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Oraler Glukosetoleranztest (oGTT): Was die Blutzucker-Werte bedeuten

In der 24.-28. Schwangerschaftswoche steht der orale Glukosetoleranztest (oGTT) an. Aber was ist das genau und was sagen die Zuckertest-Werte aus? Wann sind sie kritisch und wann nicht? Und was passiert, wenn ich Schwangerschaftsdiabetes habe? Wir klären deine Fragen rund um den Zuckerbelastungstest in der Schwangerschaft.

Was ist ein oGTT?

Ein oGTT (oraler Glukosetoleranztest) ist ein Blutzuckertest, den man auch Zuckerbelastungstest nennt. In der Schwangerschaft erkennt er bei verdächtigen Blutzuckerwerten einen Schwangerschaftdiabetes (Gestationsdiabetes). Außerhalb der Schwangerschaft führt man ihn bei Verdacht auf Diabetes Typ 2 durch.

Schwangerschaftsdiabetes bedeutet, dass die Bauchspeicheldrüse nicht mehr in der Lage ist, so viel Insulin wie benötigt zu produzieren. Der Zucker, der über den Dünndarm aufgenommen wurde, kann nicht mehr schnell genug in die Körperzellen geschleust und dort verstoffwechselt werden. Infolgedessen steigt der Blutzuckerspiegel.

Früherkennung ist wichtig!

Ein dauerhaft erhöhter Blutzuckerspiegel schädigt die Gefäße, auch die der Plazenta. Zusätzlich werden die Zellen des Babys mit Zucker geflutet. Beides kann Folgen haben – von zu geringem Geburtsgewicht bis späterer Fettleibigkeit ist alles dabei. Auch eine Früh- oder Fehlgeburt ist bei unerkanntem Schwangerschaftsdiabetes nicht ausgeschlossen!

Deshalb wird bei allen Schwangeren standardmäßig zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche ein kleiner Suchtest durchgeführt. Dies ist jedoch nicht der oGTT, obwohl auch hier eine Zuckerlösung oral verabreicht wird. Dazu musst du aber nicht nüchtern sein.

Der eigentliche oGTT folgt nur bei erhöhtem Risiko (Familienrisiko, starkes Übergewicht etc.) oder erhöhten Werten beim Suchtest und wird auch nur dann von der Kasse übernommen. Entscheidest du dich gleich zu Anfang für den großen Zuckerbelastungstest (75mg-oGTT), muss du ihn leider selbst zahlen.

So läuft der oGTT (75 mg) ab

An den drei Tagen vor dem oGTT-Termin solltest du dich normal kohlehydratreich ernähren (150 bis 250 mg Kohlenhydrate pro Tag). 8-10 Stunden vorher darfst du dann nichts mehr essen und auch nichts Gesüßtes mehr trinken. Rauchen ist vor und während des Tests ebenfalls tabu, ebenso wie Alkohol (beides gilt ja eigentlich während der ganzen Schwangerschaft). Welche Medikamente du erst wieder nach dem Test nehmen solltest, besprich am besten mit dem Frauenarzt.

Der oGTT, der meist zwischen 6 und 8 Uhr früh beginnt, besteht aus mehreren Teilen:

  1. dem Bestimmen des Nüchtern-Blutzuckerwertes
  2. dem Trinken einer 250 ml Zuckerlösung, die 75 Gramm Traubenzucker enthält
  3. einer Blutabnahme nach einer Stunde
  4. einer weiteren Blutabnahme nach einer weiteren Stunde
  5. der Besprechen der Werte, sobald sie vom Labor zurück sind

Nur wenn die Bauchspeicheldrüse genug Insulin produziert, kann die hochkonzentrierte Glukose innerhalb einer Stunde ausreichend verstoffwechselt werden. Reicht das Insulin nicht aus, wie es bei Diabetes der Fall ist, steigt der Blutzuckerspiegel stärker und bleibt länger auf hohem Niveau, als das bei gut funktionierender Bauchspeicheldrüse der Fall wäre. Das zeigen dann die Werte.

Die Blutzucker-Werte: normal, grenzwertig oder eindeutig Schwangerschaftsdiabetes?

Wichtig ist, ob das Blut aus der Vene oder aus der Fingerkuppe abgenommen wurde. Die nachfolgende Tabelle zeigt die Werte im venösen Blut. Die Nüchternwerte sind bei Venenblut/Fingerblut gleich. Die 1- und 2-Stunden-Werte sind bei der Fingerkuppe in der Regel 20 bis 40 mg höher.

MessungUnbedenklichGrenzwertigWahrscheinlich Diabetes
Nüchtern< 92 mg/dl92 - 125 mg/dl> 125 mg/dl
nach 1 Stunde< 180 mg/dl180 - 200 mg/dl> 200 mg/dl
nach 2 Stunden< 153 mg/dl153 - 200 mg/dl> 200 mg/dl

* Die Grenzwerte können sich von Labor zu Labor unterscheiden. Frag daher bitte im Zweifel immer deinen Arzt! Dieser kann die Werte auch viel besser im Zusammenhang mit anderen Faktoren sehen, als jede Tabelle das könnte.

Normalerweise reicht es für die Diagnose eines Schwangerschaftsdiabetes aus, wenn nur ein Wert eindeutig erhöht ist. Sind die Werte im Grenzbereich, musst du deinen Blutzuckerspiegel in den nächsten Wochen regelmäßig selbst überprüfen und deine Ernährung vorsorglich so zuckerarm wie möglich gestalten. Wahrscheinlich musst du dann im Anschluss noch einmal zum oGTT antreten.

Achtung: Es gibt Faktoren, die den Zuckerstoffwechsel beeinflussen können. Ernährung in den Tagen davor, Tageszeit (und sogar Jahreszeit) sowie eingenommene Medikamente können die Werte verfälschen. Selbst eine Erkältung oder Entzündung kann für erhöhte Werte sorgen. In der Schwangerschaft ist man jedoch zurecht doppelt vorsichtig.

Schwangerschaftsdiabetes, und was nun?

Wenn der Arzt bei dir einen Schwangerschaftsdiabetes diagnostiziert hat, darfst du dich erst einmal freuen, dass er zum Glück entdeckt wurde! Denn nun kannst du etwas tun, damit dein Baby trotzdem gesund zur Welt kommt.

Panik ist absolut fehl am Platz, handeln solltest du aber. Zuerst wird dich der Frauenarzt zu einem Diabetologen schicken. Dieser wird dann abhängig von deinen Werten mit dir besprechen, ob eine Ernährungsumstellung reicht oder ob Insulingaben nötig werden. Hab keine Angst davor, beides ist zwar nervig aber machbar, immerhin tust du es für dein Baby.

Ernährung bei Schwangerschaftsdiabetes

Ernährungsumstellung bedeutet, so wenig Zucker und einfache Kohlehydrate aufzunehmen, wie nur möglich. Diese Empfehlung gilt übrigens in der Schwangerschaft immer, und nicht nur bei Diabetes. Von jetzt an solltest du Vollkornprodukte Weißmehl immer vorziehen. Gesüßte Getränke sind tabu. Stattdessen stehen viel Gemüse, Obst, nicht zu fettreiches Fleisch, Milchprodukte etc. auf deinem Speiseplan. Dazu gibt es Wasser und ungesüßte Tees und nur ab und zu mal eine Schorle.

Deine Blutzuckerwerte musst du nun regelmäßig selbst messen. Das geht mit einem kleinen Piks in die Fingerkuppe (Achtung: andere Grenzwerte!). So erkennst du schnell, welche Lebensmittel gut für dich sind und welche nicht. Mit diesen Tipps, Entspannung und viel Bewegung bekommst deine Gesundheit bestimmt in den Griff und deinem Baby wird es gut gehen. Versäume aber nicht die regelmäßigen Kontrollen beim Diabetologen und beim Frauenarzt. Dann wird alles gut!

Häufige Fragen

Wie lange muss ich vor dem ogTT nüchtern sein?

Beim kleinen Suchtest (50 mg) musst du nicht nüchtern sein. Beim 75g-oGTT solltest du 8 bis 10 Stunden vorher nichts gegessen und nicht geraucht haben. Da er meist morgens stattfindet, sparst du dir einfach das Frühstück. Nachts am Kühlschrank zu naschen, solltest du aber vorher sein lassen.

Was sollte ich in den Tagen vor dem Glukosetoleranztest essen?

Die drei Tage vor dem Test solltest du dich „normal“ kohlenhydratreich ernähren. Jetzt schon daran zu sparen, würde zum Nachteil deines Babys die Werte verfälschen.
Kohlenhydrate sind zuhauf in allen Zuckerarten sowie in stärkehaltigen Lebensmitteln zu finden. Bei Brot und Brötchen, Kuchen und Nudeln, Saft und Obst etc. darfst du also nun also noch einmal gut zulangen.

Wie lange dauert der oGTT?

Da zwischen den Blutabnahmen jeweils eine Stunde gewartet werden muss, dauert der große Zuckerbelastungstest mindestens 2, aber meist eher 2,5 – 3 Stunden. Immerhin bist du selten gleich an der Reihe.

Wie lange dauert es, bis ich die oGTT-Werte bekomme?

Labore arbeiten unterschiedlich schnell. Aber spätestens nach einer Woche sollten die Ergebnisse da sein. Meist schon nach etwa 3 Werktagen.

Muss ich den oGTT selbst zahlen?

Jein. Wenn du dich von vornherein dafür entscheidest, musst du den Test selbst zahlen. Wenn es beim Suchtest auffällige Werte gab oder du zu einer Risikogruppe gehörst, übernimmt die Kasse die Kosten in der Regel. Frag am besten vorher beim Arzt nach.

Wann darf der oGTT nicht durchgeführt werden?

Wenn der Suchtest schon einen deutlich erhöhten Blutzuckerwert ergeben hat, ist ein oGTT unnötig. Er würde die Bauchspeicheldrüse zu sehr belasten. Ebenso, wenn du bereits mit Diabetes in die Schwangerschaft gegangen bist.

Hast du noch Fragen zum Zuckerbelastungstest (oGTT)? Dann schreib uns gern einen Kommentar!

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