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Paracetamol in der Schwangerschaft: Sicher oder verboten?

Inhaltlich geprüft von Hebamme Nadine Beermann.

Du hast quälende Kopfschmerzen? Dein Rücken zwickt? Normalerweise greifst du in solchen Fällen zu Paracetamol? Ob du auch in der Schwangerschaft Paracetamol einnehmen solltest, verraten wir dir in diesem Artikel!

Das Wichtigste in Kürze

  • Paracetamol gilt in der Schwangerschaft als Mittel der Wahl und wird von Ärzten empfohlen.
  • Schwangere sollten es dennoch nur einnehmen, wenn es unbedingt nötig ist.
  • Wichtig: Immer auf die genaue Dosierung im Beipackzettel achten und nie länger als empfohlen anwenden!
  • Es gibt Studien, die Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern mit der Langzeiteinnahme von Paracetamol in der Schwangerschaft in Verbindung bringen.
  • Generell gilt: Vor der Einnahme von Medikamenten in der Schwangerschaft immer Rücksprache mit dem Frauenarzt halten!

Rückenschmerzen, Schmerzen am Schambein und Kopfschmerzen gehören zu den klassischen Schwangerschaftsbeschwerden. Viele Frauen setzen bei solchen Schmerzen auf Paracetamol. Aber ist die Einnahme von Paracetamol in der Schwangerschaft wirklich unbedenklich?

Falls Paracetamol auch dein Schmerzmittel der Wahl ist, können wir (zumindest teilweise) Entwarnung geben. Nach heutigem Wissen ist eine gelegentliche Einnahme von Paracetamol in der üblichen Dosierung gut verträglich und ungefährlich für dein ungeborenes Kind. Dennoch solltest du es nicht unkritisch und über mehrere Tage oder Wochen einnehmen. Die Studienlage ist nicht eindeutig. Es gibt Hinweise darauf, dass sich eine längerfristige Einnahme durchaus negativ auf die Entwicklung deines Kindes auswirken könnte.

In der Schwangerschaft gilt: So viele Medikamente wie nötig, aber so wenige wie möglich! Du solltest vor der Einnahme jedes Arzneimittels Rücksprache mit deinem Frauenarzt halten.

Paracetamol: Wirkungsweise und mögliche Risiken

Paracetamol ist ein Medikament gegen leichte bis mittelschwere Schmerzen. Der genaue Wirkmechanismus ist nicht abschließend geklärt. Es wird angenommen, dass der Wirkstoff die Bildung von Prostaglandinen hemmt. Prostaglandine sind Botenstoffe, die bei der Entstehung von Schmerzen eine zentrale Rolle spielen. Darüber hinaus blockiert Paracetamol die Effekte körpereigener Substanzen, die auf das Temperaturregulationszentrum einwirken. Es hat also eine schmerzlindernde und fiebersenkende Wirkung.

Paracetamol gilt als gut verträglich und ist offiziell als Schmerzmittel in allen drei Trimestern der Schwangerschaft zugelassen. Obwohl es die Plazentaschranke passiert (wie die meisten Medikamente), wirkt es sich nach heutigem Wissen nicht negativ aus und wird von Ärzten als Mittel erster Wahl empfohlen. Auch Embryotox, das durch das Bundesministerium für Gesundheit geförderte Beratungszentrum der Charité Berlin, stuft die Einnahme von Paracetamol nach aktuellem Stand der Wissenschaft als unbedenklich ein. Aber: Es gibt Studien, wie die im European Journal of Epidemiology veröffentlichte aktuelle Metaanalyse aus dem Jahr 2021, die zu einem anderen Schluss kommen. Diesen Studien zufolge kann ein Zusammenhang zwischen der Einnahme von Paracetamol in der Schwangerschaft und späteren Auffälligkeiten beim Kind nicht ausgeschlossen werden.

Mögliche Risiken von Paracetamol in der Schwangerschaft:

Neusten Studien zufolge kann eine längerfristige Einnahme von Paracetamol (mindestens 4 Wochen) nachstehende Folgen haben:

Studien wie die Metaanalyse oder die ALSPAC-Studie der University of Bristol bringen die Einnahme von Paracetamol also mit späteren Ver­haltensstörungen der Kinder in Verbindung. Paracetamol könnte bei einer längerfristigen Einnahme durchaus gefährlich sein.

Weshalb empfehlen Ärzte Paracetamol dennoch?

Das Problem bei diesen Studien: Oft fehlen wichtige Angaben wie die exakte Dauer und die Dosis der Einnahme. Dabei macht es einen Unterschied, ob Schwangere 500 oder 4.000 Milligramm pro Tag einnehmen – und ob die Einnahme gelegentlich, über Tage oder Wochen erfolgt. Ab wann und in welcher Menge die Einnahme von Paracetamol bedenklich ist, geht nicht aus den Studien hervor. Und randomisierte Studien an Schwangeren, die genaue Aussagen über Risiko und Nutzen zulassen würden, gibt es aus ethischen Gründen nicht. Darüber hinaus lassen die Studien außer Acht, dass Krankheiten wie ADHS mehrere auslösende Ursachen haben. Genetische und psychosoziale Faktoren werden kaum berücksichtigt.

Die Studien weisen somit methodische Schwächen auf. Ihre Ergebnisse können kritisiert, aber letztlich nicht weggewischt werden. Daher unser Rat: Bevor du tatsächlich zu Paracetamol oder einem anderen Schmerzmittel greifst, versuche die Schmerzen anderweitig loszuwerden! In der Schwangerschaft solltest du nur im Notfall Medikamente einnehmen!

Wusstest du, dass…

Eine Studie aus dem Jahr 2015 ergab, dass Paracetamol bei Rückenschmerzen nicht wirksam ist. Die übliche Dosierung (maximal 4.000 Milligramm pro Tag, das entspricht 8 Tabletten Paracetamol 500) ist laut Studie bei solchen Beschwerden ineffektiv. Angesichts der Risiken, die mit der Einnahme von Paracetamol in der Schwangerschaft in Verbindung gebracht werden, solltest du bei Rückenschmerzen auf die Einnahme verzichten.

Alternative Medikamente

Neben Paracetamol gehören Ibuprofen und Acetylsalicylsäure (ASS) zu den gängigsten Wirkstoffen in der Schwangerschaft. Bei allen Wirkstoffen gilt: Sie sollten so kurz wie möglich und in der niedrigsten wirksamen Dosis eingenommen werden!

Wichtig: Ibuprofen und ASS dürfen ab der 28. SSW nicht mehr eingenommen werden! Dann steigt das Risiko für Komplikationen bei Mutter und Kind. (Ausnahme: Um eine Präeklampsie zu vermeiden, kann eine vorbeugende Behandlung mit ASS sinnvoll sein. Aber nur auf ärztliche Anordnung!) Ärzte empfehlen in der Schwangerschaft daher meist Paracetamol. Aber: Es gibt oft andere Möglichkeiten, Schmerzen zu lindern – ganz ohne Medikamente!

Nicht-medikamentöse Möglichkeiten, Schmerzen zu lindern

Folgende alternative Behandlungsmöglichkeiten können Schmerzen unterschiedlichster Art lindern:

  • Wärme und Kälte: Beschwerden wie Kopf- und Rückenschmerzen kannst du durch Wärme oder Kälte lindern. Probiere aus, was dir guttut. Wichtig: Wärme kann Wehen auslösen, daher Körnerkissen oder Wärmflasche nicht direkt auf den Bauch legen!
  • Magnesium: Ein Magnesiummangel kann Beschwerden wie Muskelkrämpfe oder Kopfschmerzen hervorrufen. Sprich mit deinem Arzt oder deiner Hebamme, ob und wie viel Magnesium in deinem Fall hilfreich ist.
  • Massagen: Massagen helfen gegen Rückenschmerzen und Verspannungen. Physiotherapeuten bieten Massagen in Seitenlage an. Dein Arzt kann dir Physiotherapie verschreiben. Erfolgt die Verordnung aufgrund von Schwangerschaftsbeschwerden, bezahlt die Krankenkasse. Alternativ kannst du einen Massagesalon aufsuchen. Manche bieten spezielle Schwangerschaftsmassagen auf Liegen mit Bauchloch an. Erwähne auf jeden Fall vorab, dass du schwanger bist!
  • Akupunktur: Akupunktur hilft gegen Beschwerden wie Kopf-, Rücken- oder Gelenkschmerzen. Besprich die Möglichkeit mit deinem Arzt oder deiner Hebamme. Allerdings übernehmen leider nur wenige Krankenkassen die Kosten.
  • Nelkenöl. Nelkenöl wirkt schmerzlindernd, antientzündlich und örtlich betäubend.
  • Pfefferminzöl: Pfefferminzöl wirkt entspannend auf den Körper, erfrischt und hat einen kühlenden Effekt. Besonders bei Kopfschmerzen ist es hilfreich. Du kannst es auf Schläfen und Stirn auftragen. Wichtig: Nur verdünnt anwenden, sonst brennt es auf der Haut!
  • Entspannung: Gönne dir hin und wieder eine Pause auf der Couch oder nimm ein entspannendes Bad. Das bewirkt Wunder.
  • Meditation, Atemübungen et cetera: Bei andauernden Beschwerden können Entspannungsmethoden wie Meditation, Atemübungen oder auch Hypnobirthing hilfreich sein. Mit ein wenig Übung gelingt es dir, die Aufmerksamkeit vom Schmerz auf etwas Positives zu lenken.
  • Bewegung: Bewegung ist wichtig – für Körper und Geist. Radfahren, Schwimmen oder Yoga sind in der Schwangerschaft tolle Möglichkeiten fit zu bleiben. Besprich mit deinem Arzt, welche Sportart bei deinen Beschwerden sinnvoll ist. Manchmal reicht ein Spaziergang, um sich besser zu  fühlen. Er macht den Kopf frei und bringt den Kreislauf in Schwung.

Ist Paracetamol in der Stillzeit erlaubt?

Paracetamol gelangt in geringen Mengen in die Muttermilch. Auch beim Stillen gilt: Wende Paracetamol nur im Notfall an, so selten wie möglich! Zwar gibt es bislang keine nennenswerten Hinweise auf Unverträglichkeiten beim Säugling. Aber: Sicher ist sicher!

Fazit

Paracetamol gilt in der Schwangerschaft als sicher und ist das Schmerzmittel erster Wahl. Aber: Es ist plazentagängig. Verschiedenen Studien zufolge könnte es sich bei einer längerfristigen Einnahme auf das ungeborene Kind auswirken. Zwar weisen diese Studien methodische Schwächen auf, dennoch lassen sie aufhorchen. Bei der Einnahme von Paracetamol sollte zumindest Vorsicht geboten sein. Daher gilt: Nimm Paracetamol nur im Notfall und sprich die Einnahme mit deinem Frauenarzt ab!

Quellen

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