Close Babelli.deBabelli.de

“Mein Kind (7) isst am liebsten mit den Fingern” – Was soll ich tun?

Wenn Kinder mit Fingern essen
Die meisten Kinder essen gern mit Fingern / Bild © Vladimir Godnik, Gettyimages

Isst ein Kind mit 7 Jahren am liebsten mit den Fingern, stellen sich unweigerlich viele Fragen. Ist es nur eine kurzzeitige Marotte oder steckt mehr dahinter?

Im Kleinkindalter ist es normal, wenn die kleinen Patschehändchen unserer Kinder den Löffel beiseitelegen (oder ignorieren), um leidenschaftlich in den Kartoffelbrei zu greifen. Ganz klar: Hier werden oftmals die fehlenden motorischen Fähigkeiten kompensiert. Erst recht, wenn man hungrig im Hochstühlchen sitzt. Im Alter von 7 Jahren sollte die Feinmotorik jedoch soweit ausgebildet sein, damit es mit dem Besteck wunderbar klappt. Doch es gibt Kinder, bei denen es auch in dem Alter vermeintlich nicht so gut klappt.

Kindliche Marotte oder steckt mehr dahinter?

Abgesehen vom typischen Fingerfood, ist es für die meisten Erwachsenen einfach ein Unding, mit den Fingern zu essen. Es zählt zu den Tischmanieren, die in unserer Gesellschaft ganz einfach zum guten Ton gehören und die man uns schon im frühesten Kindesalter anerzogen hat. Wenn das eigene Kind dann lieber regelmäßig die Finger nimmt, um die Köstlichkeiten vom Teller zu verzehren, fragen sich Eltern schnell, wie lange sie das durchgehen lassen können.

Meine Kinder haben ganz normal gelernt, mit Besteck zu essen. Erst mit dem Löffel, später dann natürlich auch mit Messer und Gabel. Und eigentlich dachte ich, das passt alles. Bis zu diesem Tag, an dem wir auf einer Hochzeit in einer großen Gesellschaft am Tisch saßen und meine jüngste Tochter (6) das Schnitzel mit der Gabel anpiekste und einfach abbiss. Ich hätte in Grund und Boden versinken können, so habe ich mich geschämt.

Mutter aus der babelli-Community

Dieses Mädchen hat also ganz normal den Umgang mit Besteck gelernt. Somit kann man eine gestörte oder gehemmte Feinmotorik ausschließen. Wir haben natürlich die Verfasserin dieser Nachricht gefragt und es stellte sich heraus: Das Messer war für die Kleine zu groß, zu schwer und zu unhandlich, weswegen sie sozusagen den Weg des geringsten Widerstands wählte. 

Eine andere Mutter schrieb uns:

Letztens waren wir nach einem tollen Tag am Meer im Restaurant etwas Essen. Unser Sohn (7) begann zunächst ganz normal mit Messer und Gabel zu essen. Plötzlich legte er jedoch das Besteck beiseite und aß seine Chicken-Nuggets ebenso wie die Pommes mit der Hand.

Mutter aus der babelli-Community

Bei diesem Beispiel zeigt sich: Kinder machen oftmals keinen nennenswerten Unterschied, ob das eigentliche Fingerfood im Restaurant oder an der Frittenbude gegessen wird. Und wenn wir ganz ehrlich sind, müssen wir zugeben, dass die Pommes im piekfeinen Restaurant wirklich immer dazu verführen, einfach die Finger zu nehmen.

Bei meinen Kindern (6 und 8) stelle ich immer wieder fest, dass sie manche Dinge wie Schnitzel lieber mit den Fingern essen. Auch wenn es mich zunächst echt schockiert und geärgert hat, dass erst der Große und dann die Kleine ihre guten Manieren einfach unter den Tisch fielen ließen: Es entpuppte sich einfach als einfachste Lösung, weil sich das Fleisch zum Beispiel nicht so einfach schneiden ließ.

Mutter aus der babelli-Community

Hier erklärt sich das kindliche Verhalten praktisch von selbst. Unsere kleinen Lieblinge sind mitunter clever, wenn etwas nicht so einfach geht. Muss schnell eine Lösung her, gehen sie zum Teil sehr unkonventionelle Wege. Die meisten Kinder im Grundschulalter möchten sich in der Öffentlichkeit nicht die Blöße geben, dass Mama und Papa ihnen beispielsweise Fleisch in mundgerechte Stücke schneiden. Schließlich sind sie keine Babys mehr.

<span style="align:center; font-size: 18px">Video-Empfehlung:</span> <style> native-player { aspect-ratio: 16/9; display: block; } </style> <script type="text/javascript" src="//syndication.target-video.com/native-player.js" async=""></script> <native-player></native-player>

Üblicherweise lernen Kinder durch Nachahmung. Sobald es mit der Beikost losgeht, werden sie versuchen, mit dem Löffel zu essen. Später kommen Messer und Gabel dazu, weil sie eben so essen möchten, wie ihre Eltern das tun. Und da ist es wieder: das elterliche Beispiel und Vorleben. 

Das bedeutet nun nicht automatisch, dass dein kleiner Schatz die gezeigten und vorgelebten Tischmanieren in jeder Situation eins zu eins umsetzt oder immer daran denkt. Gerade im Vorschul- und Grundschulalter kommt es häufiger zu Abweichungen von der Norm. Aber du solltest das Ganze nicht überbewerten.

Auffällig, oder nicht?

Du hast Angst, dass mehr dahintersteckt, wenn dein Kind im Alter von 6 oder 7 Jahren das Besteck ignoriert und lieber mit den Fingern isst? Keine Sorge: In den meisten Fällen steckt kein ernsthaftes Problem dahinter. Selbst wenn die motorischen Fähigkeiten bei deinem Kind noch nicht so weit entwickelt sind, dass sie mit teilweise klobigen Bestecktypen nur schwer zurechtkommen. 

Ist es jedoch auch in anderen Situationen auffällig, dass dein Kind ausgesprochen ungeschickt mit seinen Händen zu sein scheint oder sich generell immer unsicher bewegt, kann das auf eine Störung in der motorischen Entwicklung hinweisen. Allerdings würde sich das nicht allein in den Tischmanieren widerspiegeln, die dein Kind gelegentlich für sich etwas anders gestaltet.

Marotten überspielen Unsicherheiten

Das Essen mit den Fingern gehört nicht unbedingt zu den typischen kindlichen Marotten. Auch wenn man schnell auf diesen Begriff zurückgreift, wenn die Kinder lieber auf das Besteck verzichten. Allerdings gibt es tatsächlich eine Gemeinsamkeit: Wenn Kinder mit 7 Jahren am liebsten mit den Fingern essen, deutet das in den meisten Fällen auf eine Unsicherheit hin, die die lieben Kleinen damit überspielen wollen.

Es wird geschätzt, dass etwa 5% der Vorschulkinder und circa jedes 10. Kind im Schulalter gewisse Marotten entwickeln. Das ist in den meisten Fällen jedoch vollkommen normal und gehört einfach zur kindlichen Entwicklung dazu. Häufig werden Unsicherheiten damit überspielt. Isst dein Kind am liebsten mit den Fingern, kann es also daran liegen, dass es in einer bestimmten Situation unsicher ist und einfach auf die Finger zurückgreift, um Schnitzel und Co zu essen. 

Mitunter liegt es auch daran, dass dein Kind eine Stresssituation bewältigen muss, wie der Münchner Kinderpsychotherapeut Peter Lehndorfer sagt. Psychotherapeutin Annette Streeck-Fischer sieht Marotten als eine “Art Ventil, um Ängste, Unsicherheiten oder auch Nervosität zu überspielen”.

Was tun, wenn das Kind im Grundschulalter am liebsten mit den Fingern isst?

Liegt es an der fehlenden Feinmotorik? Oder ist es am Ende einfach nur ein wenig Bequemlichkeit, die an manchen Tagen bei Tisch die Oberhand gewinnt? 

Auch wenn es gerade beim Restaurantbesuch im ersten Moment für dich peinlich ist, solltest du unter dem Motto: “Probiers mal mit Gelassenheit” agieren. In der Regel verlieren sich derartige Marotten recht schnell wieder.

Bleib am besten ruhig und versuche zu ergründen, warum dein Kind mit den Fingern isst. Möglicherweise liegt es auch gar nicht immer daran, dass sich das Schnitzel nur schwer schneiden lässt, dein Kind zu müde ist oder das Besteck einfach zu unhandlich für die kleinen Hände ist. 

Du hast herausgefunden, woran es liegt? Dann kannst du unter anderem:

  • um ein Kinderbesteck bitten
  • mit besonders müden Kindern von vornherein lieber einen Imbissstand aufsuchen, anstatt ins teure Nobelrestaurant zu gehen

Du kannst das Ganze natürlich auch mit Humor nehmen. Entweder zeigst du deinem Kind einfach mal, welche Tischsitten in anderen Ländern normal sind.

Oder du spielst einmal verkehrte Welt. Dein Kind nimmt deinen Platz am Tisch ein und du darfst wieder Kind sein und dich so richtig “daneben” benehmen.

Was du nicht unbedingt tun solltest: in der Öffentlichkeit lautstark dein Kind maßregeln, weil es beim Essen die Finger zu Hilfe nimmt. Das ist für deinen Liebling beschämend. Sprich stattdessen lieber zu Hause in Ruhe darüber, wie es besser geht. Und verrate ihm vielleicht den einen oder anderen Trick, wie sich Schnitzel und Co einfacher schneiden lassen oder die Erbsen nicht links und rechts von der Gabel hüpfen.

Fazit

Gerade in der Öffentlichkeit fühlen sich Eltern peinlich berührt, wenn das Kind am liebsten mit den Fingern isst. Aber überbewerten solltest du das nicht, denn in der Regel steckt dahinter eine situationsbedingte Unsicherheit, die dein Kind mit den einfachsten Mittel zu überspielen versucht. 

Hast du ähnliche Situationen schon erlebt? Wie reagierst du, wenn dein Kind lieber mit den Fingern isst? Hinterlasse uns gern einen Kommentar.

6ca36c313dea4707a07458950c44f83a - “Mein Kind (7) isst am liebsten mit den Fingern” - Was soll ich tun?

Quellen

Veröffentlicht von Manuela Schneider

Schon als Erzieherin hat Manuela sich der kleinen und großen Dinge angenommen, die Vorschulkinder beschäftigen. Kreativ gestaltete sie für ihre Mäuse den Kindergartenalltag, sodass jeder Tag ein neues Abenteuer bereithielt. Als zweifache Mama hat sie sich diesen kreativen Einfallsreichtum ebenso beibehalten wie ihr besonderes Verständnis für das Gefühlsleben der Kleinen. Manuela sammelte unsagbar viele nützliche und wertvolle Erfahrungen in der Arbeit sowohl mit Kita-Kindern zwischen 3 und 6 Jahren als auch nach der Wende in Freizeiteinrichtungen für 6- bis 18-Jährige wie den Spielstuben, Kinderkreativ-Workshops und Jugendclubs der Stadt Chemnitz. Seit 2013 hat sie ihr Hobby zum Beruf gemacht und arbeitet als freiberufliche Autorin, die gefühlvoll in Worte fasst, was anderen nur auf der Zunge liegt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert