichtig bist. 

Ursachen & Risikofaktoren

Die eine Ursache für eine Frühgeburt gibt es nicht. Oft kommen ein paar Faktoren zusammen. Manchmal weiß niemand, warum das Kind schon jetzt auf die Welt drängt. 

Dennoch, folgende Dinge begünstigen eine Frühgeburt:

  • Chronische und/oder akute Erkrankungen der Schwangeren wie Diabetes, Bluthochdruck, Blutarmut, Infektionen. Entzündungen der Harnwege sind ganz vorn mit dabei. Aber auch chronische Zahnfleischentzündungen erhöhen das Risiko.
  • Genanomalien, Fehlbildungen oder Erkrankungen des Ungeborenen
  • Veränderungen der Gebärmutter wie Fehlbildungen und Myome oder der Plazenta 
  • Ungünstige äußere Einflüssen wie Alkohol, Tabak, Drogen oder enormer Stress sowie Depressionen

Auch bei sehr jungen (unter 20) oder ältere Schwangeren (über 35) sowie solchen, die eine Mehrlingsschwangerschaft austragen, ist das Risiko etwas erhöht. 

Anzeichen einer Frühgeburt

Eine drohende Frühgeburt lässt sich nicht immer gleich erkennen. Manchmal beginnt sie mit Schmerzen in Unterbauch und Rücken, die du auch für Übungswehen halten könntest, bis sie dann immer regelmäßiger werden. 

Wehen sind es jedoch nicht immer. Auch ein Blasensprung oder Blutungen können die vorzeitige Geburt ankündigen. Subtilere Zeichen sind ein verkürzter Gebärmutterhals oder ein sich öffnender Muttermund. Was auch immer dich zweifeln lässt, lass es schnell abklären. Niemand wird dich abweisen.

Kann man eine Frühgeburt hinauszögern?

Das kommt darauf an. Je nach Ursache und Geburtsphase kann es klappen oder auch nicht. Ein Beispiel? Ist die Fruchtblase bereits gesprungen, bleiben nur wenige Stunden bis Tage, bis das Kind auf die Welt muss. Antibiotika helfen gegen die Entzündung. Eventuell bleibt genug Zeit, um die Lungenreife mit Medikamenten zu beschleunigen. 

Hast du beginnende Wehen, können Bettruhe und ein Wehenhemmer helfen. Ist der Muttermund schon etwas geöffnet, kann er mit einem Pessar verschlossen oder gar zugenäht werden.

So oder so, bei einer drohenden Frühgeburt wirst du um einen Krankenhausaufenthalt nicht herumkommen. Denn nur dort kann man dich und dein Baby am besten überwachen.

Wie läuft eine Frühgeburt ab?

Wenn sich bei dir eine Frühgeburt ankündigt, wirst du wahrscheinlich in einem Perinatalzentrum stationär aufgenommen. Dort bekommst du die Versorgung, die du und dein Kleines jetzt brauchen. 

Ist noch genug Zeit bis zur Entbindung, bekommst du ein Medikament, das die Lungenreife bei deinem Kind beschleunigt. Das ist nötig, damit es nach der Geburt möglichst selbständig atmen kann. 

Bleibt keine Zeit, kann ein Kaiserschnitt nötig werden. Oft ist auch eine normale Entbindung möglich. Reichen deine Wehen nicht aus, können sie durch eine Einleitung verstärkt werden. Ein gezielter Dammschnitt hilft dem noch weichen Köpfchen von sehr früh geborenen Kindern, gut durch den Geburtskanal zu kommen.

Und danach?

Wenn dein Kleines nach der Geburt sofort Unterstützung braucht, kommt es in den Inkubator. Ab einem bestimmten Gewicht und ist es fit genug, darf es stattdessen ins Wärmebettchen. Rooming-in, also das Familienzimmer inklusive Frühchen-Versorgung, gibt es bereits. Bisher jedoch nicht überall. Aber eines ist sicher: sobald dein Frühgeborenes stabil ist, können du und dein Partner mit ihm bonden. Vielleicht hast du schon von der Känguru-Methode gehört, bei der das Baby mehrere Stunden am Tag auf der Brust liegen darf? Sie verbessert die Chancen enorm.

Känguruhen mit frühgeborenem Baby

Apropos Brust, jeder Stillversuch hilft deinem Baby. Kann es noch nicht an Brust oder Flasche trinken, bekommt es Zuckerwasser bis der kleine Magen in der Lage ist, Milch zu verdauen und das Saugen klappt. Bis dahin kannst du abpumpen, wenn deine Brüste so weit sind. Denn selbst wenige Tropfen Kolostrum (Vormilch) und später die erste Muttermilch sind Gold wert. Sie enthalten jede Menge Abwehrstoffe, die dein Kind vor Infektionen schützen. Hast du keine Milch, kann dein kleines Frühgeborenes gespendete Muttermilch aus einer Muttermilchbank bekommen, wenn die Klinik das anbietet.

Leicht ist anders: Folgen einer Frühgeburt für die Eltern 

Wir müssten lügen, wenn wir behaupteten, eine Frühgeburt wäre halb so wild. Selbst wenn die allermeisten Babys in Deutschland durchkommen und ein glückliches Leben führen: für die betroffenen Eltern ist es eine Achterbahnfahrt der Gefühle.

Erst verpassen sie die wertvolle Vorbereitungszeit in der Schwangerschaft. Denn wer rechnet schon damit, dass es so schnell geht?! Dann kommen Ängste um die Gesundheit des Kindes dazu. Außerdem sind die Wochen bis Monate nach der Geburt eine logistische Meisterleistung. Das normale Leben steht still. Schließlich möchtest du so viel Zeit wie möglich mit deinem kleinen Schatz verbringen. Trotz aller Geräte und anderen Einschränkungen, die nötig sind, bis dein Kind mit nach Hause kann. Meist müsst ihr euch gedulden, bis das Baby zweieinhalb Kilo wiegt. 

Aber auch danach bringt eine Frühgeburt abhängig von der verpassten Bauchzeit einige Anstrengungen mit sich. Denn viele Frühgeborene kommen mit ein paar Defiziten auf die Welt. Diese gleichen sich zwar mit den Jahren größtenteils aus, aber das kann dauern. Zum Glück gibt es Therapien und Frühförderungen für Frühchen. Sie werden jedoch viel eurer Zeit in Anspruch nehmen. Wahrscheinlich wird dir das egal sein. Hauptsache deinem Kind geht es gut, oder nicht?

Mögliche Folgen für das frühgeborene Kind

Es hat einen Grund, warum eine Schwangerschaft normalerweise etwa 40 Wochen dauert. Im vorletzten Monat reifen die Organe wie Lunge und Nieren komplett aus. Das Immunsystem wird geboostet. Auch Nerven und Gehirn entwickeln sich weiter. In den letzten Wochen legen sich Babys normalerweise ein Fettdepot zu.

All das fehlt, wenn das Baby zu früh kommt. Abgesehen von Startschwierigkeiten beim Atmen oder Verstoffwechseln und Entgiften sind Frühgeborene meist infektanfälliger. Auch die motorische und/oder kognitive Entwicklung kann langsamer ablaufen. Muss jedoch nicht.

Wichtig zu wissen: in den ersten Jahren wirst du das Alter deines Kindes anders berechnen als andere. Denn ein Neugeborenes, dass zwei Monate zu früh kam, kann im selben Alter gar nicht auf dem gleichen Stand sein wie ein reif geborenes Kind. 

Ein Beispiel? Angenommen dein Schatz wurde 8 Wochen zu früh geboren und wird dreizehn Wochen alt. Dann ist er oder sie rein rechnerisch erst fünf Wochen alt (13 – 8 = 5). Korrigiertes Alter nennt man das. Wozu das wichtig ist? Die Entwicklungsschübe im Babyalter laufen meist zur selben Zeit ab. Jedoch abhängig vom ursprünglichem Geburtstermin und nicht vom tatsächlichen Geburtstag. 

Mutmacher für dich

Frühgeborene mögen zwar häufiger erkranken als reif geborene Kinder. Sie sind laut einer Studie jedoch oft psychisch stabiler als Gleichaltrige und haben weniger Probleme mit Alkohol, Drogen, Rauchen etc. Das liegt an der besseren Elternbindung, weil diese sich mehr kümmern und oft ihre „Sorgenkinder“ besonders fördern.

Viele Frühgeborene leben ihr Leben ganz ohne oder mit nur sehr geringen Einschränkungen. Das ist doch schon mal tröstlich, stimmt’s?

Und noch was Organisatorisches: Dein Mutterschutz samt Mutterschaftsgeld verlängert sich durch die Frühgeburt enorm. Du bekommst nach der Geburt standardmäßig ganze zwölf statt acht Wochen. Obendrauf kommt die Mutterschutzzeit, die du vor der Geburt verpasst hast. 

Unser Tipp: Oktopus häkeln für Frühchen

Du willst einem oder gar deinem eigenen kleinen Kämpfer zusätzlich helfen? 2013 entdeckte eine Frühchen-Mama, dass ein von ihr gehäkelter Oktopus ihrem Kind half. Es fühlte sich wohler, atmete ruhiger und zog nicht mehr an seinen Schläuchen, weil es stattdessen die Fangarme greifen konnte.

Seitdem häkeln handwerklich begabte Helfer die kleinen Stofftiere als Spende für Krankenhäuser, in denen Frühchen geholfen wird. Wenn deren Eltern es erlauben.

Wichtig: die Häkelfiguren unterliegen strengen Vorschriften bei Material, Größe und Herstellung. Denn sie müssen Baby-sicher d.h. ohne lange Schnüre, fusselfrei, heiß waschbar und ungiftig sein. Wenn du Genaueres wissen möchtest, findest du auf oktopusfuerfruehchen.de alles dazu.

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Quellen

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