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Was genau ist eigentlich die Plazenta?

Die Plazenta, auch Mutterkuchen genannt, bildet sich in den ersten Monaten der Schwangerschaft heraus und versorgt das Kind mit allem, das es zum Wachsen braucht. So weit, so bekannt. Aber sie kann noch viel mehr. Was genau, erfährst du in diesem Artikel.

Die Plazenta ist ein eigenständiges Organ

Das Wort Plazenta haben die meisten schon gehört. Das sie auch Mutterkuchen genannt wird und irgendwie mit dem Baby zusammenhängt, ist ebenfalls bekannt. Die meisten denken jedoch, dass es sich dabei um die Schutzhülle zwischen Embryo und Gebärmutter handelt. Dem ist aber nicht so.

Tatsächlich ist die Plazenta ein richtiges Organ, das vor der Schwangerschaft noch nicht da war und sich nach und nach ausbildet. Nach der Geburt wird es wieder abgestoßen. Das Wort Nachgeburt beschreibt diesen Vorgang.

Wenn sich die befruchtete Keimblase einnistet, gräbt sie sich tief in die Gebärmutterschleimhaut ein. Zellen der Eihülle verbinden sich mit dem Gewebe der Gebärmutter und werden so zur Plazenta. Nach und nach entwickelt sich aus diesen embryonalen und mütterlichen Zellen ein stattliches Organ, das zum Schluss einen Durchmesser von rund 20 cm hat und bei guter Durchblutung sogar bis zu 1 Kilo wiegen kann.

Dafür, dass das mütterliche Blut vom kindlichen getrennt bleibt, sorgt die Plazenta-Schranke. Die schützende Fruchtblase, in die das Kind eingehüllt ist und die es von der Gebärmutter trennen, gehört hingegen nicht zur Plazenta.

Sie kann an verschiedenen Stellen anwachsen:

Je nachdem, wo sich die Eizelle eingenistet hat, kann die Plazenta an verschiedenen Stellen in der Gebärmutter wachsen. Man unterscheidet zwischen Vorderwand-Plazenta, Hinterwand-Plazenta sowie der problematischen Form Plazenta Praevia, bei der der Mutterkuchen ganz oder teilweise vor dem Muttermund sitzt. Aber dazu später mehr.

Sowohl Vorderwand- als auch Hinterwand-Plazenta sind normal. Sie bringen keine Einschränkungen für das Baby mit sich. Bei der Vorderwand-Plazenta kann es lediglich passieren, dass du die Bewegungen deines Babys erst etwas später spürst. Denn die zusätzliche Schicht zwischen Baby und Bauchdecke verringert die Reizleitung. Auch ist es möglich, dass aus dem gleichen Grund Hebamme oder Arzt die Herztöne etwas schwerer hören können. Nichts, was dir jedoch Sorgen bereiten sollte. Meist verschiebt sich die Plazenta mit wachsender Gebärmutter ohnehin weiter noch oben.

Die Plazenta versorgt, filtert und kann noch mehr

Die Aufgaben der Plazenta sind vielfältig. Sie gibt all die wichtigen Nährstoffe und Abwehrstoffe über die Nabelschnur an dein Baby weiter, die es braucht. Wenn ihm bestimmte Vitamine oder Mineralien, Aminosäuren oder einfach nur Glukose fehlen, kommt diese Information in Form von Heißhunger bei dir an. Mit fortschreitender Schwangerschaft ist die Plazenta das Organ, das sich am meisten aus deinem Blut zieht. Stoffwechselprodukte des Babys werden ebenfalls über die Plazenta in dein Blut weitergegeben und dann von deinen Organen abgebaut.

Die Plazenta-Schranke

Damit nicht alles ungefiltert beim Baby ankommt, gibt es die Plazenta-Schranke. Diese dünne Membran filtert Moleküle ab einer bestimmten Größe aus dem mütterlichen Blut heraus. Viele Bakterien, Viren aber auch deine eigenen Blutzellen können die Schranke nicht passieren. So ist es überhaupt möglich, dass du ein Baby anderer Blutgruppe austragen kannst, ohne dass euer Blut verklumpt.

Leider schaffen es kleine Moleküle dennoch durch die Schranke. Weshalb z.B. der Konsum von Alkohol, Nikotin sowie bestimmte Schadstoffe und Medikamente auch bei Baby großen Schaden anrichten können.

Hormone und Abwehrstoffe

Aber die Plazenta kann noch mehr. Sie produziert ab der Einnistung das Schwangerschafthormon hCG, das für die Übelkeit verantwortlich ist. Etwa ab etwa der 12. Woche übernimmt sie die Progesteron-Produktion. Vorher war dafür der von der Eihülle zurückgebliebene Gelbkörper im Eierstock zuständig. Progesteron ist das Hormon, das die Schwangerschaft überhaupt aufrecht erhält.

Zusätzlich produziert sie selbständig Abwehrstoffe, die das Baby vor Krankheiten schützen.

Mögliche Komplikationen während der Schwangerschaft

Wie jedes Organ kann auch die Plazenta mehr oder weniger gut arbeiten. Die meisten Schwangeren werden keine Probleme haben, aber einige wenige dann leider doch. Welche Besonderheiten es gibt und wie sie behandelt werden, stellen wir im Anschluss kurz vor.

Plazentainsuffizienz

Plazentainsuffizienz bedeutet eine mangelnde Leistungsfähigkeit des Mutterkuchens. Sie kann akut (plötzlich) oder chronisch sein. Die akute Form ist für das Kind und auch für dich lebensbedrohlich. Meist muss sofort entbunden werden. Sie kommt zum Glück sehr selten vor.

Die chronische Plazentainsuffizienz wird in der Regel durch einen Ultraschall festgestellt. Meist ist das Wachstum des Fötus verlangsamt und die Fruchtwassermenge verringert. Ursache ist oft eine Grunderkrankung der Mutter wie Diabetes, Nierenprobleme oder Bluthochdruck. Je nach Schweregrad können strikte Bettruhe, ein Krankenhausaufenthalt bis hin zu sofortiger Entbindung nötig werden.

Placenta Praevia

Aus dem lateinischen übersetzt heißt Praevia so viel wie „im Weg liegend“. Eine Placenta praevia liegt vor, wenn die Plazenta vor oder zumindest teilweise vor dem Muttermund sitzt und so den Geburtskanal versperrt. Die endgültige Diagnose wird erst ab der 24. Schwangerschaftswoche gestellt. Vorher kann sich die Plazenta durch die wachsende Gebärmutter noch nach oben verschieben.

plazenta-praevia

Die Placenta praevia kann in unterschiedlichen Ausprägungen daherkommen. Wenn der Muttermund komplett versperrt ist, ist ein Kaiserschnitt nötig. Bei milderen Formen kann ja nach Gesundheitszustand von Mutter und Kind eventuell auch eine normale Geburt versucht werden.

Placenta Accreta

Eine Placenta Accreta bedeutet, dass die Plazenta mit der Gebärmuttermuskulatur verwachsen ist. Die schützende Schleimhaut dazwischen fehlt. Bei der Placenta Increta ist sie sogar komplett in die Muskulatur eingewachsen. Beides macht während der Schwangerschaft keine Probleme und fällt auch im Ultraschall kaum auf. Erst nach der Geburt kommt es zu Auffälligkeiten, nämlich dann, wenn sich die Plazenta nicht richtig lösen lässt. Starke Blutungen sind die Folge – ein absoluter medizinischer Notfall. Meist hilft nur eine sofortige Ausschabung, viel blutungshemmendes Oxytocin und im Notfall Blutkonserven.

Vorangegangene Ausschabungen, Myom-Operationen und Kaiserschnitte erhöhen das Risiko. Auch mit steigendem Alter steigt die Zahl derartiger Komplikationen. Weshalb in diesen Fällen eine Entbindung in der Klinik der im Geburtshaus vorzuziehen ist.

So lässt sich die Plazenta untersuchen

Bei jeder Ultraschallkontrolle des Embryos/Fötus wird auch die Plazenta gleich mit begutachtet. Vor allem die Entwicklung der Blutgefäße und die Menge des Fruchtwassers geben dann Ausschluss darüber, wie gut sie arbeitet.

Gibt es Auffälligkeiten in der Entwicklung des Babys, kann der Arzt zu einer Biopsie raten. Das Verfahren wird auch Chorionzotten-Biopsie oder Plazenta-Punktion genannt. Diese wird meist durch die Bauchdecke durchgeführt, in seltenen Fällen auch durch den Muttermund. Ziel ist hier nicht, die Funktionsfähigkeit der Plazenta zu überprüfen, sondern Erbgutfehler des Ungeborenen zu diagnostizieren.

Was nach der Geburt mit der Plazenta passiert

Wenn dein Kind auf normalem Weg geboren wurde, dauert es noch eine Weile, bis auch die Plazenta abgestoßen und „geboren“ wird. Die sogenannte Nachgeburt findet meist innerhalb einer halben bis einer Stunde statt. Dann überprüfen Arzt oder Hebamme, ob sich auch alles gelöst hat oder ob Teile fehlen. Reste sollten nicht in der Gebärmutter verbleiben, da diese Infektionen und schwere Blutungen auslösen könnten. Deshalb wird im Notfall ausgeschabt.

nachgeburt

Hattest du einen Kaiserschnitt, entfernt der Arzt die Plazenta gleich nachdem er das Kind auf die Welt geholt hat.

Wenn du es wünschst, darfst du sie dir natürlich anschauen. Die meisten Frauen interessieren sich aber wenig dafür. Abhängig von deinen Wünschen gibt es verschiedene Möglichkeiten, was nun mit der Plazenta passiert.

Die Plazenta wird entsorgt

Krankenhäuser entsorgen die Plazenta zusammen mit anderen Operations“abfällen“ im Sondermüll. Geburtshäuser dürfen das nicht. Hier musst du die Entsorgung selbst übernehmen. Die Plazenta wird dir dann in einer Plastiktüte ausgehändigt.

Du möchtest sie behalten

Wenn du noch weitere Pläne mit dem Mutterkuchen hast, darfst du die Plazenta behalten. Das ist erlaubt, denn rechtlich gesehen gehört sie dir.

Es gibt verschiedene Bräuche rund um die Plazenta. Manche vergraben sie im Garten und pflanzen ein Lebensbäumchen darauf. Andere machen damit einen Abdruck und hängen sich das Bild an die Wand. Wieder andere essen Teile davon oder lassen sich daraus Pillen oder Globuli herstellen.

Vor allem der Verzehr frischer oder getrockneter Plazenta ist mit Risiken behaftet. Denn die Plazenta ist eben auch ein Filterorgan und kann Bakterien sowie Schadstoffe in höherer Konzentration aufweisen. Wenn sie nicht zu 100% sicher verarbeitet wird, kann das gefährlich werden. Das es irgendeinen positiven Nutzen hat, ist nicht erwiesen.

Sonderfall: Lotusgeburt

Bei einer Lotusgeburt bleibt das Kind mit der Plazenta verbunden, bis die Nabelschnur von selbst abfällt. Dieser Methode werden Vorteile für das Baby nachgesagt. Es handelt sich dabei aber lediglich um Annahmen. Wissenschaftlich belegt ist nichts davon. Es gibt auch Stimmen, die sagen, dass das Baby durch die einsetzenden Verwesungsprozesse unnötig gefährdet wird. Mehr dazu kannst du in unserem Artikel „Lotusgeburt: entbinden ohne abzunabeln“ nachlesen.

Hast du noch Fragen rund um die Plazenta? Was hast du damit vor oder was hast du mit ihr nach der Geburt gemacht? Schreib uns gern einen Kommentar!

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