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Mikroplastik: Die unsichtbare Gefahr und wie du deine Familie schützen kannst

Eine kürzlich veröffentlichte Studie der WWF deckt auf: Jeder Mensch isst wöchentlich eine Kreditkarte in Form von Mikroplastik. Plastikpartikel, die kleiner als 5 mm sind, befinden sich in unserer Nahrung, im Trinkwasser und in der Luft. Was das für den menschlichen Organismus bedeutet, ist unklar. Gesund ist es sicher nicht und gerade Babys und Kinder reagieren besonders empfindlich auf schädliche Umwelteinflüsse. Aber wie können wir sie schützen?

Jeder Mensch nimmt pro Woche bis zu 5 Gramm Mikroplastik aus der Nahrung, Luft und Trinkwasser zu sich. Die reale Zahl liegt wahrscheinlich noch höher. In den Forschungen wurde Fisch beispielsweise gar nicht berücksichtigt. Auch Mikropartikel, die auf anderen Wegen in den Organismus gelangen könnten, zum Beispiel über Kosmetika und Spielzeuge fallen nicht in die Analyse. Zwar gibt es keine konkreten Zahlen für Deutschland. Aber das Land, welches zu den größten Kunststoffherstellern weltweit gehört, wird sicher nicht verschont von der Plastikverschmutzung.

Wie gelangt Mikroplastik in die Umwelt?

Mikroplastik verbirgt sich fast überall und es ist technisch kaum möglich, die winzigen Teilchen aus der Natur zu entfernen. Häufig zitierte Beispiele sind Kosmetika und Synthetikfasern aus Textilien. Analysen des Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheit, und Energietechnik Umsicht haben folgende Liste der Topverursacher von Mikoplastik in der Umwelt erstellt:

  • Abrieb von Polymeren und Bitumen in Asphalt
  • Pelletverluste (kleine Kunststoffteilchen) zum Beispiel in der Kunststoffherstellung
  • Verwehungen von Sport- und Spielplätzen
  • Freisetzung auf Baustellen
  • Abrieb von Schuhsohlen
  • Kunststoffverpackungen 
  • Fahrbahnmarkierungen
  • Faserabrieb bei der Textilwäsche zum Beispiel beim Waschen

Drei Viertel des Plastiks, das in Deutschland in die Umwelt gelangt, ist Mikroplastik – Teilchen, die mit bloßem Auge kaum zu erkennen sind. Nur ein Viertel sind größere Kunststoffteile wie Verpackungen. Mikroplastik gelangt ins Wasser, in unsere Böden und somit in die Nahrungsmittelkette.

Wie gelangt Mikroplastik in den Körper?

Über unser Trinkwasser, Nahrung und sogar beim Atmen gelangen kleine Plastikteilchen in den menschlichen Organismus. Wie viele Partikel tatsächlich vom Körper aufgenommen werden und welchen Schaden sie im Körper anrichten, ist bislang nicht ausreichend erforscht. Doch die Zahlen sind alarmierend. Im globalen Durchschnitt nimmt jeder Mensch pro Tag 1769 Partikel allein durch Trinkwasser auf. Vermutlich fällt diese Zahl in Deutschland geringer aus. In Indien und den USA ist die Plastikverschmutzung des Trinkwassers doppelt so hoch, wie in Europa.

Eine Österreichisches Forscherteam fand 2018 in einer kleinen Untersuchung Plastikpartikel in den Stuhlproben aller acht Teilnehmer. Alle hatten während des einwöchigen Testzeitraums in Kunststoff verpackte Lebensmittel und Getränke konsumiert. Die häufigsten gefundenen Teilchen waren PP und PET.

Noch ist unklar, wie sich Mikroplastik im menschlichen Organismus auswirkt. Studien an Fischen und Säugetieren haben Partikel in der Blutbahn, den Lymphgefäßen und der Leber nachgewiesen. Bei Fischen und Vögeln haben Forscher eine Veränderung der Darmzotten, Störungen bei der Eisenaufnahme und Leber-Hirn-Störungen nachgewiesen.

Mikroplastik auch in Babyprodukten

Viele Eltern nehmen an, dass Babyprodukte aufgrund strenger Kontrollen grundsätzlich keine bedenklichen Stoffe enthalten. Doch das ist leider ein Irrglaube. Mikroplastik ist nicht verboten und findet sich beispielsweise in vielen Kosmetikprodukten. Der BUND Einkaufsratgeber listet Kosmetika auf, in denen bedenkliche Kunststoffe nachgewiesen wurden. Drin finden wir unter anderem die Wasch- und Duschcreme von Penaten, das Bübchen Babyshampoo sensitiv und Körper und das Hipp Babysanft Pflegebad.

Mikroplastik in Babyprodukten
Quelle: codecheck.de

Auch unsere Kleidung ist voll von Mikroplastik. Baby- und Kinderkleidung ist da keine Ausnahme. Synthetische Stoffe wie Acrylgewebe und Polyester und Baumwoll-Polyester geben vor allem beim Waschen winzige Partikel ins Wasser ab. Moderne Kläranlagen können diese nicht filtern und so gelangen sie zu uns zurück – und zwar im Trinkwasser.

Übrigens sind die Plastikpartikel in der Kleidung nicht etwa nach ein paar Waschgängen „rausgewaschen“. Die Fasern bestehen aus Kunststoff und geben bei jedem Waschen Mikroplastik ins Wasser ab. Es gibt sogar Hersteller, die Polyester aus alten Plastikflaschen herstellen. Eigentlich eine nette Recyclingidee, die leider nicht das Mikroplastik-Problem löst.

Wie du deine Familie schützen kannst

Dein Baby und deine Familie komplett vor Mikroplastik zu schützen ist leider nicht möglich. Du kannst aber den Gebrauch von Plastik in eurem Alltag reduzieren und dafür sorgen, dass ihr weniger Mikroplastik aufnehmt. Außerdem kannst du mit bewusstem Konsum die Belastung, die ihr als Haushalt verursacht, minimieren.

  • Meide Getränke aus Plastikflaschen

Untersuchungen zeigen, dass Wasser aus Kunststoffflaschen eine nicht unerhebliche Menge an Mikroplastik enthält. Am höchsten ist die Konzentration in PET Mehrwegflaschen. Zwar enthält auch Leitungswasser und Wasser aus Glasflaschen Mikroplastik-Partikel, jedoch in einer viel geringeren Konzentration.

  • Nutze Apps für den sicheren Einkauf

Die Apps Codecheck und ToxFox spüren für dich schädliche Stoffe in Alltagsprodukten auf. Scanne beim Einkaufen die Produkte in deinem Korb und du erfährst sofort, ob diese Mikroplastik und andere Schadstoffe enthalten. Allerdings spüren beide Apps nur Mikroplastik in den Inhaltsstoffen von Kosmetika auf, nicht in Nahrungsmitteln oder deren Verpackungen.

Neben den Apps kannst du auch die übersichtliche Onlinesuche bei Codecheck nutzen.

  • Reduziere Plastik beim Lebensmitteleinkauf

Pudding, Joghurt, Margarine, Wurst – all diese Verpackungen geben winzige Plastikteilchen an die Nahrung ab. Nun können wir uns schlecht vom Planeten beamen und auf alle „Errungenschaften“ der modernen Lebensmittelindustrie verzichten.

Was du allerdings tun kannst, ist mit wachem Verstand durch den Supermarkt zu gehen und etwas genauer hinzuschauen, was du kaufst. Es hilft nicht in Panik zu verfallen und alle Verpackungen zu verteufeln. Gibt es allerdings eine Alternative zur Plastik-Einwegverpackung, kannst du diese bevorzugen. Muss es jeden Mittag die Plastikschale mit Salat aus der Salatbar sein oder kannst du deine eigene Verpackung mitbringen oder den Salat doch selbst machen? Geht statt dem Quetschi auch ein Apfel oder eine Banane? Gibt es den Joghurt auch im Glas? Schaue in deinem Einkaufsverhalten, wo du eventuell Verpackungen reduzieren kannst. Oft tragen solche Einkaufsentscheidungen auch zu einer gesünderen Ernährung bei.

  • Achte beim Kleiderkauf auf den Kunstfaseranteil

35% des Mikroplastik in den Meeren stammt aus synthetischer Kleidung. Den meisten Anteil an synthetischer Faser machen Polyester und Polyester-Mischgewebe aus. Wenn du beim Kauf von Kleidung auf die Etiketten achtest, kannst du dazu beitragen, dass weniger Mikroplastik in die Meere und auf unseren Tellern landet. Versuche Naturfasern zu bevorzugen. Stoffe mit einem niedrigen Polyester-Anteil sind besser als solche mit einem hohen.

Wer sich Biostoffe nicht leisten kann, kann sich dennoch Gedanken machen, wie viel er kauft. Oft haben wir selbst und unsere Kinder so viele Sachen, dass wir sie kaum tragen können. Ein absurdes Beispiel sind die Sportklamotten-Abos von Fabletics. Wer braucht ein neues Sportoutfit (meist 100% Polyester) pro Monat? All das trägt zur Plastikverschmutzung bei. Wer nur Notwendiges kauft, tut sich und der Umwelt einen großen Gefallen.

Naturfasern sind unter anderem: Baumwolle, Wolle, Hanf, Leinen, Seide, Bambus.

Bei grundstoff.net, waschbaer.de, hessnatur.com, avocadostore.de oder auch greenality.de findest du Kinderkleidung aus Biofasern oder so. Günstiger geht es auch, zum Beispiel mit den neuen Biolabels der großen Modemarken: zum Beispiel H&M Conscious und C&A nachhaltigere Mode.

Mikroplastik beim Waschen vermeiden

  • Fleecejacken, Plüschtiere & Co. kannst du mit dem Guppyfriend waschen. Der spezielle Waschbeutel fängt Mikroplastik beim Waschen ab, sodass es nicht ins Wasser abgegeben wird. Allerdings ist er zu klein für die gesamte Waschladung.
  • Weichspüler sorgen dafür, dass sich mehr Partikelchen aus der Kleidung lösen und enthalten selbst oft Mikroplastik. Verzichte auf sie, wo es geht. Mikrofaser sollte ohnehin nicht weichgespült werden.
  • Das gleiche gilt für’s maschinelle Trocknen. Häng die Wäsche lieber draußen auf, wenn die Sonne scheint.
  • Polyester löst sich ab 60 Grad Celsius auf. Wasche bei niedrigen Temperaturen, damit weniger Mikroplastik abgeht.
  • Spielzeug aus hochwertigen Kunststoffen und nachhaltigen Materialien

Auch beim Spielzeugkauf kannst du auf Nachhaltigkeit setzen. Weniger Spielzeug, dafür in ausgesuchter Qualität ist gesünder für deine Kinder und die Umwelt.

  • Plüsch, Kuscheltiere & Fleece bestehen häufig fast zu 100% aus Kunstfasern (also aus Plastik!!). Klar soll dein Kind nicht ohne Kuscheltiere leben, aber wie wäre es mit wenigen ausgesuchten Stücken, statt mit einem ganzen Zimmer voll? Selbiges gilt übrigens für Plüschdecken.
  • Kunststoff ist nicht gleich Kunststoff. Und gerade bei Spielzeug ist es manchmal sinnvoll auf das leichte und bruchsichere Material zu setzen. Gütesiegel wie das „GS“-Zeichen“, „Der blaue Engel“, „TÜV-Proof“-Zeichen, „Toxproof“ oder „Spielgut“ geben dir Sicherheit im Hinblick auf die Qualität der verwendeten Materialien.
  • Weil gerade Babys und Kleinkinder noch viel in den Mund nehmen, solltest du billiges Plastikspielzeug aus dem Euroladen und Spontankäufe komplett meiden. Was billig ist und billig aussieht, hat auch meist eine fragwürdige Qualität.
  • Achte auch auf den Geruch. Kauf nichts, das nach billigem Kunststoff oder Farben riecht. Auslüften hilft vielleicht gegen den Geruch, aber nicht gegen die Schadstoffe.
  • Sprich mit der Familie. Ihr werdet mit Spielzeugen überhäuft, die euch gar nicht gefallen? Die Großeltern meinen es nicht böse. Zu ihren Zeiten gab es das Plastikthema einfach noch gar nicht. Vielleicht findest du einen vorsichtigen Weg, um das Thema anzusprechen. Du könntest eine Positivliste mit Dingen schreiben, die sie kaufen können, zum Beispiel Bücher oder Erlebnisse.

Bei echtkind.de und greenstories.de findest du nachhaltiges Spielzeug.

In einer kürzlich veröffentlichten Studie fand der BUND von Weichmachern über gefährlichen Chemikalien Stoffe, die in Kinderspielzeug nichts zu suchen haben. Hier findest du die Studie.

Billiges Plastikspielzeug
Billiges Plastikspielzeug - nette Geste oder schädlich?
  • Achte darauf, was dein Baby in den Mund nimmt

Einige Eltern kennen das Problem gar nicht, andere können ein Lied davon singen: Das Baby nimmt einfach alles in den Mund. Wenn’s um Schmutziges geht, sind sich alle einig. Das darf man nicht in den Mund nehmen. Aber was ist mit all den Dingen, die im Haushalt so rumliegen? Es ist zwar unklar, ob und wie viel Mikroplastik von diesen Gegenständen in den Babykörper gelangt, doch enthalten viele Kunststoffe weitere schädigende Substanzen. Besonders Phthalate und Weichmacher sind in den letzten Jahren in Verruf gekommen. Kaut dein Baby gern auf Taschentuchpackungen, PET-Flaschen & Co. herum, solltest du ihm unschädliche Alternativen anbieten, zum Beispiel Öko-Beißspielzeug.

Fazit

Um Plastik komplett aus deinem Alltag zu verbannen, müsstest du den zero-Waste Lebensstill konsequent durchziehen. Gerade für Familien ist das schwer zu realisieren und oft nicht alltagstauglich. Aber es muss ja nicht immer ganz oder gar nicht sein. Es gibt viele Ideen der „verpackungsfreien Bewegung“, die jeder einfach und günstig umsetzen kann. Das fängt an bei der Auswahl der Brotdosen, geht über natürliche Reinigungsmittel und Kosmetika bis hin zu einem gezügelten und bedachten Konsum. Jede kleine Einkaufsentscheidung kann dazu beitragen, den Anteil von Mikroplastik in unserer Nahrung und in unserem Alltag zu reduzieren.

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