Ingwer ist seit Jahrhunderten fester Bestandteil der Naturheilkunde. Gerade in der Schwangerschaft schwören viele auf die heilende Wurzel, besonders bei Übelkeit. Doch ist Ingwer in der Schwangerschaft wirklich sicher? Wie viel darf man davon konsumieren und worauf sollte man achten? Hier bekommst du Antworten auf die meistgestellten Fragen.
Das Wichtigste in Kürze
- In moderaten Mengen ist Ingwer in der Schwangerschaft unbedenklich und ein empfohlenes Mittel zur Linderung von Schwangerschaftsübelkeit.
- Kann Ingwer vorzeitige Wehen auslösen? Das ist wissenschaftlich nicht belegt.
- Hebammen raten dennoch zur Vorsicht ab dem 3. Trimester und zum Verzicht bei Frühgeburtsbestrebungen.
- Pro Tag solltest du nicht mehr als 1 Gramm getrockneten oder 5 Gramm frischen Ingwer verzehren.
Darf man in der Schwangerschaft Ingwer essen?
Die wichtigste Frage klären wir direkt am Anfang: In moderaten Mengen ist Ingwer in der Schwangerschaft in den meisten Fällen erlaubt. Du musst beim Würzen deiner Speisen also nicht auf die scharfe Knolle verzichten, genau wie auf Ingwerbonbons oder eine heiße Tasse Ingwer-Tee.
Für Verunsicherung bei Schwangeren sorgt jedoch häufig die Warnung, Ingwer könne vorzeitige Wehen auslösen und sollte deshalb in der Schwangerschaft gemieden werden. Was hat es damit auf sich?
Löst Ingwer Wehen aus?
Der Verzehr von Ingwer regt bekanntermaßen die Durchblutung an, auch die der Gebärmuttermuskulatur. Und eine gut durchblutete Muskulatur ist aktiver; der Uterus damit “kontraktionsfreudiger”. Die Sorge, durch den Konsum scharfer Speisen unbeabsichtigt Wehen zu provozieren, ist also naheliegend.
Was sagt die Wissenschaft dazu? Die Datenlage ist recht unübersichtlich und zum Teil widersprüchlich. Doch zeigten sich im Großen und Ganzen bisher keine eindeutigen Zusammenhänge zwischen dem Verzehr von Ingwer und Frühgeburten; übrigens ebenso wenig zu anderen unerwünschten Nebenwirkungen wie Fehlbildungen, Fehlgeburten oder einem niedrigen Geburtsgewicht.
Die meisten Quellen sind sich einig, dass Ingwer für Schwangere in üblichen (!) Verzehrmengen sicher ist und keine Auswirkungen auf den Geburtszeitpunkt und die gesunde Entwicklung des Babys hat. Mehr noch: Viele Fachverbände und Experten empfehlen Ingwer sogar bei Schwangerschaftsübelkeit (siehe unten).
Um jedoch kein Risiko einzugehen, lautet der Hebammen-Rat meist: Ab dem dritten Trimester solltest du nur noch wenig und bei Frühgeburtsbestrebungen vorsichtshalber gar keinen Ingwer zu dir nehmen.
Wie viel Ingwer ist in der Schwangerschaft erlaubt?
Was bedeutet nun aber “übliche Verzehrmenge”? Die als sicher geltende Tagesdosis liegt bei maximal
- einem Gramm getrocknetem Ingwer oder
- vier bis fünf Gramm frischem Ingwer.
Diese Menge entspricht etwa einer Tasse frisch gebrühtem Ingwer-Tee oder wenigen Scheiben Ingwer im Wasser. Achtung bei den beliebten Yogi-Tees: Hier ganz genau auf die Zusammensetzung der einzelnen Teebeutel schauen!
Auf hochkonzentrierte Ingwerpräparate sowie Ingwer-Shots solltest du in der Schwangerschaft verzichten.
Wirkung von Ingwer in der Schwangerschaft
Ingwer gilt in vielen Kulturen als bewährtes Naturheilmittel, unter anderem für Unwohlsein und Brechreiz, worunter viele Schwangere in den ersten Wochen leiden.
Zahlreiche Studien bestätigen, dass Ingwer milde bis moderate Schwangerschaftsübelkeit effektiv lindern kann, ohne schwerwiegende Nebenwirkungen zu verursachen. Die antiemetische Wirkung wird vor allem den Inhaltsstoffen Gingerolen und Shogaolen zugeschrieben, die sowohl lokal im Magen-Darm-Trakt als auch zentral im Brechzentrum des Gehirns wirken.
Sowohl der Bundesverband der Frauenärzte e.V. als auch die Deutsche Apotheker Zeitung empfehlen Ingwer deshalb als natürliche Behandlungsoption bei Schwangerschaftsübelkeit neben anderen Methoden wie Akupunktur oder die Einnahme von Vitamin B6.
Weitere positive Effekte
- Hilfe bei Verdauungsproblemen: Ingwer regt die Speichel- und Magensaftproduktion sowie die Magenbewegung an. Dadurch wird die Verdauung gefördert, was Blähungen und Völlegefühl verhindern oder lindern kann.
- Stabilisierung des Kreislaufs: Die wärmende Wirkung von Ingwer kann bei Kreislaufschwäche im ersten Trimester unterstützend wirken.
- Entzündungshemmung & Antioxidantien: Gingerole wirken antioxidativ und können Entzündungsprozesse im Körper hemmen, was grundsätzlich positiv für den Zellschutz ist. Ingwer findet deshalb übrigens auch in Krebstherapien immer mehr Beachtung.
- Regulierung des Blutdrucks: Ingwer weitet die Blutgefäße und verdünnt das Blut. Beides kann dazu führen, dass der Blutdruck sinkt. Achtung: Hoher Blutdruck in der Schwangerschaft ist ein Risiko und sollte immer ärztlich behandelt und notfalls mit Medikamenten behandelt werden. Ingwer sollte in dem Fall nur unterstützend eingesetzt werden.
- Senkung des Blutzuckers: Interessant für (Schwangerschafts-) Diabetikerinnen: Studien geben Hinweise darauf, dass Ingwer möglicherweise auch die Insulinempfindlichkeit des Körpers reguliert und positiv auf den Blutzucker wirkt.
Ingwertee in der Schwangerschaft: Ja oder Nein?
Ingwertee ist eine beliebte und schonende Alternative bei Unwohlsein und Verdauungsstörungen. Er wirkt angenehm wärmend, krampflösend und beruhigend auf Magen und Darm – auch bei Schwangeren!
Tipp zur Zubereitung:
- 1 TL frischer, geriebener Ingwer (ca. 2 Gramm) mit 250 ml heißem Wasser übergießen
- 5 bis 10 Minuten ziehen lassen
- Optional mit Zitrone oder Honig verfeinern
Von dem Tee kannst du zwei Tassen am Tag trinken.
Risiken: Wann sollte man auf Ingwer verzichten?
Hole dir ärztlichen Rat ein und/oder verzichte besser auf Ingwer, wenn einer der folgenden Punkte auf dich zutrifft:
- Späte Schwangerschaftsphase & Frühgeburtsbestrebungen: Um, wie oben schon erklärt, auf Nummer sicher zu gehen, solltest du nur sehr wenig oder gar keinen Ingwer zu dir nehmen, wenn du dich im letzten Schwangerschaftsdrittel befindest und/oder es bei dir Risikofaktoren für eine Frühgeburt gibt (etwa vorzeitige Wehen oder Zervixinsuffizienz).
- Bestehender Reflux oder Sodbrennen: Ingwer könnte solche Beschwerden verschlimmern.
- Bekannte Blutgerinnungsstörung oder medikamentöse Blutverdünnung: In übermäßiger Dosierung (die in der Schwangerschaft ohnehin tabu ist!) steht Ingwer im Verdacht, die Blutgerinnung zu beeinflussen. Dies kann zu einer erhöhten Blutungsneigung führen, insbesondere bei bereits bestehenden Gerinnungsstörungen oder der Einnahme von Blutverdünnern.
Fazit: Maßvoller Genuss ist erlaubt
Ingwer ist in der Schwangerschaft grundsätzlich erlaubt und kann in der Frühschwangerschaft sogar hilfreich sein zur natürlichen Linderung von Übelkeit. Du kannst ihn als Gewürz, frisch in Speisen oder in Form von Tee genießen.
Wichtig ist dabei, Ingwer nur in normalen Mengen zu konsumieren und auf hochdosierte Präparate, Shots oder konzentrierte Tees zu verzichten. Bei bestehenden Risikofaktoren solltest du dich vor dem Ingwer-Genuss ärztlich beraten lassen.
Möchtest du auf Nummer sicher gehen, schränke deinen Ingwer-Konsum ab dem dritten Trimester auf ein Minimum ein und verzichte bei Frühgeburtsbestrebungen ganz darauf.
Wie immer gilt: Wenn du unsicher bist, sprich am besten mit deiner Hebamme oder Ärztin!
FAQ
Hilft Ingwer sofort gegen Übelkeit? Bei manchen Frauen ja, bei anderen braucht es mehrere Tage regelmäßiger Einnahme.
Kann Ingwer Wehen auslösen? In hohen Dosen möglicherweise. Bei normalem Konsum ist dies nicht nachgewiesen.
Was ist besser: frischer Ingwer oder Tee? Beides ist wirksam. Frischer Ingwer enthält meist etwas mehr Gingerol als fertige Teebeutel.
Gibt es Alternativen zu Ingwer gegen Übelkeit? Ja: Vitamin B6, Akupressur-Armbänder, kleine Mahlzeiten, Pfefferminztee oder Zitrone.
Sind Ingwer Shots in der Schwangerschaft sicher?
Auf Ingwer Shots sollte in der Schwangerschaft vorsichtshalber verzichtet werden, da sie eine hohe Dosis der Knolle enthalten und unerwünschte Nebenwirkungen eintreten könnten.
Quellen
- Bundesverband der Frauenärzte e.V.: Anzeichen einer Schwangerschaft & Schwangerschaftstest. https://www.frauenaerzte-im-netz.de/schwangerschaft-geburt/schwangerschaft/schwangerschaftsanzeichen-schwangerschaftstest/#c105 (abgerufen am 14.07.2025)
- Deutsches Ärzteblatt: Nausea und Emesis gravidarum: Schwangere müssen nicht leiden. https://www.aerzteblatt.de/archiv/nausea-und-emesis-gravidarum-schwangere-muessen-nicht-leiden-50e44cf3-b376-4196-abc9-26501ccc456f (abgerufen am 14.07.2025)
- Deutsche Apotheker Zeitung: Schwangerschaftsübelkeit lindern durch Arzneimittel und Akupunktur. https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2023/11/29/schwangerschaftsuebelkeit-lindern-durch-arzneimittel-und-akkupunktur (abgerufen am 14.07.2025)
- K. A. Tiani et al.: The Use of Ginger Bioactive Compounds in Pregnancy: An Evidence Scan and Umbrella Review of Existing Meta-Analyses. In: Advances in Nutrition. Vol. 15 / 11, 2024. https://doi.org/10.1016/j.advnut.2024.100308 (abgerufen am 14.07.2025)
- M. Smollich: Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft: Ingwer – eine wirksame Alternative? https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/pdf/10.1055/s-0034-1384309.pdf (abgerufen am 14.07.2025)
- A. Matthews et al.: Interventions for nausea and vomiting in early pregnancy. Cochrane Database of Systematic Reviews 2015, Issue 9. Art. No.: CD007575. https://doi.org/10.1002/14651858.CD007575.pub4 (abgerufen am 14.07.2025)
- MotherToBaby | Fact Sheets [Internet]. Brentwood (TN): Organization of Teratology Information Specialists (OTIS); 1994-. Ginger. 2023 Jan. Available from: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK582731/ (abgerufen am 14.07.2025)
- Deutsche Herzstiftung: Blutdruck natürlich senken: sechs effektive Alltagstipps. https://herzstiftung.de/ihre-herzgesundheit/gesund-bleiben/bluthochdruck/tipps-zu-blutdruck-natuerlich-senken (abgerufen am 14.07.2025)
- PTA heute: Ingwer & Co.: Diese Gewürze senken den Blutzuckerspiegel. https://www.ptaheute.de/aktuelles/2024/06/12/ingwer-amp-co-diese-gewuerze-senken-den-blutzuckerspiegel (abgerufen am 14.07.2025)
- M. Ding et al.: The effectiveness and safety of ginger for pregnancy-induced nausea and vomiting: A systematic review. In: Women and Birth, Vol. 26 / 1, 2013. https://doi.org/10.1016/j.wombi.2012.08.001 (abgerufen am 14.07.2025)














