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Kleinkind lügt und hält den Finger vor den Mund

Hilfe mein Kleinkind lügt: Die Wahrheit über kindliches Lügen

Wenn Kleinkinder zum ersten Mal lügen, dann finden Eltern das mitunter noch spannend. Doch bei vielen drängt sich schnell die Frage auf: Woher kommt das und wie soll ich reagieren? Spätestens, wenn Kinder Fehlverhalten vertuschen, hört dann der Spaß auf. Wir plädieren dazu, gelassen zu bleiben. In diesem Artikel erfährst du, warum du kleine Flunkereien deines Kindes feiern solltest und wie du Ehrlichkeit förderst.

Wie Kinder mit der Wahrheit umgehen, hängt von ihrem Alter ab. Gerade Kleinkinder können Wahrheit und Lüge noch nicht so recht auseinander halten. Später merken sie, dass sie sich mit Lügen Vorteile erschaffen oder Ärger ersparen können.

Erste Lügen oder blühende Fantasie?

Etwa ab dem zweiten Geburtstag deines Kindes bemerkst du, wie das Spiel deines Kindes fantasievoller wird. Aus Steinen kocht es dir eine schmackhafte Mahlzeit, die Möbel werden zu Autos und Feuerwehrfahrzeugen und die Kuscheltiere werden mit einem Eifer versorgt, als wären sie ein Teil der Familie. Noch bis zum sechsten Geburtstag kann diese magische Phase anhalten.

Was dein Kind in dieser Phase erlebt, fühlt sich sehr real an und lässt sich mit kindlicher Logik sogar plausibel erklären. Mach dir also keine Sorgen, wenn dein Kind dir abenteuerliche Geschichten erzählt, die sich so bestimmt nicht abgespielt haben. Freue dich lieber darüber, dass dein Kind dich in seine Welt voller Wunder einlädt und spiele mit.

Lügen will gelernt sein

Hast du die Schokolade gegessen, fragst du dein Kind? „Nein Mama, war ich nicht“ tönt es aus seinem schokoverschmierten Mund. Gestern hat es felsenfest behauptet, es hätte nicht die kleine Schwester geschubst, obwohl du es genau gesehen hast. Was ist passiert? Wieso sagt dein Kind nicht die Wahrheit?

Keine Panik! Solche Flunkereien sind völlig normal. Dein Kind übt damit, sich gut in der Gesellschaft zurechtzufinden. Denn ohne Lügen hätten wir Erwachsenen vermutlich wenig Freunde und keinen Job.

Die Lügen der Erwachsenen

Erwachsene lügen nämlich den lieben langen Tag. Schon beim „Wie geht es“ kommt die erste Lüge. Und dann geht es munter weiter. Viele unserer Lügen sind Höflichkeitslügen, die uns helfen, mit anderen Menschen besser zurechtzukommen. Aber wir lügen auch ganz vorsätzlich, um uns Vorteile zu verschaffen: Im Bewerbungsgespräch oder beim Daten. Auch unseren Kindern gegenüber lügen wir, um bestimmte Erziehungsziele zu erreichen oder wir verheimlichen eigene Schwächen, die die Kinder nicht mitbekommen sollen.

Unerwünschte Lüge vs. unerwünschte Wahrheit

Wann hat dein Kind zuletzt die Wahrheit gesagt und du wärst am liebsten vor Scham im Boden versunken? Als es gefragt hat, ob die übergewichtige Dame schwanger ist, weil ihr Bauch so dick ist? Als es gesagt hat, dass es neben dem alten Mann nicht sitzen möchte? Oder als es deiner Bekannten Maria gesagt hat, dass sie doof ist?

Wenn wir das Lügen verurteilen, sollten wir uns ins Gedächtnis rufen, dass wir gleichzeitig versuchen, unseren Kindern beizubringen, nicht immer die Wahrheit zu sagen. Wir sagen dann Dinge wie „Das kannst du doch nicht sagen.“ Den Unterschied zu kennen und richtig anzuwenden, ist eine Herausforderung. Im Grunde geht es darum, dass manipulative Lügen nicht ok sind, höfliche Lügen manchmal aber durchaus angemessen. Und als wäre das nicht kompliziert genug, wird dein Kind später sogar lernen, dass eine höfliche Lüge bei manchen Menschen und in bestimmten Situationen gut ankommt und in anderen Situationen völlig fehl am Platz ist.

Also lass dein Kind üben und erkläre ihm ruhig, warum du in manchen Situationen was gesagt hast.

Wichtige Lektionen über das Lügen

Wer Glück hatte, bei dem klappt das mit dem Lügen im Erwachsenenalter recht gut. Diese Menschen durften lernen, welche Lügen funktionieren und welche nicht. Sie haben erfahren, welche Lügen andere Menschen verletzen und durch welche Lügen andere Menschen sich besser fühlen. Außerdem hatten sie die Gelegenheit, ihr eigenes Gewissen zu ergründen. Und sie haben erfahren, dass die Wahrheit häufig der beste Weg ist, um sich mit Menschen verbunden zu fühlen.

Keine Panik vor kindlichen Lügen. Werde Ehrlichkeits-Coach!

Kinder lernen, indem sie ausprobieren. Und sie lernen sogar bis ins Erwachsenenalter. Du musst also nicht jede Lüge sofort ahnden. Du brauchst dir auch keine Sorgen machen, dass ein Kind, das einmal lügt, immer lügt. Frage dich vielmehr, was du deinem Kind für die Zukunft mitgeben möchtest.

Soll dein Kind lernen, dass Lügen „böse“ ist und es nicht lügen darf, weil es sonst bestraft wird?

Oder soll dein Kind lernen, sich in andere hineinzuversetzen? Soll es einen moralischen Kompass entwickeln und in den richtigen Situationen die richtigen Worte finden, um Menschen nicht zu verletzten? Dafür braucht es Übung, Zeit und Geduld.

Konzentriere dich darauf, deinem Kind anschaulich zu zeigen, wie man die Wahrheit sagt. Mache ihm vor, wie man Lösungen findet. Entschuldige dich, wenn du Fehler machst und erkläre, wie erleichtert du bist. Wenn du ehrliches und versöhnliches Verhalten modellierst, wird dein Kind über kurz oder lang dein Verhalten übernehmen.

Lügen ist ein Zeichen geistiger Reife

Studien zeigen, dass Lügen bei Kindern ein Zeichen für ihre geistige Entwicklung sind. Um zu lügen, müssen Kinder zunächst wissen, dass andere Menschen etwas anderes denken, als sie selbst. Das ist nicht selbstverständlich. Bisher ging dein Kleinkind davon aus, dass du immer das gleiche denkst. Langsam versteht es, dass das nicht so ist.

Warum haben Lügen eigentlich kurze Beine?

Dieses Sprichwort ist dir sicher schon aus deiner Kindheit geläufig. Die meisten Kinder können damit allerdings wenig anfangen. Lügen haben kurze Beine – was soll das überhaupt heißen?

Tja, je kürzer die Beine, desto kürzer die Schritte. Das Sprichwort besagt, dass man mit Lügen nicht weit kommt. Vielleicht klappt die Lüge in dem Moment. Doch da sie kurze Beine hat, wird man den Lügner schnell schnappen und entlarven. Wer gleich die Wahrheit sagt, hat es auf lange Sicht einfacher. Ein afrikanisches Sprichwort besagt: Mit einer Lüge kannst du einmal essen, aber nicht zweimal.

Hinter jeder Lüge versteckt sich eine Botschaft

Wer lügt, hat die Erfahrung gemacht, dass die Wahrheit unangenehme Konsequenzen haben kann. Wenn du dein Kind also beim Lügen ertappst, solltest du dich immer erst fragen, warum dir dein Kind nicht die Wahrheit erzählt.

Kinder lügen auch, wenn sie der Meinung sind, die Eltern könnten die Wahrheit nicht vertragen. Wenn Mama jedes Mal tief bestürzt und verunsichert ist, wenn ihr Kind ein anderes haut, dann wird es zukünftig versuchen, solche Vorfälle zu verschleiern.

Die Angeberlüge

Dein Kind kann dies schon und das schon, ist immer der Erste, Beste und Größte. Wenn dein Kind angibt und übertreibt, dann zieht es Selbstbewusstsein aus diesen Behauptungen. Womöglich hat es gemerkt, dass dir diese Erfolge besonders wichtig sind. Vielleicht findet es auch nicht genügend wahrheitsgemäße eigene Erfolge, die es feiern kann.

Was tun?

Stelle dein Kind nicht vor anderen bloß, indem du die Lüge aufdeckst. Du kannst deinem Kind im Zweiergespräch sagen, dass du seine Lüge erkannt hast und dass es völlig in Ordnung ist, Zweiter, Dritter oder Letzter zu sein. Lobe dein Kind anschaulich für kleine Erfolge. „Du hast alleine deinen Pullover umgekrempelt und angezogen. Das war bestimmt schwierig. Letzte Woche konntest du das noch nicht, aber ich sehe, du hast es geübt.“ Zeige aufmerksames Interesse an deinem Kind, nicht nur wenn es etwas besonders gut macht.

Achte auf die Botschaften, die du deinem Kind bewusst oder unbewusst mitgibst. Wenn du ihm signalisierst, dass es erstrebenswert ist, besser als andere zu sein, dann wird es das verinnerlichen.

Die Vermeidungslüge

Dein Kind macht einen Fehler und jetzt behauptet es, davon nichts zu wissen. Wie hast du beim letzten Mal reagiert, als deinem Kind ein Missgeschick passiert ist? Wirst du wütend, wenn Dinge nicht so laufen, wie du sie dir wünschst? Oder wirst du betont traurig?

Was tun?

Erkläre deinem Kind, dass dir die Wahrheit wichtig ist und dass Unehrlichkeit andere Menschen verletzten kann. Zeige ihm, dass es mit der Wahrheit immer zu dir kommen kann. Dein Kind sollte im Laufe der Zeit verinnerlichen, dass es immer angenehmer ist, die Wahrheit zu sagen und dass du ihm hilfst, Lösungen zu finden.

Fazit: Wahrheit muss sich lohnen.

Wenn du möchtest, dass dein Kind ehrlich ist, dann zeige ihm, dass es sich lohnt die Wahrheit zu sagen. Lobe, dass es sich getraut hat, sich dir anzuvertrauen. Wenn deinem Kind ein Missgeschick passiert ist, frage es nach Ideen für eine Wiedergutmachung. Dein Kind lernt, wie befreiend es ist, sich jemandem anzuvertrauen und dass Fehler natürlich sind und man sie wieder gut machen kann.

Kinder stecken oft in dem Dilemma, dass – egal wie sie es machen – die Erwachsenen ohnehin unzufrieden sind. Werden sie bei einem Fehler erwischt, gibt es Ärger. Beichten sie ihn, gibt es Ärger. Vertuschen sie ihn, besteht immerhin die Möglichkeit, dem Ärger aus dem Weg zu gehen. Nun bedeutet das im Umkehrschluss nicht, dass wir alles durchgehen lassen müssen, solange unser Kind es sagt. Trotzdem kannst du die Ehrlichkeit deines Kindes loben und ihm nun helfen, seine Fehler wiedergutzumachen.

Lügt dein Kind dich an, ist das kein Drama. Lass es wissen, dass du seine Lüge entlarvt hast und dass dein Kind mit Lügen bei dir keinen Erfolg hat. Zeige ihm gleichzeitig bessere Handlungsalternativen. Wie hätte dein Kind es besser machen können?

Quellen

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