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Kaisergeburt: Was ist das?

Was ist eine Kaisergeburt? Besonderheiten & Kritik

Inhaltlich geprüft von Hebamme Emely Hoppe.

Die Kaisergeburt soll Eltern bei einem Kaiserschnitt ein positiveres Geburtserlebnis ermöglichen als bei der klassischen OP-Methode. Wir erklären dir, was die Besonderheit der Kaisergeburt ist und warum sie in der Geburtsmedizin so heftig diskutiert wird.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei der Kaisergeburt handelt es sich um einen abgewandelten Kaiserschnitt.
  • Die Geburtsmethode wurde an der Berliner Charité entwickelt.
  • Ihr Ziel: ein positiveres Geburtserlebnis für die Eltern.
  • Hebammen und Fachverbände kritisieren, dass die Risiken der OP dabei in den Hintergrund rücken und Wunschkaiserschnitte gefördert werden.
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Die Kaisergeburt (Charité Cesarean Birth), besser gesagt diese spezielle Ausführung des Kaiserschnitts, wurde 2012 von Prof. Dr. Wolfgang Henrich an der Berliner Charité eingeführt. Vorbild dafür war der „natürliche Kaiserschnitt“, der einige Jahre zuvor in Australien entwickelt wurde. Dabei ist die Kaisergeburt nicht etwa eine völlig neuartige OP-Methode. Es handelt sich bei ihr immer noch um eine Schnittentbindung (Sectio). Allerdings gibt es im Ablauf einige Unterschiede zum klassischen Kaiserschnitt.

Ablauf der Kaisergeburt

In der Vorbereitung gibt es noch keine Abweichungen zur klassischen Methode: Aufklärung, Betäubung, Legen der Zugänge, Abdecken des OP-Bereichs mit sterilen Tüchern, Setzen eines Sichtschutzes zwischen Eltern und Bauch. Dann werden die Bauchdecke und die nötigen Gewebeschichten geöffnet, vorzugsweise nach der „sanften“ Misgav-Ladach-Technik. Genaueres zum Ablauf eines Kaiserschnitts erfährst du in unserem Artikel:

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An dieser Stelle aber kommt die Besonderheit: Das Tuch, das bisher als Sichtschutz diente, wird gesenkt. Die Mutter und der Vater können nun dabei zusehen, wie das Baby mit dem Köpfchen voran langsam aus dem Bauch gehoben wird. Manchmal wird die Mutter auch zum Mitpressen angehalten. Das soll das Geburtserlebnis einer vaginalen Geburt imitieren. Weil der Schnitt unterhalb des runden Bauchs gesetzt wird, können die Eltern übrigens zu keinem Zeitpunkt in das Innere des Bauchraums schauen. Sie müssen also keine Angst vor unfreiwilligen Blicken auf Gewebe, Organe und zu viel Blut haben.

Geht es dem Neugeborenen soweit gut, wird es sofort auf die nackte Brust der Mutter gelegt und mit einem warmen Handtuch zugedeckt. Nach dem Abklemmen kann der Vater die Nabelschnur durchtrennen. Anschließend wird der Sichtschutz wieder gehoben und verdeckt den Blick auf den OP-Bereich. Erst jetzt wird die Plazenta herausgehoben und der Bauchraum wieder verschlossen. Geht es dem Baby gut, kann es die gesamte Zeit über auf der Brust der Mutter bleiben. Es wird dabei stets von einer Hebamme beobachtet. Auch ein Kinderarzt ist dabei und hat den Zustand des Babys im Blick. 

Sollte es Komplikationen geben, wie übermäßig starke Blutungen, wird der Sichtschutz übrigens nicht gesenkt. Sollte das Kind Anzeichen von Problemen zeigen, wird es, wie sonst auch üblich, erst medizinisch versorgt, bevor es zu seiner Mama kann.

Unterschied zwischen Kaiserschnitt und Kaisergeburt

Der Unterschied zur klassischen Kaiserschnitt-OP liegt vorwiegend darin, dass die Eltern dabei zusehen können, wie ihr Kind zur Welt kommt. Normalerweise versperrt ihnen der Sichtschutz den Blick darauf. Der Arzt oder die Ärztin holt das Baby zügig heraus und übergibt es dem Kinderarzt oder der Kinderärztin. Je nach Verfassung des Neugeborenen wird es den Eltern kurz gezeigt und dann direkt zur Untersuchung mitgenommen. Es war bis dato üblich, dass die Frau ihr Baby erst nach Abschluss der OP wirklich anschauen und berühren kann. 

Bei der Geburtsmethode der Berliner Charité wird besonders Wert darauf gelegt, dass die Eltern vom ersten Moment an so viel Blick- und Hautkontakt wie möglich zu ihrem Baby haben können. Eine weitere Besonderheit: Der OP-Saal soll mit Wärme, gedimmtem Licht und möglichst viel Ruhe eine gemütlichere Atmosphäre vermitteln, als bei einer klassischen OP.

Ziele der Kaisergeburt

Warum das alles? Im Fokus dieser Methoden stehen 2 Dinge. Zum einen soll Frauen, die – aus welchem Grund auch immer – per Kaiserschnitt entbinden, die Chance auf ein positiv empfundenes Geburtserlebnis gegeben werden. Denn Studien zeigen, dass sich ein Kaiserschnitt negativ auf die Zufriedenheit mit der Geburt auswirkt. Sicher nicht bei allen Müttern, doch die Studienlage ist da recht eindeutig. Demnach neigen Mütter, die eine Schnittentbindung hatte, eher zu Depressionen und Bindungs-Schwierigkeiten zum Kind. Häufig formulieren die Mütter es selbst etwa so oder so ähnlich: „Da war plötzlich dieses Kind und ich wusste einfach nicht, ob es wirklich mein Kind ist.“ Die Kaisergeburt soll ihnen dabei helfen, die Geburt besser zu verarbeiten, indem sie sie aktiver einbezieht.

Zum anderen soll diese Methode den Erstkontakt zwischen Baby und Mutter fördern, insbesondere den so wichtigen Hautkontakt. Das fördert das Bonding und das Stillen und wirkt beruhigend auf das Baby.

Und was bringt es wirklich?

Inzwischen wurde die eine oder andere Studie zur Kaisergeburt durchgeführt. Alles in allem zeigen sie, dass Eltern nach einer Kaisergeburt durchaus zufriedener sind, als nach einer klassischen OP. Außerdem würden sie im Vergleich häufiger stillten.

Auf medizinische Faktoren wie den APGAR-Wert des Neugeborenen oder den gesundheitlichen Zustand der Mutter hat die Sectio-Methode aber keine Auswirkungen. Die unterscheiden sich nach einer Kaisergeburt nicht von denen nach einem normalen Kaiserschnitt. 

Für wen und wo ist die Kaisergeburt möglich?

Laut einer Studie der Charité Berlin kann die Kaisergeburt ab der 37. SSW, bei geplanten und ungeplanten Kaiserschnitten und mit gesunden Babys sicher durchgeführt werden. Die Eltern haben dabei jederzeit die Möglichkeit, doch noch auf das Senken des Tuchs zu verzichten, auch, wenn die OP schon begonnen hat. Bei einem Notfallkaiserschnitt muss es schnell gehen, daher kann die Methode hier nicht angewendet werden. 

Inzwischen bieten einige Kliniken die Entbindung nach dieser Geburtsmethode an. Ob auch deine Wunsch-Klinik dabei ist, erfährst du meistens schon auf ihrer Webseite. Oder du fragst telefonisch oder beim Info-Abend nach.

„Pseudo-Spontangeburt“: Kritik an der Kaisergeburt

‚Klingt doch toll, was gibt es hieran bitte zu kritisieren?‘ fragst du sich jetzt vielleicht auch. Einer der größten Kritikpunkte von Hebammen und Fachverbänden liegt bereits im Begriff „Kaisergeburt“. Sie stören sich daran, dass er die Risiken einer Schnittentbindung herunterspielen würde. Denn egal, ob ein Tuch als Sichtschutz bleibt oder gesenkt wird, es ist und bleibt eine Operation am offenen Bauch, mit all ihren Risiken und Nachteilen, wie dem Infektions- und Verletzungsrisiko, möglichen Wundheilungsstörungen oder Vernarbungen. Das darf dabei nicht vergessen werden.

Am natürlichsten und sichersten für Mutter und Kind ist und bleibt die vaginale Geburt, solange es keine zwingenden medizinischen Gründe für einen Kaiserschnitt gibt. Doch die Kaisergeburt würde den Eindruck vermitteln, die Natürlichkeit der vaginalen Entbindung mit den vermeintlichen Vorteilen einer Schnittentbindung zu verbinden: „Geburtsängste werden hochgespielt und mit dem Lösungsansatz „Kaiserschnitt“ instrumentalisiert.“, kritisiert die DGPFG in einer Stellungnahme. Diese „Pseudo-Spontangeburt“ würde Wunschkaiserschnitte fördern und die ohnehin recht hohe Kaiserschnittrate weiter ansteigen lassen. 

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Prof. Dr. Henrich, Entwickler der Kaisergeburt, entgegnet diesen Vorwürfen übrigens, dass es nicht das Ziel sei, unnötige Kaiserschnitte zu fördern. Stattdessen sollen die medizinisch notwendigen Schnittentbindungen angenehmer für die Familien gestaltet werden.

Keine Diskussion gibt es um den wichtigen Erstkontakt für das Bonding zwischen Mutter und Kind. Doch dafür brauche es laut Kritikern nicht den Blick auf das Baby, wie es aus dem Mutterleib gehoben wird. Schließlich könnte auch dieser Moment im Nachhinein als traumatisch empfunden werden. Stattdessen fordern sie, den klassischen Ablauf einer Sectio baby- und familienfreundlicher zu gestalten, um den Erstkontakt zu fördern. 

Fazit

Für medizinisch empfohlene Kaiserschnitte kann die Methode von Prof. Dr. Henrichs eine Möglichkeit sein, das Geburtserlebnis für Eltern schöner zu gestalten. Vor allem, wenn die OP ungeplant durchgeführt werden muss, kann sie insbesondere den Müttern vielleicht dabei helfen, die Geburt positiver zu erleben. Es darf jedoch nicht vergessen werden, dass es sich trotzdem noch um eine OP handelt. Eine Kaisergeburt darf niemals Grund genug für einen Wunschkaiserschnitt sein. 

Hast du noch Fragen oder Erfahrungen zur Kaisergeburt? Berichte uns gern davon in unseren Kommentaren!

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Quellen

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