Von Anfang an dabei!

9 Tipps für den Umgang mit Frühchen

Etwa 8% der Neugeborenen kommen als Frühchen zur Welt. Für euch als Eltern bedeutet das Gefühlschaos. Und oftmals viel Arbeit und Organisationsaufwand bis hin zur Erschöpfung. Wir haben Tipps rund um die erste Zeit mit deinem Frühgeborenen zusammengetragen, die euch das Ankommen erleichtern sollen. 

1. Känguruhen im Krankenhaus und danach

Babys brauchen Nähe, das gilt natürlich und ganz besonders auch für Frühgeborene. Studien belegen, dass sich Frühchen stabilisieren, je mehr Körperkontakt sie bekommen. Der Herzschlag normalisiert sich. Die Atmung wird regelmäßiger. Der kleine Körper entspannt sich und hat Zeit zu gedeihen. Auch das Bonding und der Milchfluss werden dadurch gefördert. Deshalb können Eltern von Frühchen ihr Baby in den meisten Krankenhäusern regelmäßig auf ihre Brust legen. Känguruhen heißt das. Manche Kliniken bieten sogar Rooming-in an. 

Aber auch wenn dein Baby endlich zu Hause ist – mit Tragetuch kannst du deinem Kleinen besonders viel Geborgenheit vermitteln. Es hat viel aufzuholen. Und am besten geht das, wenn es sonst nichts vermisst.

2. Muttermilch ist Gold wert

Frühgeborene haben ein besonders empfindliches Immunsystem. Deshalb profitieren sie besonders davon, wenn sie Muttermilch bekommen können – das Superfood schlechthin. Vor allem das Kolostrum, also die Vormilch, steckt voller Abwehrstoffe. Je öfter du versuchst, dein Baby anzulegen, desto besser. Selbst wenn dein Kleines es noch nicht schafft, an deiner Brust zu saugen, jeder Versuch bringt euch dem Ziel näher. 

Du kannst nicht oder noch nicht stillen? Wenn du es vorhast, kann dir eine professionelle Milchpumpe dabei helfen, den Milchfluss anzuregen. Du kannst sie auf Verschreibung in der Apotheke ausleihen. Klappt es so gar nicht, gibt es in manchen Kliniken Muttermilchbanken mit gespendeter Milch anderer Mütter. 

3. Musik und deine Stimme

Frühchen mögen ja zu Anfang eine eingeschränkte Wahrnehmung haben. Ihre Öhrchen funktionieren jedoch in der Regel super. Am liebsten hören sie die Stimmen, die sie schon im Mutterleib kennengelernt haben. Du kannst ihm Geschichten erzählen oder vorlesen. Es wird zwar nicht verstehen, worum es geht. Aber der Klang deiner Stimme beruhigt.

Auch entspannende Musik ist was Tolles und gefällt den meisten. Achte aber immer darauf, wenn es eine Pause davon braucht. Vor allem die allerkleinsten können schnell überreizt sein, weil ihr Nervensystem noch nicht richtig entwickelt ist. Manchen hilft aber weißes Rauschen beim Einschlafen. Also eintönige Geräusche wie Brummen, Summen, Wellenrauschen, Plätschern, Gluckern oder dein Herzschlag. So etwas gibt es auch auf CD oder in Playlists auf gängigen Musikplattformen.

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4. Ein kleiner Oktopus gibt Sicherheit

Wenn Frühchen im „Brutkasten“ liegen, suchen sie oft nach etwas, woran sie sich festhalten können. Wie im Bauch an der Nabelschnur. Dabei kann es passieren, dass sie ihre Schläuche herausziehen. Nicht so schön, denn das Legen ist aufwendig und unangenehm.

Hier kann ein kleines, besonderes Kuscheltier helfen: ein gehäkelter Oktopus mit kurzen festen Tentakeln, die die Nabelschnur imitieren. Die kleinen Helferlein werden nach ganz strengen Vorgaben von handwerklich geschickten Privatpersonen hergestellt und dann an Frühchen-Stationen gespendet.

Im Internet findet man auch welche. Hier weiß aber niemand, ob sie den strengen Richtlinien entsprechen, deshalb Vorsicht!

Die Idee stammt von einer Frühchen-Mutter. Sie stellte fest, dass es ihrem Kind im Krankenhaus deutlich besser ging, als sie ihm den kleinen Oktopus mit in den Brutkasten legte. Aber auch später noch kann so ein Ding der erste kleine Spielfreund deines Babys werden. Wenn du mehr wissen willst, findest du auf der Seite oktopusfuerfruehchen.de mehr dazu.

5. Das korrigierte Alter

Scheint dein Frühgeborenes in allem hinterherzuhinken? Die Entwicklungssprünge passen einfach nicht? Das ist normal. Denn Babys entwickeln sich zu Anfang zwar ähnlich, aber abhängig von ihrem errechneten Geburtstermin. Und nicht vom tatsächlichen. Je nachdem, wie früh dein Baby geboren wurde, ist es also eigentlich jünger als auf der Geburtskurkunde steht.

Korrigiertes Alter nennt man das. Es kam fünf Wochen vor ET und ist auf dem Papier seit vierzehn Wochen auf der Welt? Dann ist es also von der Entwicklung her tatsächlich erst neun Wochen alt. Ein Grund, warum sich der Mutterschutz bei Frühchen verlängert.

Frühgeborene lieber nicht vergleichen

Für Frühchen-Eltern gibt es ein gutes Mantra: „Ich will mein Kind nicht mit anderen vergleichen!“. Das gilt natürlich für alle anderen Eltern ebenso. Aber gerade Frühchen sind so unterschiedlich weit entwickelt, dass Vergleiche nur zu Frust führen können. Deshalb gibt es für Frühchen auch keine Entwicklungstabelle. Ihr spielt jetzt einfach in einer anderen Liga. 

Natürlich darfst du dein Kind früh fördern oder fördern lassen. Aber es ist doch völlig egal, ob es sich jetzt schon dreht, nur weil ein anderes es schafft, oder nicht? Hauptsache es geht ihm gut. Dein Baby wird die einzelnen Zwischenschritte gehen, wenn es bereit dafür ist. Und das ist bei jedem Frühgeborenen zu einem anderen Zeitpunkt. Wichtig ist: Es wird sie gehen! Bleib einfach neugierig und offen für alles was kommt.

6. Impfungen sind gerade bei Frühchen wichtig

Hast du Bedenken, dein Frühchen jetzt schon impfen zu lassen? Wenn doch sein Alter korrigiert werden muss? Verstehen wir. Aber gerade bei Frühchen sollten Eltern nicht zu lang überlegen. Denn ihr Infektionsrisiko für gefährliche Krankheiten ist höher als bei reif geborenen Kindern. Je früher sie geschützt werden können, desto besser. 

Es kann aber sein, dass bei einigen Impfungen eine zusätzliche Impfung nötig wird. Einfach, weil das unreife Immunsystem nicht sofort genug Antikörper für einen dauerhaften Schutz produziert. Lass dich am besten beraten.

7. Frühförderung kann einiges geraderücken

Frühchen sind einfach nur kleiner/leichter als normal geborene Kinder? Ganz so einfach ist es leider nicht. Denn viele von ihnen kommen mit Einschränkungen oder Entwicklungsverzögerungen zur Welt. Manche verwachsen sich, andere nicht. Oft ist das Nervensystem betroffen. Was auch immer es ist, das dein Frühchen als Päckchen mit sich herumtragen wird (wenn überhaupt): Frühe Förderung kann seine Stärken fördern und seine Schwächen ausgleichen.

Was genau ihr braucht, kannst du mit deiner Kinderärztin besprechen. Wahrscheinlich wird sie dich später in ein SPZ (sozialpädiatrisches Zentrum) überweisen. Falls nicht, frag ruhig nach. Denn dort arbeiten Spezialisten verschiedener Medizindisziplinen zusammen, die sehr genaue Diagnosen stellen können. Therapiemöglichkeiten gibt es ebenfalls in den Zentren, aber auch außerhalb.

Viele Eltern Frühgeborener finden Physiotherapie nach der Bobath-Methode besonders gut. Aber auch Ergotherapie oder später Logopädie können hilfreich sein. Je nachdem, was dein Kleines am besten unterstützt. Die Kosten dafür trägt meist die Krankenkasse. Zeit und Geduld müsst ihr als Eltern aufbringen. Das macht es nicht leicht, aber die Erfolge werden euch dafür entschädigen.

8. Seelische und praktische Unterstützung suchen

Ein Frühchen zu versorgen bedeutet vor allem eins: viel Einsatz. Körperlich und geistig, aber auch emotional. Schließlich ist allein die Zeit im Krankenhaus eine Achterbahn der Gefühle. Dazu musst du deinen Alltag wuppen und gleichzeitig für dein Kleines da sein. Das kann ganz schön schlauchen. 

Du bist nicht allein, hol dir Unterstützung! Zum einen gibt es „Frühe Hilfen“ in ganz Deutschland. Das sind Familienhebammen oder Familien-Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerinnen, die euch noch lange nach der normalen Hebammen-Betreuung zur Seite stehen. Die Angebote sind freiwillig und kostenlos.

Bei Vater-Mutter-Kind-Kuren kann derjenige Elternteil aufgepäppelt werden, der zu Hause das Meiste stemmt. Am besten bevor irgendwer zusammenklappt. Solche Kuren beantragst du zusammen mit deiner Haus- oder Frauenärztin bei der Pflegekasse.

Aber auch Elterngruppen für Frühchen-Eltern können dir helfen, schwere Zeiten gut zu überstehen. Hier findest du ebenfalls Betroffene, die dir viele gute Tipps oder einfach nur seelischen Beistand geben können.

9. Auch finanzielle Hilfen gibt es für Frühchen-Eltern

Wenn dein Kind zu früh geboren wurde, bekommst du pauschal zwölf statt der normalen acht Wochen Mutterschutz nach der Geburt. Dazu kommt die Mutterschutzzeit, die ihr vor der zu frühen Geburt verloren habt (Normalerweise sind es sechs Wochen Mutterschutz vor der Geburt.). Maximal sind also achtzehn Wochen Mutterschutz mit vollem Mutterschaftsgeld-Bezug möglich, wenn du darauf Anspruch hast. Wichtig: Das Mutterschaftsgeld wird mit dem Elterngeld verrechnet. Beides parallel gibt es nicht.

Wenn du über die normale Zeit hinaus eine Hebamme benötigst, zahlt das in der Regel die Krankenkasse. Vorausgesetzt die Kinderärztin stellt eine entsprechende Verschreibung aus. Auch eine Haushaltshilfe wird von der Kasse finanziert. Leider wissen das nicht alle erschöpften Eltern. 

In der Steuererklärung könnt ihr außergewöhnlichen Belastungen (z.B. durch Fahrten zum Krankenhaus, medizinische Hilfsmittel oder Medikamente) angeben und dadurch Steuern sparen. 

Ist eure finanzielle Situation besonders prekär, könnt ihr unter Umständen Stiftungsgelder erhalten. Ein guter Anlaufpunkt dafür sind Caritas oder andere kirchliche Träger. Lass dich einfach beraten.

Kinder mit Einschränkungen: Behindertenausweis beantragen

Wenn dein Kind durch seine frühe Geburt deutlich beeinträchtigt ist, kann es sich lohnen, einen Schwerbehindertenausweis zu beantragen. Das klingt schlimmer als es ist. Die Vorteile eines solchen Ausweises sind groß. Viel größer als alle Bedenken, die du wegen der Bezeichnung haben könntest. Voraussetzung ist, dass es eine Diagnose gibt.

Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen

Hierhin könnt ihr euch wenden, wenn ihr als Frühchen-Eltern Hilfe benötigt oder Redebedarf habt:

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