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Hausgeburt: Mutter gebärt ihr Baby zuhause

Hausgeburt ja oder nein? Voraussetzungen, Vorteile & Risiken

Inhaltlich geprüft von Hebamme Christine Müller.

Denkst du über eine Hausgeburt nach? Ohne Frage, diese Form der Geburt ist die natürlichste Sache der Welt. In vertrauter Umgebung können Frauen besser entspannen als im Krankenhaus. Aber bevor du dich entscheidest, solltest du neben den Vorteilen auch die Risiken kennen. Denn eine Hausgeburt kommt nicht für jeden infrage.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Hausgeburt ist der natürlichste Weg, dein Kind zu gebären. Ganz ohne Risiko ist sie nicht. Eine Garantie, dass alles gut geht, kann dir niemand geben.
  • Eine Hausgeburt solltest du nur wählen, wenn du eine low-risk Schwangerschaft austrägst, also bestimmte Kriterien erfüllt sind, die Komplikationen unwahrscheinlich machen.
  • Etwa 10-17% der geplanten Hausgeburten müssen abgebrochen und die Frau ins Krankenhaus verlegt werden. Bei Erstgebärenden sind es sogar 45%.
  • Einige Voraussetzungen erhöhen das Risiko eines unschönen Ausgangs um ein Vielfaches. Wenn sie jedoch nicht vorliegen, gibt es weniger Komplikationen als in Krankenhäusern.
  • Viele Krankenhäuser bemühen sich mittlerweile um eine wohnlichere Atmosphäre.

Eine Hausgeburt zu planen ist während der Corona-Pandemie nicht leichter geworden. Im Gegenteil! Obwohl sich mehr Frauen als sonst für die Geburt daheim interessieren. Viele möchten ihren Partner dabei haben, sich selbst nicht anstecken und während der Geburt keine Maske tragen müssen. Verständlich!

Eine Hausgeburt zu Corona-Zeiten ist (Stand April 2021) zwar nicht verboten, aber von vielen Ärzten nicht erwünscht. Das liegt am hohen Infektionsrisiko der Hebammen bei dir zuhause und den überlasteten Krankenhäusern, falls eine Fahrt dorthin nötig würde. Allerdings entlastet auch jede Schwangere, die zuhause gebärt, die Kliniken vor Ort.

Wenn du als Schwangere positiv getestet wurdest, darf die Geburt zuhause nur unter ganz strengen Auflagen (Vollschutz und strenge Hygiene) stattfinden. Das Risiko einer Komplikation ist dadurch ebenfalls höher. Und auch dein Kind muss danach noch länger beobachtet werden. Kaum eine Hebamme kann sich die enorm teure Haftpflichtversicherung leisten, die bei einer erfolgreichen Klage vor Gericht einspränge.

Dennoch, das Recht deinen Geburtsort selbst zu wählen, hast du auch jetzt noch. Du musst eben eine Hebamme finden, die damit kein Problem hat. Wenn das nicht klappt, kannst du über ein Geburtshaus nachdenken.

Es klingt so schön und oft klappt es sogar wie geplant: Die Schwangere spürt die einsetzenden Wehen und ruft die ihr bereits vertraute Hebamme. Diese unterstützt sie in den kommenden Stunden dabei, ihr Baby ganz natürlich und ohne medizinisches Eingreifen in der vertrauten Umgebung zu gebären. Dabei lässt sie sich während der Wehen von ihrem eigenen Körper leiten, der genau weiß, was er tut. Sobald das quietschfidele Baby auf der Welt ist, kann die frisch gebackene Mama sofort mit ihm kuscheln und alle sind glücklich und zufrieden. So weit, so romantisch. In den Niederlanden kommen immerhin 20 Prozent der Babys auf diese Art zur Welt.

Für eine junge, rundum gesunde Frau, die bereits eine natürliche Geburt hatte und bei der es keinerlei Komplikationen während der Schwangerschaft gab, ist eine betreute Hausgeburt durchaus eine Option.

Viele Mediziner lehnen Hausgeburten ab

Auch wenn die meisten Hebammen nach wie vor – und auch zu Recht – diese Art der Geburt bei gesunden Frauen vorziehen, sehen viele Mediziner eine Hausgeburt viel skeptischer. Denn schließlich ist der größte Vorteil, nämlich die Geborgenheit zu Hause ohne Ärzte in der Nähe, auch der größte Nachteil. Denn was ist, wenn doch etwas schiefgeht? Liegst du schon länger in den Wehen, ist der Transport alles andere als einfach. Wertvolle Minuten gehen verloren.

Deshalb musst du das Für und Wider einer Hausgeburt in deinem bestimmten Fall kennen und gut abwägen. Nur auf dein Gefühl zu vertrauen und auf deinen Wunsch zu bestehen, reicht vielleicht nicht aus. Lass Kopf und Bauch zusammen entscheiden.

Ganz wichtig: wenn du eine Hausgeburt planst, musst du dich ganz schnell um eine Hebamme bemühen. Am besten gleich, wenn du den positiven Schwangerschaftstest in den Händen hältst. Wie du bestimmt weißt, sind Hebammen rar gesät. Solche, die Hausgeburten durchführen, sind noch viel seltener.

Diese Dinge erhöhen das Risiko bei einer Hausgeburt

Damit du gut einschätzen kannst, ob eine Hausgeburt für dich überhaupt infrage kommt, haben wir hier die Kriterien aufgelistet, die das Risiko einer Komplikation bei der Geburt deutlich erhöhen. Natürlich wollen wir dir keine Angst machen. Jede Frau hat das Recht auf eine selbstbestimmte Geburt. Aber es ist gut, die Fakten zu kennen, bevor du dich entscheidest.

Erste Geburt, oder nicht?

Wenn eine Frau das erste Kind bekommt, ist das Risiko einer behandlungsbedürftigen Komplikation unter der Geburt doppelt so hoch. Ältere Erstgebärende haben ein vielfach höheres Risiko. 45 % aller Erstgebärenden müssen laut einer britischen Studie aus dem Jahr 2011 während einer Hausgeburt notverlegt werden. Je mehr natürliche Geburten eine Frau hatte, desto größer ist jedoch die Chance, dass das nächste Kind wieder ohne Probleme auf die Welt kommt.

Das Alter der Schwangeren

Das Alter spielt leider oft eine ziemlich große Rolle dabei, ob eine Geburt ohne Komplikationen abläuft oder nicht. Denn ab 35 steigt die Gefahr, dass Ärzte nachhelfen müssen, auch wenn es vorher schon natürliche Geburten gab. Eine gute körperliche Fitness, gesunde Ernährung und eine positive Einstellung helfen hier umso mehr, dass alles glattläuft.

Risikoschwangerschaft: ja oder nein?

Auch Vorerkrankungen wie Diabetes, Herzprobleme, Bluthochdruck sowie Schwangerschaftsbesonderheiten, wie Schwangerschaftsdiabetes, Infektionen, Fehllagen des Kindes oder der Plazenta u.a. sind sehr ungünstige Voraussetzungen für eine Hausgeburt. Meist lehnen Hebammen die Betreuung in solchen Fällen ohnehin ab. Manchmal vergeben Ärzte den Stempel Risikoschwangerschaft aber auch recht leichtfertig. Sprich am besten mit deiner Hebamme darüber.

Vorangegangener Kaiserschnitt

Bei einem Kaiserschnitt in der Vergangenheit ist das Risiko eines erneuten Kaiserschnitts leider erhöht, vor allem wenn die Geburten nicht weit auseinander liegen. Aber auch sonst kann es dazu kommen, dass sich aufgrund der alten Narben die Plazenta vorzeitig ablöst oder die Gebärmutter zu reißen droht.

Mehrlingsschwangerschaft

Eine Mehrlingsschwangerschaft ist in 99 % der Fälle ein Ausschlussgrund für eine Hausgeburt. Denn in den seltensten Fällen raten Ärzte dazu, die Schwangerschaft 40 Wochen lang auszutragen. Und Frühchen haben in der Regel mehr behandlungsbedürftige Anpassungsschwierigkeiten als zeitgerecht geborene Kinder. Deshalb findet sich auch kaum eine Hebamme, die eine solche Geburt zu Hause begleitet.

Ungünstige Kindslage

Wenn das Kind nicht in Schädelendlage liegt, wird eine natürliche Geburt meist schwerer und das Risiko, dass ein Eingriff nötig wird, steigt. Eine Beckenendlage ist ein guter aber kein zwingender Grund für eine Geburt im Krankenhaus. Bei einer Querlage des Kindes kommst du um das Krankenhaus nicht herum.

Übertragung ohne ärztliche Untersuchung

Je länger ein Kind übertragen wird, desto größer ist die Gefahr, dass es zu Schwierigkeiten bei der Geburt kommt. Deshalb gibt es die Regel, dass die Schwangere bei ET+3 noch einmal von einem Facharzt untersucht werden muss, damit dieser grünes Licht für die Hausgeburt geben kann. Manchmal ist es schwierig, einen zu finden, der sich dazu bereit erklärt. Vorgesehen ist eine normale Untersuchung wie bei der Schwangerschaftsvorsorge (Vitalwerte, Urin, CTG, Ultraschall). Gibt der Arzt sein Okay, wird die Hebamme auch bei Komplikationen keine Schwierigkeiten bekommen. Ansonsten führt sie die Hausgeburt auf eigenes Risiko durch.

Ungünstiger Wohnort

Nicht zuletzt ist es auch wichtig, wo du das Kind gebären willst. Wohnst du in der Nähe eines Krankenhauses und ist deine Wohnung gut zugänglich, ist die Chance größer, dass du bei Komplikationen ohne unnötigen Zeitverlust ins Krankenhaus kommst. Befindet sich deine Wohnung jedoch im vierten Stock ohne Fahrstuhl oder braucht ein Rettungswagen 20 Minuten bis zu dir, ist die Gefahr für dich und dein Kind einfach zu groß.

Hausgeburt: Gut zu wissen

In Deutschland werden im Vergleich sehr wenige Hausgeburten durchgeführt. Tendenz jedoch steigend. Zwei bis drei Prozent der Babys kommen auf diese Art zur Welt. Bei etwa neun von zehn Hausgeburten geht alles gut. Zehn bis siebzehn Prozent der Frauen müssen währenddessen in eine Klinik verlegt werden. Betrachtet man nur Erstgebärende, sogar fast die Hälfte. Bei einem Teil der verlegten Fälle ist dann ein Kaiserschnitt nötig. Bei neun von tausend Babys, die mit einer Hausgeburt zur Welt kommen sollten, kommt es zu schweren Komplikationen. Bei Klinikgeburten in Deutschland dagegen nur bei fünf von tausend.

In den Niederlanden liegt die Hausgeburtenrate bei satten 20 Prozent. Hier ist die Säuglingssterblichkeit nach Hausgeburten jedoch deutlich erhöht. Aber eine niederländische Studie von 2013 legt nahe, dass vollständig gesunde Frauen ohne erhöhtes Geburtsrisiko bei einer Hausgeburt weniger Komplikationen haben, als im Krankenhaus.

🎧 Podcast zur Hausgeburt

In dieser Podcast-Folge erzählt Jessica offen von der Geburt ihres zweiten Kindes & ihrer bewussten Entscheidung, daheim zu entbinden. Sie erzählt, was sie zu diesem Schritt bewogen hat, warum es für werdende Mütter eine Herausforderung sein kann, den eigenen Weg bei der Wahl des Geburtsortes zu gehen und welche Dinge zu einer positiven Geburtserfahrung beitragen können.

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Unser Fazit zur Hausgeburt

Ob du eine Hausgeburt haben möchtest oder nicht, ist immer noch deine Entscheidung. Der Hebammenverband kämpft dafür, dass Hausgeburten als gleichwertige Geburten anerkannt und Frauen in ihrer Entscheidung besser unterstützt werden.

Wenn du alle Fakten kennst und deine persönlichen Voraussetzungen stimmen, kann eine Hausgeburt genau der richtige Weg für dich sein. Ansonsten sind ein Geburtshaus oder das Krankenhaus mit all seinen technischen Möglichkeiten doch die bessere Wahl.

Was sagst du zum Thema Hausgeburt? Hast du selbst eine erlebt? Wir freuen uns über deine Meinung oder einen Erfahrungsbericht in einem Kommentar!

Quellen

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