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Schwangerschaftsdemenz: Was ist los mit mir?

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Es ist zum Auswachsen, kaum ist man ein paar Monate schwanger, funktioniert der Kopf auf einmal nicht mehr so wie vorher. Die Vergesslichkeit nimmt zu und die Konzentrationsfähigkeit ab. Aber ist das alles nur Einbildung oder ist was dran an der Schwangerschaftsdemenz? Wir klären auf und geben Tipps, wie du deinen Alltag trotzdem meisterst.

Ich bin so vergesslich – gibt es Schwangerschaftdemenz wirklich?

Ja die gibt es! Im englischsprachigen Raum heißt sie auch ‚pregnancy brain‘ oder ‚momnesia‘. Fast jede Frau, nämlich 80% werden es bestätigen: in der Schwangerschaft nimmt die Schussligkeit merklich zu. Die beste Freundin wird versetzt, der Autoschlüssel ist im Nirvana verschwunden und wenn der Kollege etwas umständlich zu erklären versucht, versteht man nach 2 Minuten nur noch Bahnhof.

Aber kann man da gleich von Demenz sprechen? Dieser wohl eher liebevoll scherzhaft gemeinte Begriff trifft die Probleme vieler Frauen ganz gut. Dennoch lehnen ihn Mediziner ab, weil sie ihn für irreführend halten. Denn selbst, wenn sich eine Frau in Schwangerschaft und Stillzeit schlechter konzentrieren kann und mehr vergisst als früher, ist dieser Zustand – anders als bei einer echten Demenz – nur vorübergehend.

Das sagt die Wissenschaft

Gleich vorweg, Wissenschaftler sind sich zum Thema Schwangerschaftsdemenz recht uneins.
Über den Zusammenhang von Schwangerschaft und Vergesslichkeit, Konzentrationsfähigkeit, verringerter Aufnahmefähigkeit und Wortfindungsstörungen gibt es mehrere Studien. Sie sind allesamt eher klein und ihre Ergebnisse teils widersprüchlich:

So belegt eine australische Analyse mehrerer Studien die Existenz von Schwangerschaftsdemenz vor allem im letzten Trimester. Eine andere Studie stellt jedoch fest, dass Schwangere in Tests gefühlt zwar schlechter, aber real genauso gut abgeschnitten hatten, wie Nicht-Schwangere.

Eine wichtige, wenn auch kleine Studie aus dem Jahr 2016 zeigt mithilfe von MRI Scans allerdings, dass die Menge der grauen Zellen bei Schwangeren in einigen Bereichen des Gehirns tatsächlich abnimmt. Andere Bereiche sind dafür aktiver. Diese Veränderung hält bis etwa 2 Jahre nach der Geburt an. Es wird vermutet, dass das Gehirn überflüssige Areale ab- und andere dafür aufbaut, um sich besser auf die Mutterschaft vorbereiten zu können.

Mädchen machen vergesslicher

Eine kanadische Studie zeigt außerdem, dass das Geschlecht des Kindes bei der Gedächtnisleistung der werdenden Mutter eine Rolle spielt. Schwangere, die ein Mädchen erwarteten, schnitten in komplizierten Test deutlich schlechter ab, als jene, die einen Jungen in sich trugen. Die Forscher vermuten, dass der bei Mädchen-Müttern höhere hCG-Spiegel (Schwangerschaftshormon) die Hirnleistung beeinträchtigt.

Vergesslichkeit als Anzeichen einer Depression

Wenn du neben der Schussligkeit auch anhaltende Traurigkeit, Antriebslosigkeit oder Überforderung verspürst, kann das auf eine depressive Störung hindeuten. Sprich am besten mit deinem Arzt darüber, damit dieser dir helfen kann.

Nach der Schwangerschaftsdemenz kommt die Stilldemenz

Auch wenn die Ergebnisse zur Schwangerschaftsdemenz nicht ganz überzeugen: sicher ist, dass die Probleme nach der Geburt nicht ab- sondern leider erst einmal zunehmen. Dies hat einige Gründe. Zum einen sorgen das Bindungshormon Oxytocin und das Stillhormon Prolaktin dafür, dass das Gehirn etwas wattig wird und das Denken schwer fällt. Zum anderen ist der Umbau der Hirnareale jetzt in vollem Gange.

Die graue Masse wird nun insgesamt sogar mehr, auch wenn das andere Bereiche betrifft als vorher. Denn der Fokus liegt nun voll und ganz auf dem Baby und das ist auch gut so. Schließlich ist die Bindung zu ihm viel wichtiger als alltägliche Nebensächlichkeiten. So werden Problemlösungsfähigkeit, Multitasking und Stressresistenz befeuert. Davon wirst du noch lange profitieren.

Vorher jedoch sorgen auch die Erschöpfung nach der Geburt und der permanente Schlafmangel dafür, dass dein Kopf nicht so gut funktioniert, wie du es gewohnt warst. Ein unausgeschlafenes Gehirn ist viel unorganisierter als eines, dass seine 8 Stunden ungestörten Schlaf bekommen hat, um sich zu regenerieren und neu zu ordnen. Wenn du stillst, tut auch der erhöhte Nährstoff- und Flüssigkeitsbedarf sein Übriges.

Hilf deinem Gehirn mit diesen 12 Tipps gegen Vergesslichkeit

Die Schwangerschaftsdemenz als solche musst du vielleicht hinnehmen. Du kannst sie aber abmildern und ihre Folgen in den Griff bekommen, wenn du ein paar Dinge beachtest.

  1. Genug schlafen
    Versuch so viel wie möglich zu schlafen. Denn zu wenig Schlaf beeinträchtigt die Hirnleistung stark. Daher ist ein Schläfchen zwischendurch jetzt Pflicht. Lass andere den Haushalt erledigen und geh so früh ins Bett, wie es geht.
  2. Ausgewogen essen
    Nährstoffmangel kann sich ebenfalls auf die Gedächtnisleistung auswirken. Je gesünder und ausgewogener du dich ernährst, desto besser.
  3. Viel trinken
    Wenn das Gehirn schlecht durchblutet ist, kann es nicht so gut arbeiten. In der Schwangerschaft ist der Flüssigkeitsbedarf erhöht.
  4. Genug bewegen
    Auch Sport und Bewegung an der frischen Luft verbessern die Durchblutung. Davon profitiert auch dein Gehirn.
  5. Kalender führen
    Ob auf dem Handy, am PC oder auf dem Papier, ein Kalender ist jetzt unerlässlich, um wichtige Termine, Geburtstage und Verabredungen zu notieren.
  6. Erinnerungsfunktionen nutzen
    Ob Handy oder der tägliche Anruf deiner Mutter: sorge konsequent dafür, dass du an deine Termine erinnert wirst.
  7. Alles aufschreiben
    Das Notizbuch eignet sich dafür nur, wenn du auch tatsächlich hinein schaust. Am besten ist eine Pinnwand direkt an oder neben der Tür geeignet. Auch der Klebezettel darf jetzt öfter zum Einsatz kommen.
  8. To-Do-Listen einführen
    Vor allem auf der Arbeit, aber auch zuhause, erspart eine anständige To-Do-Liste die größten Peinlichkeiten. Darin solltest du alle noch zu erledigenden Aufgaben auflisten und ein schönes dickes Häkchen dran machen, sobald sie geschafft sind.
  9. Wichtige Dinge IMMER am gleichen Ort ablegen
    Der Schlüssel, die Autopapiere, der Mutterpass – alles braucht seinen festen Platz und das ohne Ausnahme. So ersparst du dir viel Sucherei.
  10. Fotos machen
    Wenn du dir merken willst, wo du dein Auto geparkt hast, was auf einem Zettel stand oder wie eine Straße hieß, mach ein Foto mit deinem Handy.
  11. Schwangerschaftstagebuch führen
    Du denkst, du merkst dir alles Wichtige bis nach der Geburt, wenn du endlich Zeit hast, es aufzuschreiben? Vergiss es 😉 Am besten notierst du dir jeden Abend, was tagsüber passiert ist.
  12. Lass dir helfen
    Stress und wenig Schlaf können leicht zu Überforderung führen. Bitte Partner, Eltern oder Freunde, dir zu helfen.

Erinnerst du dich an eine lustige Anekdote zum Thema Schwangerschaftsdemenz? Schreib sie gern in einen Kommentar!

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