Von Anfang an dabei!

Folsäure in der Schwangerschaft: Warum und wie viel?

Dieser Artikel wurde inhaltlich geprüft von Nadine Beermann, Hebamme.

Folsäure in der Schwangerschaft ist wichtig für die Entwicklung deines ungeborenen Kindes. Vor allem ganz am Anfang in der Frühschwangerschaft. Frauenärzte empfehlen, Folat oder Folsäure als Nahrungsergänzung einzunehmen, am besten schon bei Kinderwunsch. Doch wie viel Folsäure brauchst du wenn du schwanger bist? Und wie lange? Kann man Folsäure überdosieren? Wir fassen das Wichtigste für dich zusammen.

Warum Folsäure in der Schwangerschaft wichtig ist

Folsäure ist die künstlich hergestellte Variante des B-Vitamins „Folat“. Der Körper kann das Vitamin nicht selbst bilden. Du musst es also mit der Nahrung und/oder über ein Nahrungsergänzungsmittel aufnehmen. Präparate mit Folsäure oder Folat bekommst du in der Drogerie oder der Apotheke.

Sowohl das künstliche als auch das natürliche Vitamin sind für die Zellteilung wichtig. Als Schwangere brauchst du doppelt so viel wie sonst. Gerade am Anfang der Schwangerschaft, wenn die Organe angelegt werden. Schließlich muss dein Baby kräftig wachsen. Die Folsäure sorgt zum Beispiel dafür, dass sich das Neuralrohr (Nervenkanal) in der Wirbelsäule richtig schließt.

Reicht die gespeicherte Folsäure nicht aus, kommt es zum „offenen Rücken“, genauer Spina bifida oder Spina bifida occulta (versteckt). Dadurch kann dein Baby in seiner Entwicklung beeinträchtigt werden. Auch Herzfehler sind bei Folsäuremangel häufiger. Bei Schwangeren kann Folsäuremangel zu Blutarmut führen. Denn der Körper muss mehr Blutzellen bilden als sonst.

Folsäure über Nahrung aufnehmen?

Folate aus der Nahrung nimmt der Körper schlechter auf, als die synthetisch hergestellte Folsäure. Einen Teil deines Bedarfs kannst du dennoch mit Ernährung ausgleichen. Denn wenn du viel Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte isst, nimmst du Folate auf. Wichtig ist aber, wie du dein Essen zubereitest. Denn Folat ist wasserlöslich, hitzeempfindlich und lichtempfindlich.

Das bedeutet, dass der größte Anteil – nämlich 70% – durch langes Lagern und Kochen schnell zerstört wird oder im Kochwasser zurückbleibt. Rohkost (gut abspülen!) oder auf den Punkt dampfgegartes Gemüse sind die beste Wahl, um dich mit Folsäure zu versorgen.

Lebensmittel mit Folat (natürliche Folsäure)

  • Weizenkeime: 520 Mikrogramm Folat auf 100 Gramm
  • Kichererbsen: 340 Mikrogramm Folat auf 100 Gramm
  • Blattspinat: 145 Mikrogramm Folat auf 100 Gramm
  • Erbsen: 78 Mikrogramm Folat auf 100 Gramm
  • Kohlrabi: 70 Mikrogramm Folat auf 100 Gramm
  • Vollkornprodukte: 34 Mikrogramm Folat auf 100 Gramm
  • Tomaten: 33 Mikrogramm Folat auf 100 Gramm

Wie hoch ist der Bedarf an Folsäure in der Schwangerschaft?

Wenn du ein Baby erwartest, benötigst du täglich insgesamt 550 Mikrogramm Folat bzw. 275 Mikrogramm Folsäure. Im Schnitt nehmen Erwachsene jedoch nur rund 180 Mikrogramm Folat pro Tag mit der Nahrung auf. Dies geht aus der Nationalen Verzehrstudie aus dem Jahr 2013 hervor. Deshalb müssen Schwangere aufstocken!

1 Gramm Folat entspricht 0,5 Gramm Folsäure

400 Mikrogramm Folsäure oder 800 Mikrogramm Folate in Form von Tabletten reichen aus, wenn du in der Frühschwangerschaft steckst oder dir ein Kind wünschst. Aber bitte nicht übertreiben oder verschiedene Präparate kombinieren, denn auch eine Überdosierung ist möglich (siehe Absatz unten)!

Ärzte empfehlen, die Tabletten in den ersten 12 Wochen der Schwangerschaft einzunehmen. Das Neuralrohr schließt sich beim Embryo ungefähr schon vier Wochen nach Befruchtung. Mit der vollendeten 12. Schwangerschaftswoche sind die Organe angelegt. Aber auch danach spielt Folsäure noch eine Rolle. Du solltest sie nur niedriger dosieren. Stufenpräparate beachten das.

Welche Nährstoffe in der Schwangerschaft für dich noch wichtig sind, erfährst du in diesem Artikel.

Wichtige Hinweise für die Einnahme von Folsäure

Folsäure solltest du am besten direkt morgens auf nüchternen Magen einnehmen. Denn dann ist die Bioverfügbarkeit besonders hoch. Das heißt, die enthaltene Folsäure kann besonders gut von deinem Körper aufgenommen werden. Deine Frauenärztin kann dir ein Präparat empfehlen. Meist enthalten solche wie Femibion noch andere wichtige Vitamine und Mineralstoffe. Oft auch Jod. Wenn du Jod wegen einer Hashimoto-Erkrankung meiden sollst, gibt es auch Präparate ohne.

Überdosierung unbedingt vermeiden!

Achtung: Viel hilft nicht viel. Eine amerikanische Studie aus dem Jahr 2017 zeigte Nebenwirkungen bei Überdosierung von Folsäure auf. Wenn Schwangere zu viel davon einnehmen, kann es zu neurologischen Veränderungen bei ihren Babys kommen. Eigentlich das, was man vermeiden will. Da in den USA viele Lebensmittel mit Folsäure versetzt sind und zusätzlich hoch dosierte Vitamin-Präparate verkauft werden, kann es dort leichter zu einer Überdosierung kommen als hier. Möglich ist es aber auch bei uns.

Das richtige Maß ist also wichtig. Wenn du dich bewusst ernährst und zusätzlich nicht mehr als 400 Mikrogramm Folsäure einnimmst, vermeidest du einen Mangel und eine Überdosierung.

Dieses Video ansehen auf YouTube.

Hast du noch weitere Fragen zum Thema Folsäure und Schwangerschaft? Schreib uns einen Kommentar.

-Anzeige-

Du möchtest mehr Elterngeld erhalten?

Die Experten von Elterngeld.de helfen dir mit der "Elterngeld Trickkiste" mehr Elterngeld zu erhalten. Lerne es entweder selbst im Elterngeld Onlinekurs oder lass dich von den Elterngeldexperten beraten. Profitiere von dem Wissen aus über 4.000 Elterngeldberatungen!

Das könnte dir auch gefallen
2 Kommentare
  1. Nadine sagt

    Hallo, ich heiße N. Ludewig und hätte eine Frage/Anmerkung: Ich habe schon öfter gelesen, dass Folsäure in der Schwangerschaft wichtig ist. Jedoch kenne ich kaum niemanden (der heute über 60 Jahre alt ist + Kinder hat), der in der Schwangerschaft Folsäure nahm… seit wann gibt es diesen Trend? Wie kam man eigentlich darauf, dass man 600 Microgramm benötigt, wenn es nicht möglich ist, so viel natürlich und gesund durch Nahrung aufzunehmen?
    Ich kenne zwei Frauen, die beide brav Folsäure einnahmen, von beiden sind die Kinder krank und schwächlich… eines musste sogar direkt nach der Geburt schon am Herzen operiert werden… das andere hat eine Fehlbildung im Gehöhr. – Die Eltern, die auf diese Präparate verzichteten, welche ich kenne, hingegen haben ziemlich gesunde Kinder.
    – Finden Sie es nicht auch einseitig, dass zum Thema Folsäure immer nur Vorteile genannt werden und keine Risiken? Meine Gedanken gehen da immer in Richtung Contagan-KInder, hier wurde es auch nicht genug hinterfragt, ob es wirklich nur Vorteile hat. Die Kinder werden auch hier ja nicht nach der Geburt nochmals untersucht, um Statistiken zu führen, ob die Folsäure-KInder gesünder sind oder die Nicht-Folsäure-Kinder.
    – Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie als „Ratgeber“ auch versuchen würden, aus ganz offiziellen Studien „Risiken“ zu diesem Thema zu finden… Es geht immerhin um die Babys… da müsste doch auch jemand Kritik an „künstlichen Vitaminen“ geübt haben.

    1. Anke Modeß sagt

      Hallo Nadine,

      vielen Dank für den Hinweis.

      Es sind in den letzten Jahrzehnten einige Erkenntnisse dazu gekommen und sicher hat sich auch die Ernährung verändert. Es gilt als sicher, dass Folsäure Neuronalrohrdefekte verhindern kann. Auch die Menge an nötigem Folat wurde durch retrospektive Studien ermittelt. Ausschließen konnte man, dass die Einnahme von Folsäure mit einer erhöhten Fehlgeburtsrate einhergeht. Was andere Defekte betrifft: es ist möglich, dass Folsäure auch solche Babys am Leben erhält, die es früher nicht geschafft hätten. Hier ein Artikel von 2002 aus der Deutsche Apotheker Zeitung.

      Es gibt tatsächlich eine Studie von 2016, die vor Überdosierung warnt, weil es dann zu Autismus kommen kann (bei zu wenig Folsäure übrigens auch). Diese wurde allerdings in den USA durchgeführt, wo viele Produkte von vornherein mit Folsäure versetzt sind und es demnach leichter zu Überdosierungen kommen kann. Wenn Folsäure, dann also in den vom Arzt empfohlenen Mengen. Ich werde einen entsprechenden Hinweis einfügen.

      Beste Grüße

Hinterlass uns einen Kommentar