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Baby will nach Apfel greifen - bereit für Beikost?

Wann Eltern mit Beikost beginnen sollten

Die Äuglein gieren nach Mamas Butterbrot, das Händchen grapscht in Papas Essen. Ist mein Baby bereit für Beikost? Woran du erkennst, dass du mit Beikost beginnen kannst und wie die Empfehlungen lauten, erfährst du jetzt. Dazu gibt es Tipps zum Thema Allergien und möglichem Eisenmangel bei kleinen Essverweigerern.

Das Wichtigste in Kürze

  • Frühestens nach vier, spätestens nach sechs Monaten darf und soll Beikost eingeführt werden.
  • Babys hierzulande haben oft einen höheren Nährstoffbedarf, weil sie schneller wachsen. Also lieber früher als später beginnen.
  • Die meisten Eltern starten nach einem halben Jahr. Besser wäre früher. Denn mit einem halben Jahr wird es oft schwierig und dauert länger.
  • Manche Babys sind trotzdem auch mit acht oder zehn Monaten noch nicht bereit dazu.
  • Auf Reifezeichen achten und immer wieder anbieten!
  • Ein sehr junges Baby sollte unbedingt Brei nach Plan bekommen.
  • Kinderärzte lehnen Baby Led Weaning ab.
  • Weiterstillen schützt vor Allergien. Allergiebelastete Familien sollten sich beraten lassen.
  • Bei Beikost-Verweigerung: Risiko für Eisenmangel in Kinderarztpraxis besprechen

Wann mit Beikost anfangen?

Die meisten Eltern versuchen es intuitiv mit Beikost, wenn ihr Knirps etwa ein halbes Jahr alt ist. Dann geben viele Kinder schon sehr deutlich zu verstehen, dass sie das Essen von Mama oder Papa höchst interessant finden. Schlaue Babys.

Der allgemeine Konsens: frühestens nach vier Monaten und spätestens nach sechs Monaten solltest du mit Beikost starten. Also wenn dein Baby zwischen 18 und 27 Wochen alt ist.

Die erfahrene Kinder- und Jugendärztin Dr. med. Gunthild Kayser geht noch weiter: „Am besten schon nach vier Monaten mit dem Beikostaufbau beginnen und im siebten Monat fertig sein, weil deutsche Babys in der Regel schneller wachsen und einen größeren Nährstoffbedarf haben. Nur zwischen dem fünften und siebten Monat gibt es ein offenes Fenster für die Geschmacksentwicklung. Danach wird es wieder schwieriger, neue Gemüse einzuführen. Zusätzlich verringert frühere Beikosteinführung das Risiko für Allergien.“

Die Empfehlung der WHO (Weltgesundheitsorganisation) lautet dagegen: sechs Monate ausschließliches Stillen. Danach Schritt für Schritt an Beikost gewöhnen und dabei bis zu zwei Jahre weiterstillen. Die Empfehlungen zielen auch auf Dritte-Welt-Kinder ab, die sonst minderwertige Nahrung oder Milchnahrung bekommen könnten. Sie stammen von 2003, sind aber laut WHO weiterhin gültig.

Jedes Baby is(s)t anders: achte auf Beikost-Reifezeichen!

Egal, wie die Empfehlung lautet: Jedes Baby hat seinen eigenen Zeitplan. Was für das eine richtig ist, kann für das andere verkehrt sein. Und deshalb sind sämtliche Empfehlungen eben nur eins … Empfehlungen. Praxistauglich sind sie nicht immer.

Dein Baby wird dir zeigen, wann es für Beikost bereit ist. Das sind eindeutige Zeichen:

  • Dein Baby kann den Kopf selbstständig halten.
  • Es wirkt nach der Milch noch unzufrieden.
  • Es interessiert sich dafür, was Eltern, Geschwister und andere Personen essen.
  • Den Brei drückt es nicht mehr mit der Zunge aus dem Mund.

Ist es bei euch schon so weit? Dann kannst du mit ganz einfachen Breien wie Pastinake oder Mohrrübe beginnen und nach und nach die nötigen Zutaten einführen. Gläschen oder doch lieber frisch? Wir sind für frisch – so oft wie möglich. Viele Tipps zu selbst gemachtem Brei bekommst du hier.

Wenn dein Kind noch nicht so weit ist, mach dir keinen Kopf. Essen lernen ist kein Wettbewerb. Mit Geduld kommst du ans Ziel. Am besten bietest du immer wieder Brei an, irgendwann wird es klappen. Wenn du dir Sorgen machst, dass dein Kind nicht genug Nährstoffe bekommt, lass dich beim Kinderarzt beraten.

Allergien vorbeugen: früher Beikoststart ist sinnvoll

Früher hieß es, dass Eltern allergieauslösende Nahrungsmittel so lange wie möglich meiden sollten. Das hat sich geändert. Mittlerweile ist klar, dass bestimmte Allergene vom Kind wahrscheinlich besser vertragen werden, wenn es noch während des Stillens damit in Kontakt kommt. Für Babys aus Allergiker-Familien gilt das besonders.

Auch das Risiko von Neurodermitis und anderen atopischen Hauterkrankungen kann durch frühen Beikoststart reduziert werden.

Und so raten Ärzte betroffenen (und auch anderen) Familien, ihr Baby möglichst schon nach vier Monaten an Beikost zu gewöhnen und währenddessen weiter zu stillen. Natürlich nur, wenn es die Reifezeichen zeigt.

Seid ihr in der Familie allergiegeplagt? Dann lasst euch am besten vorher beraten. Denn manche Allergene wie Kuhmilch oder Getreide sollten trotzdem nicht zu früh gegeben werden. Andere wie Fisch, Hühnerei oder Nüsse in pürierter Form eben schon. Die Frage ist, in welcher Menge und wie oft. Das können Allergologen oder spezialisierte Kinderarztpraxen am besten beantworten.

Einen kostenlosen Allergie-Risikocheck gibt es hier.

Beikoststart: Brei oder gleich Baby led weaning?

Das hängt ganz vom Alter und deinem Kind ab. Je früher der Beikoststart, desto breiiger sollte das Essen sein. Die Verschluckungsgefahr ist sonst einfach zu groß. Wenn dein Kind jedoch schon älter als sechs Monate ist, kannst du ruhig ab und zu sehr weich gegarte Gemüsestücke oder Nudeln reichen.

Baby led weaning lehnen Ärzte strikt ab. Denn das Aspirationsrisiko (Einatmen von Gegenständen oder Nahrung) ist stark erhöht. Eine Erdnuss oder halbe Weintraube kann reichen! Es braucht schon recht gute mundmotorische Fähigkeiten und dazu eine breite Auswahl an geeigneten Lebensmitteln, damit dein Kleines gut versorgt ist. Du musst genau wissen, was du tust. Und nicht jedes Baby schafft das. Für Kinder, die Brei komplett verweigern, ist es trotzdem manchmal der einzige Weg.

Die Hebamme Jana Friedrich rät, das Ganze nicht zu dogmatisch zu sehen. Eine gute Mischung aus frischem Brei und Familienkost ist wahrscheinlich der beste und entspannteste Weg.

Wenn das Baby keine Beikost will…

Es gibt Fälle, wo Babys auch mit acht oder zehn Monaten einfach nicht essen wollen. Vor allem Stillkinder lassen sich manchmal Zeit. Schmeckt einfach zu gut, diese Brustmilch. Hier bekommt das Kind tatsächlich zu wenig Eisen. Paradoxerweise geht Eisenmangel oft mit Ablehnung von Essen einher.

Stillexpertinnen argumentieren zwar, dass das Eisen aus der Muttermilch viel besser verwertet wird, als das aus Gemüse oder Fleisch. Zumindest, solange du voll stillst. Denn sobald der kleine Darm auch anderes wie Kuhmilch oder Getreide verdauen soll, behindert das die Aufnahme.

Ob dein Kleines ein erhöhtes Risiko für Eisenmangel hat, hängt jedoch von mehreren Faktoren ab:

  • Art und Zeitpunkt der Geburt spielen eine Rolle,
  • Ebenso wie schnell es abgenabelt wurde.
  • Wiederkehrende Infektionskrankheiten leeren die Speicher.
  • Nicht zuletzt ist auch wichtig, wie gut die Mutter selbst während der Schwangerschaft und Stillzeit mit dem Spurenelement versorgt war.

Das Gemeine am Eisenmangel ist: ohne Blut abzunehmen, lässt er sich manchmal kaum von außen erkennen. Wenn du mehr dazu wissen willst, lies gern unseren Artikel Eisenmangel bei Babys und Kindern erkennen und behandeln.

Die Aussage, dass der Eisenspeicher schon bei allen Babys sehr früh leer sein soll, sehen wir kritisch. Denn die Studie zum Eisenmangel, auf der manche Empfehlungen beruhen, wurde selbst von Fachmedizinern in Zweifel gezogen. Scheinbar hatten Hipp und Nestlé ihre Finger mit im Spiel.

Hast du noch Fragen zum Beikostbeginn? Dann schreib uns gern einen Kommentar!

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Quellen

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