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Was du über das Liebeskonto deines Kindes wissen solltest und wie du es auflädst

Machtkämpfe beim Anziehen, Stress beim Zähneputzen oder Trotzreaktionen auf alltägliche Bitten. Ständige Streitigkeiten belasten den Familienalltag. Unsere Kinder und wir Erwachsenen wünschen uns eigentlich Harmonie, Kooperation und Verbindung. Wenn es mit deinem Kind dennoch häufig zu Auseinandersetzungen kommt, ist vielleicht sein Liebeskonto leer. Wir verraten dir, wie du es auflädst und warum du dein Kind mit „Reichtum“ überschütten solltest.

Was ist ein Liebeskonto und wie wird man damit reich?

Wenn du etwas kaufen möchtest, bezahlst du das vermutlich mit Geld von deinem Konto. Damit das klappt, zahlst du regelmäßig auf dieses Konto ein, zum Beispiel dein Gehalt. Deine Miete, Weihnachtsgeschenke und hin und wieder ein paar Schuhe kannst du auf diese Weise bezahlen. Das Liebeskonto deines Kindes funktioniert ähnlich, mit dem Unterschied, dass auf diesem besonderen Konto kein Geld liegt.

Die Währung des Liebeskontos sind positive und negative Emotionen. Du kannst das Konto füllen, indem du beispielsweise Zeit, Zärtlichkeit, Aufmerksamkeit oder Verständnis einzahlst. Abhebungen sind negative Erfahrungen für dein Kind. Die funktionieren so lange, wie das Liebeskonto deines Kindes gefüllt ist. Gerät es ins Minus, wird die Kooperation schwierig.

Dein Kind ist viel eher bereit, eine unangenehme Erfahrung in Kauf zu nehmen, wenn sein Liebeskonto voll ist. Um seine Kooperation zu fördern und eine stabile Beziehung aufzubauen, solltest du dich also darum sorgen, regelmäßig auf dieses Konto einzuzahlen.

Einzahlungen

Das tolle am Liebeskonto: du brauchst weder hart noch besonders lange arbeiten, um es zu füllen. Mit ein bisschen Achtsamkeit und Übung kannst du dein Kind ganz einfach im Alltag emotional reich machen. Kleine alltägliche Aufmerksamkeiten sind dabei viel wichtiger als teure Geschenke und große Ausflüge. Es gibt unzählige Möglichkeiten einzuzahlen:

  • Sei präsent und achtsam. Widme deinem Kind volle Aufmerksamkeit, wenn du mit ihm spielst.
  • Nimm dir Zeit für die Dinge, die du mit deinem Kind gemeinsam machst. Versuche geduldig zu sein, wenn dein Kind nicht beim ersten Mal hört oder wenn etwas nicht gleich klappt.
  • Sing mit deinem Kind, spiele mit ihm, baue Türme, umsorge Puppen, verarzte Kuscheltiere, lese ihm vor.
  • Lass dein Kind mitmachen, wenn du kochst, backst, putzt, reparierst und sieh darüber hinweg, dass es länger dauert und nicht perfekt ist.
  • Unterbrich dein Kind nicht, wenn es beschäftigt ist. Essen, Zähneputzen oder Händewaschen können meist auch fünf Minuten warten.
  • Sei zärtlich. Kitzle, kuschle und umarme dein Kind, wenn es das möchte.
  • Sei witzig und spielerisch. Du bist genervt, weil dein Kind nicht so mitspielst, wie du es dir wünschst? Unterdrücke den Drang zu meckern und benutze zum Beispiel lieber deine „Roboterstimme“.
  • Lobe anschaulich. Dein Kind hat etwas besonderes geschafft oder geschaffen? Statt mit deinem üblichen „super“ zu antworten, könntest du dir konkret überlegen, was du toll findest. Hat dein Kind besonders lange geübt, hat es Mut bewiesen, hat es zum ersten Mal eine gerade Linie gemalt oder die Farben richtig benannt? Mit anschaulichem Feedback meldest du deinem Kind, dass du seine Mühen wahrnimmst.
  • Lächle und zeige deinem Kind, dass du gern mit ihm zusammen bist.
  • Verzichte auf ungefragte Ratschläge und höre aufmerksam zu, wenn dein Kind etwas erzählt.
  • Überlege dir eine schöne Aktivität außer der Reihe.
  • Überrasche dein Kind, zum Beispiel mit einem Frühstück in einer selbstgebauten Höhle, einem kleinen Obstteller, einer kleinen Spiellandschaft aus Legosteinen
  • Schenke deinem Kind Exklusivzeit. Am besten sie trägt den Namen deines Kindes. Wenn heute Nachmittag „Paul-Zeit“ ist, wird sich dein Kind besonders fühlen.
  • Fokussiere dich darauf, was dein Kind alles gut und richtig macht. Viel zu oft bemerken wir nur das Fehlverhalten unserer Kinder und lassen das Gute unerwähnt.
  • … …

Es geht nicht darum, dein Kind immer glücklich zu machen und ihm jeden Wunsch von den Lippen abzulesen. Wenn wir auf das Liebeskonto unseres Kind einzahlen, achten wir auf Menschlichkeit und Freundlichkeit. So schaffen wir eine positive Grundstimmung, die sich auch auf den Rest der Familie überträgt.

Abhebungen

Keine Mama und kein Papa ist perfekt. Wir alle lernen, machen Fehler und haben mal einen schlechten Tag. Daher ist es besonders wichtig, dass du in guten Zeiten das Liebeskonto deines Kindes so gut wie möglich füllst. Wenn du nach einem langen Tag mal ungeduldig bist und anders reagierst, als du es dir eigentlich gewünscht hättest, wird dein Kind das leichter verzeihen können. Schließlich hast du ein dickes Polster auf seinem Liebeskonto angehäuft. Abhebungen vom Liebeskonto sind zum Beispiel:

  • Unachtsame Sprache (Kommandieren, Drohen, Befehlen, …) Häufig sind das Dinge, die wir von unseren Eltern als Kinder gehört und verinnerlicht haben.
  • Kritik
  • Unterbrechungen und Abweichungen der Routine
  • Ein längerer Kita-Tag als sonst, ein Tag voller Erledigungen, ein Wochenende ohne Spiel-Zeit, ein abgesagter Kindergeburtstag
  • Die großen und kleinen Enttäuschungen im Kinderleben
  • Große Lebensveränderungen wie ein Umzug, ein neuer Kindergarten, ein neues Geschwisterkind, der Verlust eines Verwandten
  • Das Aufzeigen von Grenzen

Wie du siehst, sind nicht alle Abbuchungen „schlechte Verhaltensweisen“. Vielmehr sind es Ereignisse, die dein Kind emotional fordern und ihm deshalb positive Energie rauben. Natürlich ist es wichtig, dass du deinem Kind Grenzen aufzeigst. Es muss lernen Rücksicht zu nehmen und dass es nicht immer das tun kann, was es gerade möchte. Wenn es das Gefühl hat, geliebt zu werden, wird es auch nicht dadurch aus der Bahn geworfen. Es kann vielmehr annehmen, was du ihm vermitteln möchtest. Dennoch ist es erstmal eine Erfahrung im Negativ-Spektrum, wenn Mama sagt „Nein ich will nicht mehr, dass du das machst“. Doch die Kooperation wird umso besser sein, wenn das Liebeskonto deines Kind voll ist.

Wird mein Kind mit deinem vollen Liebeskonto immer kooperieren?

Nein! Es ist ja schließlich kein Roboter. Trotzdem wirst du mit der Zeit feststellen, dass euer Alltag einfacher und schöner ist. Denn das Liebeskonto ist einfach ein Konzept bei dem die Familienmitglieder nett zueinander sind. Die einzelnen Dinge die du für dein Kind tust, sollen sich auch nicht gleich in eine Gegenleistung umwandeln. Sie sollen dafür sorgen, dass dein Kind sich geliebt fühlt. Und mit einem so vollen Liebeskonto ist es einfacher, auch auf andere mehr Rücksicht zu nehmen, Feedback anzunehmen oder mal zurückzustecken und abzuwarten.

Mit Kindern über das Liebeskonto sprechen

Du kannst auch mit deinem Kind über das Liebeskonto sprechen. Schon 3-Jährige können sich darunter etwas vorstellen. Wenn dein Kind mit dem Begriff „Konto“ nichts anfangen kann, denke dir etwas weniger Abstraktes aus, wie zum Beispiel eine Schüssel. Erkläre also beispielsweise, dass wir alle eine Liebesschüssel haben. Jeder kann positive Gefühle in die Schüssel des anderen füllen. Diese entstehen zum Beispiel, indem wir ihn umarmen, freundlich mit ihm reden oder uns bedanken.
Manchmal ärgern wir uns oder sind traurig. Es kann auch passieren, dass wir uns streiten. Dann brauchen wir die Liebe aus dieser Schüssel. Wir sollten immer versuchen, die Liebe nachzufüllen, damit wir in schwierigen Zeiten davon zehren.

Wenn dein Kind das Konzept verstanden hat, kann es dir mitteilen, wenn sein Liebeskonto gerade leer ist. Oder du kannst konkret nachfragen, wie voll die Liebesschüssel gerade ist, wenn du merkst dass dein Kind heute überhaupt nicht hört. So eine bildliche Metapher ist oft leichter greifbar für Kinder, als das Benennen abstrakter Gefühle. Du könntest sogar mit deinem Kind eine solche Schüssel malen und zeigen, wie sie sich mit Herzen füllt, wenn du dein Kind auf der Schaukel anschubst und wie sie leerer wird, wenn das Lieblingsmüsli alle ist.

Außerdem kannst du deinem Kind vermitteln, dass es auch auf das Liebeskonto der anderen einzahlt und Abbuchungen macht. So schulst du kleinkindgerecht sein Empathievermögen.

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