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Wie kann ich eine Frühgeburt vermeiden?

6 von 100 Babys kommen in Deutschland zu früh auf die Welt. Betroffene Kinder müssen oft mehrere Wochen im Krankenhaus verbringen, bevor sie nach Hause dürfen. Und selbst wenn Ärzte mittlerweile sehr viel für Frühchen tun können und viele von ihnen retten können, kommt es dennoch manchmal zu Einschränkungen beim Kind. Verständlich, dass viele Frauen Angst vor einer Frühgeburt haben. Aber was kann man tun, damit es gar nicht erst soweit kommt? Einiges! Wir haben die Möglichkeiten für dich zusammengefasst.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Frühgeburtenrate beträgt in Deutschland etwa 6%.
  • Schon Babys, die in der 37. Woche zur Welt kommen, gelten als Frühchen.
  • Infektionen sind die Hauptursache für Frühgeburten.
  • Aber auch Faktoren wie Rauchen, starkes Übergewicht und das Alter der Frau spielen eine große Rolle.
  • Selbstbeobachtung und regelmäßiges Messen des pH-Wertes in der Scheide können Schlimmeres verhindern.
  • In einigen Fällen können auch die Ärzte eine Geburt noch hinauszögern.

Wann gilt ein Baby als Frühchen?

Schon Babys, die vor dem Ende der 37. Schwangerschaftswoche (SSW) zur Welt kommen, gelten als Frühchen. Je früher das Baby geboren wird, desto größer ist das Risiko. Das jüngste europäische Frühchen kam bereits nach 21 SSW zur Welt und geht mittlerweile zur Schule.

Das ist aber selten. Meist haben Frühchen ab der 25. SSW eine gute Überlebenschance. Bis zur vollendeten 27. SSW gelten sie jedoch immer noch als „extrem früh“. Babys die zwischen der 28. und der vollendeten 30. SSW zur Welt kommen bezeichnet man als „sehr früh“, bis zur abgeschlossenen 36. SSW als „mäßig früh“.

Gründe für die gestiegene Frühgeburtenrate

Die Frühgeburtenrate ist in den letzten Jahrzehnten gestiegen. Das hat laut Ärztezeitung mehrere Gründe:

  1. Dank der fortschrittlichen Reproduktionsmedizin gibt es mehr Mehrlingsgeburten. Denn zum einen wird oft mehr als ein Embryo eingesetzt und zum anderen steigt das Alter der Frauen, was die Wahrscheinlichkeit einer Mehrlingsgeburt ebenfalls erhöht.
  1. Das höhere Durchschnittsalter der Schwangeren geht zusätzlich mit einem größeren Risiko für Schwangerschaftskomplikationen wie Diabetes, Bluthochdruck oder Plazentainsuffizienz einher.
  1. Die Bevölkerung wird immer dicker, das betrifft auch die Frauen. Starkes Übergewicht ist ein wichtiger Faktor bei vielen Frühgeburten.

Damit sind wichtige Gründe schon abgedeckt. Aber natürlich gibt es noch mehr, wie die folgende Liste verdeutlicht:

  • Scheideninfektionen
  • Ein verkürzter Gebärmutterhals (Zervixverkürzung)
  • Bluthochdruckerkrankung oder Schwangerschaftsdiabetes
  • Plazenta-Insuffizienz
  • Veränderungen an der Gebärmutter, wie z.B. Myome
  • Mehrlingsschwangerschaft
  • Fehlentwicklung des Kindes

Das kannst du selbst tun, um eine Frühgeburt zu vermeiden

Auch wenn sich eine Frühgeburt nicht immer vermeiden lässt, gibt es doch Einiges, dass du selbst tun kannst, um das Risiko deutlich zu verringern.

Schon bei Kinderwunsch abspecken

Ein paar Pfunde sind kein Problem. Aber wenn du tatsächlich adipös (BMI über 30) bist und gern ein Kind möchtest, ist jetzt der beste Zeitpunkt, um abzunehmen. In der Schwangerschaft gilt nämlich ein Abnehmverbot, weil sonst Schadstoffe und Hormone aus dem Fettgewebe freigesetzt werden, die dem Kind schaden könnten.

Abnehmen ist nie leicht, das ist völlig verständlich. Aber das Risiko einer Frühgeburt kannst du so deutlich reduzieren.

Unbedingt sofort mit Rauchen und Alkohol aufhören

Raucherinnen und Passiv-Raucherinnen schaden nicht nur ihrem Kind. Sie haben auch ein stark erhöhtes Risiko für eine Frühgeburt. Denn das Nikotin verringert die Durchblutung der Gebärmutter und sorgt dafür, dass deren Blutgefäße frühzeitig verstopfen. So kann es viel leichter zu einer Plazenta-Insuffizienz kommen.

Auch Alkohol ist genau wie Nikotin ein Zellgift. Er kommt ungefiltert beim Kind an und kann außerdem die Arbeit der Plazenta beeinträchtigen.

pH-Wert des Scheidenmilieus regelmäßig messen

Scheideninfektionen sind mit 30% bis 50% eine der häufigsten Gründe für eine Frühgeburt. Wenn Bakterien und Pilze aufsteigen, können sie die Eihäute schwächen. Es kommt zum vorzeitigen Blasensprung. Leider sind Schwangere wegen ihres viel beschäftigten Immunsystems für Infektionen generell recht anfällig.

Ein erhöhter pH-Wert der Scheide ab 4,4 weißt auf eine ungünstige Verschiebung des Scheidenmilieus hin. Denn nur ein saures Milieu kann Keime zuverlässig abtöten. Weshalb diese Untersuchung zu den Standarduntersuchungen bei der Schwangeren-Betreuung zählt. Da diese aber nicht so häufig stattfinden und du nicht erst auf Symptome warten solltest, kannst du selbst aktiv werden.

Glücklicherweise gibt es Testsets in der Apotheke, mit denen du deinen pH-Wert ganz leicht regelmäßig selbst bestimmen kannst. Experten der Krankenkassen raten zu einmal alle zwei Wochen. Liegt der pH-Wert länger als einen Tag über 4,4 solltest du zum Arzt gehen. Denn früh behandelt, kann eine Infektion gut geheilt werden, ohne Schäden zu hinterlassen.

Für ein gesundes Scheidenmilieu kannst du ebenfalls einiges tun:

  • Verzichte darauf, deine Scheide einzuseifen. Denn das tötet die guten Milchsäurebakterien. Wasser ist immer noch das beste Reinigungsmittel.
  • Trag am besten atmungsaktive Baumwollunterwäsche und wasch diese bei 60 Grad.
  • Sex ist gut, aber nicht mehrmals täglich. Denn sowohl reibungsbedingte Entzündungen als auch Sperma können das Scheidenmilieu ungünstig beeinflussen. Achte auf Hygiene beim Sex. Finger und Genitalien sollten sauber sein. Nach dem Sex solltest du zur Toilette gehen, um etwaige Erreger mit dem Urin wegzuspülen.
  • Achte darauf, dich nach dem Schwimmen gut abzuduschen. Nasse Kleidung musst du schnell wechseln. Setz dich im Schwimmbad immer auf dein Handtuch und nie auf eine feuchte Bank. In der Schwangerschaft solltest du außerdem lieber nicht in belasteten Gewässern schwimmen.
  • Wenn du zu Scheideninfektionen neigst, besprich mit deinem Frauenarzt, ob dir eventuell Vaginaltabletten mit guten Milchsäure-Bakterien helfen können.
  • Reduziere deinen Zuckerkonsum (gilt auch für Früchte und Saft). Denn Zucker begünstigt Pilze und diese machen den Weg frei für bakterielle Infektionen.
  • Unsere Mütter und Großmütter haben nicht zu unrecht darauf bestanden, dass sich Frauen von vorn nach hinten abputzen und nicht umgekehrt. So können Darmbakterien gar nicht erst in die Scheide gelangen.

Achtsam sein

Wer auf seinen Körper hört, kann früh reagieren, wenn etwas nicht stimmt. Versuch deshalb in der Schwangerschaft besonders aufmerksam zu sein. Das heißt nicht, dass du ständig in dich hineinhören sollst. Vielmehr ist es wichtig, öfter Pausen einzulegen, um überhaupt eine Chance zu haben, etwas wahrzunehmen.

Stress vermeiden

Anhaltender Stress ist ein weiterer Grund für Frühgeburten. Warum das so ist, ist nicht erforscht. Wahrscheinlich ist der durchweg hohe Cortisol-Spiegel (Stresshormon) mit daran schuld. Ein Grund mehr in der Schwangerschaft Stress zu vermeiden und sich in Gelassenheit zu üben, wo es nur geht.

Regelmäßige Bewegung und gesunde Ernährung

Je mehr du in der Schwangerschaft auch dich achtest, desto geringer ist das Risiko einer Frühgeburt. Denn wenn die Gebärmutter durch maßvolle, regelmäßige Bewegung gut durchblutet ist und dein Körper durch gesunde Ernährung all die Nährstoffe bekommt, die er gerade braucht, klappt die Versorgung des Kindes viel besser.

Wann du zum Arzt solltest

Je früher eine drohende Frühgeburt erkannt wird, desto besser. Deshalb ist es wichtig, dass du zum Arzt gehst, wenn du dich unwohl fühlst und das Gefühl hast, dass etwas nicht stimmen könnte. Besser gehst du bei einem Verdacht einmal mehr zum Frauenarzt, als einmal zu wenig.

Aber auch konkrete Anzeichen können eine Frühgeburt oder zumindest eine risikoreiche Erkrankung, ankündigen:

  • Ein erhöhter pH-Wert für 1 Tag oder immer wiederkehrende pH-Wert Erhöhungen
  • Eine spürbare Scheideninfektion oder Blasenentzündung
  • Über Tage anhaltendes Fieber
  • Starke Kopfschmerzen
  • Starker Durchfall
  • Blutungen
  • Menstruationsartige Bauchkrämpfe
  • Häufig wiederkehrende Kontraktionen der Gebärmutter (Bauch wird hart)

Das kann der Arzt bei drohender Frühgeburt tun

Auch, wenn du alles getan hast, damit deine Schwangerschaft gut verläuft, kommt es trotzdem manchmal dazu, dass eine Frühgeburt droht. Dies muss manchmal, aber nicht immer hingenommen werden. Denn Ärzte haben ein paar Möglichkeiten, die Geburt noch ein paar Wochen bis Monate herauszuzögern.

Ruhe verschreiben

Wenn es Komplikationen wie einen verkürzten Gebärmutterhals gibt, wird dir der Arzt zu allererst ein Arbeitsverbot erteilen. Von nun an musst du alles doppelt langsam angehen und viel liegen. Manchmal wirst du auch im Krankenhaus überwacht. Dann erfolgt meist die Gabe eines Wehenhemmers und der Lungenreifespritze. Diese beschleunigt die Entwicklung der Lunge, damit das Kind im Idealfall auch außerhalb des Bauches schon selbständig atmen kann.

Cerclage-Pessar

Hatte die Schwangere bereits eine Frühgeburt und ist der Gebärmutterhals verkürzt, kann über ein Cerclage-Pessar oder eine Cerclage nachgedacht werden. Beim Pessar handelt es sich um einen Gummiring, der über den Gebärmutterhals gestülpt wird und diesen verschließt. Bei der reinen Cerclage wird der Gebärmutterhals mit wenigen Stichen zugenäht. Für letztes ist jedoch eine Betäubung notwendig.

ASS-Prophylaxe bei vorangegangener Präeklampsie

Hatte die Frau in einer vergangenen Schwangerschaft bereits eine Präeklampsie (Im Volksmund: Schwangerschaftsvergiftung) kann eine präventive ASS-Prophylaxe helfen, eine erneute Erkrankung in dieser Schwangerschaft zu verhindern.

Hast du noch eine Frage zum Thema Frühgeburt? Dann schreib uns gern einen Kommentar!

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