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Depression und Angst in der Schwangerschaft: was du tun kannst

Ängste und depressive Verstimmungen sind keine Seltenheit in der Schwangerschaft. Damit sie sich nicht zu einer Depression auswachsen, sollten Betroffene schnelle Hilfe suchen. Woran du merkst, ob du Unterstützung brauchst und wie du sie findest, erfährst du in diesem Artikel.

Eigentlich müsstest du glücklich sein…

Stattdessen fühlst du dich leer. Vielleicht ist dir einfach alles zu viel, alles zu anstrengend. Du bist lustlos, lachst nicht mehr. Vielleicht kreisen deine Gedanken unaufhörlich um die gleichen Sorgen und Ängste. Das alles können Anzeichen für eine Depression sein.

Nur die Hormone?

In der Schwangerschaft leistet der Körper Unglaubliches. In wenigen Monaten wächst aus einer Zelle ein Mensch. Das hat massive Auswirkungen auf nahezu alle Bereiche deines Körpers und deiner Psyche. Hormonelle Umstellungen sorgen nicht nur für Wassereinlagerungen, sondern können auch ganz schön aufs Gemüt schlagen.

So normal es auch ist, hin und wieder einen schlechten Tag zu haben und sich am liebsten unter der Bettdecke zu verkriechen, umso achtsamer solltest du sein, wenn die Traurigkeit anhält. Es ist nicht ungewöhnlich, besonders im ersten Trimester müde und abgeschlagen zu sein. Wenn du nicht nur körperlich müde bist, sondern weitere Symptome für eine Depression entwickelst, solltest du das ernst nehmen.

Sofortmaßnahme bei depressiven Verstimmungen: Sei gut zu dir

Behandle dich selbst, wie du deine beste Freundin behandeln würdest. Du fühlst dich mies und bläst Trübsal? Dann verurteile dich nicht dafür. Denke daran, was du gerade in diesem Moment leistest: Du erschaffst ein neues Leben!

Das ist anstrengend. Und zwar auch, wenn du gerade auf dem Sofa liegst, dich nicht im Büro abrackerst und sich diese Leistung nicht in ein Gehalt umrechnen lässt.

In unserer Leistungsgesellschaft verfallen wir schnell dem Glauben, dass nur wer sich abrackert etwas wert ist. Gerade werdende Mütter denken schnell, sie müssten jetzt umso mehr leisten und alles perfekt meistern. Allein dieser Druck kann eine aufkommende Depression anfeuern.

Also: Du darfst dich ausruhen und auf dem Sofa sitzen und deinem Körper die Liebe und Ruhe schenken, die er braucht. Du darfst unsicher sein und auch ein bisschen Trauer gehört dazu, wenn sich das Leben auf den Kopf stellt. Du darfst um Hilfe bitten und dich ausheulen. Und bei all dem darfst du sehr stolz auf dich sein.

Bei Anzeichen einer Depression in der Schwangerschaft: sofort zum Arzt

Zwischen fünf und sechs Millionen Menschen erkranken in Deutschland jährlich an einer Depression. 12 von 100 Schwangeren leiden an einer Depression.

Eine Depression in der Schwangerschaft sollte so schnell wie möglich behandelt werden. Sie kann Auswirkungen auf das ungeborene Kind haben. So werden zum Beispiel Wachstumsstörungen mit Depressionen in der Schwangerschaft assoziiert.

Ängste und Sorgen in der Schwangerschaft können außerdem ein Vorbote einer Wochenbettdepression sein. Diese wird nur selten durch die Geburt ausgelöst, sondern bahnt sich schon in der Schwangerschaft an. Umso besser, wenn du vorbereitet bist und weißt, wo du Hilfe bekommst.

Frauen, die schon früher an einer Depression erkrankt sind, haben ein höheres Risiko, in der Schwangerschaft erneut zu erkranken. Beschäftige dich rechtzeitig mit den Frühwarnzeichen und erarbeite einen Plan zur Rückfallprophylaxe.

Wenn dein Partner oder eine andere nahestehende Person dich unterstützen können, kannst du sie darum bitten, dich rücksichtsvoll darauf aufmerksam zu machen, wenn sie Veränderungen an deiner Stimmung feststellen. Auf diese Weise kannst du rechtzeitig agieren.

Das sind die Symptome einer Depression

Die Symptome einer Depression sind klar definiert. Es handelt sich immer um eine Kombination aus den folgenden zehn Symptomen. Nur in besonders schweren Fällen kommen alle Symptome zusammen.

  • Antriebslosigkeit: Betroffene sind unmotiviert, haben keine Energie und sind ständig müde.
  • Freudlosigkeit: Innere Leere, keine Lust auf Aktivitäten oder Freunde.
  • Niedergeschlagenheit: Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit, Gefühlskälte.
  • Konzentrationsverlust
  • Vermindertes Selbstvertrauen
  • Schuldgefühle
  • Negative Gedanken
  • Suizidgedanken
  • Schlafstörungen
  • Appetitverlust oder in einigen Fällen emotionales Essen

Depression in der Schwangerschaft: Ängste rund um das Kind

Die Symptome einer Depression in der Schwangerschaft die gleichen wie in anderen Lebensabschnitten. Zusätzlich kann es sein, dass du vermehrt Sorgen und Ängste rund um deine Mutterrolle und das Baby hast. Dazu gehören unter anderem:

  • Emotionale Labilität
  • Unfähigkeit, dich auf dein Baby zu freuen
  • Übermäßige Ängste und Sorgen
  • Ausgeprägte Zweifel an der Mutterrolle und Versagensängste
  • Zwangsgedanken

Jede Depression ist anders

Wenn du diesen Artikel bis hierhin gelesen hast, fragst du dich womöglich, ob du an einer Depression erkrankt bist. Vielleicht recherchierst du auch für deine Partnerin oder eine Freundin. Um diese Frage für sich zu beantworten ist es wichtig zu wissen: die Depression hat viele Gesichter. Sie kann in verschiedenen Personen ganz unterschiedlich aussehen.

Deshalb nutzt es nicht, dich zu vergleichen mit der depressiven Tante, die damals monatelang allen ihr Leid geplagt hat. Die Symptomatik kann sich bei dir ganz anders zeigen.

Hier bekommst du Hilfe bei Depressionen in der Schwangerschaft

  1. Rede mit einer vertrauten Person

    Das kann dein Partner sein, deine Mutter oder eine Freundin. Viele werdende Mütter schämen sich, weil sie es nicht schaffen Muttergefühle zu entwickeln oder sich für eine schlechte Mutter halten. Die Depression ist eine psychische Erkrankung, die du dir nicht ausgesucht hast. Vertraue dich jemandem an und suche Hilfe. Viele Menschen können mit dem Thema psychische Erkrankungen nicht gut umgehen. Lass dich nicht entmutigen, wenn dein Partner oder andere Nahestehende dir nicht die Unterstützung bieten können, die du dir wünschst. Vielleicht kannst du jemanden finden, der sensibel damit umgehen kann.

  2. Mach einen Selbsttest

    Den gibt es zum Beispiel auf psychenet.de. Das Portal bietet zudem viele Informationen und Hilfen für Betroffene und Angehörige.

  3. Schnelle Selbsthilfe

    Bei leichten depressiven Episoden oder zur Überbrückung der Wartezeit auf einen Therapieplatz kann auch ein Buch gute Strategien zur Selbsthilfe aufzeigen. Wir empfehlen das Buch Depressionen und Burn-out überwinden von Dr. Sabine Gapp-Bauß.

  4. Nimm ärztliche Hilfe in Anspruch

    Deine Ärztin kann dir Adressen und weiterführende Informationen geben. Eine Depression ist gut behandelbar – wenn du den ersten Schritt unternimmst.

  5. Informiere dich über eine Therapie

    Eine psychische Erkrankung und die Aussicht auf eine Therapie werfen viele Fragen auf. Auf der Seite wege-zur-psychotherapie.org erfährst du alles über den Ablauf einer Therapie und darüber wie du einen Therapieplatz findest.

  6. Hol dir digitale Hilfe

    Neue Therapieplattformen machen es möglich, auch ohne lange Wartelisten und Fahrten in die Praxis eine Therapie in Anspruch zu nehmen.

    Bei Minddoc kannst du eine reguläre Psychotherapie online wahrnehmen. Wöchentlich triffst du deine Psychologin vor dem Computer und sprichst mit ihr, fast wie in einer Praxis.Damit deine Krankenkasse die Behandlung übernimmt, benötigst du im Vorfeld von deinem Arzt einen so genannten Konsiliarbericht. Das ist ein Formular, in dem er bestätigt, dass deine Symptome nicht körperlich bedingt sind. Du musst aber deinem Arzt keine Details über deinen Zustand nennen. Es reicht völlig aus, wenn er als Diagnose „Depression“ auf das Formular schreibt.
    Die Plattform Selfapy bietet Kurse zur Selbsthilfe bei Depressionen an.

    Mit der App Moodpath kannst du deine Stimmung im Verlauf der Zeit aufzeichnen. Nach zwei Wochen bekommst du eine Einschätzung deiner emotionalen Gesundheit. Außerdem bietet die App viele kleine Kurseinheiten zu Depressionen, emotionalen Belastungsstörungen und für mehr Achtsamkeit. Noch mehr Inhalte gibt es in der kostenpflichtigen Premiumversion.

  7. Soforthilfe bekommst du bei der Telefonseelsorge

    Tel: 0800-1110111 oder 0800 -1110222
    Web: www.telefonseelsorge.de

  8. Im Notfall

    Kriesenanlaufstellen bei psychischen Notfällen findest du hier.

  9. Für Freunde

    Es gibt viele Möglichkeiten, deine Freundin oder Partnerin in emotionalen Krisen zu unterstützen. Die erste hast du bereits ergriffen, indem du dich informierst. Einen guten Artikel zum respektvollen Umgang mit depressiven Personen findest du hier.

Fazit

Es ist nicht immer leicht zu beurteilen, ob du „nur“ eine schlechte Phase durchläufst oder eine Depression entwickelst. In jedem Fall solltest du jetzt besonders achtsam, nachsichtig und gütig mit dir selbst sein. Was könnte dir gut tun? Mit wem kannst du sprechen? Wo bekommst du Hilfe?

Über deine gedrückte Stimmung zu sprechen zeugt keinesfalls von Schwäche, sondern von Verantwortung – dir selbst und deinem Kind gegenüber. Gut, dass es viele unterschiedliche Hilfsangebote gibt, die du auch parallel in Anspruch nehmen kannst.

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