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Vorzeitige Wehen erkennen: So fühlen sich Frühwehen an

Vorzeitige Wehen erkennen: So fühlen sich Frühwehen an

Inhaltlich geprüft von Hebamme Emely Hoppe.

Wehen schon Wochen vor dem Geburtstermin? Gar nicht so ungewöhnlich. Und meistens auch nicht besorgniserregend, solange es sich um harmlose Übungswehen handelt. Echte Frühwehen können dagegen problematisch werden. Wie du vorzeitige Wehen erkennen kannst und welche Möglichkeiten es gibt, ihnen entgegenzuwirken.

Das Wichtigste in Kürze

  • Vorzeitige Wehen (Frühwehen) verkürzen den Gebärmutterhals, sodass das Risiko für eine Frühgeburt steigt.
  • Um vorzeitige Wehen zu erkennen, gilt die Faustregel: 3 Kontraktionen für mindestens 30 Sekunden innerhalb von 30 Minuten.
  • Zur Behandlung werden u.a. Progesteron, Magnesium, Bryophyllum und Ruhe verordnet.
  • Oft sind Scheideninfektionen der Auslöser, häufig sind die Gründe aber auch unbekannt.
  • Bei Verdacht auf Frühwehen solltest du umgehend ärztlichen Rat einholen!
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Vorzeitige Wehen oder Übungswehen?

Habe ich vorzeitige Wehen oder harmlose Übungswehen? Diese Frage stellen sich fast alle Frauen im Verlauf ihrer (ersten) Schwangerschaft. Übungswehen sind in der zweiten Schwangerschaftshälfte völlig normal und kein Grund zur Sorge. Sie trainieren die Gebärmutter und bereiten sie auf die Geburt vor. Sie haben jedoch keinen Einfluss auf die Schwangerschaft. 

Anders sieht es mit vorzeitigen Wehen aus. Sie wirken auf den Gebärmutterhals und Muttermund und können zu einer Frühgeburt führen. Daher ist es wichtig, beide Wehenarten voneinander zu unterscheiden. 

Wie fühlen sich vorzeitige Wehen an?

Bei Wehen zieht sich die Gebärmuttermuskulatur zusammen. Als Folge davon wird der Bauch hart. Ob dies mit Schmerzen oder Druck verbunden ist, hängt von der Art der Wehe ab. 

Übungswehen sind schmerzlos, unregelmäßig und können auch nur einseitig auftreten. Bei Ruhe normalisiert sich der Bauch normalerweise schnell wieder. Vorzeitige Wehen können dagegen mit Schmerzen einhergehen. Sie treten regelmäßig in kürzer werdenden Abständen auf, betreffen den ganzen Bauch und lassen auch bei Entspannung nicht nach.

Da die Schmerzsensibilität von Frau zu Frau verschieden ist, können sie mehr oder weniger stark empfunden werden. Gerade in der ersten Schwangerschaft, in der die Erfahrung von echten Wehen noch fehlt, können Schwangere leicht verunsichert sein, ob ihre Kontraktionen harmlos oder ernster sind.

So kannst du selbst vorzeitige Wehen erkennen

Wehen sind „vorzeitig“, wenn sie vor Vollendung der 37. SSW auftreten. Eine genaue Definition gibt es nicht, aber einige Anzeichen, die für vorzeitige Wehen sprechen:

  • Mehr als 3 Kontraktionen von mindestens 30 Sekunden in 30 Minuten 
  • oft: ziehende oder stechende Schmerzen im Unterleib
  • oft: stechende Rückenschmerzen oder Druck im Bereich des Schambeins
  • auch möglich: Druckgefühl im Becken („Druck nach unten“) sowie
  • auch möglich: wässriger oder blutiger Scheidenausfluss.

Vermutest du vorzeitige Wehen oder bist dir unsicher, dann lass deine Symptome vorsichtshalber zeitnah in der gynäkologischen Praxis abklären. 

So erkennt der Arzt oder die Ärztin vorzeitige Wehen

Bei Verdacht auf Frühwehen wird dein Frauenarzt, deine Frauenärztin oder deine Hebamme dich gründlich untersuchen. Es hilft ihm oder ihr, wenn du deine Symptome genau beschreiben kannst und die Regelmäßigkeit der Kontraktionen im Vorfeld beobachtet hast. Wahrscheinlich wirst du eine Weile an den Wehenschreiber (CTG oder Tokogramm) angeschlossen, um die Wehentätigkeit und die Herzaktivität deines Babys zu kontrollieren. Außerdem wird der dich auf eine mögliche Scheideninfektion untersuchen.

Zur Abklärung werden auch dein Gebärmutterhals (Zervix) und Muttermund kontrolliert. Ist der Gebärmutterhals verkürzt, das Gewebe des Muttermunds gelockert oder bereits geöffnet, spricht das für vorzeitige Wehen. In dem Fall wäre das Risiko für eine Frühgeburt erhöht. Wie hoch es genau ist, hängt unter anderem vom Zustand der Zervix ab.

Wie geht es weiter?

Ist der Gebärmutterhals noch nicht verkürzt, kannst du vorerst aufatmen. Dann lautet das oberste Ziel: die Frühwehen stoppen, um die Schwangerschaft so lange wie möglich aufrechtzuerhalten.

Ist die Zervix aber bereits verkürzt und es steht der Verdacht auf eine baldige Geburt im Raum, können Arzt, Ärztin oder Hebamme einen Fibronektin-Test erwägen. Dabei wird die Konzentration dieses speziellen Proteins im Vaginalsekret gemessen. Das geht mit einem Abstrich ganz einfach und schmerzlos. Ist die Zervix verkürzt und Fibronektin im Sekret nachweisbar, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es innerhalb der nächsten 7 Tage zur Geburt kommt. In dem Fall würden je nach Schwangerschaftswoche sofort Maßnahmen getroffen werden, um die Frühgeburt zu verzögern und das Baby bestmöglich auf die Geburt vorzubereiten.

Was tun bei vorzeitigen Wehen?

Leider gibt es kein Patentrezept für die Behandlung von Frühwehen. Was sie stoppen kann, hängt von vielen Faktoren ab, insbesondere vom Auslöser. Je nachdem, ob dieser bekannt und behandelbar ist, können verschiedene Maßnahmen helfen – oder im schlechtesten Fall auch keine. 

  • Solange die Zervixlänge noch im grünen Bereich ist und es keine unmittelbare Gefahr für eine Frühgeburt gibt, kannst du versuchen, dich einige Tage besonders zu schonen und zu entspannen. Verzichte auch auf Geschlechtsverkehr, da dieser Wehen auslösen könnte. Eine strikte Bettruhe muss nicht sein, das sehen auch die medizinischen Leitlinien nicht mehr vor. Trotzdem kann es helfen, wenn du viel liegt und alles bewusst ruhiger angehen lässt. Bei vorzeitigen Wehen ist es üblich, dass du zumindest krankgeschrieben wirst oder direkt ein Beschäftigungsverbot ausgesprochen wird.

Schonung mit quirligem Geschwisterkind im Haus? Leichter gesagt als getan. Gut zu wissen: Im Fall von Schwangerschaftskomplikationen hast du oft Anspruch auf eine kostenlose Haushaltshilfe.

  • Vielleicht verordnet dir dein Frauenarzt oder deine Hebamme auch die Einnahme von Magnesium-Präparaten. Sie sollen die Gebärmuttermuskulatur entspannen. Ein weiteres Präparat, was Hebammen gern empfehlen, ist Bryophyllum (Keimzumpe). Seine entkrampfende Wirkung soll Wehen hemmen können. In einigen Studien zeigte es auch Erfolge. Frage am besten deine Hebamme nach der richtigen Anwendung und Dosierung.
  • Wurde eine bakterielle Infektion bei dir nachgewiesen, wird diese mit Antibiotika behandelt, um die vorzeitigen Wehen bestenfalls zu stoppen. 
  • Ist dein Gebärmutterhals bereits verkürzt, wirst du vermutlich Progesteron zu dir nehmen müssen, meist in Form von Vaginalkapseln oder -gelen. Progesteron beruhigt die Gebärmuttermuskulatur und kann das Frühgeburtsrisiko um bis zu 50 Prozent senken. Zusätzlich kann in bestimmten Situationen ein Muttermundverschluss durch eine Cerclage oder einen Pessar infrage kommen. Gegen vorzeitige Wehen helfen diese Maßnahmen allerdings nicht.
  • Droht eine Frühgeburt zwischen SSW 24+0 und SSW 34+0, können als letzte Maßnahme medikamentöse Wehenhemmer (Tokolyse) zum Einsatz kommen. Ihr Ziel ist es, die Geburt hinauszuzögern, bis die medikamentöse Lungenreife-Behandlung deines Babys abgeschlossen werden konnte. Eventuell muss die gewonnene Zeit auch genutzt werden, um dich in eine spezialisiertere Klinik zu verlegen. Normalerweise werden Wehenhemmer (Tokolytika) nicht länger als 48 Stunden angewendet.

Vorzeitige Wehen: Wann ins Krankenhaus?

Es ist wichtig, dass du dir bei vorzeitigen Wehen umgehend ärztlichen Rat einholst. Manchmal ist es nötig, dass du auch für zeitweise stationär behandelt wirst. Insbesondere, wenn die Zervix bereits stark verkürzt ist und bisher nichts geholfen hat, die vorzeitigen Wehen zu stoppen.

Ein Krankenhausaufenthalt ist sicher nie besonders schön. Er kann aber auch dafür sorgen, dass du zwangsweise zur Ruhe kommst. Denn nicht immer ist das zu Hause möglich. Außerdem bist du in der Klinik in professionellen Händen. Versuche dich also nicht allzu sehr darüber zu sorgen oder ärgern. Das würde die Frühwehen im Zweifel nur fördern. Versuche, die Zeit bewusst zum Entspannen zu nutzen. Gespräche mit dem Pflegepersonal, den Hebammen und dem Ärzte-Team können Ängste und Zweifel nehmen. Bei Bedarf steht in der Klinik auch psychologische Unterstützung bereit.

Mögliche Auslöser vorzeitiger Wehen

Wenn die Schwangerschaft nicht so verläuft, wie erwartet, kann das zu Verunsicherung und Frust führen. So auch bei vorzeitigen Wehen. Sicher fragst du dich auch, warum dich dieses Übel erwischt. Häufig sind und bleiben die Ursachen und Auslöser jedoch unbekannt. Risikofaktoren für Frühwehen sind aber unter anderem:

  • Alter der Mutter (< 18 Jahre, > 35 Jahre)
  • Infektion der Scheide, aber auch des Zahnfleischs und anderer Organe
  • Funktionsstörungen der Gebärmutter oder Plazenta
  • Fehlbildungen des Kindes
  • zu viel Fruchtwasser
  • eine Gebärmutterhalsschwäche (Zervixinsuffizienz)
  • Stress, sowohl körperlich als auch psychisch
  • Rauchen in der Schwangerschaft
  • vorausgegangene Frühgeburten
  • Mehrlingsschwangerschaft

Um vorzeitigen Wehen vorzubeugen, solltest du von Schwangerschaftsbeginn an auf einen gesunden Lebensstil achten, die Vorsorgetermine wahrnehmen und dich in dieser besonderen Zeit nicht überlasten. 

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Quellen

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