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Wie unsere Kinder weniger Sprachstörungen und Motorikprobleme entwickeln

Wie unsere Kinder weniger Sprachstoerungen und Motorikprobleme entwickeln 2 - Wie unsere Kinder weniger Sprachstörungen und Motorikprobleme entwickeln
Eltern können schon früh und ganz einfach etwas gegen Probleme beim Sprechen und Defizite bei der motorischen Koordination tun. / Bild ©Sergey Novikov, Adobe Stock

Viele Kinder können keinen Purzelbaum mehr und auch nicht gut sprechen: Eine neue Studie zeigt einen Anstieg der Entwicklungsprobleme bei Sprache und Motorik. Aber wir Eltern können schon bei Neugeborenen und Babys etwas dagegen tun. 

Macht ihr euch manchmal auch Sorgen um die Sprachentwicklung eures Kindes oder gibt es Auffälligkeiten bei den motorischen Fähigkeiten? Natürlich gib es viele Gründe, warum Kinder in manchen Bereichen besser sind und in anderen Defizite haben. Und nicht immer gibt es gleich einen Grund zur Sorge: Jedes Kind entwickelt sich bekanntermaßen anders, einiges ist auch einfach Talent und man muss auch nicht alles können. 

Aber: die Entwicklungsdefizite in Bezug auf Sprache und Motorik nehmen laut einer ganz neuen Studie einer Krankenkasse auffällig und kontinuierlich zu. 

Kinder haben zunehmend Störungen beim Spracherwerb sowie Defizite bei der motorischen Koordination 

Die Daten im BARMER Kinderatlas belegen, dass diese Entwicklungsdefizite bei Kindern in Deutschland weitverbreitet sind. In Hamburg zum Beispiel erkennen Ärzte im Jahr 2021 bei 14,6 Prozent der Kinder in der Stadt im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren eine sogenannte Entwicklungsstörung des Sprechens und der Sprache. Das sind 17.300. Im Jahr 2006 waren es nur etwa halb so viele Mädchen und Jungen. Susanne Klein, von der BARMER, sagt: „Die Zahl der Kinder mit Defiziten beim Sprechen liegt auf einem hohen Niveau. Störungen beim Spracherwerb gehören mit zu den häufigsten Diagnosen.“

Sprachdefizite führen zu weiteren Problemen

Mit Sprech- und Sprachstörungen ist ein begrenztes Vokabular, Schwierigkeiten in der Satzbildung und bei der Grammatik sowie Probleme in der Ausdrucksfähigkeit und bei der Lautbildung gemeint. Wenn Kinder hier schon Probleme haben, sind Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben, Störungen im Bereich der zwischenmenschlichen Beziehungen, in emotionalen Bereichen sowie im Verhalten zu erwarten. „Kinder erlernen Sprache durch Nachahmen. Deshalb ist es wichtig, dass Eltern viel mit ihrem Kind kommunizieren und Medienkonsum begrenzen“, so Klein.

Je öfter wir Eltern auf unser Handy schauen, desto weniger Interesse haben übrigens schon kleine Kinder an Sprache. Denn sie merken schnell, es kommt wenig Reaktion und Interaktion.

Motorische Entwicklungsstörungen nehmen auch zu

Deutlich zu sehen ist leider auch, dass es immer mehr Kinder mit motorischen Entwicklungsstörungen gibt. Zwischen 2006 und 2021 sind es hier sogar 60 Prozent mehr Kinder allein in Hamburg. Ein Grund dafür ist schlichtweg Bewegungsmangel: „Viele Kinder können heute weder Hampelmann noch Purzelbaum. Dabei sind gut entwickelte, motorisch koordinative Fähigkeiten wichtig für Schule und Alltag“, sagt Susanne Klein. 

Jetzt könnte man meinen, dass Lockdown und Pandemie schuld am schlechten Ergebnis wären – die Zahlen sagen aber erst einmal etwas anderes: „Wir sehen in den Daten über die Jahre einen Aufwärtstrend bei den umschriebenen Entwicklungsstörungen. Allerdings ist kein überproportionaler Anstieg in Zeiten der Lockdowns auszumachen“, meint Susanne Klein. 

Früh übt sich 

Ihr könnt eure Babys und Kleinkinder deshalb schon ganz früh motivieren, sogenannte fein- und grobmotorische Bewegungsabläufe zu machen. Das geht schon durch Schwimmen gehen mit dem Baby, Kneten, Malen oder Fingerspiele mit dem Kleinkind. Auch gutes Spielzeug fördert und fordert Bewegung und Motorik. Auf dem Spielplatz oder im Wald gibt es auch ganz natürlich fördernde und echte Erfahrungen, die euer Baby oder Kleinkind machen kann. Die Erlebnisse sind mit Bewegungsabläufen, Fühlen und natürlichem Sehen und Hören verbunden und begünstigen auch eine gesunde Sprach- und Motorik-Entwicklung. 

Medienkonsum einschränken und präsent sein

Die Sprech- und Sprachentwicklung unserer Kinder fördern wir Eltern auch, indem wir Babys und Kleinkinder nicht vor dem Fernseher, Handy oder Tablet parken. Denn das sind unnatürliche Erfahrungen in Bezug auf kindliche Entwicklung. Und wenn wir Eltern oft vor dem Tablet sitzen, kommunizieren wir auch weniger mit unseren Kindern oder sehen sie dabei gar nicht an. Die emotionale Intelligenz und Beziehungsfähigkeit bei Kindern, deren Eltern häufig aufs Handy schauen, leidet nachweislich.

Für eine gesunde Entwicklung können wir Eltern also möglichst präsent sein, Körperkontakt pflegen und auf Lachen, Weinen und Schreien schon kleiner Kinder reagieren. So lernen sie, dass Kommunikation ankommt, Gefühle gesehen und wahrgenommen werden und Interaktion entsteht.

Ulrike Lüdtke, Professorin für Sprachpädagogik und -therapie an der Leibniz-Universität Hannover erklärt in einem Artikel außerdem: „Das Kind lernt sprechen nicht nur dadurch, dass es Laute von den Lippen ablesen kann. Genauso wichtig sind Mimik, der Geruch, der Hautkontakt. All das ist förderlich für die Sprachentwicklung.“

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Frühe nonverbale Kommunikation mit Neugeborenen und Babys

Der Augenkontakt vertieft die Bindung zwischen Kind und Eltern und schafft Vertrauen. Diese frühe sogenannte nonverbale Kommunikation ist außerdem eine gute Grundlage für die spätere Sprachentwicklung, meinen Sprachtherapeuten. Wenn ein Baby oder Kleinkind quengelt, greifen wir manchmal aber zum Handy, um es „abzulenken“. Dabei braucht es echte menschliche Interaktion und Aufmerksamkeit oder körperliche Nähe. Frühe zwischenmenschliche Interaktion hilft laut Studien ein „relativ größeres frühes Vokabular“ zu entwickeln. Ein Beispiel dafür ist der Körper- und Augenkontakt beim Stillen oder Füttern von Babys und Kleinkindern. 

All diese wichtigen Erkenntnisse können uns helfen, den Medienkonsum von Kindern und unseren eigenen in Gegenwart der Kinder zu hinterfragen. Denn wie wir gelesen haben, benötigen unsere Babys und Kleinkinder Bezugspersonen zum Sprechen, echte Präsenz und Augenkontakt, gemeinsame Erlebnisse und Bewegung. Auch, wenn das im schnelllebigen Alltag und mit der Omnipräsenz von Medien und Homeoffice schwer ist, klingt es logisch und wir können uns das öfter zu Herzen und vornehmen. 

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Quellen

 

Veröffentlicht von Nina Gaglio

Nina ist Mama eines Grundschulkindes und seit 25 Jahren leidenschaftliche Reporterin und Redakteurin. Angefangen hat alles beim Fernsehen, wo Nina neben ihrem Germanistik, Anglistik und Medienwissenschaften Studium erste Erfahrungen sammeln konnte und dann 12 Jahre blieb. Danach kam viel PR und der Onlinejournalismus dazu. Familien- und Kinderthemen und die Arbeit mit Experten aus diesen Bereichen gehörte auch zum Redaktionsalltag. Und so war es nur logisch, dass Nina nach dem Mutterwerden auch für Parenting-Magazine schrieb.

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