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Wehen fördern: Was du rund um den Geburtstermin versuchen kannst

Schwangere kreist auf einem Geburtsball mit dem Becken
Sanfte Bewegung kann am Ende der Schwangerschaft guttun, auch wenn sie Wehen nicht sicher auslöst. / Bild © ManuPadilla, Adobe Stock

Am Ende der Schwangerschaft wird das Warten oft schwer. Vielleicht fragst du dich, ob du die Geburt sanft anstupsen kannst. Sicher auslösen lässt sich der Geburtsbeginn zu Hause nicht. Manche Methoden können rund um den Termin unterstützen, andere sind eher traditionell, aber schwach belegt. Und einige solltest du lieber lassen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die meisten Babys kommen nicht genau am errechneten Termin. Ein paar Tage früher oder später sind normal.
  • Ab 41+0 SSW kann eine Geburtseinleitung angeboten werden, ab 41+3 SSW sollte sie empfohlen werden. Ab 42+0 SSW wird eine Einleitung dringend empfohlen.
  • Am ehesten belegt ist die Eipollösung. Sie wird durch eine Hebamme, Frauenärztin oder einen Frauenarzt gemacht.
  • Brustwarzenstimulation kann Wehen fördern, sollte aber nur nach Rücksprache ausprobiert werden. Für Risikoschwangerschaften ist die Sicherheit nicht ausreichend untersucht.
  • Himbeerblättertee, Akupunktur, Sex, Wärme oder Bewegung können manchen Schwangeren guttun. Als sichere Wehenstarter sind sie nicht belegt.
  • Rizinusöl, Wehencocktails, Nelkenöltampons und hochdosierte Kräuter- oder Ölmischungen gehören nicht in den Selbstversuch.

Erst abklären: Wann du keine Experimente machen solltest

Bitte sprich vorher mit deiner Hebamme oder deinem Geburtsteam, wenn du vor dem errechneten Termin bist oder wenn deine Schwangerschaft nicht ganz unkompliziert verläuft. Das gilt besonders bei:

  • Blutungen
  • Blasensprung oder Verdacht auf Fruchtwasserabgang
  • auffälligen Kindsbewegungen
  • Bluthochdruck, Präeklampsie oder Schwangerschaftsdiabetes
  • Plazentaprobleme
  • Beckenendlage
  • Mehrlingen
  • vorangegangenem Kaiserschnitt
  • Fieber, starken Schmerzen oder einem schlechten Bauchgefühl

Bei medizinischen Gründen für eine Einleitung solltest du nicht mit Hausmitteln Zeit überbrücken, sondern dich direkt beraten lassen.

1. Kann unter Umständen helfen, aber bitte mit Rücksprache

Eipollösung

Die Eipollösung ist keine Methode für zu Hause. Sie wird bei einer vaginalen Untersuchung von einer Hebamme, Frauenärztin oder einem Frauenarzt durchgeführt. Dabei wird der untere Bereich der Fruchtblase vorsichtig vom Muttermund gelöst. Das kann körpereigene Prostaglandine freisetzen, also Stoffe, die den Muttermund weicher machen und Wehen anstoßen können.

Cochrane, ein internationales, unabhängiges Forschungsnetzwerk, das Studien zu medizinischen Fragen systematisch auswertet, kommt zu dem Ergebnis, dass nach einer Eipollösung häufiger von selbst Wehen einsetzen und seltener eine formale Einleitung nötig wird. Aber: Die bisherigen Studien liefern Hinweise, sind aber nicht stark genug für eine ganz sichere Aussage.

Wichtig: Die Eipollösung kann unangenehm sein und leichte Blutungen oder unregelmäßige Wehen auslösen. Lass dir vorher erklären, was genau gemacht wird. Du kannst jederzeit ablehnen.

Brustwarzenstimulation

Durch das Stimulieren der Brustwarzen kann dein Körper Oxytocin ausschütten. Oxytocin spielt auch bei Geburtswehen eine wichtige Rolle.

Cochrane fand Hinweise, dass Brustwarzenstimulation bei Schwangeren am Termin häufiger dazu führte, dass innerhalb von 72 Stunden Wehen einsetzten. Gleichzeitig fehlen ausreichende Sicherheitsdaten für Risikoschwangerschaften. Deshalb sollte diese Methode nicht bei Schwangeren mit erhöhtem Risiko angewendet werden.

Sprich vorher mit deiner Hebamme oder Ärztin.

2. Traditionell genutzt oder angenehm, aber schwach belegt

Diese Methoden können sich gut anfühlen, entspannen oder dir das Gefühl geben, selbst etwas tun zu können. Als verlässliche Wehenstarter eignen sie sich aber nicht.

Bewegung und aufrechte Positionen

Spazierengehen, Beckenkreisen oder Sitzen auf dem Geburtsball können angenehm sein. Die aufrechte Haltung kann helfen, dass das Köpfchen besser ins Becken findet. Wenn dein Körper schon bereit ist, kann Bewegung vielleicht unterstützen. Ein Beweis dafür, dass ein Bewegung die Geburt zuverlässig startet, fehlt aber bisher.

Bauchmassage mit Uterusöl

Eine sanfte Bauchmassage kann dir helfen, zur Ruhe zu kommen und dich im eigenen Körper wohler zu fühlen. Ob spezielle Uterus- oder Wehenöle tatsächlich Wehen auslösen, ist wissenschaftlich nicht belegt.

Wichtig: Ätherische Öle sind nicht in jeder Schwangerschaft geeignet und können die Haut reizen. Verwende solche Öle deshalb nur nach Rücksprache mit deiner Hebamme oder deinem Geburtsteam und halte dich an die empfohlene Anwendung

Wärme: Bad, Dusche oder Wärmflasche

Ein warmes Bad oder eine Dusche kann entspannen. Wenn schon leichte Wehen da sind, merkst du manchmal auch besser, ob sie bleiben oder wieder verschwinden. Achte darauf, dass das Wasser nicht zu heiß ist. Bade nicht allein, falls dir schwindelig wird. Nach einem Blasensprung solltest du vorher nachfragen, was jetzt für dich empfohlen wird.

Sex und Orgasmus

Sperma enthält Prostaglandine. Ein Orgasmus kann leichte Kontraktionen der Gebärmutter auslösen. Darum wird Sex rund um den Termin oft als wehenfördernd genannt. Die Studienlage ist aber schwach. Cochrane fand nicht genug Evidenz, um zu sagen, dass Geschlechtsverkehr die Geburt wirklich früher beginnen lässt.

Sex ist nur dann eine Option, wenn du Lust darauf hast und medizinisch nichts dagegenspricht. Verzichte auf Sex bei Blutungen, Blasensprung, Infektionen, Placenta praevia, vorzeitigen Wehen oder wenn dein Geburtsteam aus anderen Gründen davon abgeraten hat.

Akupunktur und Akupressur

Viele Hebammenpraxen und Kliniken bieten geburtsvorbereitende Akupunktur an. Manche Schwangere empfinden sie als wohltuend oder beruhigend. Für das gezielte Auslösen von Geburtswehen ist die Wirkung nicht sicher belegt. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) fand keine belastbaren Aussagen zu Nutzen oder Schaden von Akupunktur und Akupressur zur Geburtseinleitung.

Wenn du Akupunktur ausprobieren möchtest, dann nur bei einer qualifizierten Fachperson mit Erfahrung in der Schwangerschaft.

Himbeerblättertee

Himbeerblättertee ist ein gutes Beispiel für das Spannungsfeld zwischen traditioneller Hebammenarbeit und Evidenz. Viele kennen ihn aus der Geburtsvorbereitung. Manche Hebammen erwähnen ihn weiterhin, andere raten inzwischen klar davon ab oder empfehlen ihn nicht mehr aktiv.

Dem Tee wird nachgesagt, dass er Gewebe und Muttermund auf die Geburt vorbereiten kann. Gut belegt ist das bisher nicht. Eine systematische Übersichtsarbeit kam zu dem Ergebnis, dass die Evidenz schwach ist und Humanstudien bislang keinen klaren Nutzen gezeigt haben. 

Achtung: Bei Schwangerschaftsdiabetes, Medikamenteneinnahme, Blutgerinnungsproblemen, Vorerkrankungen, ausgeprägter Bindegewebsschwäche oder Schwangerschaftskomplikationen solltest du ihn nicht ohne Rücksprache trinken.

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Gewürze, scharfes Essen und Ananas

Zimt, Ingwer, Nelken, Chili oder Ananas werden oft genannt, wenn es um Wehenförderung geht. In normalen Lebensmittelmengen ist vieles unproblematisch, wenn du es gut verträgst.

Eine sichere wehenfördernde Wirkung ist aber nicht belegt. Hochdosierte Gewürztees, Extrakte oder ätherische Öle sind etwas anderes als normales Essen. Lass solche Mischungen weg oder sprich vorher mit deiner Hebamme.

3. Bitte nicht auf eigene Faust

Rizinusöl und Wehencocktail

Rizinusöl kann starke Darmkrämpfe, Durchfall, Übelkeit und Kreislaufprobleme auslösen. Manche Wehencocktails enthalten zusätzlich Alkohol, der in der Schwangerschaft tabu ist.

Die deutsche Leitlinie sagt klar: Rizinusöl soll nicht ambulant zur Geburtseinleitung angewendet und nur im Rahmen von Studien eingesetzt werden. Auch Cochrane bewertet die Datenlage als unzureichend: In den untersuchten Studien berichteten alle Frauen, die Rizinusöl einnahmen, von Übelkeit.

Nelkenöltampons und Nachtkerzenöl vaginal

Bitte führe keine Nelkenöltampons oder Kapseln vaginal ein, wenn du dir nicht vorher das OK deiner Hebamme oder Ärztin geholt hast. Das kann die Schleimhäute reizen, die Dosierung ist unklar, und die Wirkung ist nicht ausreichend untersucht.

Hochdosierte Kräutertees, ätherische Öle und Internet-Rezepte

„Natürlich“ heißt nicht automatisch harmlos. Pflanzenstoffe können in hoher Dosis stark wirken, Nebenwirkungen haben oder mit Medikamenten wechselwirken. Verwende ätherische Öle nicht innerlich. Mische dir keine Wehentees nach Internet-Rezept. Und steigere Kräuter, Gewürze oder Öle nicht gezielt in hoher Menge, um Wehen zu provozieren. 

Treppen-Marathon und Extrembelastung

Bewegung darf guttun. Erschöpfung hilft dir aber nicht in die Geburt. Wenn du dich kurz vor der Geburt völlig verausgabst, fehlen dir später womöglich Reserven. Besser: kurze Spaziergänge, Pausen, Essen, Trinken, Schlaf und liebevolle Ablenkung.

Warnsignale, die du bitte abklären lässt

Bitte kontaktiere deine Hebamme, deine Geburtsklinik oder ärztliche Hilfe, wenn:

  • du dein Baby deutlich weniger oder gar nicht spürst
  • Fruchtwasser abgeht
  • du Blutungen hast
  • du starke Kopfschmerzen, Sehstörungen oder Oberbauchschmerzen bekommst
  • du Fieber hast oder dich sehr krank fühlst
  • die Wehen sehr häufig, sehr stark oder ungewöhnlich schmerzhaft sind
  • du ein schlechtes Bauchgefühl hast

Fazit

Rund um den Geburtstermin ist es verständlich, dass du selbst etwas tun möchtest. Wirklich zuverlässig lassen sich Geburtswehen zu Hause aber nicht auslösen.

Am sinnvollsten ist eine ehrliche Einordnung: Eipollösung und Brustwarzenstimulation können unter bestimmten Umständen helfen, gehören aber in fachliche Begleitung. Bewegung, Wärme, Sex, Akupunktur oder Himbeerblättertee können sich gut anfühlen, sind als Wehenstarter aber schwach belegt. Rizinusöl, Wehencocktails, Nelkenöltampons und hochdosierte Pflanzenmittel solltest du lassen.

Kurz vor der Geburt ist nicht mehr Aktion immer besser. Oft hilft am meisten: gut betreut bleiben, Kräfte sammeln und bei Unsicherheit früh nachfragen.

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Häufige Fragen zum Thema Wehen fördern & anregen

Ab wann kann ich die Wehen anregen?

Natürlich ist es verständlich, dass du gegen Ende der Schwangerschaft unheimlich gerne endlich mit dem lang ersehnten Nachwuchs kuscheln möchtest. Bedenke dennoch, dass alle Mittel, die Wehen zu fördern, erst dann helfen, wenn dein Baby auch geburtsbereit ist. Du solltest daher nicht versuchen, schon in der 37. SSW die Geburt zu beschleunigen. Auch die 38. und 39. SSW sind noch zu früh, um Wehen auszulösen. Erst ab SSW 40+0, also ab dem errechneten Entbindungstermin, ist der richtige Zeitpunkt, um darüber nachzudenken, ob und wie du die Geburt anregen kannst.

Warum sollte ich Wehen auslösen?

Viele Krankenhausärzte raten bereits bei ET+7 (SSW 41+0) zur Einleitung. Spätestens bei ET+10 (SSW 41+3) wird dir vielleicht auch deine Ärztin die Einleitung durch Medikamente empfehlen. Viele schwangere Frauen haben Angst davor, bei Terminüberschreitung die Geburt künstlich einzuleiten. Du auch? Dann kannst du zunächst versuchen, die Wehen durch natürliche Hausmittel auszulösen. Zwar gibt es keine wissenschaftlichen Belege für deren Wirksamkeit, aber in Absprache mit deiner Hebamme kann es sich lohnen, sie auszuprobieren.

Eine Terminüberschreitung ist aber erst einmal nichts Besorgniserregendes. Du kannst gut und gerne einfach abwarten. Die wenigsten Kinder kommen tatsächlich am errechneten Entbindungstermin zur Welt. Und bevor dein Baby nicht bereit ist, kann kein noch so angepriesener Geheimtipp die Geburt auslösen.

Wie schnell kann ich Wehen auslösen?

Bei unseren Tipps handelt es sich in erster Linie um sanfte Methoden zum Wehen fördern. Es kann ein paar Tage dauern, bis sie ihre Wirkung entfalten. Sofern sie bei dir überhaupt wirkungsvoll sind. Manchmal ist es einfach zu früh für die Geburt.

Daher noch einmal ganz klar: Nicht jeder Tipp wird bei jeder Schwangeren Wehen auslösen.

Gibt es auch eine Methode, mit der ich die Wehen sofort auslösen kann?

Die sanften Methoden helfen nur, wenn dein Körper und das Ungeborene bereit für die Geburt sind. Natürliche Mittel zum Wehen fördern entfalten ihre Wirkung erst dann, wenn der mütterliche und der kindliche Körper soweit sind. Und auch dann wirken sie nicht unmittelbar. Es kann ein bis zwei Tage dauern, bis sie ihre Wirkung entfalten.

Wehen fördern nach Blasensprung: Welche Methoden eignen sich?

Bewegung kann die Wehen nach einem Blasensprung fördern. Vielleicht wird man dir im Krankenhaus zu einem Spaziergang oder zum Treppensteigen raten.

Wichtig: Geschlechtsverkehr ist nun nicht mehr angeraten. Bakterien könnten ins Fruchtwasser gelangen. Das Risiko einer Infektion ist nach einem Blasensprung zu groß.

Was du sonst beachten musst, kannst du in unserem Artikel zum Thema Blasensprung nachlesen.

Ich habe versucht, nach dem Geburtstermin die Wehen anzuregen, aber es klappt nicht? Woran liegt es?

Generell gilt: Alle oben genannten Methoden helfen nur, wenn dein Körper und dein ungeborenes Baby bereit für die Geburt sind. Der errechnete Geburtstermin stimmt nur selten mit dem tatsächlichen Geburtstermin überein.

Kann eine Muttermundmassage Wehen auslösen?

Die Muttermundmassage gilt als Geheimtipp, um Wehen ohne Medikamente auszulösen. Wichtig: Sie sollte immer nur von medizinischem Fachpersonal durchgeführt werden. Die Ärztin oder Hebamme massiert dabei sanft den Muttermund und versucht, den Eipol abzulösen. Sie probiert also, die Fruchtblase mit der Hand vom Gebärmutterrand zu lösen. Die Stimulation des Muttermundes führt dann dazu, dass Oxytocin ausgeschüttet wird. Gleichzeitig setzt die Eipolablösung Prostaglandine aus der Eihaut frei. Prostaglandine lassen den Gebärmutterhals weicher werden. Dadurch kann sich der Muttermund öffnen.

Muttermundmassagen können ein guter Anstoß für die Geburt sein. Aber sie sind mitunter schmerzhaft. Falls du dich unwohl fühlst, kannst du die Massage jederzeit abbrechen.

Weitere gute medizinische, aber nicht medikamentöse Methoden, die Wehen auszulösen, kannst du unserem Artikel zur Geburtseinleitung entnehmen.

Kann Rotwein Wehen auslösen?

Nein! Es ist ein Mythos, dass in der 40. SSW ein Glas Rotwein wehenfördernd wirkt. Es gibt hier keine wissenschaftlichen Belege. Außerdem gilt auch in den letzten Tagen der Schwangerschaft: Alkohol ist tabu!

478091cb89b44def9a6281854e46bca1 - Wehen fördern: Was du rund um den Geburtstermin versuchen kannst

Quellen

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✔ Inhaltlich geprüft am 02.07.2026
Dieser Artikel wurde von Emely Hoppe geprüft. Wir nutzen für unsere Recherche nur vertrauenswürdige Quellen und legen diese auch offen. Mehr über unsere redaktionellen Grundsätze, wie wir unsere Inhalte regelmäßig prüfen und aktuell halten, erfährst du hier.

Veröffentlicht von Anke Modeß

Anke ist Berlinerin und Mutter eines Schulkindes. Als langjährige babelli-Redakteurin, Journalistin und Coachin für Kinder, Jugendliche und Eltern liegen ihr Elternthemen besonders am Herzen.