Close Babelli.deBabelli.de

Ist Zimt in der Schwangerschaft bedenklich? 

Zimt in der Schwangerschaft

Nicht nur zur Weihnachtszeit ist Zimt ein beliebtes Gewürz, dem viele positive Eigenschaften nachgesagt werden. Doch seit einigen Jahren gibt es auch Warnungen zum Verzehr. Keine Sorge, auf Zimt in der Schwangerschaft musst du trotzdem nicht gänzlich verzichten. Alles, was du zu diesem Thema wissen musst, fassen wir für dich zusammen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Zimt ist in üblichen Mengen nicht gesundheitsgefährdend für dich oder dein Baby.
  • Das Bundesinstitut für Risikobewertung warnt aber vor zu großen Mengen des enthaltenen Aromastoffs Cumarin. Dafür gibt es gesetzliche Grenzwerte und Empfehlungen.
  • Ceylon-Zimt und Zimtstangen enthalten weniger Cumarin als das übliche Cassia-Zimtpulver.
  • Vorsicht bei Zimtaldehyd! Es wirkte in Tierversuchen fruchtschädigend. Der Aromastoff kann in Kosmetika und Nahrungsergänzungsmitteln stecken.
  • Dafür, dass Zimt Wehen auslösen kann, gibt es bisher keine wissenschaftlichen Belege.

Zimt: Schwangerschaft muss nicht Verzicht bedeuten

Das morgendliche Porridge mit einem Hauch Zimt verfeinern, heißen Früchtetee mit einer feinen Zimtnote genießen oder zur Weihnachtszeit Zimtgebäck naschen – auf all das brauchst du während der Schwangerschaft nicht verzichten. Zimt ist im üblichen Maß (!) nicht gesundheitsschädigend oder gefährlich für dich und dein Baby.

Das Gewürz hat sogar potenziell positive Effekte auf unseren Körper. Es kann offenbar den Blutzuckerspiegel und die Cholesterinwerte senken. Zudem wirkt Zimt antibakteriell und schmerzlindernd. Ein weiterer Pluspunkt für Betroffene des polyzystischen Ovarialsyndroms (PCOS): Zimt scheint bei ihnen den Zyklus positiv zu beeinflussen und den Eisprung zu fördern.

Trotzdem: Es gibt tatsächlich Warnungen des Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), was die Verzehrmenge von Zimt angeht. Diese betreffen Schwangere genauso wie nicht schwangere Personen. Dabei wird jedoch nicht vor Zimt an sich gewarnt, sondern vor den enthaltenen Aromastoffen Cumarin (Kumarin) und Zimtaldehyd, das beispielsweise in Kosmetika und Nahrungsergänzungsmitteln zum Einsatz kommt.

Cassia-Zimt vs. Ceylon-Zimt

Dazu musst du wissen, dass es verschiedene Zimtsorten gibt: den hochwertigen Ceylon-Zimt aus Sri Lanka und der intensiver schmeckende Cassia-Zimt aus Indonesien. Letzterer wird auf dem Weltmarkt meist günstiger gehandelt und ist deshalb weiter verbreitet. Auch in Deutschland ist der Verkauf und Verzehr von Cassia-Zimt üblich. Du kannst davon ausgehen, dass hierzulande in Zimt-Gewürzen und -Produkten immer Cassia-Zimt steckt, wenn nicht explizit Ceylon-Zimt draufsteht.

Das Problem: Cassia-Zimt enthält höhere Dosen Cumarin im Vergleich zu Ceylon-Zimt. Das bewies unter anderem eine Untersuchung der Stiftung Warentest 2007. In großen Mengen kann Cumarin Leberschäden verursachen, im Extremfall sogar Hepatitis auslösen. Deshalb gibt es seit 2011 EU-weit gesetzliche Grenzwerte für Cumarin in verzehrfertigen, zimthaltigen Speisen.

Gesetzliche Grenzwerte für zimthaltige Lebensmittel

  • Traditionelle und/oder saisonale Backwaren, bei denen Zimt in der Kennzeichnung angegeben ist: 50 mg/kg
  • Frühstücksgetreideerzeugnisse einschließlich Müsli: 20 mg/kg
  • Feine Backwaren außer traditionelle und/oder saisonale Backwaren, bei denen Zimt in der Kennzeichnung angegeben ist: 15 mg/kg
  • Dessertspeisen: 5 mg/kg
<span style="align:center; font-size: 18px">Video-Empfehlung:</span> <style> native-player { aspect-ratio: 16/9; display: block; } </style> <script type="text/javascript" src="//syndication.target-video.com/native-player.js" async=""></script> <native-player></native-player>

Zudem haben das BfR und die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA eine täglich tolerierbare Aufnahmemenge (TDI) von Cumarin festgelegt, an denen man sich als Verbraucher orientieren kann. Demnach wäre eine tägliche Aufnahme von maximal 0,1 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht unbedenklich. Da man den Cumaringehalt im Zimt nicht einschätzen kann, bezieht man sich bei der empfohlene Höchstmenge direkt auf Zimt als Gewürz.

Mehr zum Thema

Was bedeutet das also für dich als Schwangere?

Zunächst einmal brauchst du dir keine Sorgen machen, wenn du nicht täglich riesige Mengen an Zimt zu dir nimmst – und das ist doch recht unwahrscheinlich. Mit einer Zimtschnecke, ein paar Zimtsternen oder der üblichen Portion Zimt im Milchreis erreichst du die Grenzwerte nicht. Das BfR hat ausgerechnet, dass eine 60 Kilogramm schwere Person pro Tag etwa 24 kleine Zimtsterne essen könnte, bevor es bedenklich wird. Das ist schon eine beträchtliche Menge und wird so wohl kaum täglich auf deinem Speiseplan stehen. Nicht zuletzt wegen des hohen Zucker- und Fettgehalts in Gebäck und Süßspeisen solltest du ohnehin eher zurückhaltend davon naschen.

Lieber Ceylon-Zimt oder Zimststangen verwenden

Und selbst, wenn du den Grenzwert an einem Tag überschritten haben solltest, musst du keine Folgen fürchten. Die Warnungen beziehen sich wirklich auf den täglichen Verzehr solch hoher Zimtmengen. Möchtest du lieber auf Nummer sicher gehen, kannst du in deinem Haushalt auf die weniger belasteten Zimststangen oder Ceylon-Zimtpulver umsteigen. Hast du bereits Kinder, ist das auch für sie die bessere Wahl. Denn bei Kindern ist wegen ihres geringen Körpergewichts die TDI viel geringer als bei Erwachsenen. Im Beispiel mit den Zimtsternen würde ein 15 Kilogramm schweres Kleinkind mit 6 Keksen schon an die Grenzwerte heranreichen.

Mehr zum Thema

Vorsichtig sein bei Kosmetika!

Zimt kann jedoch auch in Kosmetika stecken. Wegen seiner antibakteriellen Wirkung wird es gern in Ölen und Lotionen verwendet. Auch über die Haut kann Cumarin aufgenommen werden und zählt damit zur täglichen „Verzehr“-Menge.

Warum du bei Kosmetika aber doppelt vorsichtig sein und die Inhaltsstoffe genau checken solltest: Darin steckt häufig Zimtaldehyd. In Tierversuchen zeigte sich, dass dieser Inhaltsstoff in der Schwangerschaft zu Schäden am Ungeborenen führen kann. Verzichte daher vorsichtshalber auf Produkte, die Zimtaldehyd enthalten.

Achtung: In der Schwangerschaft keine Zimtkapseln nehmen!

Worauf du außerdem verzichten solltest, sind Nahrungsergänzungsmittel mit Zimt. Da die enthaltene Menge Cumarin darin schlecht bewertet werden kann, besteht hier schnell die Gefahr einer Überdosierung. Das betrifft hauptsächlich Zimtkapseln für Diabetiker.

Leidest du an Diabetes mellitus Typ 2 oder Schwangerschaftsdiabetes, solltest du trotz aller Werbeversprechen die Finger von frei verkäuflichen Zimtkapseln lassen. Zum einen gibt es keine fundierten Wirkbelege für Nahrungsergänzungsmittel mit Zimt, zum anderen sind andere Wirkstoffe und deren Gefahrenpotenzial weitaus besser erforscht. Dein Arzt oder deine Ärztin können dich dazu beraten.

Weiterhin ist in solchen Zimtkapseln mitunter Zimtaldehyd enthalten, um das du in der Schwangerschaft einen großen Bogen machen solltest.

Kann Zimt Wehen auslösen?

Um die Wehen zu fördern und so die Geburt auf natürlichem Weg einzuleiten, empfehlen Hebammen gern Zimttee. Leider gibt es bisher keine wissenschaftlichen Belege für eine wehenfördernde Wirkung von Zimt. Die Empfehlung basiert eher auf Erfahrungswerten von Hebammen und anderen Geburtshelfern, die von Generation zu Generation weitergegeben wurden.

Ist der errechnete Geburtstermin erreicht oder überschritten, kann der Versuch, die Wehen mit Zimttee auszulösen, zumindest nicht schaden. Gieße dafür heißes Wasser über ein paar Zimtstangen und lasse den Tee 10 Minuten ziehen. Danach kannst du ihn schluckweise trinken.

Allerdings brauchst du keine Angst davor haben, dass Zimt etwa vorzeitige Wehen auslösen und so vielleicht eine Frühgeburt provozieren könnte. Die aktuelle Studienlage gibt keinerlei Hinweise darauf, dass der Verzehr von Zimt in der Schwangerschaft solche Auswirkungen haben könnte.

Mehr zum Thema

Hast du noch Fragen zum Thema Zimt in der Schwangerschaft? Dann schreib uns gern einen Kommentar!

672efc21cc48447e8383521005d7012a - Ist Zimt in der Schwangerschaft bedenklich? 

Quellen

✔ Inhaltlich geprüft am 23.12.2022
Dieser Artikel wurde von Emely Hoppe geprüft. Wir nutzen für unsere Recherche nur vertrauenswürdige Quellen und legen diese auch offen. Mehr über unsere redaktionellen Grundsätze, wie wir unsere Inhalte regelmäßig prüfen und aktuell halten, erfährst du hier.

Veröffentlicht von Carolin Severin

Carolin ist Mama einer Tochter im Kindergartenalter und leidenschaftliche Familien-Redakteurin. Sie beschäftigt sich schon seit 10 Jahren hauptberuflich mit allem, was (werdende) Eltern interessiert. Bei Babelli versorgt sie euch mit Informationen und News rund ums Thema Schwangerschaft. Dabei ist es ihr besonders wichtig, komplexe medizinische Themen verständlich und sensibel aufzubereiten und dabei möglichst Sorgen und Ängste zu nehmen. Dafür arbeitet sie eng mit unserer Expertin Hebamme Emely Hoppe zusammen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert