Bernsteinketten sind eine traditionelle Methode, die seit Generationen zur Linderung von Zahnungsbeschwerden eingesetzt wird. Doch während manche auf die angeblich entzündungshemmende Wirkung schwören, warnen Kinderärzte eindringlich: Die Risiken überwiegen den (wissenschaftlich nicht belegten) Nutzen.
Warum Eltern Bernsteinketten nutzen – und was die Wissenschaft sagt
Bernstein, das fossile Harz urzeitlicher Bäume, enthält Mineralien wie Magnesium, Calcium und Eisen. Diese Stoffe sind zwar wichtig für den Körper, können über die Haut aber kaum aufgenommen werden.
Die im Bernstein enthaltene Bernsteinsäure wurde früher sogar in Medikamenten gegen Magenbeschwerden eingesetzt. Doch auch sie gelangt allein über das Tragen einer Bernsteinkette nicht ins Kind.
Fakt ist: Es gibt keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass Bernsteinketten Babys beim Zahnen helfen. Dennoch schwören manche Eltern auf die Wirkung. Doch selbst wenn die Kette subjektiv hilft, sind die Risiken zu groß, um sie zu ignorieren.
Die Gefahren von Bernsteinketten: Warum Ärzte warnen
Kinderärzte sind sich einig: Bernsteinketten bergen erhebliche Risiken für Babys. Hier sind die wichtigsten Gründe, warum sie davon abraten:
1. Strangulationsgefahr
Babys können sich mit der Kette im Schlaf oder beim Spielen erwürgen. Selbst wenn die Kette kurz ist, besteht die Gefahr, dass sie sich um den Hals des Kindes legt und zu einem lebensbedrohlichen Unfall führt.
2. Erstickungsrisiko durch lose Perlen
Löst sich ein Stein von der Kette, kann er in die Atemwege gelangen oder verschluckt werden. Babys neigen dazu, alles in den Mund zu nehmen. Bernsteinketten sind da keine Ausnahme.
3. Keimbelastung
Bernstein kann nicht sterilisiert werden. Speichel und Milchreste sammeln sich auf der Kette und bieten einen idealen Nährboden für Bakterien. Das kann zu Infektionen führen, besonders wenn die Kette ständig im Mund des Babys ist.
4. Keine nachgewiesene Wirkung
Trotz aller Versprechen: Es gibt keine wissenschaftlichen Studien, die belegen, dass Bernsteinketten beim Zahnen helfen. Die Wirkung bleibt also reine Spekulation, während die Risiken real sind.
Was Eltern wissen sollten: Die offizielle Empfehlung der Ärzte
Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) und andere medizinische Fachgesellschaften raten eindeutig von Bernsteinketten ab. Selbst, wenn Eltern auf eine Kette bestehen, sollte sie niemals unbeaufsichtigt getragen werden. Doch selbst unter Aufsicht bleibt ein Restrisiko, das es zu vermeiden gilt.
Die klare Empfehlung der Ärzte lautet:
- Keine Bernsteinketten für Babys verwenden.
- Stattdessen auf sichere und bewährte Alternativen setzen.
Sichere Alternativen: Was wirklich hilft
Glücklicherweise gibt es viele bewährte und sichere Methoden, um Babys beim Zahnen zu helfen. Diese Alternativen sind nicht nur effektiv, sondern auch risikofrei:
1. Beißringe
Beißringe sind eine der beliebtesten und sichersten Lösungen. Besonders wirksam sind sie, wenn sie vorher im Kühlschrank (nicht im Gefrierfach!) gekühlt werden. Die Kälte lindert Schwellungen und Schmerzen.
2. Veilchenwurzel
Die Veilchenwurzel ist ein natürliches Mittel, das durch Speichel weich wird und ideal zum Kauen ist. Sie kann sogar abgekocht werden, um sie zu reinigen.
3. Gekühlte Lebensmittel
Brotrinden oder Möhrenstücke (immer unter Aufsicht!) massieren das Zahnfleisch und lindern den Schmerz. Achte darauf, dass die Stücke groß genug sind, um nicht verschluckt zu werden.
4. Dreieckstücher
Babys produzieren beim Zahnen oft viel Speichel. Dreieckstücher fangen diesen auf und verhindern Hautirritationen.
5. Zahngele
Zahngele mit Wirkstoffen wie Benzocain oder Lidocain können helfen, sollten aber nur nach Absprache mit dem Kinderarzt und strikt nach Packungsbeilage angewendet werden.
Fazit: Sicherheit geht vor
Bernsteinketten mögen auf den ersten Blick harmlos wirken, doch die Risiken sind real und können schwerwiegende Folgen haben. Statt auf unbewiesene Methoden zu setzen, sind sichere Alternativen die bessere Wahl. Dein Baby wird das Zahnen auch ohne Kette meistern.
Quellen
- Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V.: Bernstein- und andere Ketten beim Zahnen: Strangulationsgefahr und Verunreinigung durch Bakterien. https://www.kinderaerzte-im-netz.de/news-archiv/bernstein-und-andere-ketten-beim-zahnen-strangulationsgefahr-und-verunreinigung-durch-bakterien/ (abgerufen am 09.03.2026)
- ZWP online: Experten warnen: Finger weg von Bernsteinketten als Zahnungshilfe. https://www.zwp-online.info/zwpnews/dental-news/branchenmeldungen/experten-warnen-finger-weg-von-bernsteinketten-als-zahnungshilfe (abgerufen am 09.03.2026)
- ÖKO-TEST: Baby zahnt: Wie sinnvoll sind Bernsteinketten, Veilchenwurzeln & Co.? https://www.oekotest.de/kinder-familie/Baby-zahnt-Wie-sinnvoll-sind-Bernsteinketten-Veilchenwurzeln-Co-_10667_1.html (abgerufen am 09.03.2026)













