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Fieberkrampf: Was tun, wenn das Kind plötzlich krampft?

Fieberkrampf Beitragsbild - Fieberkrampf: Was tun, wenn das Kind plötzlich krampft?

Mitten im Spiel verdreht der 1,5-jährige Mio die Augen und seine Muskeln zucken ruckartig. Als die Notärztin eintrifft, stellt sich heraus, dass Mio einen Fieberkrampf hatte. Für Eltern ist diese Situation ein schauriges Ereignis. Doch was ist zu tun, wenn das eigene Kind plötzlich krampft? Das und mehr erklären wir dir in diesem Artikel. 

Das Wichtigste in Kürze

  • Fieberkrämpfe treten bei 3-5 Prozent aller Kinder zwischen 6 Monaten und 5 Jahren, insbesondere zwischen 1 und 3 Jahren auf.
  • Ein Fieberkrampf ist eine Reaktion des Körpers auf einen schnellen Fieberanstieg bei einem Infekt.
  • Kinder reagieren beim Fieberkrampf unterschiedlich. Manche haben einen Bewusstseinsverlust, andere Muskelzucken.
  • Wir erklären, wie Eltern bei einem Fieberkrampf des Kindes reagieren können.
  • Fieberkrämpfe hinterlassen keine bleibenden Schäden im Gehirn oder Hirnhautentzündungen.
  • Sie sind aus medizinischer Sicht überwiegend harmlos, auch wenn sie beunruhigend aussehen.
  • Eine ärztliche Abklärung ist immer notwendig, um einen Sauerstoffmangel, Verletzungen oder Erkrankungen auszuschließen.

Was tun, wenn das Baby oder Kleinkind krampft?

  • Ruhe bewahren!
  • Vor allem beim ersten Mal: 112 anrufen!
  • Falls das Kind ängstlich wirkt, versuche, es zu beruhigen. 
  • Lockere seine Kleidung, falls das möglich ist.
  • Versuche vorsichtig, die Umgebung des Kindes mit Polstern, Decken und Kissen weicher zu machen, um die Verletzungsgefahr zu verringern.
  • Entferne hartes Spielzeug oder Ähnliches aus der Greifnähe des Kindes. 
  • Halte die Uhr im Blick und schaue, wie lange dein Kind krampft. 
  • Falls das Kind erbricht: Stabilisiere seinen Rücken, sodass es sich in die Seitenlage legen kann und kontrolliere später seinen Mund, damit es sich nicht an seinem Erbrochenem verschluckt.
  • Während der Wartezeit auf den ärztlichen Notdienst bzw. nach dem Krampf: Lege dein Kind in die stabile Seitenlage, winkele die Beine an und schaue, ob sein Mundraum leer ist. 

Was du NICHT tun solltest:

  • Halte das Kind niemals fest oder schüttele es, wenn es krampft! 
  • Schütte kein kaltes Wasser über das Kind!
  • Gib dem Kind auf keinen Fall während eines Fieberkrampfes Essen oder Trinken: Die Erstickungsgefahr ist hier zu groß.

Youtube-Video – „Tipps vom Cnöpfchen: Was mache ich bei Fieberkrampf“

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Wie sieht ein Fieberkrampf aus? 

Hier sind einige Beispiele, die einen Hinweis auf einen Fieberkrampf bei Baby und Kleinkind geben können:

  • Die Muskeln des Kindes verspannen sich plötzlich und auffällig.
  • Das Kind verdreht die Augen.
  • Manchmal zucken die Muskeln rhythmisch.
  • Die Lippen und das Gesicht des Kindes färben sich bläulich. 
  • Auch das Versteifen des Körpers oder einzelner Körperteile ist möglich.
  • Nach den Zuckungen erschlafft der Körper.
  • Einige Kinder verlieren das Bewusstsein.
  • Das Kind wirkt nach dem Fieberkrampf für Stunden noch erschöpft und müde. 
  • Nicht wenige Kinder schlafen danach ein. 
  • Die meisten können sich danach nicht mehr an den Fieberkrampf erinnern. 

Welche Arten von Fieberkrämpfen gibt es?

Man unterscheidet zwischen …

  • Dem einfachen Fieberkrampf (in den meisten Fällen)
  • Dem komplizierten Fieberkrampf (eher seltener)

Hielt der Fieberkrampf etwa 3-4 bis maximal 15 Minuten an? Dann handelt es sich sehr wahrscheinlich um einen einfachen Fieberkrampf. Wenn das Kind den fieberhaften Anfall länger als 15 Minuten hatte, sprechen Kinderärzte vom komplizierten Fieberkrampf.

Der komplizierte Fieberkrampf:

  • Die Muskelzuckungen sind hier häufig nur auf eine Körperseite oder ein Körperteil begrenzt (z.B. das linke Bein).
  • Die Atmung wirkt gestört.

Der komplizierte Fieberkrampf kann sich größtenteils nicht von selbst lösen. Die Notärzte oder entsprechende Kinder- und Jugendärzte können deinem Kind krampflösende und fiebersenkende Medikamente (z.B. Zäpfchen) geben. So wird der Krampfanfall beendet und die Körpertemperatur kann sinken. Danach wird dein Kind womöglich untersucht und du wirst weitere ärztliche Hinweise bekommen. 

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Was, wenn mein Kind im Schlaf einen Fieberkrampf hat?

Sobald du mitbekommst, dass dein Kind im Schlaf einen Fieberkrampf hat, solltest du achtsam sein und die Uhr im Blick haben, wie lange der Krampf dauert. Wecke dein Kind nicht auf und vermeide, es wach zu schütteln! Informiere umgehend den Notarzt (112). Versuche, trotz des beunruhigenden Anblicks, Ruhe zu bewahren.

Wann und wie lange muss man nach einem Fieberkrampf ins Krankenhaus?

Nach dem Fieberkrampf wird dein Kind vom ärztlichen Notfall-Personal untersucht. Falls dein Kind sehr schlapp wirkt, eine zu hohe Temperatur oder weitere Auffälligkeiten zeigt, wird es vermutlich direkt in ein Krankenhaus überwiesen. Hier finden weitere Untersuchungen und Behandlungen statt.

Dadurch können Erkrankungen und Risiken ausgeschlossen und der Fieberkampf deines Kindes besser eingeschätzt werden. Sein Gesundheitszustand wird weiter überwacht und du als Elternteil bestmöglich beraten. Das kann einige Stunden und manchmal auch Tage dauern. Die Länge des Krankenhaus-Aufenthaltes ist immer vom Einzelfall abhängig.

Youtube-Video – Thema: Fieberkrampf Untersuchung + Krankenhaus

Welche Kinder haben einen Fieberkrampf?

Kinder- und Jugendärzte gehen von einer genetischen Veranlagung für Fieberkrämpfe aus. Grundsätzlich können also alle Kinder betroffen sein, die diese Veranlagung in sich tragen.

Ansonsten zeigt sich der Fieberkrampf zeitlich …

  • im Kleinkind- und Vorschulalter
  • zwischen dem 6. Lebensmonat und dem 5. Lebensjahr
  • mehrheitlich zwischen 1 bis 3 Jahren
  • im Schulalter gar nicht mehr

Gut zu wissen: Nur etwa 3-5 Prozent aller Kinder erleben mindestens einmal einen Fieberkrampf. Bei rund 33 Prozent von ihnen bleibt der Fieberkrampf ein einmaliges Ereignis. Das zeigt, dass Fieberkrämpfe insgesamt eher selten auftreten. 

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Was ist die Ursache dieser Anfälle?

  • Der Körper des Kleinkindes reagiert (in dieser Entwicklungsphase) auf einen schnellen Fieberanstieg oder Abfall der Körpertemperatur mit einem Fieberkrampf.
  • Ein Fieberkrampf weist also auf hohes Fieber hin (je nach Alter Fieber ab etwa 38,5 Grad Celsius Temperatur).
  • Deswegen tritt er nur in Verbindung mit einem Infekt auf, bei dem Fieber ein Symptom ist. Beispiele: Drei-Tage-Fieber, Magen-Darm, Mittelohrentzündung, Blasenentzündung, Infektion der Atem- und Lungenwege. 
  • Kinder- und Jugendärzte vermuten eine genetische Veranlagung dafür, dass manche Kinder Fieberkrämpfe haben und andere nicht. 
  • Nur in seltensten Fällen weist ein Fieberkrampf auf eine Epilepsie oder andere chronische Erkrankungen hin.
  • Noch seltener ist ein Fieberkrampf nach einer Impfung.

Gut zu wissen: Ein Fieberkrampf ist nicht mit einem epileptischen Krampfanfall zu vergleichen. Fieberkämpfe bei Babys oder Kleinkindern hängen immer mit (schnell ansteigendem) Fieber bei einem Infekt in einem bestimmten Alter (6 Monate bis 5 Jahre) und einer genetischen Veranlagung dafür zusammen. Krampfanfälle bei einer Epilepsie treten aufgrund der Erkrankung ohne Auslöser auf und können – je nach Form – weitaus belastender für das Kind sein.

Wichtig für Eltern: Fieberkrämpfe sind aus medizinischer Sicht in der Regel harmlos, sollten aber immer ärztlich abgeklärt werden.

Was sind die möglichen Folgen?

  • Bei 1/3 der betroffenen Kinder wiederholt sich der Fieberkrampf in den ersten 6-12 Monaten nach dem ersten Vorfall.
  • Es besteht kein Zusammenhang zwischen einem Krampfanfall und dem Auftreten einer Hirnhautentzündung oder anderen Schäden im Gehirn.
  • Auch gibt es keine Hinweise auf bleibende geistige oder körperliche Beeinträchtigungen.
  • Kinder, die im Kleinkindalter Fieberkrämpfe hatten, entwickeln sich genauso wie nicht betroffene Kinder. Der Fieberkrampf hat keinen Einfluss auf weitere Entwicklungsphasen.
  • Ab dem Schulalter treten keine Fieberkrämpfe mehr auf.

Lassen sich Fieberkrämpfe verhindern?

Fieberkrämpfe sind nicht vorhersehbar, sondern eine Reaktion des Körpers vom Kind auf einen fieberhaften Infekt. Vermeiden oder kontrollieren lassen sie sich also nicht. Wir empfehlen: Der wichtigste Schritt nach einem Fieberkrampf ist der Gang zur Kinderarzt- oder Jugendarzt-Praxis. Hier wird herausgefunden, um was für eine Art Fieberkrampf es sich handelte und wie du als Elternteil damit in Zukunft umgehen kannst. Obendrein wird eine Behandlung in Erwägung gezogen, falls notwendig.

In wenigen Einzelfällen: Vielleicht verschreibt die Kinderärztin/dein Kinderarzt deinem Kind fiebersenkende Medikamente oder andere Mittel mit dem Hinweis verschreibt, sie dem Kind beim nächsten Fieber vorsichtshalber zu verabreichen. Hier kann eine kurzzeitige, vorbeugende Gabe helfen. Höre genau auf die Anweisung der Ärztin/des Arztes. Eine hundertprozentige Sicherheit, dass das Kind nicht mehr krampft, gibt es allerdings nicht. 

Kann ein Fieberkrampf tödlich sein?

Nein, mach dir keine Sorgen. Das kommt kaum vor.

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Quellen

✔ Inhaltlich geprüft am 28.12.2022
Dieser Artikel wurde von Emely Hoppe geprüft. Wir nutzen für unsere Recherche nur vertrauenswürdige Quellen und legen diese auch offen. Mehr über unsere redaktionellen Grundsätze, wie wir unsere Inhalte regelmäßig prüfen und aktuell halten, erfährst du hier.

Veröffentlicht von Leonie Illerhues

Leonie war nach ihrem Studium der Heilpädagogik lange im Schulhort-, Kita- und Krippenbereich tätig. Erziehungs- und Entwicklungsthemen im Baby- und Kleinkindalter sind deshalb ihr Steckenpferd. Seit 2022 ergänzt Leonie unser Team mit diesem Schwerpunkt.

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