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Folsäure in der Schwangerschaft

Folsäure in der Schwangerschaft: Warum und wieviel?

Inhaltlich geprüft von Hebamme Emely Hoppe.

Folsäure in der Schwangerschaft ist wichtig für die Entwicklung deines ungeborenen Kindes. Vor allem ganz am Anfang in der Frühschwangerschaft. Frauenärzte empfehlen, Folat oder Folsäure als Nahrungsergänzung einzunehmen, am besten schon bei Kinderwunsch. Doch wie viel Folsäure brauchst du, wenn du schwanger bist? Und wie lange? Kann man Folsäure überdosieren? Wir fassen das Wichtigste für dich zusammen.

Was ist Folsäure?

Sicher hast du den Begriff Folsäure schon sehr oft gehört. Man nennt sie auch Folat oder Vitamin B9. Dabei handelt es sich um ein wasserlösliches Vitamin, das von deinem Körper nicht selbst produziert werden kann. Du kannst es als synthetisch hergestellte Vitaminpräparate und über die Nahrung aufnehmen. Letztes ist gar nicht so einfach. Viele Frauen haben einen Mangel, ohne es zu wissen.

Folsäure und Folat sind nicht nur in der Schwangerschaft wichtig. Denn sie sind aktiv an der Zellteilung, der Neubildung sowie der Regeneration der Zellen beteiligt. Darüber hinaus ist Folsäure entscheidend für die Blutbildung und nimmt Einfluss bei der Verstoffwechslung bestimmter Aminosäuren.

Warum ist Folsäure in der Schwangerschaft so wichtig?

Folsäure ist für die Zellteilung wichtig. Den Bedarf kannst du durch das natürliche und das synthetisch hergestellte B-Vitamin decken. Als Schwangere brauchst du – gerade am Anfang der Schwangerschaft, wenn die Organe angelegt werden – doppelt so viel wie sonst. Schließlich muss dein Baby kräftig wachsen. Die Folsäure sorgt zum Beispiel dafür, dass sich das Neuralrohr (Nervenkanal) in der Wirbelsäule etwa 21 bis 28 Tage nach der Empfängnis richtig schließt – also etwa in der 5. SSW bis 6. SSW.

Das Neuralrohr bildet das Vorstadium, aus dem sich später das Rückenmark und das Gehirn deines Babys entwickeln. Besteht ein unerkannter Folsäuremangel, führt das zu einem erhöhten Risiko für Neuralrohrdefekte. Das bedeutet, dass der Verschluss des Neuralrohrs teilweise oder ganz gestört wird und es zu Fehlbildungen kommen kann. Und auch danach benötigt dein Körper Folsäure für weitere Entwicklung des Babys.

Gut zu wissen: Das Risiko für einen Neuralrohrdefekt bei deinem Baby lässt sich um etwa 70 Prozent verringern, wenn du während der Schwangerschaft deinen erhöhten Folsäurebedarf optimal deckst.

Reicht die gespeicherte Folsäure nicht aus, kommt es zum „offenen Rücken“, genauer Spina bifida oder Spina bifida occulta (versteckt). Dadurch kann dein Baby in seiner Entwicklung beeinträchtigt werden. Auch Herzfehler sind bei Folsäuremangel häufiger. Bei Schwangeren kann ein Mangel an Folsäure zu Blutarmut führen. Denn der Körper muss mehr Blutzellen bilden als sonst.

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Welche Lebensmittel enthalten Folsäure?

Folate aus der Nahrung nimmt der Körper schlechter auf, als die synthetisch hergestellte Folsäure. Dazu kommt: Folat ist wasserlöslich, hitzeempfindlich und lichtempfindlich. Einen Teil deines Bedarfs kannst du dennoch mit der Ernährung ausgleichen. Denn wenn du viel Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte isst, nimmst du Folate auf. Wichtig ist aber, wie du dein Essen zubereitest (Empfehlungen unter den Lebensmittel-Listen).

Folatreiche Lebensmittel sind

  • Weizenkeime: 520 µg Folat pro 100 g
  • Kichererbsen: 340 µg Folat pro 100 g
  • Blattspinat: 145 µg Folat pro 100 g
  • Spargel: 108 µg Folat pro 100 g (grüner mehr als weißer)
  • Erbsen: 78 µg Folat pro 100 g
  • Kohlrabi: 70 µg Folat pro 100 g
  • Vollkornprodukte: 34 µg Folat pro 100 g
  • Tomaten: 33 µg Folat pro 100 g

Weitere sehr gute Lieferanten an Folsäure sind Lebensmittel wie

  • Nüsse
  • Erdbeeren
  • Bananen
  • Mango
  • Orangen
  • Lachs, gegart
  • Eier, gekocht
  • Kräuterquark
  • Gouda
  • Joghurt
  • Haferflocken
  • Wildreis, gegart
  • Kürbiskerne
  • Kartoffeln
  • Brokkoli

Beim Kochen geht viel Folsäure verloren

Der größte Anteil der Folate in Lebensmitteln – nämlich 70 Prozent – wird durch langes Lagern und Kochen schnell zerstört oder bleibt im Kochwasser zurück. Rohkost (gut abspülen oder schälen!) oder auf den Punkt dampfgegartes Gemüse sind die beste Wahl, um dich mit Folsäure zu versorgen.

Unser Tipp: Bereite dein Essen möglichst immer aus frischen Lebensmitteln zu, die du schonend verarbeitest. So kannst du sicherstellen, dass du stets die größtmögliche Menge des wertvollen Vitamins B9 zu dir nimmst. Zusätzlich solltest du in der Schwangerschaft entsprechende Folsäurepräparate in deine Ernährung einbauen, um den benötigten Tagesbedarf zu decken.

Wie viel Folsäure in der Schwangerschaft ist gut?

Im Schnitt nehmen Erwachsene nur etwa die Hälfte der mindestens benötigten 300 Mikrogramm pro Tag mit der Nahrung auf und haben deshalb leere Speicher. Dies geht aus der Nationalen Verzehrstudie aus dem Jahr 2013 hervor. Schwangere haben sogar gleich zu Anfang den doppelten Bedarf und sollten deshalb ganz schnell aufstocken. 

Ärzte empfehlen deshalb, in der Frühschwangerschaft 800 Mikrogramm Folat zusätzlich zuführen, wenn du vorher keine Folsäure eingenommen hast. Ansonsten reichen 400 Mikrogramm pro Tag zusätzlich zu folatreicher Ernährung. Nach der abgeschlossenen 12. SSW kannst du ein weniger hoch dosiertes Präparate nehmen oder die Folsäure nach ärztlicher Beratung ganz weglassen.

Aber keine Panik, wenn du bisher keine Folsäure eingenommen hast: die meisten Babys kommen trotzdem gesund zur Welt! Und bitte nicht übertreiben oder verschiedene Präparate kombinieren, denn auch eine Überdosierung ist möglich.

Wann Folsäure/Folat? Wie viel Folat aus Präparaten?Wie viel aus Ernährung?
Kinderwunsch400 µg täglich 400 µg täglich
1. Trimester 800 µg falls vorher nicht, sonst 400 µg täglich 550 µg täglich
2. Trimesterevtl. 400 µg täglich550 µg täglich
3. Trimesterevtl. 400 µg täglich550 µg täglich
Stillzeitevtl. 400 µg täglich550 µg täglich
Alle anderen Zeitenevtl. niedrig dosiert300 µg täglich

1 Gramm Folat entspricht 0,5 Gramm Folsäure

Überdosierung vermeiden!

Achtung: Viel hilft nicht viel. Eine amerikanische Studie aus dem Jahr 2017 zeigte Nebenwirkungen bei Überdosierung von Folsäure auf. Wenn Schwangere zu viel davon einnehmen, kann es zu neurologischen Veränderungen bei ihren Babys kommen. Eigentlich das, was man vermeiden will.

Da in den USA viele Lebensmittel mit Folsäure versetzt sind und zusätzlich hoch dosierte Vitamin-Präparate verkauft werden, kann es dort leichter zu einer Überdosierung kommen als hier. Möglich ist es aber auch bei uns. Das richtige Maß ist also wichtig. Wenn du dich schon immer folatreich ernährt hast, solltest du also besser kein sehr hoch dosiertes Präparat einnehmen.

Ab wann ist Folsäure in der Schwangerschaft wichtig?

Ärzte empfehlen, die Tabletten so schnell wie möglich einzunehmen. Das Neuralrohr schließt sich beim Embryo ungefähr schon vier Wochen nach Befruchtung. Mit der vollendeten 12. Schwangerschaftswoche sind die Organe angelegt. Aber auch danach spielt Folsäure noch eine Rolle. Du solltest sie nur niedriger dosieren. Stufenpräparate beachten das.Welche Nährstoffe in der Schwangerschaft für dich noch wichtig sind, erfährst du in diesem Artikel.

Wie lange sollte ich Folsäure nehmen?

Die Empfehlung lautet: Schwangere sollten Folsäure/Folat zusätzlich zur Ernährung in den ersten 12 Wochen der Schwangerschaft einnehmen. Danach kann eine betont folatreiche Ernährung ausreichen. Die zusätzliche Einnahme von 400 Mikrogramm Folat hat aber nach heutigem Stand der Wissenschaft keine negativen Folgen und schützt vor Mangelversorgung. Schließlich hat Folsäure viele Aufgaben.

Auch nach der Entbindung und vor allem beim Stillen ist es ratsam, weiterhin auf eine ausreichende Zufuhr an Folsäure zu achten. Denn über die Muttermilch gibst du das für dein Baby so wichtige Vitamin B9 weiter, damit sich dein kleiner Schatz bestmöglich weiterentwickelt. Jetzt sind nur noch maximal 400 Mikrogramm zusätzlich nötig, um den Bedarf gut zu decken. 

Frage deinen Arzt nach der besten Dosierung!

Welche Folsäurepräparate gibt es für die Schwangerschaft?

Bekannte frei verkäufliche Folsäurepräparate für die Schwangerschaft sind:

Unser Tipp: Sofern du auch unter einem Jodmangel leidest, kann ein Kombipräparat ideal sein. Frage deinen Arzt danach, denn es gibt auch Folsäure-Präparate, die gleichzeitig Jod enthalten. Natürlich kannst du aber auch auf eine besonders jodreiche Ernährung achten. Meeresfrüchte, Fisch, Milch und Eier sind beispielsweise sehr gute Lieferanten von Jod. Aber Achtung: Bei einer bestehenden Schilddrüsenerkrankung solltest du dich vorher in einer endokrinologischen Praxis beraten lassen.

Was muss ich bei der Einnahme von Folsäure beachten?

Folsäure solltest du am besten direkt morgens auf nüchternen Magen einnehmen. Denn dann ist die Bioverfügbarkeit besonders hoch. Das heißt, die enthaltene Folsäure kann besonders gut von deinem Körper aufgenommen werden. Deine Frauenärztin kann dir ein Präparat empfehlen. Meist enthalten solche wie Femibion noch andere wichtige Vitamine und Mineralstoffe wie zum Beispiel Omega-3 und Jod. Wenn du Jod wegen einer Hashimoto-Erkrankung meiden sollst, gibt es auch Präparate ohne.

Übrigens: Solltest du Folsäurepräparate einnehmen und diese einmal vergessen, musst du nicht die doppelte Menge einnehmen. Hast du es einige Tage vergessen, frage am besten deine Ärztin um Rat. Achtest du aber generell auf eine ausgewogene und folatreiche Ernährung, stellt das in der Regel kein größeres Problem dar.

Mögliche Nebenwirkungen 

Bei der empfohlenen Einnahme von Präparaten mit Folsäure kommt es nur in sehr seltenen Fällen zu Nebenwirkungen. Meist liegt es an einer zu hohen Dosis, wenn Nebenwirkungen auftreten. Diese ähneln häufig den Symptomen einer Unterversorgung mit Folsäure. 

Kommt es jedoch über eine längere Zeit zu einer Überdosierung, können Alpträume, depressive Phasen oder sogar epileptische Anfälle auftreten. In diesem Fall empfiehlt sich stets die Rücksprache mit deiner Frauenärztin. 
Bei einer vorliegenden Histaminintoleranz können bestimmte Folsäure-Präparate allergische Symptome verstärken. Viele HIT-Betroffene haben bereits hohe Folsäure-Spiegel. Hier ebenfalls unbedingt beraten lassen!

Wie äußert sich ein Folsäuremangel?

Einmal abgesehen davon, dass sich eine Unterversorgung mit der wichtigen Folsäure negativ auf die Entwicklung deines Babys auswirkt, macht sich ein Folsäuremangel auch bei dir bemerkbar. Neben der bereits erwähnten Blutarmut während der Schwangerschaft, können folgende Symptome unter anderem auf einen Folsäuremangel hinweisen:

  • schnell nachlassende Konzentration
  • untypische Müdigkeit
  • unerklärliches Herzklopfen
  • unangenehmes Ohrensausen
  • veränderter oder nachlassender Geschmackssinn
  • unnatürliche Blässe an den Augenlidern, den Lippen oder am Zahnfleisch
  • unerklärliche Gewichtsabnahme
  • Durchfall

Natürlich sind diese Symptome keineswegs nur auf einen Folsäuremangel zurückzuführen. Auch bei anderen Mangelerscheinungen sind diese Anzeichen durchaus typisch. Dennoch empfehlen wir, in dieser Hinsicht auf Nummer sicher zu gehen. Dein Frauenarzt kann deinen Folsäurespiegel über einen Bluttest feststellen. Eine Kassenleistung ist das jedoch nicht.

Übrigens: Bestimmte Medikamente sowie ein übermäßiger Alkohol- und Tabakkonsum können die Aufnahme von Folsäure stark hemmen. Das führt dazu, dass du nicht genügend davon in deinem Körper speichern kannst, damit auch dein Baby davon profitiert. Alkohol und Tabak sollten während der Schwangerschaft ohnehin Tabu für dich sein. Doch es empfiehlt sich, Rücksprache mit deiner Frauenärztin zu halten, falls du regelmäßig Medikamente einnehmen musst. Auch übermäßiges Sonnenbaden reduziert die Vorräte im Körper.

Werden die Kosten für Folsäure in der Schwangerschaft übernommen?

Die verschiedenen Folsäurepräparate sind rezeptfrei erhältlich. Daher musst du sie in der Regel auch selbst zahlen. Allerdings besteht die Möglichkeit, dass dir dein Frauenarzt ein Privatrezept ausstellt, welches du dann bei deiner Krankenkasse vorlegen und als Zusatzleistung abrechnen kannst. Insbesondere, wenn du zu einer Risikogruppe gehörst oder an einer massiven Unterversorgung leidest.

Wir empfehlen an dieser Stelle aber, vorher das Gespräch mit deiner Krankenkasse zu suchen. So kannst du sicherstellen, dass die Kosten für die Folsäure in der Schwangerschaft auch wirklich übernommen werden.

Hast du noch weitere Fragen zum Thema Folsäure und Schwangerschaft? Schreib uns einen Kommentar.

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Quellen

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2 Kommentare anderer Nutzer

  1. Hallo, ich heiße N. Ludewig und hätte eine Frage/Anmerkung: Ich habe schon öfter gelesen, dass Folsäure in der Schwangerschaft wichtig ist. Jedoch kenne ich kaum niemanden (der heute über 60 Jahre alt ist + Kinder hat), der in der Schwangerschaft Folsäure nahm… seit wann gibt es diesen Trend? Wie kam man eigentlich darauf, dass man 600 Microgramm benötigt, wenn es nicht möglich ist, so viel natürlich und gesund durch Nahrung aufzunehmen?
    Ich kenne zwei Frauen, die beide brav Folsäure einnahmen, von beiden sind die Kinder krank und schwächlich… eines musste sogar direkt nach der Geburt schon am Herzen operiert werden… das andere hat eine Fehlbildung im Gehöhr. – Die Eltern, die auf diese Präparate verzichteten, welche ich kenne, hingegen haben ziemlich gesunde Kinder.
    – Finden Sie es nicht auch einseitig, dass zum Thema Folsäure immer nur Vorteile genannt werden und keine Risiken? Meine Gedanken gehen da immer in Richtung Contagan-KInder, hier wurde es auch nicht genug hinterfragt, ob es wirklich nur Vorteile hat. Die Kinder werden auch hier ja nicht nach der Geburt nochmals untersucht, um Statistiken zu führen, ob die Folsäure-KInder gesünder sind oder die Nicht-Folsäure-Kinder.
    – Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie als „Ratgeber“ auch versuchen würden, aus ganz offiziellen Studien „Risiken“ zu diesem Thema zu finden… Es geht immerhin um die Babys… da müsste doch auch jemand Kritik an „künstlichen Vitaminen“ geübt haben.

    1. Hallo Nadine,

      vielen Dank für den Hinweis.

      Es sind in den letzten Jahrzehnten einige Erkenntnisse dazu gekommen und sicher hat sich auch die Ernährung verändert. Es gilt als sicher, dass Folsäure Neuronalrohrdefekte verhindern kann. Auch die Menge an nötigem Folat wurde durch retrospektive Studien ermittelt. Ausschließen konnte man, dass die Einnahme von Folsäure mit einer erhöhten Fehlgeburtsrate einhergeht. Was andere Defekte betrifft: es ist möglich, dass Folsäure auch solche Babys am Leben erhält, die es früher nicht geschafft hätten. Hier ein Artikel von 2002 aus der Deutsche Apotheker Zeitung.

      Es gibt tatsächlich eine Studie von 2016, die vor Überdosierung warnt, weil es dann zu Autismus kommen kann (bei zu wenig Folsäure übrigens auch). Diese wurde allerdings in den USA durchgeführt, wo viele Produkte von vornherein mit Folsäure versetzt sind und es demnach leichter zu Überdosierungen kommen kann. Wenn Folsäure, dann also in den vom Arzt empfohlenen Mengen. Ich werde einen entsprechenden Hinweis einfügen.

      Beste Grüße

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