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Wenn Eltern die Plazenta essen…

Inhaltlich geprüft von Hebamme Nadine Beermann.

Die Plazenta versorgt dein Baby über die Zeit der Schwangerschaft mit wichtigen Nährstoffen. Mit der Geburt tritt sie aus dem Körper aus und wird normalerweise entsorgt. Es gibt jedoch Eltern, die sich dafür entscheiden, die Plazenta zu essen. Vitaminbombe oder gefährlicher Trend? Wir klären auf.

Die Plazenta – was ist das eigentlich?

Die Plazenta (Mutterkuchen) ist ein Organ, das dein Körper während der Schwangerschaft bildet. Mit einem Durchmesser von bis zu 20 Zentimetern und einem Gewicht von bis zu 500 Gramm, hat sie eine stattliche Größe. Sie versorgt dein Baby mit Nährstoffen und sie tauscht Stoffwechselprodukte zwischen Mutter und Kind aus. Zudem produziert die Plazenta Hormone. Sie wird nur so lange benötigt, wie du schwanger bist. Danach stößt dein Körper sie als Nachgeburt aus. Führt dein Körper diesen Ausstoß nicht von selbst durch, bekommst du eine Spritze.

Der Trend, die Plazenta zu essen – was steckt dahinter?

Man könnte meinen, der Trend, die Plazenta zu essen, ist erst durch Stars wie Tom Cruise oder Kim Kardashian aufgekommen, die in der Öffentlichkeit angegeben haben, die Plazenta essen zu wollen. Tatsächlich haben sie lediglich mit einem polarisierenden Thema Selbstmarketing betrieben – und es so wieder „auf den Tisch“ gebracht.

Plazentarezepte – aus dem Ofen oder der Pfanne – gab es schon früher. Plazentophagie ist der wissenschaftliche Begriff für das Verspeisen der eigenen Plazenta. Sogar in Hautcremes wurde tierische Plazenta verarbeitet. Das Argument: Die Zellen, die sich ständig erneuern, füllen Fältchen effektiv auf. Klingt an den Haaren herbeigezogen? Kein Wunder, denn wissenschaftliche Nachweise gab es nie.

Plazenta essen im Tierreich

In der Tierwelt ist es sogar so, dass zahlreiche Tiere die Plazenta wie selbstverständlich essen. Interessant ist die Frage, warum die Tiere das machen. Hier gibt es eine ganz einfache Erklärung: Bleibt die Plazenta liegen, bildet sich nach einigen Stunden ein starker Geruch und der lockt Raubtiere an.

Zudem enthält sie viele Nährstoffe, mit denen sich die Tiere stärken. Die meisten Eltern, die Plazenta essen, verweisen auf den gesunden Aspekt.

Plazenta essen: die vermeintliche Wunderkur

Befürworter des ausgefallenen kulinarischen Trends sagen dem Verspeisen des Mutterkuchens viele positive Effekte nach:

  • Die Nährstoffe der Plazenta sollen die Milchbildung anregen
  • Und die Rückbildung unterstützen
  • Außerdem soll ein Stück Mutterkuchen Wochenbettdepressionen verhindern
  • Durch die Stress-hemmenden Hormone in der Plazenta sollen sich Frauen fit und frisch fühlen

Und tatsächlich findet man immer wieder Erfahrungsberichte von Müttern, die nach dem  Essen der Plazenta wunderähnliche Wirkungen festgestellt haben. Einige berichten über starke Milchbildung oder einen wahren Energieschub.

Wie realistisch sind Erfahrungsberichte?

Tatsächlich unterliegt der Körper nach der Geburt drastischen Änderungen. Der Milcheinschuss setzt ohnehin einige Tage nach der Geburt ein – mit oder ohne Mutterkuchen – und ist gerade zu Beginn bei vielen Frauen sehr stark. Ob das nun an der Plazenta lag, ist also zu bezweifeln. Auch Energieschübe sind nicht ungewöhnlich, ist doch der Körper vollgepumpt mit Hormonen und Mutterliebe.

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Globuli aus der Plazenta

Wer jetzt in seinem inneren Auge ein Bild im Kopf hat von Eltern, die noch im Kreißsaal Messer und Gabel zücken und sich ein Stück Plazenta herausschneiden sei beruhigt: Das ist wirklich nicht üblich (und durchaus unappetitlich!).

Tatsächlich gibt es Unternehmen, die Teile der Plazenta zu Tabletten verarbeiten. Als Grundlage dienen dafür die Plazentanosoden. Diese werden aus den Zellen des Mutterkuchens gefertigt und sollen beim eigenen Kind gegen Fieber helfen und dafür sorgen können, dass Verletzungen schneller abheilen. Du kannst in der Apotheke ein Starter-Kit kaufen und dieses mit zur Geburt nehmen. Aus dem Mutterkuchen wird dann ein Teil abgenommen und in das Kit eingefüllt. Anschließend wird er in die Apotheke für die Verarbeitung geschickt. Informiere dich vorher, welche Apotheke in deiner Nähe die Verarbeitung übernimmt und verweise vor der Geburt darauf, dass du einen Teil des Mutterkuchens gerne verarbeiten lassen möchtest. So können sich die Hebammen direkt darauf einstellen und entsorgen die Plazenta nicht zu früh.

Forscher haben allerdings herausgefunden, dass Plazenta in Pulverform, wie sie auch in den Globuli vorkommt, 99 % der Nährstoffe und Hormone verloren haben.

Wie schmeckt die Plazenta?

Verfechter des Trends behaupten, die Mutter empfindet den Geschmack der Plazenta auch im rohen Zustand als angenehm. Verglichen wird dieser in erster Linie mit dem Geschmack eines sehr blutigen Steaks. Dies hängt mit dem hohen Gehalt an Eisen zusammen. Wer die Plazenta nicht roh genießen möchte, der findet unterschiedliche Rezepte für die Verarbeitung. Besonders beliebt ist die Plazenta-Lasagne.

Gibt es Risiken?

Die Wirkung der Plazenta ist bis heute nicht bewiesen und ebenso wenig kann abgeschätzt werden, wie es mit den Risiken aussieht. So sollten Eltern bedenken, dass die Plazenta als Filter für Giftstoffe während der Schwangerschaft dient. In Untersuchungen wurden bereits Rückstände von Blei, Bakterien und sogar von Quecksilber gefunden. Nimmt die Mutter die Plazenta selbst auf, können diese in ihren Blutkreislauf gelangen und sogar über die Muttermilch oder über die Haut an das Baby weitergegeben werden. Diesen Fall gab es beispielsweise schon in den USA. So hat sich ein Baby hier mit B-Streptokokken infiziert. Diese hat die Mutter über Plazenta-Pillen unbewusst zu sich genommen und über die Haut an das Baby abgegeben.

Nicht zu unterschätzen ist zudem, dass es keine strengen Vorgaben für die Lagerung und Behandlung der Plazenta gibt. So kann es sein, dass auf dem Weg zur Verarbeitung zu Pulver oder Globuli, Schadstoffe in die Plazenta gelangen und diese dann ebenfalls mit der Einnahme aufgenommen werden.

Der Lebensbaum – ein schöner Brauch

Möchtest du nicht zu Messer und Gabel greifen, die Plazenta aber auch nicht einfach entsorgen lassen, kannst ein Lebensbäumchen pflanzen. Dabei wird die Plazenta in der Erde vergraben und ein Baum auf ihr gepflanzt. Schon früher ging man davon aus, dass ein Teil der Seele des Babys in der Plazenta verbleibt und deshalb gut behandelt werden soll. Durch die Nachgeburtsbestattung schenkt er einer Pflanze Leben.

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