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Mein Baby schnarcht: Ist das gefährlich oder normal?

baby schnarcht 1 - Mein Baby schnarcht: Ist das gefährlich oder normal?
Neugeborenes Baby schläft mit offenem Mund und schnarcht. / Bild @ Photography, Adobe Stock

Ein friedlich schlummerndes Kind, der schönste Anblick der Welt und die Belohnung für arbeitsreiche Eltern-Stunden …, aber was ist das? Schnarcht das Baby etwa? Tatsächlich! Wann Schnarchen bei Babys und Kleinkindern harmlos ist und wann du zum Arzt solltest, erfährst du hier.

Das Wichtigste in Kürze

  • Enge Atemwege sind bei Babys die Regel, gelegentliches Schnarchen normal.
  • Abklären lassen, wenn es mehr wird oder Atemaussetzer hinzukommen!
  • Denn: Sauerstoffmangel im Schlaf und nächtliche Mundatmung können die kindliche Entwicklung beeinflussen
  • Therapiemöglichkeiten sind abhängig von der Ursache.

Babys schnarchen wegen enger Atemwege

Dass Erwachsene im Schlaf ganze Wälder absägen können, kennen wir alle. Aber Säuglinge? Wenn schon Babys schnarchen und schniefen, ist das zwar niedlich – Eltern fragen sich jedoch zu Recht, ob ihr Baby genug Luft bekommt. Die Antwort lautet: meistens schon.

Babys haben kleine Nasengänge und (noch) weiche Gaumensegel. Wenn sie schnarchen, heißt das: Die Luft kommt durch, verursacht durch die Vibration auf ihrem Weg jedoch Geräusche. Manche Kinder neigen mehr dazu, andere weniger. Erkältungen, Entzündungen (auch durch das Zahnen), Reizstoffe und Allergien verstärken den Effekt. Schwierig wird es, wenn die Atemwege ganz „verlegt“, also blockiert sind und der Atem deswegen öfter aussetzt. Dann kann der Sauerstoffgehalt im Blut vorübergehend sinken. Stärkeres Schnarchen in Verbindung mit Atemaussetzern ist bei Babys nicht normal und abklärungsbedürftig.

Hör am besten auf dein Gefühl! Bist du beunruhigt oder unsicher, lass einen Arzt draufschauen oder sprich mit deiner Hebamme darüber. Ansonsten kannst du ein wenig abwarten und beobachten, ob sich das Schnarchen wieder bessert. 

Gut zu wissen: Neugeborene haben in den ersten zwei Monaten öfter kleinere Unterbrechungen des Atemrhythmus, weil die Atmung noch nicht ganz regelmäßig ist. Hier greift im Normalfall ein wichtiger Schutzmechanismus unseres Körpers: Er gibt das Alarmsignal zum Wecken und das Baby atmet wieder weiter. Das hat mit Schnarchen jedoch nichts zu tun.

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Was du sofort tun kannst, wenn dein Baby schnarcht

Wenn dein Baby aktuell öfter schnarcht, musst du nicht tatenlos zusehen. Manchmal bewirkt eine leichte Veränderung der Schlafposition – seitlich oder erhöht – wahre Wunder. Kopfkissen sind dabei eher hinderlich, weil sie Köpfchen und Hals nach vorn abknicken lassen, dadurch die Atemwege eher verengen und zusätzlich ein Risiko darstellen. Besser funktioniert ein Keilkissen (oder Ordner) unter der Matratze, der die Position des Oberkörpers insgesamt erhöht. 

Ist eine Erkältung schuld, helfen Salznasenspray oder ins Nasenloch geträufelte Muttermilch und ein Nasensauger, den überschüssigen Schleim loszuwerden. Feuchte Tücher im Raum erhöhen die Luftfeuchtigkeit – gut für die Schleimhäute. Auch gründliches Lüften vor dem Schlafengehen tut den Atemwegen gut.

Röchelt dein Baby und scheint nicht genug Luft zu bekommen, solltest du ohnehin zum Arzt. Ebenso in den ersten 3 Monaten auch bei geringen Symptomen. Denn es könnte sich um eine Infektion mit RS-Viren oder anderen Keimen handeln, die bei den Kleinsten nicht ganz harmlos ist.

Häufigeres Schnarchen immer abklären lassen!

Wenn dein Baby gelegentlich schnarcht, ist das also nicht ungewöhnlich. Häufigeres Schnarchen mit Atemaussetzern > 10 Sekunden(Schlafapnoe) sollte jedoch therapiert werden.

Bei einer Schlafapnoe bekommt dein Kind zu oft zu wenig Sauerstoff, der Körper löst eine Weckreaktion aus und dein Kind schläft dadurch nicht erholsam. Betroffene Babys sind tagsüber nicht unbedingt besonders müde, die Unausgeschlafenheit zeigt sich in der Regel durch Unruhe, schnelle Überreizung und wenig Appetit.

Dazu kommt: Kinder wachsen und entwickeln sich im Schlaf, weil das Wachstumshormon nur dann ausgeschüttet wird. Das häufige Aufwachen verringert die Hormonausschüttung jedoch, was zusammen mit dem Sauerstoffmangel auf Dauer zu Entwicklungsverzögerungen führen kann.

Ein wichtiger Grund also nicht zu lange zu warten. Vielleicht möchtest du ein Video davon aufnehmen, wie dein Baby schnarcht, und bei der nächsten Untersuchung zeigen? Arzt oder Ärztin werden dir je nach Ursache die richtige Therapie empfehlen. 

Wenn das Kleinkind schnarcht …

Wenn schon Babys schnarchen können, gilt das natürlich auch für Kleinkinder und ältere Kinder. Manche tun es nur gelegentlich – beispielsweise während und nach einer Erkältung – andere häufiger und wieder andere sägen jede Nacht. Meist steht der Mund dabei offen.

Atmet dein Kleines trotz des Schnarchens regelmäßig? Dann handelt es sich wahrscheinlich um verengte Nasengänge ohne Krankheitswert, die sich verwachsen können oder Folge einer ausheilenden Erkältung sind. Achte jedoch auf Atemaussetzer >10 Sekunden. Denn Schnarchen in Verbindung mit solchen ist immer ein Grund, Arzt oder Ärztin aufzusuchen. Dauerhaftes Schnarchen jedoch auch!

Nächtliche Atemprobleme erkennen und behandeln

Natürlich ist es für Eltern kaum möglich, nächtliche Beobachtungen aufzuschreiben, wenn das Kind von ihnen getrennt schläft. Den richtigen Zeitpunkt zu erwischen, ist nicht immer leicht.

Um unkritisches, gelegentliches Schnarchen von behandlungsbedürftiger Schlafapnoe oder Schnarchen mit Krankheitswert zu unterscheiden, solltest du dein Kind auch tagsüber beobachten:

  • Ist es eher unausgeglichen, unruhig bis hin zu zappelig? 
  • Kann es sich schlecht konzentrieren und hält bei Aktivitäten kaum durch? 
  • Ist es appetitlos und hat viele Infekte?
  • Ausgeprägte Tagesmüdigkeit zeigen Kinder seltener als Erwachsene, aber auch das kommt vor.
  • Hat dein Kind häufiger Probleme mit den Ohren z.B. Ohrenentzündungen, Paukenergüsse oder hört es schlecht?
  • Leidet dein Kind unter einer Sprachentwicklungsverzögerung?
  • Hat dein Kind den Mund ständig offen stehen?

All das spricht für nächtliche Atemprobleme, oftmals aufgrund vergrößerter Rachenmandeln, im Volksmund Polypen oder Adenoide genannt. Diese sind nicht zu verwechseln mit den Nasenpolypen beim Erwachsenen. Sie verlegen den Nasenrachenraum und sorgen damit für eine behinderte Nasenatmung und verlegen außerdem die Verbindung zwischen Nasenrachen und Mittelohr. Damit kommt es häufiger zu Paukenergüssen, Schwerhörigkeit und Mittelohrentzündungen. Bei manchen Kindern sind damit einhergehend die Gaumenmandeln stark vergrößert. Übrigens: fast alle Kinder haben große Polypen und Gaumenmandeln. Behandlungswürdig sind beide nur, wenn sie Beschwerden bereiten. Im Alter von 6-8 Jahren bildet sich beides meistens von selbst zurück. Seltener sind Fehlbildungen oder zentrale Atemstörungen der Grund für Atemaussetzer. 

Was auch immer dahintersteckt, es ist behandelbar! Manchmal reicht schon ein kortisonhaltiges Nasenspray über drei Monate aus, um die Polypen zu verkleinern und der Luft wieder mehr Raum zu geben. Bei einem akuten Infekt braucht es gelegentlich ein Antibiotikum. Bei einigen Kindern ist auch eine Entfernung der Rachenmandel, manchmal gemeinsam mit einer Verkleinerung der Gaumenmandeln und einem Paukenröhrchen notwendig. 

Ein weiterer Grund, regelmäßiges Schnarchen nicht auszusitzen: eine untherapierte kindliche Schlafapnoe behindert die anatomische Entwicklung von Kiefer, Gebiss und Nasenscheidewand und kann zu Schwerhörigkeit und Sprachentwicklungsstörungen führen. Das heißt nicht, dass dein Kind in so einem Falle sofort operiert werden muss. Die Wartezeiten für eine solche Operation sind häufig monatelang. Aber beim Verdacht auf eine kindliche Schlafapnoe solltest du dies beim HNO-Arzt oder Ärztin abklären lassen. Sie können spezielle Hörtests durchführen und je nachdem wie alt dein Kind ist und wie gut es mitmacht, die Polypen auch sehen, und dann die richtige Behandlung einleiten.

Video: Nasenpolypen und vergrößerte Gaumenmandeln

Wie die bei Kindern häufiger vergrößerten „Polypen“ die Atmung behindern und welche Therapiemöglichkeiten es gibt, zeigt dieses knackige Video von Dr. med. Martin Leinung (HNO-Arzt).

Fazit

Wenn Babys oder Kinder schnarchen, ist das oft kein Grund zur Besorgnis und nicht gefährlich. Sollte sich das Schnarchgeräusch jedoch regelmäßig hören lassen, verschlimmern oder mit Atemaussetzern einhergehen, brauchst du eventuell ärztliche Unterstützung. 

Mach dir aber keine Sorgen, behandlungsbedürftiges Schnarchen ist gut therapierbar. Und auch dein Kind wird sich wohler fühlen, wenn es wieder frei durch die Nase atmen und dadurch besser schlafen kann. Alles Gute!

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Quellen

✔ Inhaltlich geprüft am 06.07.2023
Dieser Artikel wurde von Dr. med. Lena Huber geprüft. Wir nutzen für unsere Recherche nur vertrauenswürdige Quellen und legen diese auch offen. Mehr über unsere redaktionellen Grundsätze, wie wir unsere Inhalte regelmäßig prüfen und aktuell halten, erfährst du hier.

Veröffentlicht von Anke Modeß

Als waschechte Berlinerin und späte Mutter eines Schulkindes schreibt Anke seit 7 Jahren über Themen, die Babyeltern im Alltag beschäftigen - am allerliebsten mit einer Prise Humor.

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