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Umzug mit Kind – So gelingt der Familienumzug

Umzüge schaden der kindlichen Psyche. Je häufiger ein Kind umziehen muss, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sein Wohlergehen langfristig darunter leidet. Doch leider lassen sich die meisten Umzüge nicht vermeiden. Wir zeigen dir, wie ein Umzug mit der Familie gelingen kann, bei dem die Kinder nicht auf der Strecke bleiben.

So schädlich sind Umzüge für Kinder

Mehr Platz, weniger Lärm, neuer Job – die Gründe für einen Umzug sind vielfältig und für uns Erwachsene absolut gerechtfertigt. Anders sieht es für die Kinder aus, die mitziehen. Gerade jüngere Kinder können schwer begreifen, warum sie ihre vertraute Umgebung aufgeben sollen für etwas völlig Unbekanntes.

Kinder suchen Sicherheit in ihrer gewohnten Umgebung, ihren täglichen Abläufen und bei den Menschen, die sie begleiten. Ein Umzug nimmt ihnen all das auf einmal. Eine britisch-dänische Studie mit 1,5 Millionen Kindern zeigt: Je häufiger ein Kind umzieht, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass es im Erwachsenenalter gewalttätig, psychisch krank oder drogenabhängig wird.

Eine andere Untersuchung zeigt, das Umzüge in der Kindheit die Lebenszufriedenheit und das seelische Wohlbefinden im Erwachsenenalter negativ beeinflussen. Je häufiger die befragten Personen in der Kindheit den Wohnort wechselten, desto unzufriedener waren sie und desto weniger enge Freundschaften pflegten sie.

Introvertierte leiden mehr

Die Forscher berücksichtigten auch die verschiedenen Persönlichkeitstypen bei der Untersuchung. Bei den extrovertierten Personen, die offen für neue Erfahrungen sind, wurden kaum Einschränkungen in der Lebensqualität entdeckt. Scheue, introvertierte Personen litten umso mehr an früheren Umzügen.

Umzug mit Baby

Für Babys, die noch nicht in die Kita gehen, ist ein Umzug am leichtesten zu bewältigen. Wenn du mit einem Baby umziehst, solltest du vor allem darauf achten, den Umzugsstress für dein Kind so gering wie möglich zu halten.

Wenn dein Kind nie zuvor fremdbetreut wurde, ist es ein ungünstiger Zeitpunkt, jetzt damit anzufangen. Überlegt gemeinsam, ob einer der Partner mit dem Baby in der Trage nur organisatorische Dinge erledigt und der andere beim Umzug richtig anpackt. Der Wohnortwechsel ist deutlich weniger beängstigend, wenn er sich bei Mama in der Trage vollzieht.

Wenn dein Baby schon gut an Oma und Opa gewöhnt ist, kannst du ihm den Umzug auch gänzlich ersparen. Überlege aber genau, wie viel elternfreie Zeit du ihm zumuten kannst. Der Umzug ist schließlich aufregend genug.

Achte darauf, in der neuen Wohnung vertraute Elemente unterzubringen. Nimm lieber das alte Bettchen mit, als dein Baby genau jetzt an ein Neues zu gewöhnen.

Umzug mit Kind: Je früher, desto besser

Je älter das Kind, desto gravierender sind die Folgen des Umzugs. Doch auch Kleinkinder knüpfen schon Beziehungen und lieben ihre festen Rituale. Daher solltest du ihre Gefühle nicht bagatellisieren.

Jugendliche zwischen 12 und 14 Jahren leiden am meisten unter dem Wohnortwechsel. Gerade in der schwierigen Phase der Pubertät, die mit vielen Veränderungen einhergeht, zieht es ihnen den Boden unter den Füßen weg, wenn sie die Freunde verlieren, die ihnen Halt geben und sie verstehen.

Umzugszeitpunkt: Lebensphasen berücksichtigen

Was den Umzugszeitpunkt angeht, solltest du auch die weiteren Umstände für dein Kind berücksichtigen. Stehen gerade andere große Veränderungen an? Hat es erst kürzlich auf eine neue Schule gewechselt? Ist die Eingewöhnung in die Kita erst einige Monate her? Ist die Oma vor kurzem verstorben? Alles keine guten Zeitpunkte zum Umziehen.

Trennung der Eltern: Kinder am besten in der alten Wohnung

Haben du und dein Partner euch getrennt, ist es für Kinder besonders schlimm, nun auch noch das gewohnte Umfeld zu verlassen. Sprecht gemeinsam darüber, ob ihr den Kindern einen Umzug ersparen könnt. Am besten ist es, sie dürfen in der alten Wohnung verbleiben. Wenn das nicht möglich ist, sollten sie zumindest nicht gleichzeitig auch noch die Betreuungseinrichtung oder Schule wechseln müssen. Suche lieber länger nach einer neuen Wohnung im nahen Umfeld, als möglichst schnell alles über die Bühne bringen zu wollen.

Umzug mit Kind: Der beste Zeitpunkt

  • Überlege dir bei jedem Umzug genau, ob er wirklich notwendig ist und ob dein Kind in seiner aktuellen Verfassung ihn gut verkraftet.
  • In sehr kritischen Lebensphasen solltest du versuchen, Umzüge zu vermeiden.
  • Wenn möglich, wähle einen Zeitpunkt, in dem dein Kind möglichst entspannt ist zum Beispiel im Kitaurlaub oder den Sommerferien.
  • Berücksichtige andere große Lebensereignisse deines Kindes beim Umzugszeitpunkt.
  • Plane langfristig. Wünscht ihr euch noch weitere Kinder, dann sucht gleich eine Bleibe mit mehr Platz.

Wenn du einen neuen Job antrittst oder dein finanzieller Spielraum das Warten nicht zulässt, denke darüber nach, wie du die Veränderung für dein Kind vorteilhaft gestaltest. Für ältere Kinder kann es verstörend sein, mitten im Jahr die Schule zu wechseln. Wenn du nicht weit wegziehst, ist es vielleicht sinnvoll noch ein paar Monate in die alte Schule zu pendeln, um nicht mitten im Jahr herausgerissen zu werden. Vielleicht kann dein Kind noch ein paar Wochen bei Verwandten wohnen, um das Schuljahr abzuschließen?

Umzug mit Kind: So klappt die Umstellung

Wenn die neue Bleibe gefunden ist und der Termin feststeht, gibt es vieles, das du tun kannst, um deinem Kind den Übergang zu erleichtern.

1. Rede mit deinem Kind über die bevorstehende Veränderung

Achte dabei immer darauf, wie dein Kind reagiert und überfordere es nicht. Wenn du merkst, dein Kind wird nervös beim Gespräch über den Umzug oder möchte nicht darüber reden, erwähne ihn erstmal nur kurz. Achte außerdem darauf, dass du nur über Konkretes sprichst, um nicht noch mehr Unsicherheit zu schüren.

Welche Vorteile bietet der neue Wohnort? Gibt es einen Garten, ein großes Zimmer mit dem lang ersehnten Hochbett? Kannst du mehr Zeit mit deinem Kind verbringen, weil dein Arbeitsweg sich erheblich verkürzt? Versuche die positiven Aspekte deines Umzuges in den Vordergrund zu rücken.

Bücher sind eine hervorragende Möglichkeit, um den Umzug begreifbar zu machen. Mit diesen Büchern kannst du dein Kleinkind auf den Umzug vorbereiten:

Gerade kleine Kinder haben nur ein begrenztes Verständnis von Zeit. Einen Jahr im Voraus mit ihm über den Hausbau zu sprechen ist wenig sinnvoll. Fange erst an, wenn das Ereignis in greifbare Nähe rückt.

Wann sag ich es meinem Kind?

Wann du dein Kind über den Umzug informierst, hängt ganz von den Umständen, vom Alter deines Kindes und seinem persönlichen Temperament ab. Sicher ist, dass dein Kind nicht merken sollte, dass „etwas im Busch ist“, aber selbst nichts vom Umzug weiß. Wenn also die Planung konkret wird, solltest du dein Kind spätestens informieren.

Du selbst weißt am besten, wie dein Kind auf Veränderungen reagiert und wie lange es braucht, um sich auf eine neue Situation einzustellen. Du wirst nicht verhindern können, dass es traurig oder vielleicht auch wütend ist. Gib ihm die Zeit, die es braucht, um sich an den Gedanken zu gewöhnen und Abschied zu nehmen.

2. Beziehe dein Kind mit ein

Im Idealfall ist dein Kind von Anfang an eingebunden. Nimm es mit zu Besichtigungsterminen, erkunde die Gegend mit ihm und beziehe es in die Planung mit ein. Gibt es Spielplätze oder Badestellen in der Nähe? Besucht sie zusammen, damit dein Kind sich an die neue Umgebung gewöhnen kann.

Wenn es das mag, kannst du dein Kind auch mitnehmen zu Einkäufen zu Ikea oder in den Baumarkt. Je nach Alter, kannst du dein Kind an bestimmten Entscheidungen beteiligen, vor allem was das eigene Zimmer angeht. Es werden sich immer Gelegenheiten ergeben, in denen ihr gemeinsam Entscheidungen treffen könnt: … die Knöpfe oder diese? … das Regal oder doch das andere? Statt dein Kind vor vollendete Tatsachen zu stellen, förderst du so Abenteuerlust und Vorfreude.

Vielleicht kannst du mit deinem Kind schon den neuen Ort erkunden oder Filme über die Region anschauen. Im Internet könnt ihr euch gemeinsam Zoos, Badestellen und interessante Orte anschauen, die ihr dann gemeinsam besuchen könnt.

Zusammen packen

Lass dein Kind am Umzugsgeschehen teilhaben. Lass es beim Kisten packen helfen, vor allem beim Packen der Spielsachen. Klar dauert das mit einem 2-Jährigen länger. Plane deshalb lieber ein paar Tage mehr ein und nimm dir die Zeit.

Ältere Kinder können bei der Gelegenheit auch Dinge aussortieren. Schlage vor, an wen ihr die Sachen spenden möchtet. Der Gedanke, mit den alten Dingen etwas Gutes zu tun, motiviert viele Kinder. Aber Achtung: Zwing dein Kind jetzt nicht zum Aussortieren, wenn es nicht möchte. Es ist schmerzlich genug, sich von der alten Wohnung zu trennen.

3. Lass Ängste zu, ohne sie zu bewerten

Auch wenn du den neuen Wohnort gut verkaufen möchtest, vermeide es die Ängste deines Kindes kleinzureden. „Aber da ist es doch viel schöner.“ oder „Du brauchst keine Angst haben.“ sind keine hilfreichen Formulierungen, denn sie signalisieren deinem Kind, dass seine Gefühle fehl am Platz sind.

Wenn dein Kind über seine Ängste spricht, solltest du ihm vor allem zuhören und ihm seine Sorgen und seine Wut auch eingestehen. Oft braucht es nur ein offenes Ohr und eine innige Umarmung, um den Gefühlen freien Lauf zu lassen. Es kann helfen, wenn du über deine eigenen Ängste sprichst und deinem Kind erklärst, wie du damit umgehst.

Kleinere Kinder können ihre diffusen Sorgen meist nicht in Worte fassen. Ihre Trauer kann sich in häufigen Wutanfällen spiegeln, in Rückzug, anhänglichem, weinerlichem, frechem Verhalten oder anderen Verhaltensänderungen. Sei besonders aufmerksam und versuche, die Hintergründe des Verhaltens zu erforschen. Vielen Kindern hilft es, wenn du versuchst ihre Gefühle in einfachen Worten auszudrücken. Je nachdem, wie dein Kind auf die Äußerungen reagiert, siehst du, ob du ins Schwarze getroffen hast. Achte darauf, die Gefühle anzuerkennen und nicht zu bewerten. Manchen Kindern reicht es schon aus, sich verstanden zu fühlen. Sind die Gefühle erstmal raus, können sie sich wieder ihren gewohnten Aktivitäten zuwenden.

4. Vertraue deinem Kind

Dass Kinder kurzfristig unter einem Umzug leiden, heißt nicht, dass sie Schaden daran nehmen müssen. Denn auch das müssen Kinder lernen: Krisen zu meistern und Stärke daraus zu ziehen. Du kannst deinem Kind helfen, indem du Vertrauen hast, dass es diese Situation meistert. Strahlst du dieses Vertrauen aus, stärkst du auch das Vertrauen deines Kindes in sich selbst.

Wenn dein Kind merkt, dass du allzu sehr um seine psychische Verfassung besorgt bist, könnte das wie eine selbsterfüllende Prophezeiung wirken. „Mama traut mir das nicht zu, also kann ich es wohl auch nicht.“, könnte die Annahme sein, die sich für dein Kind daraus ergibt.

Also geh mit gutem Beispiel voran und lebe deinem Kind vor, dass widrige Umstände auch Gelegenheiten sind, um zu lernen und uns weiterzuentwickeln.

5. Schaffe schöne Erinnerungen

Fotos und Erinnerungen helfen Kindern, sich zu orientieren. Das ist früher, das war ein Teil meines Lebens und der gehört auch zu mir. Wenn wir Fotos machen, lassen wir das Alte nicht einfach hinter uns, sondern pflegen eine Erinnerungskultur, die unseren Kindern bei der Entwicklung ihrer Persönlichkeit hilft.

Frage beispielsweise in der Kita nach, ob du ein Foto der Bezugserzieherin und der liebsten Spielkameraden deines Kindes bekommen darfst und bastle ein schönes Album. Fotos der alten Wohnung, der Freunde und der geliebten Dinge deines Kindes könnt ihr euch immer wieder anschauen, um darüber zu sprechen und in Erinnerungen zu schwelgen.

6. Feiere Abschied

Abschiedsschmerz versüßt man am besten beim Feiern mit den Freunden. Erlaube deinem Kind, sich in feierlichem Rahmen von seinen Freunden zu verabschieden. Heute darf Kuchen genascht und laut getobt werden, die Party soll schließlich in Erinnerung bleiben. Auch hier ergeben sich sicher Gelegenheiten für schöne Fotos. Vielleicht wird noch ein Erinnerungsalbum herumgereicht oder aktuelle Telefonnummern ausgetauscht…

In den meisten Kindergärten gibt es Abschiedsrituale. Frage, ob du einen Kuchen oder Gebäck mitbringen darfst.

7. Verändere nicht alles auf einmal

Jetzt wo dein Kleinkind ein eigenes Zimmer hat, kann es endlich auch alleine schlafen? Lieber nicht. Versuche, die Veränderungen so gering wie möglich zu halten. Gestalte nicht alles um. Ein paar Möbel aus dem alten Zimmer helfen, die vertraute Umgebung ein wenig zu rekonstruieren.

Erkläre deinem Kleinkind auch genau, dass nichts von seinen Sachen wegkommt. Was ihm gehört, wird es auch in der neuen Wohnung wiederfinden. Ältere Kinder freuen sich mehr über eine gemeinsame Umgestaltung ihres Zimmers. Vor allem, wenn dabei etwas für sie herausspringt, das sie sich lange gewünscht haben.

8. Kontakt zu alten und neuen Freunden suchen

Wenn möglich, lade Spielgefährten und Freunde in die neue Wohnung ein oder besuche sie gemeinsam mit deinem Kind. Hast du ein älteres Kind, kannst du mit gutem Beispiel vorangehen und deine eigenen Kontakte pflegen. So motivierst du deine Kind, das auch zu tun.

Dein Einzug am neuen Wohnort gibt dir Gelegenheit, dich den Nachbarn vorzustellen. Frage gezielt nach Spielkameraden in der näheren Umgebung und verabrede dich. In der neuen Schule oder im Kindergarten kannst du ebenfalls fragen, welche Kinder aus eurer Umgebung stammen und wie du mit ihnen in Kontakt kommen kannst.

9. Nimm dir Zeit

Klar möchtest du, dass die neue Wohnung so schnell wie möglich eingerichtet ist. Für deine Kinder ist es jetzt aber viel wichtiger, präsente Eltern zu haben. Lass die Kisten noch eine Weile liegen. Nimm dir Zeit, um mit deinem Kind zu spielen, zu entdecken und zu entspannen. Davon profitiert es mehr, als von einem perfekt durchgestylten Zimmer. Wenn du kannst, gönnt euch ein paar Tage oder Wochen Urlaub, um euch an die neue Umgebung zu gewöhnen.

Es dauert noch einige Wochen, bis dein Kind Fuß gefasst hat in der neuen Umgebung, der neuen Kita oder Schule. Vielleicht hat es jetzt viel zu erzählen oder es braucht besonders viel Ruhe und Kuschelzeit. Achte jetzt intensiv auf die Bedürfnisse deines Kindes, höre aufmerksam zu, was es zu erzählen hat und widme ihm die Aufmerksamkeit, die es jetzt braucht.

Der Umzugstag – Wie gestalte ich ihn richtig?

Für Kleinkinder ist ein Umzug in Eigenregie meist zu anstrengend, vor allem wenn die Eltern keine Zeit haben, um sich um das Kind zu kümmern. Versuche trotzdem, dein Kind so gut es geht zu integrieren und nicht komplett bei Oma und Opa zu parken.

Nachdem alle Kisten ins neue Haus transportiert wurden, kann es zum Auspacken seiner Spielsachen wiederkommen. Am besten ist es, wenn einer der Eltern oder ein enger Vertrauter des Kindes extra dafür abgestellt sind, sich mit ihm zu beschäftigen. So kann es am Umzug teilhaben, ohne zu stören.

Wenn ihr eine Umzugsfirma beauftragt, kann euer Kind die ganze Zeit über bei euch sein. Trotzdem ist es gut, wenn Freunde oder Familie helfen und sich auch mit dem Kind beschäftigen. Schließlich kommt es während eines Umzuges immer wieder zu stressigen Situationen, die ein Kind überfordern können.

Die erste Nacht in der neuen Wohnung

Ist der Umzug geschafft, darf es feierlich werden. Ihr könntet Pizza bestellen und auf dem Boden picknicken. Oder ihr macht es euch auf Matratzen richtig gemütlich und schaut gemeinsam einen Film. Gerade jetzt, wo noch nicht alles ausgepackt ist, fühlt sich alles noch abenteuerlich an. Zelebriert diese Stimmung in der Familie.

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