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Neurodermitis bei Kindern: Was Eltern tun können

Beitragsbild Neurodermitis - Neurodermitis bei Kindern: Was Eltern tun können

Dein Kleinkind hat ständig eine gerötete Haut und klagt über quälenden Juckreiz? In der Kinderarztpraxis kam heraus, dass es Neurodermitis hat? Diese Hauterkrankung kann das Leben des Kindes stark belasten. Wir geben dir alle wichtigen Informationen und erklären, was du als Elternteil jetzt tun kannst, um dein Kind zu unterstützen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Neurodermitis bei Kindern ist die häufigste chronische Hauterkrankung im Kindesalter, die sich meist in den ersten beiden Lebensjahren entwickelt.
  • Die Symptome sind unter anderem ein quälender Juckreiz durch rote Pickel, Quaddeln und Hautentzündungen am Körper und im Gesicht. Häufig verläuft die Krankheit in Schüben.
  • Neurodermitis entsteht, wenn eine Allergie-Neigung und eine Überempfindlichkeit auf bestimmte Reizstoffe im Körper vorliegt.
  • Eltern betroffener Kinder werden durch die Kinderarztpraxis zu Medikamenten, Behandlung, Therapien und Risiko-Faktoren beraten.
  • Neben dem Kauf schonender Kinderkleidung und richtiger Körper- und Hautpflegeprodukte empfehlen wir, insbesondere auf die psychische Gesundheit des Kindes zu achten.
  • Es ist möglich, dass sich die Krankheit im Kindesalter wieder verwächst. Eine Garantie gibt es hier allerdings nicht.

Neurodermitis bei Kindern (atopische Dermatitis) ist die häufigste chronische Hauterkrankung im Kindesalter, die jedes 6. Kind unter 6 Jahren betrifft. Ziemlich häufig haben Babys und Kleinkinder schon mit 1-2 Jahren erste Neurodermitis-Symptome. Man spricht neben atopischer Dermatitis auch von atopischen Ekzemen, weil ein Zusammenhang der Neurodermitis mit anderen Allergien, wie Heuschnupfen und Asthma, bestehen kann (Atopie=Allergie-Neigung). Die Ekzeme können schnell wieder nachlassen, das ist insbesondere der Fall, wenn die Krankheit schon früh auftritt. Eine Garantie dafür gibt es nicht.

Symptome von Neurodermitis bei Kindern

Da die Talgproduktion von Kindern mit Neurodermitis verringert ist, kann sich kein schützender Fettfilm auf der Haut bilden. Die Folge? Die Haut ist trocken und offener für Reize. Es gibt dadurch keine Hautbarriere, also nur wenig Schutz.

Daraus ergeben sich etwa diese Symptome: 

  • Verdickungen an einzelnen Hautstellen, meist im Gesicht, in den Kniekehlen und Armbeugen
  • gerötete, sehr trockene Knötchen und Pickel
  • Wenn diese aufgekratzt werden, entstehen nässende Stellen
  • offene Ausschläge und Krusten, die sich leicht entzünden oder mit Krankheitskeimen infizieren können
  • Quälender und anhaltender Juckreiz der betroffenen Hautstellen
  • im Verlauf andere allergische Erkrankungen wie Heuschnupfen und Asthma 
  • Schlafprobleme vom Juckreiz und Kratzen

Möglicherweise hat das Kind zusätzlich dazu ein geringes Selbstbewusstsein, weil es ständig auf die Hautstellen angesprochen oder damit aufgezogen wird.

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Neurodermitis bei Kindern: Bilder

Wenn du diese Symptome bei deinem Kind beobachtest, kann es sich um eine Neurodermitis handeln. Eine Diagnose kann allerdings immer nur eine Ärztin/ein Arzt stellen. Hinweis: Im Anfangsstadium kann eine Neurodermitis zunächst auch ein Milchschorf oder eine Allergie sein (bei Säuglingen). Häufig zeigt sich die Neurodermitis auch in Schüben.

Ausschlag an der Hand
Neurodermitis Handgelenk - Neurodermitis bei Kindern: Was Eltern tun können

Hier ist ein Neurodermitis-Ekzem am Handgelenk. Im Anfangsstadium ist es kaum von einer Allergie zu unterscheiden.

Neurodermitis Ohr
Neurodermitis Ohr - Neurodermitis bei Kindern: Was Eltern tun können

Die verkrusteten Schuppen der Krankheit sind hier am Ohr des Kindes besonders stark ausgeprägt.

Neurodermitis im Gesicht
Neurodermitis Baby - Neurodermitis bei Kindern: Was Eltern tun können

Dieses Kind hat im Gesicht den typischen roten Hautausschlag der Krankheit. Nicht selten ist dann auch die Kopfhaut betroffen.

Ausschlag Kniekehle
Neurodermitis Kniekehle - Neurodermitis bei Kindern: Was Eltern tun können

Die roten Hautstellen bilden hier eine Entzündung in den Kniekehlen. Diese muss ggf. mit Kortison-Creme versorgt werden.

Wie entsteht eine Neurodermitis bei Kindern?

Die Medizin geht von einer Kombination aus verschiedenen Risiko-Faktoren aus, aus der sich die Krankheit entwickelt. Es gibt also nicht „die eine“ Ursache.

Diese Faktoren sind:

  • Eine angeborene Veranlagung im Körper des Kindes für Allergien und Hautreaktionen
  • Zusätzliche Reizstoffe und Allergene der Umwelt
  • Körperliche Belastungen und Infekte des Kindes
  • Psychischer Stress: Eingewöhnung, Umzug, Trennung der Eltern usw.

Neurodermitis gehört neben dem allergischen Asthma und Heuschnupfen zu den atopischen Hauterkrankungen. Das bedeutet, es gab einen „Trigger“, auf den das Immunsystem mit der Krankheit reagiert hat. Das kann auch schon eine hohe Hausstaubmilben-Belastung sein. Die Erkrankung kann – je nach Alter deines Kindes – noch im Anfangsstadium sein oder auch in Schüben verlaufen. In manchen Fällen verwächst sich eine Neurodermitis wieder.

Gut zu wissen: Beinahe alle Substanzen aus der Umwelt können Trigger sein. Als Elternteil gibt es also nichts, was du hier „falsch“ gemacht haben könntest. Der Körper deines Kindes ist schlichtweg anfällig für diesen Trigger gewesen und hat deshalb eine „harmlose“ Substanz als „gefährlich“ eingestuft.

Ernährung bei Neurodermitis Kindern

1/3 der Kinder mit Neurodermitis haben zusätzlich eine Nahrungsmittelallergie. Eine angepasste Ernährung ist allerdings nur sinnvoll, wenn auch wirklich eine Allergie vorliegt. Heutzutage ist es gar nichts so schwer, sich allergen-arm zu ernähren und dem Kind alternative Nahrungsmittel zu bieten. Lasse dich hier immer von dem Fachpersonal der Kinderarztpraxis beraten. Was das Kind essen darf oder was der Haut eher zusätzlich schadet, ist individuell und muss im Zweifel über ein Nahrungsmittel-Protokoll ausprobiert werden.

Lasst sich Neurodermitis mithilfe von Ernährung verhindern?

Richtig verhindern lässt sich Neurodermitis nicht, weil jede Substanz der Umwelt ein Trigger für die Krankheit sein kann. Kinder aus Familien mit hohem Allergierisiko sind allerdings weniger gefährdet, wenn die Mutter zum Ende der Schwangerschaft und in der Stillzeit Probiotika zu sich nimmt. Befinden sich nämlich ausreichend gesunde Bakterien im Darm, ist das Immunsystem entsprechend stärker. Auf die Darmflora zu achten, hat also sowohl einen vorbeugenden Effekt für schwangere Mütter, als auch einen stärkenden für das bereits erkrankte Kind. Dennoch gibt auch ein gesunder Darm keine Garantie dafür, dass ein Ausbruch der Krankheit verringert wird oder die Symptome verschwinden.

Gibt es Hausmittel, die bei Neurodermitis helfen?

Wichtig: Bevor du zu Hausmitteln greifst, solltest du dein Vorhaben immer mit dem ärztlichen Experten absprechen! Allerdings gibt es Hausmittel, die hilfreich sein können, um Beschwerden beim Kind zusätzlich zu lindern.

Diese Hausmittel sind:

  • Kalte Wickeln mit kühlen Umschlägen, die vorher in Schwarztee, Olivenöl oder Quark getränkt wurden (stillen den Juckreiz und schenken Feuchtigkeit)
  • Ein Kühlpack, das du mit einem Baumwolltuch umwickelst und für einige Minuten auf die Hautstellen legst
  • Schwarzkümmelöl als täglicher „Vitamin-Shot“ kann das Immunsystem des Kindes stärken

Was wird beim Kinderarzt gemacht?

Die Diagnosestellung läuft zum Beispiel so ab:

  • Du wirst nach Allergien innerhalb der Familie befragt (insbesondere Pollen und Asthma).
  • Das Kind wird untersucht. Andere Ekzeme wie Krätze, Schuppenflechte, Kontaktallergien oder Milchschorf müssen zunächst ausgeschlossen werden.
  • Manchmal wird eine Hautprobe entnommen und im Labor weiter untersucht.
  • Häufig wird deinem Kind Blut abgenommen, um weitere atopische Neigungen, Ursachen und Überempfindlichkeiten gegenüber Allergenen (Auslösern) herauszufinden.
  • Das Personal der Kinderarztpraxis stellt eine Diagnose.
  • Danach werdet ihr zu Behandlung, Therapie, Medikamenten und Risiko-Faktoren beraten.
  • Die Basispflege und Intensivpflege (bei akuten Entzündungen) der Haut ist unterschiedlich. Auch hierüber wirst du aufgeklärt.

Was können Eltern tun?

Neurodermitis verläuft von Kind zu Kind individuell. Wenn Eltern eine gute Ärztin/einen guten Arzt an der Hand haben und einen individuellen Behandlungsplan, sind sie auf der sicheren Seite. Manchmal hilft unterstützend auch eine entlastende Familientherapie in Reha-Kliniken und zusätzliche Besuche bei erfahrenen Heilpraktikerinnen und Heilpraktikern. 

Die gesunde Kinderseele – „Es soll nicht immer um die Haut gehen!“

Bereits in den ersten beiden Lebensjahren ist die Lebensqualität des Kindes durch die Neurodermitis möglicherweise eingeschränkt. Das liegt neben dem Juckreiz auch an den Begleitsymptomen wie den Schlafproblemen und dem sensiblen Umgang mit der Haut. 

Wir empfehlen, daher auch die psychische Gesundheit des Kindes im Blick zu haben:

  • Vermeide, dass dein Kind zusätzlich Stress hat oder stark belastet ist. Das findest du über offene Gespräche und Beobachtungen im Spiel heraus. 
  • Hinterfrage euren Alltag. Lasse möglichst viel Zeit für Freispiel und Langeweile, damit dein Kind sich uneingeschränkt erfahren kann und es nicht ständig um seine Haut geht.
  • Bestärke das Selbstbewusstsein deines Kindes, indem es einem Hobby oder weiteren Interessen nachgeht. 
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Haut- und Körperpflege bei Neurodermitis-Kindern

Wichtig: Informiere dich vorab beim Kinderarzt zu Bade- und Pflegeprodukten sowie Intensivpflege (etwa Kortison-Cremes) für die Neurodermitis deines Kindes. Halte dich hier also an den Behandlungsplan und sprich Ideen immer zuerst mit der Kinderarztpraxis ab.

Wir geben hier lediglich zusätzliche Tipps:

  • Nutze rückfettende Salben zum Eincremen der Haut des Kindes.
  • Auch Ölbäder können helfen, die Haut von innen heraus zu stärken.
  • Halte die Fingernägel deines Kindes kurz, damit es sich nicht selbst Bakterien in die offenen Hautstellen kratzt.
  • Besorge spezielle Handcremes, Körperlotionen, Duschgels und Shampoos für die unterschiedlichen Hautzustände der Neurodermitis. Auch an Sonnencreme für Kinder mit Neurodermitis solltest du denken (bekannte Marken wie Eucerin und Linola sind hier gute Anlaufstellen).
  • Vermeide übermäßige Hygiene, zu viel Hautpflege oder vieles Waschen (das kann den Verlauf verschlechtern)

Was muss ich bei der Kleidung beachten, wenn mein Kind Neurodermitis hat?

Diese Kleidungsstücke solltest du eher vermeiden:

  • Wolle, Synthetik, Polyester
  • Handschuhe aus Plastik
  • enge, kratzige oder ungewaschene Kleidung

Kleidung, die bei Neurodermitis zu empfehlen ist:

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  • Seide! Sie ist auf der Haut leicht und kaum spürbar. Deshalb hat sie im Sommer sogar einen kühlenden Effekt
  • Silbertextilien, Leinen und Viskose: der Stoff ist häufig sehr angenehm und leicht
  • Handschuhe aus Baumwolle und Baumwoll-Kleidung, da sie atmungsaktiv ist, vor Überhitzung schützt und die Haut eher besänftigt (achte beim Kleiderkauf auf das Etikett: 100 % Baumwolle)
  • Baumwoll-Unterwäsche und Schlafanzüge, die leicht und nicht zu warm sind.
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Quellen

✔ Inhaltlich geprüft am 28.12.2022
Dieser Artikel wurde von Emely Hoppe geprüft. Wir nutzen für unsere Recherche nur vertrauenswürdige Quellen und legen diese auch offen. Mehr über unsere redaktionellen Grundsätze, wie wir unsere Inhalte regelmäßig prüfen und aktuell halten, erfährst du hier.

Veröffentlicht von Leonie Illerhues

Leonie war nach ihrem Studium der Heilpädagogik lange im Schulhort-, Kita- und Krippenbereich tätig. Erziehungs- und Entwicklungsthemen im Baby- und Kleinkindalter sind deshalb ihr Steckenpferd. Seit 2022 ergänzt Leonie unser Team mit diesem Schwerpunkt.

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