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Wochenbettdepression bei Männern

Wochenbettdepression bei Männern: Symptome, Auslöser & Hilfe

Inhaltlich geprüft von Hebamme Emely Hoppe.

Du hältst dein Baby im Arm, aber empfindest kein Vaterglück? Auch Väter können von einer postpartalen Depression betroffen sein. Alles über die Symptome, die Ursachen und die Behandlungsmöglichkeiten einer Wochenbettdepression bei Männern erfährst du hier.

Das Wichtigste in Kürze

  • Klassische Anzeichen einer Wochenbettdepression bei Männern sind: Freud- und Antriebslosigkeit, Selbstzweifel, Gereiztheit.
  • Bei leichten Fällen der postpartalen Depression hilft es oft schon, mit einer vertrauten Person darüber zu sprechen.
  • Bei mittelschweren bis schweren Fällen können eine psychotherapeutische Gesprächstherapie und/oder eine medikamentöse Behandlung notwendig sein.
  • Als Ursache gelten unter anderem Beziehungsprobleme, finanzielle Sorgen, seelische Vorerkrankungen und/oder eine Partnerin, die unter einer postpartalen Depression leidet.
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Definition: Was ist eine Wochenbettdepression?

Eine Wochenbettdepression ist eine seelische Erkrankung nach der Geburt. Sie wird auch als postpartale Depression (PPD) bezeichnet und kann bei Frauen und Männern auftreten. Als Auslöser gelten körperliche und psychische Faktoren (dazu später mehr). Im Internet findest du auch unter dem Begriff „postnatale“ Depression Informationen zur Wochenbettdepression. Die korrekte medizinische Bezeichnung lautet jedoch „postpartal“.

Rund 5 bis 10 Prozent der Väter leiden nach der Geburt unter einer postpartalen Depression. Die Dunkelziffer liegt vermutlich höher. Denn Männer neigen aus Scham dazu, ihre Beschwerden zu verschweigen.

Symptome: Woran erkennt man eine Wochenbettdepression bei Männern?

Die Symptome einer Wochenbettdepression bei Männern ähneln den Symptomen einer Wochenbettdepression bei Frauen. Oft setzen sie jedoch zu einem späteren Zeitpunkt ein (dazu gleich mehr). Eine Wochenbettdepression äußert sich psychisch und körperlich.

Psychische Anzeichen:

  • Antriebslosigkeit
  • Müdigkeit
  • Freudlosigkeit
  • Gleichgültigkeit gegenüber dem Kind oder der Partnerin
  • Schwierigkeiten, Liebe für das Neugeborene zu empfinden
  • Gefühl, überfordert und ein schlechter Vater zu sein
  • Schuldgefühle gegenüber dem Baby, die aus dem Gefühl resultieren, kein guter Vater zu sein
  • Übermäßige Ängste und Sorgen um das Wohlergehen des Kindes
  • Generelle Zweifel an den eigenen Fähigkeiten, Verlust des Selbstvertrauens
  • Konzentrationsschwierigkeiten im Beruf
  • Fluchtgedanken, bei gleichzeitig starken Schuldgefühlen
  • Im schlimmsten Fall: Suizidgedanken oder Selbstverletzung.

Manche Väter reagieren auch mit Gereiztheit oder Aggression auf ihre innere Zerrissenheit. Der Schlafmangel trägt sein Übriges zur erhöhten Reizbarkeit bei.

Körperliche Anzeichen:

  • Schlafstörungen
  • Verspannungen
  • Magenschmerzen
  • Kopfschmerzen
  • Durchfall
  • Herz-Kreislauf-Beschwerden.

Treffen mehrere Symptome einer Wochenbettdepression auf dich zu und halten diese länger als zwei Wochen an, solltest du ärztlichen Rat einholen.

Tipp: Unser Wochenbettdepression-Test liefert einen ersten Hinweis darauf, ob du möglicherweise unter einer Wochenbettdepression leidest. Er dient Müttern und Vätern zur ersten Selbsteinschätzung.

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Behandlung und Hilfe: Was hilft bei einer Wochenbettdepression?

Auch wenn es schwerfällt: Sprich mit deiner Partnerin, deiner Familie oder Freunden über deine Gefühle. Oft sind bereits Gespräche mit Menschen, denen man vertraut, hilfreich, um eine beginnende depressive Verstimmung zu lindern. Auch eure Hebamme kann eine erste Ansprechpartnerin sein. Nimm Hilfe an: Du bist nicht allein!

Es ist außerdem ratsam, den Hausarzt aufzusuchen. Er kann einschätzen, inwiefern du therapeutische Hilfe benötigst. Du solltest keinesfalls aus Scham darauf verzichten. Eine Wochenbettdepression ist eine ernst zu nehmende Erkrankung. Aber: Sie ist gut behandelbar.

Behandlungsmöglichkeiten:

  • Psychotherapie
  • Medikamente
  • In besonders schweren Fällen (etwa bei Suizidgedanken): Stationäre Behandlung.

Oft genügt eine Gesprächstherapie. Die Einnahme von Antidepressiva ist nur in schweren Fällen nötig. Auch Sport trägt zur Genesung bei. Durch die körperliche Betätigung werden Glückshormone im Gehirn ausgeschüttet und das Level des Stresshormons Cortisol sinkt. Verschiedene medizinische Studien kamen daher zu dem Schluss, dass Sport bei der Behandlung depressiver Verstimmungen eine unterstützende Wirkung haben kann.

Tipp: Vater-Kind-Kur beantragen

Manchmal genügt bereits eine Auszeit, um die Beschwerden zu lindern. Das deutsche Müttergenesungswerk bietet zu diesem Zweck Vater-Kind-Kuren an.

Beratungs- und Hilfsangebote:

Der Verein Schatten und Licht e.V. wendet sich an Mütter und Väter, die an einer Wochenbettdepression leiden. Auf der Homepage des Vereins findest du eine ausführliche Selbsthilfegruppen- und BeraterInnen-Liste.

Darüber hinaus haben Familien die Möglichkeit, sogenannte „frühe Hilfen“ in Anspruch zu nehmen. Zu diesem Programm für junge Eltern gehören beispielsweise Familienhebammen oder Familienpaten. Sie stehen betroffenen Familien zur Seite und bieten gezielt Unterstützung im Alltag.

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Ursachen und Risikofaktoren: Wie kommt es zu einer Wochenbettdepression bei Männern?

Viele betroffene Männer entwickeln eine Wochenbettdepression, weil ihre Partnerin an einer postpartalen Depression leidet oder litt. Als weitere Ursachen gelten Beziehungskonflikte und seelische Vorerkrankungen. Aber: Es gibt nicht den einen Auslöser für eine Wochenbettdepression. Meist kommen mehrere Faktoren zusammen.

Besonders gefährdet sind Männer…

  • deren Partnerin unter einer Wochenbettdepression leidet oder litt. (Man spricht hier von einer „depressiven Ansteckung“.)
  • die bereits früher eine Depression hatten und/oder gesundheitlich sehr angeschlagen sind.
  • die eine traumatische Schwangerschaft und/oder Geburt miterlebt haben.
  • die bereits während der Schwangerschaft und/oder nach der Entbindung von Beziehungsproblemen betroffen sind.
  • die Probleme haben, sich in die ungewohnte Vaterrolle einzufinden.
  • die sich durch die enge Bindung zwischen Mutter und Baby ausgeschlossen fühlen.
  • denen die neuen Pflichten und der „Verlust“ der persönlichen Freiheit zu schaffen machen.
  • die finanziell zu kämpfen haben. (Die zusätzliche Belastung, eine Familie ernähren zu müssen, kann eine depressive Erkrankung befeuern.)

Ungeachtet aller Risikofaktoren gilt: Es kann jeden treffen.

Dauer: Wann tritt die Wochenbettdepression bei Männern auf und wann wird sie besser?

Eine Wochenbettdepression stellt sich bei Vätern etwa drei bis zwölf Monate nach der Geburt ein. Wie lange sie dauert, ist individuell verschieden. Die Symptome können durchaus mehrere Monate anhalten. Durch die Behandlung verläuft die Wochenbettdepression bei Männern aber kürzer und milder.

Abgrenzung zum Babyblues

Es ist wichtig, die Wochenbettdepression vom sogenannten Babyblues (Postpartale Dysphorie) abzugrenzen. Beim Baby Blues handelt es sich um eine durch starke Gefühls- und Stimmungsschwankungen gekennzeichnete emotionale Instabilität, die kurz nach der Geburt des Babys auftreten kann. Als Auslöser des Babyblues gelten unter anderem Schlafmangel und Schwierigkeiten, sich in die neue Rolle als Papa einzufinden. Im Gegensatz zur Wochenbettdepression dauert das Stimmungstief beim Baby Blues jedoch nur wenige Tage bis zwei Wochen an.

Folgen: Welche Auswirkungen kann eine Wochenbettdepression bei Männern haben?

Es kann zu Schwierigkeiten innerhalb der Partnerschaft kommen, wenn ein Elternteil unter extremen Stimmungsschwankungen leidet. Auch in der Kindererziehung können Konflikte entstehen. Depressiven Eltern fällt es oft schwer, Zeit mit ihrem Kind zu verbringen und sie halten körperlich mehr Abstand. Generell ist die Beziehung zum Kind schwierig, da die Betroffenen (ob Männer oder Frauen) oft ambivalente Gefühle dem Baby gegenüber haben.

Weiterhin kann eine unbehandelte Wochenbettdepression auf das Kind „abfärben“. Es kann emotionale Probleme entwickeln und/oder Verhaltensauffälligkeiten zeigen. Eine Wochenbettdepression kann sich verschiedenen Studien zufolge bis in die Jugend des Kindes negativ auswirken. Zudem erhöht sich das Risiko, dass die Kinder später selbst an depressiven Verstimmungen leiden.

Fazit: Lass dir helfen!

Wenn du nach der Geburt deines Kindes deprimiert, mut- und antriebslos bist oder sonstige Symptome einer Wochenbettdepression an dir erkennst, nimm Hilfe in Anspruch! Du bist kein schlechter Vater, weil du an einer postpartalen Depression leidest. Es kann jeden treffen. Wichtig ist, dass du dir helfen lässt. Dann wird es dir bald besser gehen.

🎧 Podcast: #105 – Väter im Wochenbett

Hör jetzt in diese großartige Podcastfolge zum Wochenbett mit Lea und Alex von „the weeks“ rein. Auch die Wochenbettdepression bei Männern ist Thema (etwa ab Minute 17). Ihr erfahrt, wie ihr gemeinsam als Partner die emotionale Wochenbettzeit meistern könnt. Wenn dir unser Podcast gefällt, dann abonnier ihn doch direkt bei Spotify oder iTunes, um keine Folgen mehr zu verpassen.

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Quellen

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