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Schwangerschaftsvorsorge: Alle Untersuchungen im Überblick

Detailaufnahme eines Mutterpasses mit Ultraschallbild
Im Mutterpass werden alle Befunde der Vorsorgeuntersuchungen dokumentiert. / Bild © mpix-foto Adobe Stock

Eine Schwangerschaft ist aufregend und bringt viele Fragen mit sich. Unser Ratgeber führt dich Schritt für Schritt durch alle Vorsorgeuntersuchungen nach den Mutterschafts-Richtlinien und erklärt, welche Untersuchungen zur Kassenleistung gehören und welche optional sind. 

Das Wichtigste in Kürze

  • Klare Struktur: Vorsorgetermine alle 4 Wochen, ab SSW 32 alle 2 Wochen, rund um den ET wöchentlich; darin enthalten drei reguläre Ultraschalluntersuchungen.
  • Mutterpass im Blick: Alle Befunde werden dort dokumentiert; Ärztin/Arzt und Hebamme können sich sinnvoll abwechseln.
  • Freiwilligkeit & Entscheidungshoheit: Du wählst, welche Untersuchungen du möchtest – inkl. Recht auf Nichtwissen und verständlicher Aufklärung.
  • Routine vs. Anlass: Laborchecks und Zuckertest sind Kassenleistung; weitere Untersuchungen bei Bedarf; CTG nur bei begründetem Anlass oder um den Termin herum.
  • Zusatztests überlegt wählen: Pränataldiagnostik (z. B. NIPT, Feindiagnostik) und weitere Screenings nur nach Beratung; Impfungen (Pertussis, Influenza) werden empfohlen.

Regelmäßige Vorsorgetermine bis zur Geburt

Vom positiven Test bis zur Geburt folgt die medizinische Vorsorge einem klaren Rhythmus. Nach dem ersten Termin zur Schwangerschaftsfeststellung sind Vorsorgeuntersuchungen in der Regel

  • alle vier Wochen,
  • ab der 32. SSW alle zwei Wochen und
  • rund um den ET wöchentlich 

geplant. Wird die Schwangerschaft als Risikoschwangerschaft eingestuft, können gegebenenfalls weitere Termine hinzukommen. 

Die Inhalte und Zeitpunkte der Vorsorgeuntersuchungen sowie der ergänzenden Untersuchungen sind in der Mutterschafts-Richtlinie geregelt. Je nach Fortschritt der Schwangerschaft sind verschiedene Kontrollen und Screenings vorgesehen. Dazu unten mehr.

Ärztliche und hebammengeleitete Vorsorge können sich abwechseln oder ergänzen. Sämtliche Befunde werden im Mutterpass festgehalten, sodass alle beteiligten Fachpersonen den Verlauf und mögliche Auffälligkeiten auf einen Blick nachvollziehen können.

Wichtig für dich zu wissen: Die Schwangerschaftsvorsorge ist freiwillig. Du darfst selbst entscheiden, welche Untersuchungen du in Anspruch nehmen und in welchem Umfang du über die Ergebnisse informiert werden möchtest. Deine Ärztin und Hebamme respektieren das, beraten dich weiter und teilen dir nur dann etwas mit, wenn es in einer akuten Gefahrensituation unbedingt nötig ist.

Im Folgenden fassen wir dir die Inhalte und Zeiträume der Schwangerschaftsvorsorge zusammen, damit du weißt, was wann auf dich zukommt.

Erstuntersuchung zur Feststellung der Schwangerschaft

Auch wenn du am liebsten direkt nach dem positiven Schwangerschaftstest einen Termin hättest, bestellt dich deine Frauenärztin vermutlich erst um die 8. SSW in die Praxis. Das hat den einfachen Grund, dass sich dann im transvaginalen Ultraschall bereits ein Herzschlag zeigen kann und die Anlagen erkennbar sind. Ist dies der Fall, kann die Ärztin die Schwangerschaft offiziell feststellen und dir deinen Mutterpass aushändigen.

Zur Erstuntersuchung gehören außerdem:

  • Urinuntersuchung (Test auf Chlamydia-trachomatis, Eiweiß, Zucker und ggf. Bakterien)
  • Blutabnahme (zur Bestimmung verschiedener Laborwerte, siehe unten)
  • Blutdruckmessung
  • Feststellung des Körpergewichts
  • Anamnese und Beratungsgespräch

Die allgemeinen Vorsorgeuntersuchungen

Der Ablauf der regulären Vorsorgeuntersuchungen alle vier Wochen ist in der Regel immer gleich. Es werden folgende Punkte kontrolliert:

  • dein Gewicht
  • dein Blutdruck
  • dein Urin 
  • die Höhe der Gebärmutter 
  • die Herztöne des Kindes
  • bei fortgeschrittener Schwangerschaft: die Lage des Kindes 
  • ab dem 6. Monat: dein Blut 

Ein sonographische Untersuchung (also Ultraschall) ist normalerweise nicht Bestandteil jeder Vorsorgeuntersuchung. Dafür aber die ärztliche Information und Beratung zu verschiedenen Themen, wie vermeidbaren Schwangerschaftsrisiken, einer gesunden Ernährung oder der Mundgesundheit.

Gehört ein CTG zur Schwangerschaftsvorsorge?

Bis vor kurzem war das Kardiotokogramm, also die Herzton- und Wehenmessung per CTG, noch Routine in den gynäkologischen Praxen. Seit einem Update der entsprechenden Leitlinie 2023 ist es ohne besonderen Anlass aber nicht mehr vorgesehen. Stattdessen sollte der Wehenschreiber nur bei konkreten Gründen zum Einsatz kommen, wie dem Verdacht auf vorzeitige Wehen, auffällige Herztöne oder Komplikationen.

Die Standard-Ultraschalluntersuchungen

Insgesamt sind im Rahmen der Mutterschafts-Richtlinien drei reguläre Ultraschalluntersuchungen vorgesehen. Diese finden im Rahmen der normalen Vorsorgeuntersuchungen in den folgenden Schwangerschaftswochen statt:

Dabei werden der Verlauf der Schwangerschaft sowie die Entwicklung und Versorgung des Kindes überwacht. Bei manchen Frauen kommt das Ultraschallgerät auch häufiger zum Einsatz. Das hängt immer von der Anamnese und dem Verlauf der Schwangerschaft ab; nicht selten auch von der Arbeitsweise der Ärztin oder des Arztes.

Laboruntersuchungen in der einfachen Schwangerschaftsvorsorge

Im Verlauf der Schwangerschaft werden standardmäßig bestimmte (Blut-)Werte im Labor gecheckt. Viele davon schon im Rahmen der Erstuntersuchung:

  • Blutgruppe und Rhesusfaktor
  • 1. Antikörpersuchtest (AKS), später auch ein 2. AKS (24. bis 27. SSW)
  • Hämoglobin (ab der 32. SSW regelmäßig)
  • Infektionen: Syphilis, Röteln, HIV, Hepatitis B, Chlamydia-trachomatis (Urinuntersuchung)

Ab der 12. SSW kann der kindliche Rhesusfaktor bestimmt werden. Dieses Screening wird für Schwangere mit negativem Rh-Faktor von den Krankenkassen übernommen.

Zu den Kassenleistungen gehört außerdem der kleine Zuckertest (50-g-GCT) zwischen der 25. und 28. SSW. Bei Risikofaktoren oder Hinweisen zahlen die Kassen auch den großen Zuckertest (75-g-oGTT).

Impfungen in der Schwangerschaftsvorsorge

Auch Impfungen sind ein fester Teil der Schwangerschaftsvorsorge. Empfohlen werden in der Regel eine Keuchhusten-Auffrischung im 3. Trimester sowie die saisonale Grippe-Impfung in jedem Trimester. Je nach persönlichem Risiko können auch weitere Impfungen (z. B. gegen COVID-19) sinnvoll sein. 

Zusätzliche Tests & Pränataldiagnostik

Bestehen Risikofaktoren – etwa mütterliche Vorerkrankungen oder wiederholte Fehlgeburten – oder zeigen Routineuntersuchungen Auffälligkeiten, können je nach Situation und Bedarf zusätzliche, gezielte Screenings und Tests sinnvoll sein. Diese sind stets freiwillig und sollten erst nach verständlicher Aufklärung und ausreichender Bedenkzeit in Anspruch genommen werden.

Bei entsprechender Befundlage oder ärztlicher Begründung übernehmen in der Regel die Krankenkassen die weiterführenden Untersuchungen. Einige Screenings sind auch ohne Indikation als freiwillige Selbstzahlerleistung (IGeL) möglich.

Wichtig zu wissen: Diese zusätzlichen Angebote sind nicht Teil der routinemäßigen Schwangerschaftsvorsorge, sondern können diese ergänzen.

Zusätzliche Tests und Screenings

Je nach persönlicher Vorgeschichte und Lebensweise weitere Tests sinnvoll sein, wie:

  • Test auf Zytomegalie (CMV-Test)
  • Test auf Toxoplasmose
  • Antikörpersuchtest Windpocken
  • Antikörpersuchtest Ringelröteln
  • Präeklampsie-Screening (zwischen 12. und 14. SSW im Rahmen des Ersttrimesterscreenings)
  • oraler Glukosetoleranztest, auch: “großer Zuckertest” 75 g oGTT – zwischen 25. und 28. SSW
  • Abstrich auf B-Streptokokken – zwischen 35. und 37. SSW
  • ggf. regelmäßige CTGs ab der 28. SSW 

Pränataldiagnostik

Zur Pränataldiagnostik zählen alle vorgeburtlichen Untersuchungen, die gezielt nach Fehlbildungen und Erkrankungen beim Baby suchen. 

Zu den nicht-invasiven Verfahren zählen:

Zu den invasiven Untersuchungen gehören:

Wichtig: Bevor du dich für eine dieser Untersuchungen entscheidest, überleg dir gemeinsam mit deinem Partner oder deiner Partnerin: Welche Informationen möchte ich überhaupt wissen – und was würde ein auffälliges Ergebnis für unsere Entscheidungen bedeuten? Nutzt dazu unbedingt ein Beratungsgespräch (z. B. bei eurer Ärztin/Hebamme oder einer genetischen Beratung) und erinnert euch an euer Recht auf Nichtwissen.

Fazit: Gut informiert, entspannt begleitet

Schwangerschaftsvorsorge soll dir Sicherheit geben und keinen Stress verursachen. Die regelmäßigen Untersuchungstermine helfen dir, deiner Ärztin und deiner Hebamme dabei, den Verlauf und die Gesundheit von dir und deinem Kind im Blick zu behalten. Die regulären Vorsorgeuntersuchungen reichen dafür in der Regel aus.

Welche zusätzlichen Angebote in deinem individuellen Fall sinnvoll sein könnten und welche du in Anspruch nehmen willst, entscheidest du in Ruhe und gemeinsam mit deinem Behandlungsteam. Alles ist freiwillig und darf erklärt, hinterfragt oder auch abgelehnt werden. Ganz wichtig: Es gibt keine „blöden“ Fragen – sprich bei deiner Hebamme oder deiner Ärztin alles an, was dir auffällt oder Sorgen macht. Du bist nicht allein auf diesem Weg.

🎧 Podcast: Termine, Tests, Tipps – was die Vorsorge wirklich bringt

In dieser Folge des Babelli Podcasts führt euch Hebamme Emely Hoppe Schritt für Schritt durch die gesamte Schwangerschaftsvorsorge – von der ersten Untersuchung bis zur letzten – und erklärt alle wichtigen Checks in den neun Monaten. Außerdem erklärt sie die Unterschiede zwischen ärztlicher und hebammengeleiteter Vorsorge und gibt praktische Vorbereitungstipps, damit du dich gut orientiert, informiert und sicher fühlst.

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Quellen

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✔ Inhaltlich geprüft am 21.10.2025
Dieser Artikel wurde von Christine Müller geprüft. Wir nutzen für unsere Recherche nur vertrauenswürdige Quellen und legen diese auch offen. Mehr über unsere redaktionellen Grundsätze, wie wir unsere Inhalte regelmäßig prüfen und aktuell halten, erfährst du hier.

Veröffentlicht von Anke Modeß

Anke ist Berlinerin und Mutter eines Schulkindes. Als langjährige babelli-Redakteurin, Journalistin und Coachin für Kinder, Jugendliche und Eltern liegen ihr Elternthemen besonders am Herzen.